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Schluss mit Stierkämpfen!

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Gewalt gegen Tiere - und kein Ende? - Schluss mit Stierkämpfen!
Corrida: Nationales Fest, Tradition und Kultur... oder nationale Schande, Perversion und Tortur?

Gewalt gegen Tiere - und kein Ende?

Von Edith Fischer

Gewalt gegen Tiere hat eine lange Tradition in der Geschichte der Menschheit. In Spanien heißt diese Tradition heute noch Corrida. Nicht nur in Spanien werden Stierkämpfe veranstaltet, sondern auch in Südfrankreich erlebt diese Tradition eine neue Renaissance. In Portugal war bis 1928 das Töten des Stieres in der Arena verboten. Leider hat man auch dort das Rad der Geschichte zurückgedreht und das Töten in der Arena wieder erlaubt.

»Ich wäre schon erleichtert

über einen einzigen Stier, der diese Helden, die Stierkämpfer, jämmerlich in die Flucht schlägt - und eine ganze blutgierige Arena dazu. Es schmerzt mich, dass es nie zu einer Erhebung der Tiere gegen uns Menschen kommen wird.« Elias Canetti, Philosoph und Nobelpreisträger

Es geht bei Stierkämpfen um brutale und nackte Gewalt, die uns schließlich alle betrifft, Menschen wie Tiere gleichermaßen. Wenn auch die Befürworter der Stierkämpfe behaupten, diese seien ein Kulturgut mit einer langen Tradition, so ist und bleibt der Stierkampf doch, was er ist: ein blutiges Gewaltritual, welches heute in einer aufgeschlossenen und kulturell entwickelten Gesellschaft keinen Platz mehr haben darf.

Stierkämpfe sind etwa vergleichbar mit den Gladiatorenkämpfen im alten Rom, wo auch schon Menschen mit Waffen gegen Tiere kämpften. Die Gladiatoren damals riskierten jedoch dabei ihr Leben. Heute aber riskiert der Matador, der gegen den Stier »kämpft«, nur in seltenen Fällen seine Gesundheit oder gar sein Leben.

Es ist von vornherein beschlossene Sache, dass nicht der Stierkämpfer, sondern der Stier in der Arena sein Leben lassen muss. Es ist kein Kampf, der da ausgetragen wird - es ist ein blutiges Abschlachten, ein kaltblütig zur Schau gestellter Mord, kulturell verbrämt und für Kinder verharmlost.

Einige Besucher der Corrida wenden sich zwar angeekelt ab. Aber auch diese Menschen haben ihren Eintritt bezahlt und so ihren Beitrag geleistet, damit dieses Höllenspektakel gegen wehrlose Tiere weiter florieren kann. Tausende aber schauen immer noch begeistert diesem wahnsinnigen Treiben zu.
»Brot und Spiele« hieß es im alten Rom - bis heute aber hat sich daran nicht allzu viel geändert. Es ist ein Fest, welches Gott beleidigt - und die Menschenwürde in den Schmutz zieht. Stierkämpfe wurden einst als heidnische Feste und Schlachtrituale gefeiert. Wenn uns vorgegaukelt wird, die Stierkämpfe symbolisieren den Kampf des Mannes gegen die Naturgewalt, so ist dies eine dreiste Lüge.

Die moralische Debatte um die Stierkämpfe ist bereits schon Jahrhunderte alt. Heute dient die Corrida dazu, den Besuchern ein satanisches und gewalttätiges Schauspiel zu bieten, um die perversen Instinkte im Menschen zu wecken, zu fördern und zu befriedigen.

Abgesehen von der Vorbereitung des Stieres vor dem Kampf, wird der Stier in der Arena von vielen Helfern noch zusätzlich geschwächt, bevor ihm der Held - der Matador - den Todesstoß versetzt. Dieser arrogante Held, dieser sadistische Torero, metzelt am Ende ein durch Blutverlust völlig geschwächtes Tier ab.

Was geschieht eigentlich vor dem Kampf?

