Freiheit für Tiere
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Portrait: Gerettetes Rehkitz

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Silia, das Rehkind

»Silia, Mädchen, komm her, es gibt Fläschchen....« So ein kleines Rehkitz! Doch Silia ist schon »die Große«. Sie war das erste Reh-Findelkind, das im letzten Frühsommer in der Pflegestation der Gabriele-Stiftung aufgenommen wurde. Ein Landwirt hatte das Rehkitz beim Mähen einer Wiese im Gras gefunden, mit einem verletzten Beinchen. Natürlich sollten kleine Rehkinder, die man auf der Wiese findet, normalerweise weder angefasst, noch mitgenommen werden, denn die Rehmutter kommt regelmäßig, um sie zu säugen. Doch hätte der Landwirt das Kitz mit seinem gebrochenen Beinchen liegen lassen, wäre dies wohl sein Tod gewesen.

Knapp dem Tod entkommen

Doch Silia hatte Glück: Der Landwirt brachte das verletzte Rehkitz auf das Friedensland der Gabriele-Stiftung, wo gerettete Tiere eine neue Heimat finden. Die Tierbetreuer richteten Silia in der neugebauten Auffang- und Pflegestation mit Heu, Stroh und Zweigen aus dem Wald ein gemütliches Gehege ein und versorgten sie rund um die Uhr.

»In Deutschland ist es ja so, dass man ein verletztes Rehkitz nicht einfach mitnehmen und zum Tierarzt bringen darf«, erzählt Daniel, der Tierbetreuer, der sich Tag und anfangs auch nachts um Silia kümmerte. Frei lebende Tiere gelten als »Eigentum« des zuständigen Jägers. Nimmt man ein verletztes Tier mit, um es gesund zu pflegen, ist das »Wilderei« und somit strafbar. Zum Glück gab der Jäger das Rehkitz frei. »Erst nach dieser Einwilligung konnten wir Silia zum Tierarzt bringen«, erzählt Daniel.

Ein Rehkitz auf dem OP-Tisch

Der Tierarzt, der normalerweise Hunde und Katzen auf dem OP-Tisch hat, doch er handelte sofort: »Er hat das Bein geröntgt und dann operiert, mit Platte, Schräubchen, Gipsschiene, Verband – mit allem Drum und Dran, wie man das auch bei Menschen macht«, so der Tierbetreuer.

Von den Kosten dieser Operation spricht der Tierbetreuer lieber nicht - nur so viel: »Tiere sind unsere Freunde. Und so, wie man für ein Familienmitglied alles tut, keine Kosten und Mühen scheut, damit es wieder gesund wird, so halten wir es auch mit den Tieren, die bei uns leben...«

Bald ging es Silia wieder prächtig. Das Bein verheilte gut, sie wuchs ein ganzes Stück und sprang voller Lebensfreude herum. Nicht nur, wenn Daniel mit dem Fläschchen winkte, hüpfte Silia fröhlich herbei. Sie gewann zu diesem Zweibeiner Vertrauen: Er war es, der täglich frische Zweige und feine Kräuter in ihre heimelige Behausung stellte, der ihr bei Durchfall Medizin gab und die ganze Nacht bei ihr wachte, bei dem es die feine Milch aus dem Fläschchen gab und der mit ihr Erkundungsausflüge unternahm. Und diese wurden von Tag zu Tag weitläufiger: Zuerst nur zur nahegelegenen Hecke, dann auf die große Wiese dahinter, und schließlich ging es zu einem Ausflug in den Wald. Im Frühsommer wird dort Silias neues Zuhause sein - in Freiheit!

Auf ihren Erkundungsausflügen entdeckte Silia jeden Tag etwas Neues und schloss mit so manchem anderen Tier Freundschaft. Zum Beispiel mit Titus, einem rot-getigerten Kater, der auch in der Pflegestation lebt. Die beiden spielten sogar zusammen. Besonders war Titus auch an der leckeren Milch im Fläschchen interessiert...

Silia hatte auch in zwei Kamerun-Lämmchen, die kurz nach der Rettung ihrer Mutter in der Auffang- und Pflegestation zur Welt gekommen waren, prima Spielgefährten. Die Lämmchen waren etwa gleich groß wie das Rehkitz - und wie alle Tierkinder verstanden sie sich prächtig, auch wenn sie wohl nicht exakt die gleiche Sprache sprechen...

Bis Silia etwa ein Jahr alt ist, braucht sie Pflege und Betreuung. Doch was wird dann, wenn sie erwachsen ist? »Rehe sind frei lebende Tiere«, sagt Daniel, Silias Tierbetreuer. »Darum soll Silia eines Tages wieder in Freiheit leben, zusammen mit anderen Rehen in Wald und Wiesen. Hierfür möchten wir ein Auswilderungsbereich an einem Waldrand bauen, mit freiem Zugang zum Wald. So kann Silia zunächst vielleicht einfach Ausflüge in den Wald unternehmen und jederzeit `nach Hause´ kommen, um im warmen Stroh zu schlafen oder etwas zu essen. Und wenn sie sich dann nach und nach an das Leben in Freiheit gewöhnt hat und Anschluss zu anderen Rehen gefunden hat, kann sie eines Tages ganz in die Freiheit gehen.«


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Landerwerb - Lebensraum für Tiere

Um einen Lebensraum zu schaffen, auf dem Tiere und Natur aufatmen können, auf dem Pflanzen nicht zu Tode gespritzt werden und Tiere gesunde Nahrung finden, hat die Gabriele-Stiftung begonnen, Wiesen, Felder und Waldstücke zu erwerben. Viele Kilometer Hecken wurden auf diesem wachsenden Friedensland angelegt, Feucht- und Steinbiotope, Bauminseln und Jungwald. Das Leben kehrt zurück.


Tatkräftige Hilfe für Wildtiere

Frei lebende Tiere wie Rehe, Hasen, Eichhörnchen usw. finden in der üblichen, flurbereinigten Landschaft kaum noch Nahrung und Wasser. Auf dem Friedensland der Gabriele-Stiftung finden sich zusätzlich zu den vielen Feuchtbiotopen unzählige Wassertränken. In den Wäldern laden Nisthöhlen die Vögel zum Brüten ein, Futterhäuschen bieten nicht nur den gefiederten Freunden Nahrung...


Gerettete Tiere finden ein Zuhause

Tiere erleiden in Massentierhaltungen, bei Transporten und in Schlachthöfen unendliche Qualen. Die Gabriele-Stiftung kauft dem Tod geweihte Tiere vor dem Schlächter frei oder rettet Tiere aus tierquälerischen, unwürdigen Verhältnissen. Diese Tiere - Schafe, Rinder, Gänse usw. - erhalten auf dem Friedensland eine neue Heimat, einen würdigen Platz zum Leben. Nur reicht dieser Platz bald kaum mehr aus...


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