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Natur ohne Jagd

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Wildschwein-Problem ist jägergemacht: Stoppt Wildschwein-Massaker!
Tödliche Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen: Wie lange noch?

Greifvogelmord in Deutschland [624 KB]

Stoppt Wildschwein-Massaker!

Wie kann man ein Tier einfach so abknallen?

Die Jagd ist heute ein Hobby, ein Freizeitvergnügen - und in ihren Jagdzeitschriften geben die Jäger ihre »Lust am Töten« und »Freude am Beutemachen« inzwischen offen zu.

Jäger geben zu: Wildschwein-Problem ist jägergemacht
Rechtzeitig zur Jagdsaison sind sie wieder da, die vielen Meldungen in der Presse: Eine explosionsartige Vermehrung von Wildschweinen bedrohe die Landwirtschaft. Wildschwein-Horden würden unsere Städte und Dörfer heimsuchen. Der Straßenverkehr sei gefährdet durch Wildschweine auf der Fahrbahn... Ein nahezu apokalyptisches Bild wird da gezeichnet. Wie gut, dass es die Jäger gibt, unsere Retter in der Not. - Aber Moment mal: Wird da nicht der Bock zum Gärtner gemacht? Warum ist denn die Sozialstruktur der Wildschweine so aus den Fugen geraten?

Norbert Happ, der bekannteste Wildschweinkenner in Deutschland - selber Jäger - ist überzeugt: Die Nachwuchsschwemme ist hausgemacht! Denn für die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine seien die Jäger selbst verantwortlich: »Ungeordnete Sozialverhältnisse im Schwarzwildbestand mit unkoordiniertem Frischen und Rauschen und unkontrollierbarer Kindervermehrung sind ausschließlich der Jagdausübung anzulasten«, so Happ (in der Jägerzeitung »Wild und Hund«, 23/2002). Die Sozialstruktur der Tiere wird regelrecht zerschossen!

Wildschweinschwemme »hausgemacht«:
Jagd führt zur Vermehrung der Wildschweine

Mutter Natur hat eigentlich alles hervorragend geregelt: Erfahrene weibliche Wildschweine, die Leitbachen, sorgen für Ordnung und Geburtenkontrolle innerhalb der Rotte. Die Hormone der Leitbachen bestimmen die Empfängnisbereitschaft aller Weibchen der Gruppe und verhindern, dass zu junge Tiere befruchtet werden. Männliche Tiere (Keiler) statten den Rotten nur Besuche zur Paarung ab. Fehlen die Leitbachen, weil sie von Jägern getötet wurden, löst sich die Sozialstruktur auf: Führungslose Wildschweine brechen in Gärten und Felder ein - es kommt zu den so genannten »Wildschäden«, über die sich die Bauern allerorts beklagen. Und: Junge Bachen sind schon unter einem Jahr empfängnisbereit und bekommen Frischlinge. Während früher Wildschweine einmal im Jahr Nachwuchs bekamen, gibt es jetzt dreimal im Jahr Junge. Folge davon ist eine explosionsartige Vermehrung!

