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Freundschaft mit Tieren

Tierfreundschaften

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Meine Freundschaft mit zwei Fuchswelpen

Von Monika Erdinger

Es ist April, und ich gehe - wie jeden Tag - mit meinem Hund spazieren. Nach einer Weile sehe ich versteckt hinter ein paar Sträuchern etwas Hellbraunes sitzen. Zunächst kann ich nicht erkennen, was es ist. Ich gehe etwas näher heran und sehe einen noch recht kleinen Fuchswelpen vor einem Fuchsbau sitzen. Der Kleine sieht aus wie ein Hundewelpe. Natürlich will ich ihn nicht erschrecken und laufe vor lauter Aufregung schnell nach Hause, packe eine Dose Hundefutter ein und mache mich auf den Weg zum Fuchsbau. Der Kleine sitzt immer noch dort.

Vorsichtig gehe ich auf ihn zu und spreche ruhig mit ihm. Er zieht sich in den Bau zurück, beobachtet mich aber recht neugierig. Ich lege etwas Futter vor den Baueingang, entferne mich etwa 5 Meter, setze mich hin und warte ab. Es dauert nicht lange, und der Kleine kommt vorsichtig heraus und lässt sich das Futter schmecken.

Von diesem Tag an besuche ich den kleinen Fuchs täglich immer um dieselbe Zeit und bringe ihm Futter. Es vergeht eine Woche und ich sehe immer nur diesen einen Kleinen. Ist er etwa alleine dort? Wo ist die Mutter? Fragen über Fragen. Ich mache mir Sorgen um sein Wohlergehen.

Wieder daheim, suche ich im Netz nach Informationen über Füchse und werde auf die Seite www.wir-fuechse.de aufmerksam. Dort erfahre ich einiges über Füchse und kann anhand der Fotos dort das Alter meines Schützlings schätzen.

Tage später - ich bin etwa zehn Meter vom Fuchsbau entfernt - sehe ich vier kleine Füchse, die putzmunter auf der Wiese herumtollen. Ich kann es kaum fassen, bin vor Begeisterung hin und weg. Ach, sind die niedlich! Ob da eine kleine Dose Hundefutter reicht? Nein, sie reicht nicht. Es muss mehr Futter her.

Wie am ersten Tag lege ich das Futter vor den Bau. Die Kleinen flüchten zunächst, beobachten mich wieder und kommen nach einiger Zeit wieder heraus. Ich sitze wieder etwa fünf Meter entfernt und kann sie beobachten. Oh je, jetzt ist Futterneid angesagt! Einer der Kleinen setzt sich genau vor den Bau, frisst genüsslich und versperrt den anderen den Zugang. Das ist mir eine Lehre.

An den folgenden Tagen verteile ich das Futter, und siehe da: Nun bekommt jeder Welpe etwas ab. Obst mögen sie auch: Äpfel und Erdbeeren sind ein willkommener Nachtisch!

Es vergehen ein paar Wochen, und inzwischen kann ich mich direkt vor den Fuchsbau setzen und die Kleinen fotographieren. Zwei von ihnen werden immer zutraulicher, kommen auf mich zu- gelaufen. Ich versuche, einen aus der Hand zu füttern - und es klappt!
Er nimmt die Fleischbrocken ganz vorsichtig aus meiner Hand, leckt sie mir sogar ab. Von diesem Tag an ist dieser kleine Welpe mein Liebling. Ein anderer ist auch mutig und kommt auf mich zu, er scheint mir gegenüber keinerlei Scheu mehr zu haben. Die beiden anderen bleiben in der Nähe des Baueingangs, und sobald ich mich aufrichte, sind sie verschwunden.

Tag für Tag, immer um dieselbe Zeit, mache ich mich auf den Weg zum Fuchsbau, egal ob es heiß ist oder in Strömen regnet. Sogar bei Gewitter lasse ich sie nicht umsonst warten. Sie scheinen immer Hunger zu haben. Ihre Mutter, ihren Vater habe ich nie zu sehen bekommen und auch keine Warnrufe vernehmen können. Sind die Welpen nicht vor dem Bau, muss ich sie nur rufen und kurze Zeit warten.

Mein Liebling wird immer übermütiger, klaut meine Tasche, knabbert an meinen Schuhen und zieht an den Schnürsenkeln.