Der Stier wird einer »Afeitado« (Rasur) unterzogen. Man sperrt ihn in einen Kasten, dessen Vorderwand mit Löchern versehen ist. Aus diesen Löchern ragen die Hörner heraus. Die Spitzen der Hörner werden bis auf die Nerven abgesägt. Dies ist eine abscheuliche Tortur für das Tier, weil das Horn genauso empfindlich ist wie ein menschlicher Zahn. Mit Hilfe eines Messers und eines Hammers geht man nun daran, die Hornspitze abzurunden. Für das wehrlose Tier ein furchtbarer Schmerz. Derart verstümmelt, ist es dem Stier unmöglich, seine einzigen natürlichen Waffen gegen den Matador einzusetzen.
Die räumliche Wahrnehmung des Stieres ist dadurch auch erheblich eingeschränkt. Außerdem werden noch zusätzlich die Augäpfel mit Vaseline eingerieben, damit der Stier seinen Peiniger nur undeutlich wahrnimmt, und ihn deshalb nicht richtig angreifen kann.

Eine massive Dosis Abführmittel (Pfefferzäpfchen) schwächt den Körper und beeinträchtigt die Bewegungen des Stieres. Die Hufe werden abgefeilt, zwischen die Klauen werden Holzkeile geklemmt. Brennender Schmerz vom Einreiben der Beine mit Terpentinessenz bewirkt, dass der Stier zu andauernder Bewegung gezwungen wird. Das soll feurig und temperamentvoll aussehen. Um zu verhindern, dass er sich niedersetzt oder hinlegt, werden ihm in die Geschlechtsteile Nadeln gestoßen. Schließlich werden die Nüstern mit Watteschlangen verstopft, die bis in den Rachen reichen, um die Atmung zu erschweren. Zur zusätzlichen Schwächung des Stieres werden ihm die Nieren zerschlagen.

Was geschieht während des Kampfes?

Ein derart misshandeltes Tier, das in Panik in die Arena rennt, erweckt den Eindruck, es sei wütend und kampfbereit. In Wirklichkeit fühlt es sich eingekreist und sucht verzweifelt einen Ausweg zur Flucht. Jetzt werden dem Stier systematisch die Nackenmuskeln zerstört. Die Picadores (Reiter mit Lanzen) stoßen dem Stier die »Puyas« (Lanzen) mehrfach etwa 9 cm tief in den Nacken, um bestimmte Muskeln und Bänder zu verletzen. Ziel dieser Verletzungen ist es, dass der Stier den Kopf nicht mehr heben kann - dadurch wird die Arbeit des Toreros erleichtert. Unerlaubte Manöver der Picadores,
z.B. Eindrehen der Puyas in den Nacken des Stieres, Einstechen weiter hinten in den Rücken, sind an der Tagesordnung. Der Stier erleidet hierbei größere Verletzungen an den Rückenwirbeln und den Blutgefäßen. Durch den starken Schmerz der Verletzungen von mehr als 20 cm Tiefe und den Blutverlust - bis zu 18 Prozent! - ist eine Flucht für das Tier unmöglich geworden.

Nun kommen die Banderillas zum Einsatz. Dabei handelt es sich um lange Holzspieße, mit einer Stahlspitze von 6 cm Länge. Sechs dieser Spieße werden dem Stier in den Rücken gesetzt. Diese schwingen bei jeder Bewegung hin und her, und zerreißen zusätzlich das blutige Muskelgewebe. Nach derartiger Tortur ist der Stier nicht mehr in der Lage den Kopf zu heben.

Jetzt beginnt die Arbeit des Matadors, der mit seinem roten Tuch einen lächerlichen Tanz aufführt, um sich vor dem Publikum zu produzieren. Seine Aufgabe ist es, den Stier mit einem Degen von etwa 80 cm Länge zu töten. Dazu muss er das so genannte »Nadelöhr« zwischen den Nackenwirbeln treffen, um die großen Blutgefäße zu verletzen und damit den sofortigen Tod des Stieres herbeizuführen. Selten trifft der Matador jedoch die richtige Stelle. In der Mehrzahl der Fälle verletzt er seitliche Nervenstränge des Rückenmarks, die Lunge oder gar das Zwerchfell. Dadurch fließt das Blut von der Lunge in die Bronchien oder gelangt gar in den Bauchraum des Stieres. Der Stier erstickt
dann elendig an seinem eigenen Blut. Seine Qual wird schließlich mit der »Puntilla« beendet. Es handelt sich dabei um einen Dolch von etwa 10 cm Länge, der dem bereits am Boden liegenden Stier zwischen den ersten und zweiten Halswirbel gestoßen, und somit das Rückenmark durchtrennt wird.