Unmengen Futter

Weil Jäger gerne Wildschweine schießen, diese Tiere aber in der Regel schlauer sind, versuchen die Jäger Wildschweine mit Futter anzulocken, um sie vor die Flinte zu bekommen. Diesen »Trick« nennt der Jäger »Kirrung«. Und weil Jäger gerne viele Tiere vor die Flinte bekommen möchten, sorgen sie für die Vermehrung der Wildschweine - und so wird so manche Kirrung eine ganz ordentliche Futterstelle...
Die Jägerlobby sorgt dafür, dass in vielen Bundesländern diese Zufütterungen erlaubt sind bzw. die Mengenangaben für eine Kirrung so diffus sind, dass kaum ein Jäger belangt werden kann und flächendeckende Kontrollen kaum durchführbar sind. Die Wildforschungsstelle Aulendorf ermittelte, dass allein in Baden-Württemberg jährlich 4000 Tonnen Mais als »Kirrung« ausgebracht werden - das sind für ein erlegtes Wildschwein im Schnitt etwa 100 Kilo (!) Mais - in manchen Revieren sogar über 400 Kilo! Hinzu kommen die Fütterung mit Kraftfutter im Winter, die noch mal in ähnlicher Größenordnung liegen dürfte - und die vielen illegalen Fütterungen, die Naturschützer und Jagdgegner immer wieder aufdecken und zur Anzeige bringen. Gerade die Fütterung mit Mais fördert wegen seines sehr hohen Stärkeanteils (im Gegensatz zur natürlichen Nahrung) die Fruchtbarkeit der Bachen - und kurbelt damit die Vermehrung der Wildschweine an. Selbstverständlich sind die Jäger gerne bereit, die von ihnen verursachte Nachwuchsschwemme zu dezimieren...

Jäger geraten immer mehr in die Kritik - und müssen ihr blutiges Hobby rechtfertigen

Die Jagd ist heute ein Hobby, ein Freizeitvergnügen - in den einschlägigen Jagdzeitschriften geben die Jäger ihre »Lust am Töten« und »Freude am Beutemachen« inzwischen offen zu. Doch dieses Lust-Töten lehnt die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung heute ab. Repräsentative Umfragen der letzten Jahre zeigen übereinstimmend: 70-80% der Deutschen stehen der Jagd kritisch gegenüber oder fordern sogar die Abschaffung der Jagd (Quellen: GEWIS-Institut 1996; GEWIS-Institut 2002; EMNID-Institut 2003, EMNID-Institut 2004). Und darum verbrämen die Jäger ihr blutiges Hobby in der Öffentlichkeit und behaupten, Jagd sei notwendig, weil sonst die Wildschweine alle Felder verwüsten und die Rehe den Wald auffressen würden...

Verbot der Hobbyjagd jetzt!

Tödliche Unfälle und Straftaten mit Jägerwaffen

- Wie lange noch?

Woche für Woche gehen Meldungen über Jagdunfälle und Gewalttaten mit Jägerwaffen durch die Presse: Von Hobby-Jägern, die ihre Jagdgenossen oder ihre Treiber mit Wildschweinen verwechseln. Von Jägern, die versehendlich oder im betrunkenen Zustand auf Spaziergänger oder Autos schießen. Von Jägern, die ihre Jagdwaffe auf die Ehefrau und die Kinder richten. Von Jägern, die einen verfeindeten Nachbarn oder einen Nebenbuhler erschießen. »Wir fordern, dass die Hobby-Jagd in Deutschland verboten oder zumindest stark eingeschränkt wird«, sagt Kurt Eicher, Biologe und Sprecher der Initiative zur Abschaffung der Jagd. »So könnte die Natur endlich aufatmen - und auch viele Menschenleben würden gerettet.«

»Die Jagd ist nicht nur für Wildtiere und für unsere Haustiere gefährlich - Jäger töten jedes Jahr ca. 300.000 Hauskatzen und ca. 30.000 Hunde -, sondern auch für Menschen«, so Kurt Eicher von der Initiative zur Abschaffung der Jagd. »Die meisten Menschen wissen gar nicht, dass hunderte Menschen in den letzten 10 Jahren in Deutschland durch Jäger und Jägerwaffen starben.«

In den vergangenen Jahren hat die Initiative zur Abschaffung der Jagd jährlich bis zu 40 Tote durch Jäger und Jägerwaffen allein in Deutschland dokumentiert – Menschen, die ohne die Jagd heute noch leben könnten. Dazu kommen erschreckend viele Fälle, bei denen der Ausgang zwar nicht tödlich war, das Opfer aber sein Leben lang unter den schweren Folgen leiden muss - wie die junge Frau aus Brandenburg, die im Maisfeld von einem Jäger angeschossen und lebensgefährlich verletzt wurde - und nun im Rollstuhl sitzt.