Seit einigen Tagen, es ist Anfang Juni, sind nur noch drei Welpen dort, und einige Tage später nur noch mein Liebling und der andere mutige Welpe. Keine Ahnung, was geschehen ist, ich habe die anderen zwei Fuchswelpen bis heute nicht mehr gesehen. Hier sind leider auch Jäger unterwegs, und ab und an höre ich spät abends Schüsse, die aus der Richtung des Fuchsbaus zu kommen scheinen.

Jetzt sind also nur noch zwei Welpen da, die auf mich warten. Nach wie vor versorge ich die Kleinen, die sich inzwischen recht gut entwickelt haben und langsam aber sicher zeigt sich, wer der dominantere ist: mein Liebling.
Es ist inzwischen Ende Juni. Mein Liebling und der Mutige waren zuletzt am Montag beide am Bau, Dienstag ist nur der Mutige, Mittwoch nur mein Liebling kurz dort. Am Montag gehe ich, nachdem ich bei den Füchsen war, mit meinem Hund spazieren. Als ich aus dem Wald heraus komme, sitzt dort ein Fuchswelpe, sieht uns an und bleibt ganz ruhig sitzen. Ich spreche mit ihm und er sieht mich nur an, läuft nicht weg.

Dienstag ruft mich eine alte Dame aus der Nachbarschaft an und meint: »Moni, dein Fuchs ist hier!« - Ich antworte: »Das kann nicht sein, das ist sicherlich ein anderer!« Die alte Dame hat ein riesiges Anwesen, umringt von hohen Tannen, teils recht verwildert. Dort hält sich ansonsten niemand auf. Ich sage ihr, ich würde mal nach ihrem Fuchs schauen, wenn ich meine versorgt habe.

Heute, Donnerstag ist keiner meiner Fuchswelpen da, wo sie bislang immer zur gleichen Zeit anzutreffen waren und auf meinen Zuruf immer gleich angerannt kamen. Enttäuscht verteile ich etwas Futter und gehe dann zu der alten Dame. Es ist ein Fußweg von etwa fünf Minuten. In dem Garten der alten Dame angekommen, sehe ich zunächst keinen Fuchs. Als ich rufe, steht plötzlich einer vor mir, schaut mich an und kommt auf mich zu. Ich setze mich hin, stelle den Futternapf direkt neben mich - und er isst. Danach holt er sich ein Stück nach dem anderen und vergräbt es. Als ich, während er isst, meine Hand nach ihm ausstrecke, schreckt er nicht zurück - er lässt sich auch fotografieren. Noch nicht einmal das Geräusch des Fotoapparates verschreckt ihn. »Meine«Fuchswelpen aus dem Wald kennen dieses Geräusch von Anfang an. Dann klaut er den Futternapf und will damit verschwinden - so wie es der Mutige im Wald auch immer gemacht hat. Dieser junge Fuchs sieht dem Mutigen verdammt ähnlich, und sein Verhalten ist ebenfalls gleich.

Dass dies wirklich einer meiner Welpen ist, erfahre ich am nächsten Tag: Ich gehe zunächst wieder zum alten Bau - und wieder ist kein Fuchs zu sehen. Danach besuche ich die alte Dame. Ich rufe wie immer - und falle fast um vor Freude, als der Mutige und mein Liebling angerannt kommen. Es sind definitiv meine Fuchswelpen! Meinen Liebling kann ich wieder streicheln. Ja, meine Kleinen sind umgezogen und wohnen nun ganz in meiner Nähe!

Inzwischen ist es Mitte August, und die Kleinen sind recht groß geworden. Sie kommen immer seltener zu mir, scheinen langsam aber sicher flügge zu werden, sich ein eigenes Revier zu suchen.

Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass sie von keinem Jäger erschossen, erschlagen oder mit grausamen Fallen gefangen und dann getötet werden. Füchse sind hierzulande die letzten Beutegreifer und haben wie jedes andere Lebewesen ein Recht auf Leben. Im Gegensatz zu anderen Wildtieren dürfen Füchse das ganze Jahr über gejagt werden, für sie gibt es keinerlei Gnade, keine Schonfrist. Viele Beutegreifer (Wölfe, Bären, Luchse) wurden bereits durch Jägerhand gnadenlos verfolgt und nahezu ausgerottet. Lassen wir es nicht soweit kommen, dass der letzte hier lebende Beutegreifer dasselbe Schicksal erleidet!

Allen, die mehr über diese faszinierenden und wunderschönen Tiere erfahren wollen, etwas zu ihrem Schutz beitragen möchten, empfehle ich folgende Seiten:
www.wir-fuechse.de
www.fuechse.info