Ein Stierkampf dauert etwa 20 Minuten - und das nicht ohne Grund. Diese Zeit braucht der Stier, um zu erkennen, dass nicht das rote Tuch, die Muleta, sondern der Matador sein Gegner ist. Um nicht vom Stier angegriffen zu werden, muss der Matador ihn in dieser Zeit getötet haben. Einige Stiere begreifen schneller, wer ihr Gegner wirklich ist, dann kommt es zu Unfällen, bei denen der Matador verletzt wird. Zur Vorbereitung seiner Heldentat hat der Torero schon immer mal den Todesstoß in Schlachthäusern an kleinen unschuldigen Kälbern geübt. Dieses makabre Schauspiel, die Corrida, ist eine öffentliche Hinrichtung!

Das Leid der Pferde

Nicht unerwähnt darf das Leid der Pferde der Picadores in der Arena bleiben. Es handelt sich oft um alte ausgediente Pferde, die man nur mit verbundenen Augen und Ohren in die Arena treiben kann. Sie erhalten immer wieder die Hornstöße der sich verteidigenden Stiere. Die Verletzungen sind oft so schwer, dass die Därme aus dem Bauch quellen. Damit die Pferde trotzdem wieder für den nächsten Kampf eingesetzt werden können, wird der Bauch einfach wieder zugenäht. Sie können nicht einmal vor Schmerzen schreien, weil man ihnen die Stimmbänder durchgeschnitten hat.

Laut Statistik werden jedes Jahr immer noch ca. 70.000 Stiere bei Fiestas auf grausame Art und Weise gequält und getötet. Eine gigantische Zahl, wie ich meine. Während bei der einheimischen Bevölkerung das Interesse an den Stierkämpfen nachlässt, werden jedes Jahr in Spanien immer noch ca. 2.000 Stierkämpfe für die Touristen durchgeführt, die diese als typische Urlaubsattraktion ansehen. Auch Frankreich hat sich in den letzten Jahren durch blutige Stierkämpfe hervorgetan. Frankreich, eine Kulturnation, wie wir ja alle wissen, ist leider heute in Europa das zweitgrößte Stierkampfland. Das öffentlich rechtliche Fernsehen in Spanien überträgt seit August 2007 keine Stierkämpfe mehr. Nicht etwa aus Mitleid, wie man vermuten könnte, sondern ganz einfach aus Kostengründen.

Stierkämpfe sind immer noch ein riesiges Geschäft, denn eine ganze Stierkampfmafia, Manager, Toreros, Stierzüchter und sogar Politiker profitieren vom Leid der Stiere.


Die Rolle der katholischen Kirche

Selbst die Kirche beteiligt sich an diesem blutigen Geschäft. So beantragen z. B. örtliche Gemeinden bei der Stadtverwaltung an den Profiten der Stierkämpfe beteiligt zu werden, um ihre Kirchen zu restaurieren. Diese Haltung gegenüber dem Grauen der Stierkämpfe und deren Duldung durch die Kirchenleitung ist und bleibt ein Skandal. Was, bitte, sollte wohl sonst ein Skandal sein? Denn was erwarten wir von einer Religion, die das Mitleid mit den Tieren ausschließt? Es ist erschütternd, dass besonders in den katholischen Ländern wie Spanien, Frankreich und Portugal, der Stierkampf heute noch stattfindet und dass dort die Tradition zum Dogma erhoben wird. Die Corrida-Geistlichen - ja, Sie haben richtig gelesen -, die Corrida-Geistlichen scheuen auch nicht davor zurück, den Stierkampf mit einer Liturgie zu vergleichen. Besonders hat sich dabei der Bischof von Nîmes hervorgetan, der regelmäßig die Stierkämpfe besucht. Ein Dominikanerpater, der an der Universität Toulouse lehrt, fühlt sich sogar gereinigt, wenn er aus einer Corrida kommt. Hier ist der Vatikan gefordert, endlich dieses barbarische Treiben zu beenden!