Opfer von Jägern sind also nicht nur Jägerkollegen und Treiber, die bei der Jagd versehentlich mit einem Tier verwechselt werden, sondern auch völlig unbeteiligte Personen: Spaziergänger, Mountainbiker, Reiter, Pilzsammler oder spielende Kinder. Jährlich werden den Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften rund 800 Jagdunfälle gemeldet - wobei diese Zahl sicherlich nur die Spitze des Eisberges ist. Und immer wieder gibt es Meldungen von Jägern, die auf ihre Ehefrau und die Kinder schießen - oder auf Nebenbuhler, Nachbarn oder Kneipenbesucher.
Sie finden das unglaublich? Hier eine kleine Auswahl von schockierenden Fällen, die in diesem Jahr durch die Presse gingen:
>> Im niedersächsischen Jesteburg erschoss ein 54-jähriger Jäger zuerst seine 46-jährige Ex-Freundin, den Hund und danach sich selbst (Harburger Nachrichten, 2.10.08).
>> Im Main-Kinzing-Kreis (Hessen) erschoss ein Jäger seinen Nachbarn, mit dem er verfeindet war (Frankfurter Rundschau, 11.6.08).
>> Nach einem Streit erschoss ein angetrunkener Jäger einen Kneipengast in einem Hagener Ausflugslokal (Kölner Express, 6.01.08).
>> In Frankfurt/Main übte ein Jäger Selbstjustiz und erschoss einen Mann, der nachts offenbar in eine Kleingartenanlage einbrechen wollte (Hessischer Rundfunk, 18.8.08).
>> In Neuruppin läuft der Prozess um den Tod der 6-Jährigen Nancy, die im Spiel mit dem Jagdgewehr des Vaters von ihrer Schwester erschossen wurde (Welt, 2.1.08).
>> In Köln schoss ein betrunkener Jäger auf Spaziergänger (Kölner Express, 16.6.08).
>> In Oberfranken schoss ein alkoholisierter Jäger nach der Kirchweih auf eine Gruppe Jugendlicher (Frankenpost, 26.8.08).
>> In der Nähe von Ulm bedrohte ein Jäger eine Reiterin mit Gewehr im Anschlag (Augsburger Allgemeine, 07.08.08).
>> Immer wieder ist die Meldung zu lesen, dass ein Jäger auf ein Auto schoss – die Insassen entgingen knapp der Katastrophe (z.B. Prima Sonntag, 16.3.08).
>> Und immer wieder gibt es Berichte von Familientragödien und von Jägern, die drohen, die Frau oder Freundin zu erschießen. (z.B. Generalanzeiger Bonn, 15.03.2008; Neue Westfälische, 04.07.08).

»Schusswaffen gehören nicht in die Hände von Freizeitjägern, die diese völlig unkontrolliert benutzen können«, so Kurt Eicher, Sprecher der Initiative zur Abschaffung der Jagd. Er zitiert den Dichter Leo Tolstoi: »Vom Tiermord zum Menschenmord ist nur ein Schritt.«

Eicher berichtet, dass er selbst schon des öfteren Morddrohungen von Jägern bekommen habe. Auch andere Kritiker der Jagd berichten immer wieder von Morddrohungen und Nötigungen. »Es wird Zeit, dass die Hobbyjagd in Deutschland und Europa abgeschafft wird!« Mit dieser Forderung liegt die Initiative zur Abschaffung der Jagd voll im Trend. Repräsentative Umfragen der letzten Jahre zeigen: Zwei Drittel der Deutschen sind gegen die Hobbyjagd.

Greifvogelmord in Deutschland

In Deutschland brüten 17 Greifvogelarten, drei weitere Arten kommen als regelmäßige Wintergäste und Durchzügler. Seit 1977 gilt für alle Greifvögel in Deutschland eine ganzjährige Schonzeit. Sie unterstehen zwar dem Jagdrecht, dürfen aber nicht gejagt werden. Aber: Greifvögel haben im Jagdrecht nichts zu suchen und sollten auch aus diesem gestrichen werden! Auch durch das Bundesnaturschutzgesetz sind Greifvögel streng geschützt - und sie fallen zudem unter das Washingtoner Artenschutzabkommen. Weiter sind 14 der in Deutschland vorkommenden Arten durch die EG-Vogelschutzrichtlinie von 1979 geschützt.

Vor dem Hintergrund dieser eindeutigen rechtlichen Grundlage stellt sich die Frage: Warum ist die Greifvogelverfolgung in Deutschland immer noch ein Thema? Und wie kann es sein, dass Jagd und Verfolgung die zweithäufigste Ursache für Bestandsrückgänge von Vogelarten mit europäischer Schutzbedeutung sind (nach Tucker & Heath)? Wer verfolgt eigentlich heute noch streng geschützte Greifvögel? - Das sind zum einen Jäger (zumeist Hobbyjäger - in Deutschland gibt es nämlich kaum Berufsjäger), zum anderen Taubenzüchter und Geflügelhalter.

Wir beginnen mit den Taubenzüchtern und Geflügelhaltern. Es gibt einige Taubensportfreunde, die Wanderfalken und Habichte verfolgen - die Greifvögel wissen natürlich nicht, dass sie keine Tauben jagen dürfen. Und es gibt Geflügelhalter, die den Habicht, aber auch den Mäusebussard verfolgen. Angesichts der Tatsache, dass Tauben- und Geflügelzüchter keinen Jagdschein haben, handelt es sich neben Verstößen gegen das Naturschutzgesetz und weitere Schutzbestimmungen um den Straftatbestand der Jagdwilderei. Verfolgung heißt hier: Vergiftung oder Lebendfang. Bei der Vergiftung werden z.B. einer lebendigen Taube Gefiederpartien mit Gift bestrichen und einige Flugfedern gestutzt, damit der Greifvogel - aufgrund seiner Selektion von schwachen oder kranken Tieren - die Taube als leichtes Opfer erbeutet und so vergiftet wird. Der Lebendfang erfolgt mit einem so genannten Habichtsfangkorb mit einer lebendigen Locktaube (der Besitz des Fangkorbs ist erlaubt, der Einsatz zum Fang von Greifvögeln ist verboten). Es versteht sich von selbst, dass der gefangene Habicht seinen Beutezug meist mit seinem Leben bezahlen muss (obwohl gerne behauptet wird, er würde frei gelassen; dann würde er allerdings zurückkommen, da er sich natürlich die Örtlichkeiten mit guter Nahrungsgrundlage einprägt). Aber natürlich können auch sowohl bei Geflügelhaltern als auch bei Taubenzüchtern Abschüsse, Fallenfang und Vergiftungen von Greifvögeln vorkommen. Der Greifvogel hat ein natürliches Bedürfnis der Nahrungsaufnahme. Er sieht das zahlenmäßig große Nahrungsangebot an Hühnern oder Tauben und will dieses nutzen, da er so viel Zeit und Energie spart. Er kann ja nicht wissen, dass dies »verboten ist« - und dass er diese Nahrungsaufnahme unter Umständen mit dem Leben bezahlen muss.