Immanuel Kant sagte bereits in seinem Pflichtenkonzept, dass Grausamkeit gegen Tiere das Mitleid im Menschen abstumpfe. Stierkämpfe sind Gewaltdarstellungen, die beim Menschen, besonders aber bei Kindern, die Hemmschwelle zur Gewalt herabsetzen. Ich gehe davon aus, dass wir heute der Gewalt die Prinzipien der Moral und die Werte der Ethik entgegensetzen müssen. Denn es gibt keine ethische Rechtfertigung für die Folter eines Stieres.

Bemühungen der Stierkampfmafia, diese Barbarei als Kulturgut in den Gesetzen der Europäischen Union zu verankern, müssen wir mit allen Mitteln verhindern. Im Reformvertrag von Lissabon muss ein Verbot der Stierkämpfe Eingang in die Gesetzgebung finden!

Internationaler Gerichtshof für Tierrechte verurteilt Stierkämpfe

Am 22./23. Juni 2008 fand in Anwesenheit der internationalen Presse vor dem Internationalen Gerichtshof für Tierrechte - United Animal Nations - in Genf eine Verhandlung zur Abschaffung der Stierkämpfe statt. Angeklagt wurden Regierungsvertreter der Länder Spanien, Portugal und Frankreich, weil sie verantwortlich sind, dass in ihren Ländern die Stiere in den Stierkampfarenen zum Zwecke des Vergnügens zu Tode gequält werden. Ebenso wurden die Regierungsvertreter angeklagt, dass sie Verstöße gegen gesetzliche Vorschriften, die den Stierkampf einschränken oder verbieten, durch die Stierkampfmafia dulden und dass in eigenen Stierkampfschulen Kinder und Jugendliche in den Praktiken des Stierkampfes unterrichtet werden, was einen Verstoß gegen den Schutz Minderjähriger darstellt. Der Stierkampf wurde durch das Urteil des Internationalen Gerichtshofes für Tierrechte an den Pranger gestellt - und die Regierungen der Europäischen Länder, in denen der Stierkampf heute noch praktiziert wird, aufgefordert, die Stierkämpfe sofort zu verbieten.

Edith Fischer ist Journalistin im Verband Deutscher Agrarjournalisten e.V.

Alle Bilder stammen aus dem Beweis-Film beim Internationalen Gerichtshof für Tierrechte: »A two-hour-killing« von Jérôme Lescure.

Corrida: Nationales Fest, Tradition und Kultur...

...oder nationale Schande, Perversion und Tortur?

Von Eva Lautenschläger

In Spanien finden Jahr für Jahr 40.000 Stierkämpfe statt - hinzu kommen 20.000 »Stierrennen« und eine unüberschaubare Vielzahl von anderen grausamen »Fiestas« mit Stieren. 70.000 Tiere kommen jedes Jahr in »Corridas« und »Fiestas« auf bestialische Weise ums Leben: Stiere, Kälbchen, Pferde...
Und jedes Jahr fließen 564 Millionen Euro Subventionen in den Stierkampf, der in Spanien heute nur noch von einer kleinen Anzahl von »Aficionados« (Anhänger) verfochten wird - und ein makaberes Unterhaltungsprogramm für Touristen darstellt. Die Mehrheit der Spanier hat kein Interesse mehr an Stierkämpfen.

Meinungsumfragen zeigen, dass zwei Drittel der Spanier an Stierkämpfen nicht mehr interessiert sind - und je jünger die Menschen, desto geringer das Interesse. In Nordspanien ist die Ablehung der Stierkämpfe am größten. Die Stadt Barcelona deklarierte sich 2004 sogar als Anti-Stierkampfstadt. Trotzdem schafften es die »Aficionados« im Juni 2007, einen Stierkampf mit einem sehr beliebten Torero zu organisieren, zu dem Zuschauer aus ganz Spanien und der ganzen Welt kamen und bis auf den letzten Platz die Arena füllten - unter ihnen auch der spanische König. Die Eintrittspreise kosteten bis zu 3000 Euro. Viele Menschen in Barcelona warten auf ein Gesetz, das Corridas verbietet.

Doch die Stierkampf-Lobby ist einflussreich: Anhänger und Unterstützer sind der spanische König, das spanische Ministerium für Erziehung, etliche Politiker und Bürgermeister, Prominente, Kulturvereine, Stierkampfschulen, die katholische Kirche, Reisebüros...