Von manchen Jägern - wir reden hier fast ausschließlich von der Hobbyjagd - werden ebenfalls Greifvögel verfolgt. Warum? Es sind ähnliche Gründe wie bei Taubenzüchtern oder Geflügelhaltern: Es ist der »Futterneid« der Niederwildjäger, der einige Jäger dazu veranlasst, rigoros und gesetzeswidrig wahre Vernichtungsfeldzüge gegen Greifvögel zu führen. Denn den Hasen, den der Greifvogel erwischt, hätte der Jäger gerne selber geschossen (obwohl der Feldhase auf der Liste der bedrohten Arten steht!). Und so bringt die so genannte »Niederwildjagd« (Jagd auf Fasan, Feldhase, Kaninchen usw.) leider auch eine enorme illegale Greifvogelverfolgung mit sich.
Jägerlatein - Dichtung und Wahrheit

Natürlich behaupten einige Jäger, dass Greifvögel wie Habicht und Mäusebussard (in Deutschland brüten rund 50 % des europäischen Bestandes), Rotmilan (in Deutschland brüten ca. 60 % des europäischen Bestandes), Sperber etc. »ihr« Niederwild erheblich dezimieren, gar ausrotten würden. Was natürlich nicht stimmt: Es hat noch niemals eine Tierart eine andere ausgerottet - einzig der Mensch bringt Tierarten zum Aussterben... Und so kommen sogar Abschüsse von Seeadler, Steinadler und Uhu immer wieder vor - obwohl diese Greifvögel allesamt streng geschützt und selten sind.

Jäger argumentieren gerne, es gebe zu viele Greifvögel und der totale Schutz solle wieder aufgehoben werden. Doch jeder Biologe weiß, dass es keine Überpopulationen von Greifvögeln gibt - dafür sorgen innerartliche Konkurrenz, Begrenzung der Verfügbarkeit von Brutarealen oder die Nahrungssituation. An einem einfachen Beispiel kann erklärt werden, dass von einem Greifvogel oder auch anderen Beutegreifern (Prädatoren) wie dem Fuchs keine Beutetierart ausgerottet werden kann. Der Biologe spricht von der »Schwellenreaktion«: Wenn eine Beutetierart für z.B. den Habicht als Beutegreifer seltener wird, wird er sofort auf andere Arten ausweichen. Logisch betrachtet ist das auch einleuchtend, denn wenn nur noch wenige Exemplare von einer Beutetierart vorhanden sind, müsste der jeweilige Beutegreifer viel mehr Zeit und Energie für die Nahrungssuche aufwenden und würde evtl. sogar verhungern. Aber das will einigen Jägern einfach nicht klar werden - Ökologie und Biologie (speziell Nahrungserwerb/Beutespektrum) des jeweiligen Greifvogels werden komplett ausgeblendet (oder das Wissen ist einfach nicht vorhanden). Dass Greifvögel auch eine wichtige Rolle im Ökosystem innehaben, interessiert nicht mal am Rande. Und so wird der lästige Konkurrent verfolgt. Dem Mäusebussard wird nicht einmal ein Junghase oder Jungfasan gegönnt, wo er doch hauptsächlich Mäuse und Regenwürmer erbeutet und sogar Aas frisst, was von den Jägern ausgenutzt wird (durch vergiftete Fleischköder). Der Jäger will den Hasen oder den Fasan eben selbst schießen - und so geht es den Greifvögeln an den Kragen.

Es gehört inzwischen zum Allgemeinwissen, dass für den Rückgang des Feldhasen und anderer Tierarten, die der Jäger als »Niederwild« bezeichnet, die industrielle Landwirtschaft verantwortlich ist: Monokulturen, chemische Gifte und Zerstörung von natürlichen Lebensräumen bedrohen so manche Tier- und Pflanzenart. Wenn der Jäger weniger Hasen vor die Flinte bekommt, müssen der Fuchs (seine Hauptnahrung sind Mäuse) und die Greifvögel als Sündenböcke herhalten. Bei manchen Niederwildjägern entsteht ein regelrechter Hass auf die Beutegreifer, so dass sie den Greifvögeln den Krieg erklären und dafür dann jegliche Gesetze brechen. Es geht ja darum, die maximale »Strecke« zu ernten, d.h. so viele Fasane wie möglich zu schießen - wobei an dieser Stelle erwähnt werden muss, dass jedes Jahr Tausende von Zuchtfasanen und Stockenten zur »jagdlichen Nutzung« eigens ausgesetzt werden...

Die Verfolgungspalette reicht vom Abschuss und Ausschießen von Nestern bis zu Vergiftungen und Fallenfang: entweder mit Totschlagfallen wie z.B. Schwanenhals oder Tellereisen (Besitz erlaubt, Anwendung verboten) oder Lebendfallen mit Lockvögeln (z.B. umfunktionierte nordische Krähenmassenfalle mit lebendiger Locktaube oder Habichtsfangkorb mit lebendiger Locktaube).

Das am häufigsten verwendete Mittel zum Greifvögelmord sind Vergiftungen z.B. mit Fleischbrocken (Tierteilen und Eingeweiden), Gifteiern (meist präparierte Hühnereier) oder Ködertauben (die zumeist mit dem Insektizid Carbofuran getränkt/ präpariert wurden). Übrigens werden auf diese Weise auch viele Katzen und sogar einige Hunde vergiftet, wenn sie die vergifteten Fleischbrocken oder Eier in der Natur finden. Es muss zudem darauf hingewiesen werden, dass Carbofuran für Menschen giftig und speziell für Kinder sehr gefährlich ist. Es gibt alleine in Nordrhein-Westfalen unzählige bekannte Reviere, wo Jahr für Jahr zu bestimmten Zeiten (meist im Herbst) regelmäßig Giftköder ausgelegt oder Fallen aufgestellt werden. Dies passiert fast ausschließlich in der Nähe von jagdlichen Einrichtungen (z.B. Hochsitzen, Fasanenfütterungen).

Ein aktueller und noch laufender Prozess zeigt das Ausmaß dieses Vernichtungsfeldzuges einiger Jäger. In einem Jagdrevier in Düren-Disternich wurden seit April 2006 81 tote Greifvögel gefunden. Der vermeintliche Täter (Jagdpächter) wurde beim Aufheben eines toten Mäusebussards und zudem mit einem Habichtsfangkorb in den Händen beim Abtransport gefilmt. Aufgrund der Häufigkeit von Funden in Jagdrevieren muss von einem Netzwerk ausgegangen werden - von ein paar schwarzen Schafen zu sprechen, wäre sehr fahrlässig. Zudem kann man davon ausgehen, dass maximal die Spitze des Eisbergs an die Öffentlichkeit kommt, denn die meisten Vorfälle werden erst gar nicht bekannt und damit auch nicht angezeigt. Der Jäger oder auch Jagdausübungsberechtigte hat durch den Gesetzgeber das weite Feld der Eigenverantwortung und Selbstanzeige bei Verstößen erhalten. Natürlich wird eine Selbstanzeige in den meisten Fällen nicht passieren, weil die Greifvogelverfolgung ja gezielt ist. Zudem gibt es in Deutschland praktisch gar keine Kontrollen für Jäger. In anderen Ländern wurde eine Forst- oder auch Umweltpolizei eingerichtet, aber in Deutschland kann der Waidmann eben machen, was er möchte. Natürlich gibt es das Bundesjagdgesetz und auch andere einzuhaltende Gesetze (z.B. das Tierkörperbeseitigungs- und Tierseuchengesetz). Aber es läuft wie fast in allen Bereichen des Lebens: Wo kein Kläger, da kein Richter... Erst seit einigen Jahren existiert eine Stabsstelle für Umweltkriminalität, die bei beobachteten Verstößen/Straftaten kontaktiert werden sollte. Diese Stelle sammelt zentral solche Vorfälle und fungiert als Bindeglied zwischen den einzelnen Behörden - sie ermöglicht die schnelle Verfolgung/Aufklärung solcher Delikte.