Subventionen vom Staat und der EU

Mit allen Mitteln versucht man, die »Corrida de Toros« als »Europäisches Kulturgut« zu etablieren. Die Europäische Union subventioniert die Stierkämpfe - und Gelder fließen auch vom spanischen Staat, den örtlichen Behörden, politischen Parteien sowie dem spanischen Fernsehen (TVE). Rechnet man diese öffentlichen Mittel um, dann zahlt eine spanische Familie ca. 47 Euro für diese Fiestas.
90% der Zuschauer sind Touristen

Der Stierkampf lebt in erster Linie von Touristen, ihr Anteil an den Arena-Besuchern beträgt 90%. Viele buchen den Stierkampf bei einer Spanienreise gleich mit, weil sie der Meinung sind, dass man einen Stierkampf einmal gesehen haben muss…

Viele Touristen haben auch keine genaue Vorstellung vom Stierkampf und wissen nicht, dass dabei tatsächlich ein Stier getötet wird. Von den Touristen stellen Amerikaner und Japaner den überwiegem Anteil der Stierkampf-Besucher dar. Auch Geschäftsleute laden ihre Geschäftspartner gerne zum Stierkampf ein.

Zu Ehren von »Heiligen« und mit Segen der Priester - Heidentum pur!

Die Stierkampf-Events werden in der Regel vom Bürgermeister eröffnet und von einem katholischen Priester gesegnet. Viele der spanischen Fiestas, bei denen Tiere gequält und geopfert werden, fallen mit Feiertagen der katholischen Kirche zusammen. Die Veranstaltungen haben fast alle einen »Heiligen«, zu dessen Ehre die Fiesta stattfindet: San Fermín, Virgen (Jungfrau) de la Pena, Virgen de la Macarena, Toro del Jesús del Gran Poder... Zu Ehren der Schutzpatrone führt der Priester die Prozession an, nach deren Ende Tierquälereien stattfinden. Die Kirchenvertreter sitzen dabei in den ersten Rängen. Auch die Tatsache, dass Tierquälereien pietätlos sind, hindert die Priester nicht daran, Trophäen aus dem Stierkampf für die Jungfrau Maria anzunehmen. Sogar Fälle, in denen Priester selbst in den Ring stiegen, sind hinreichend bekannt.

Dass dies pures Heidentum ist und mit echtem Christentum nichts zu tun hat, versteht sich von selbst. Jesus von Nazareth liebte die Tiere. Denken wir nur an die Szene, wie Jesus die Tierhändler, die Tiere für Schlachtopfer feilboten, mit der Peitsche aus dem Tempel trieb und die Tiere freiließ. Vielleicht sollten die Kirchenvertreter, aber auch die Toreros und alle Besucher von Stierkämpfen, mal in ihrer eigenen Bibel nachlesen. Schon im Alten Testament gibt es deutliche Prophetenworte gegen das Gemetzel an den Tieren. Gott sprach durch den Propheten Jesaja: »Wer einen Stier schlachtet, gleicht dem, der einen Mann erschlägt.« (Jesaja 66, 3-4) Und: »...Ich habe keinen Gefallen am Blut der Stiere, der Lämmer und Böcke... Und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht, denn eure Hände sind voll Blut...« (Jesaja 1, 11-13, 15-17).


Ruhm und Profit auf Kosten der Tiere

Eine Corrida mit 6 Stierkämpfen (also 6 Stieren) kostet etwa 125.000 Euro. Für die Eintrittskarte muss man nicht selten zwischen 75 und 150 Euro hinlegen. Ein professioneller Torero/Matador verdient um die 100.000 Euro bei einer Corrida und insgesamt etwa 1.000.000 Euro im Jahr. Toreros werden wie Stars gefeiert. Meistens kommen die Stierkämpfer aus einfachen Verhältnissen und sehen als Torero ihre Chance, zu Reichtum und Ruhm zu gelangen. Besonders erfolgreiche Toreros werden sogar in Adelskreise aufgenommen.

Der Stierkampf ist ein regelrechter Wirtschaftszweig - lukrativ für die Toreros, für Kampfstier- und Pferdezüchter, für Fleischindustrie, Viehhandel und Schlachthöfe - und für die Tourismusbranche. Der Stierkampf schafft über 200.000 Arbeitsplätze in Spanien. Überwiegend sind es zeitlich befristete Arbeitsplätze, denn während der Wintersaison finden keine Stierkämpfe statt. Diese Arbeitsplätze hängen entweder direkt mit dem Stierkampf in der Arena zusammen oder sind Auftragsarbeiten, wie z.B. Schneidern der Kostüme oder die Entwicklung und Herstellung der beim Stierkampf benötigten Waffen. Weiterhin verdienen an den »Corridas« die Hersteller von Flamenco-Mode, Kunsthandwerker und die Schmuckindustrie, Musik- und Tanzvereine, Stierkampf-Ausstatter - und das alles auf Kosten der Tiere. Beträchtliche Kosten verusacht der Unterhalt der Stierkampf-Arenen, die überwiegend vom Steuerzahler bezahlt werden.


Schon kleine Kinder werden auf den Stierkampf vorbereitet

In einem Gesetz von 1929 wurde Kindern unter 14 Jahren der Besuch eines Stierkampfs verboten. Dieses Gesetz wurde allerdings wieder außer Kraft gesetzt. Künftige Toreros werden von ihren Familien schon in sehr jungen Jahren auf die Stierkämpfe vorbereitet. Zuerst weinen sie und bedecken ihr Gesicht, aber nach dem fünften oder sechsten Stier sind sie abgehärtet. Man erzählt den Kindern, dass das Tier keinen Schmerz empfindet, dass das Blut nicht so wichtig ist... Stierkampf-Familien bringen ihren Söhnen bei, wie man einem durch den Degenstoß betäubten Stier die Hoden abschneidet. Die Kinder werden aufgefordert, mit Spießen und Dolchen auf den Stier einzustechen. Am Abend zu Hause werden die Hoden von der »Siegerfamilie« gekocht.

In Spanien gibt es eigene Stierkampfschulen. Ab dem 14. Lebensjahr dürfen die Jugendlichen dort das Töten üben - und zwar an Stierkälbchen. Für die Stierkälbchen ist dies sehr qualvoll, da die ungeübten Jungmatadores selten richtig treffen - der Tod zieht sich schmerzvoll hin. Zwischen den Stierkampfschulen finden regelmäßige Wettkämpfe statt. Vom Ministerium für Erziehung in Spanien werden Stipendien für die Torero-Ausbildung vergeben.


Andere Fiestas mit Stieren

In Pamplona findet im Juli das Festival »San Fermines« statt, mit einem der bekanntesten Stierrennen. In engen Eisenverschlägen werden die Stiere eingesperrt und mit Stromschlägen bearbeitet, bevor man sie rauslässt. Die Stiere werden durch die Straßen getrieben, viele erleiden schon hier Verletzungen und Knochenbrüche. Am Ende des Rennens wartet der Tod in der Corrida auf sie.

In Tordesillas wird in der zweiten Septemberwoche zu Ehren der »Jungfrau von Pena« der Stier durch das Dorf gejagt, während man mit Lanzen auf ihn einsticht bzw. ihn damit bewirft, bis er zusammenbricht.

In Coria treibt man den Stier stundenlang durch die Straßen und bewirft ihn mit spitzen Pfeilen - bevorzugt werden Augen und Hoden. Nach qualvoller langer Marter wird er endlich erschossen.


Helfen Sie mit!

Was hat der Stier verbrochen, dass Tausende von Leuten seinen Tod fordern und jubeln, wenn er nach einem schrecklichen Todeskampf endlich sein Leben aushaucht? Und warum sieht Europa immer noch tatenlos zu, wenn in Spanien Stiere barbarisch gequält werden?

Liebe Leserinnen, liebe Leser, gerade in Spanien kann der Druck und Protest vom Ausland aus viel bewirken! Sie können helfen, indem Sie sich an Tierschutzorganisationen wenden, die gegen diese Traditionen vorgehen. Oder Sie wenden sich direkt an die Behörden in Spanien oder die Spanische Botschaft in Deutschland.

Vor allem vergessen Sie nicht, Ihren Freunden davon zu erzählen, wenn diese nach Spanien reisen wollen, damit sie an keiner dieser Fiestas teilnehmen und diese Events nicht bei ihrem Reiseveranstalter buchen!