Die Greifvogelverfolgung ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, ja sogar Jagdwilderei! Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz können mit bis zu 5 Jahren Haft oder einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Nur wird das Strafmaß, wenn mal »jemand« bei der Verfolgung von Greifvögeln erwischt und angeklagt wird, nicht ausgeschöpft. Hier müsste dringend ein Präzedenzfall (mit einer hohen Geldstrafe oder auch mit Haft) geschaffen werden, damit mögliche potenzielle Kriminelle es sich zweimal überlegen, ob sich für sie die Verfolgung von Greifvögeln lohnt. Hier reicht es keineswegs aus, nur den Jagdschein zu entziehen - das wäre nur eine logische Konsequenz.

Abschließend bleibt zu hoffen, dass die Verfolgung solcher Straftaten noch effektiver wird und immer mehr Menschen mit offenen Augen durch Wald und Flur laufen. Speziell Hundehalter können beim Spaziergang im Wald eine Menge mitbekommen, was natürlich seitens der Jägerschaft nicht gerne gesehen wird... Und so versuchen die Jäger, die Öffentlichkeit mit Horrormärchen von Tollwut und Fuchsbandwurm aus den Revieren draußen zu halten. Denn welcher Jäger lässt sich schon gerne bei solch einem blutigen Hobby über die Schulter schauen und möchte dazu noch bei Verstößen oder auch Straftaten beobachtet werden?

Streng geschützter Mäusebussard vergiftet

(deutliche Krampfhaltung)

Aktivierter Habichtsfangkorb (Lebendfangfalle)

mit Gänsekopf als Köder für den illegalen Fang von Greifvögeln

Nachweislich mit Schrot geschossene

streng geschützte und vom Aussterben bedrohte männliche Kornweihe. Noch gerade ca. 50 Brutpaare in Deutschland!!

Was jeder tun kann

Wer sich für dieses Thema interessiert oder aktiv werden möchte, der findet im Internet unzählige Informationen über die Greifvogelverfolgung. Welche jagdbaren Tierarten es gibt und wann diese gejagt werden dürfen, kann auf den jeweiligen Homepages der Landesjagdverbände (LJV) ganz einfach eingesehen werden.Bei allem Engagement für Tiere und Natur sollte man sich immer vorsichtig und deeskalierend verhalten. Zudem sollte man sich von Jägern niemals einschüchtern lassen, denn das ist gängige Methode und kommt sehr oft vor. Wer effektiv Verstöße oder Straftaten feststellt, sollte die Poizei rufen und die Verstöße zur Anzeige bringen - denn sonst hilft niemand den Tieren in Wald und Flur.

In Nordrhein-Westfalen sollte man Verstöße und Straftaten an die Stabsstelle für Umweltkriminalität weiterleiten:
Tel. 0211/4566-473
e-mail: Juergen.Hintzmann@munlv.nrw.de

Aus ganz Deutschland können Sie sich an das Vogelschutz-Komitee e.V. wenden:
Vogelschutzkomitee e.V., An der Mühle 23, 37075 Göttingen
e-mail: info@vogelschutz-komitee.de

Vor allem sollten sich Eltern dessen bewusst sein, dass in einigen Revieren auch Fallen nicht vorschriftsmäßig aufgestellt werden - und auch Kinder in Fallen geraten können. Und natürlich sind Giftköder (z.B. präparierte vergiftete Tauben, Gifteier oder andere vergiftete Tiere) zusätzlich eine Bedrohung für spielende Kinder. Opfer von Fallen wurden auch schon Spaziergänger und Pilzesammler - zudem werden Hunde und Katzen immer wieder Opfer von Fallen oder Vergiftungen.

Ist es noch zeitgemäß, in seiner Freizeit Tiere zu töten, in Fallen zu fangen und zu vergiften? Nein! Es gibt eine Vielzahl von Hobbys die nicht solch ein Tierleid und Elend mit sich bringen...

Diesen Bericht schickte uns Tobias aus Nordrhein-Westfalen