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Tierschutz: Pferde

Pferdefreundliche Hufpflege

Pferde in natürlicher Umgebung, also Wildpferde, die in steppenartigen Gebieten leben, legen täglich eine Wegstrecke von 15 -30 Kilometern zurück. Auf der Suche nach Nahrung bleiben sie ständig in Bewegung. Ihren Durst stillen sie an Flussufern oder Seen, und es sind oft viele Kilometer, die sie in Kauf nehmen, um an ein solches Gewässer zu gelangen. Nahrungsangebot, Ruhestätte und Trinkwasser liegen nicht an einem Ort. Durch das Trinken am Ufer erhält der Huf täglich ein Hufbad.

Das Horn und der Kronsaum saugen sich voll Wasser, der Huf bleibt elastisch, und schönes, kräftiges Horn kann nachwachsen. Durch die viele Bewegung und die unterschiedlichsten Bodenbeschaffenheiten halten sich Hornwachstum und -abrieb die Waage. Der Huf ist den Bodenbedingungen angepasst: Zum Beispiel haben Kaltblüter sehr große, flache Hufe, deren Hufhorn relativ weich ist. Araber dagegen, die in steinigen Gebieten leben, haben sehr harte Hufe mit viel Gewölbe (als Stoßdämpfung).

Wir sehen: Die Natur weiß sich sehr gut zu helfen und hat optimale Voraussetzungen für gesunde Pferdehufe in freier Natur geschaffen. Doch wie sieht es mit den Pferden aus, die in der Obhut des Menschen leben?

Wie wir wissen, ist das Pferd ein Lauftier, doch meist hat es mit uns viel zu wenig Bewegung. Oftmals wird das Pferd nur eine Stunde am Tag bewegt oder geritten. Stellen Sie sich vor, 23 Stunden am Tag in einem engen Raum eingeschlossen zu sein, in dem Sie sich gerade mal um sich selbst drehen können. Gleichzeitig dient dieser Raum auch noch als Toilette - Sie könnten ihn als Wohnklo bezeichnen. Sie haben ständig den Geruch von Kot und Urin (Ammoniak) in der Nase. Sozialer Kontakt ist - wenn überhaupt - nur durch Gitterstäbe möglich. Was wir Menschen als unerträglich bezeichnen würden, ist auch für die Pferde unwürdig und eine Höllenqual! Bedenken wir: Pferde sind Herdentiere, außerdem haben sie keinen Tag-Nacht-Rhythmus wie wir.

Wer nicht will, dass sein Pferd psychisch und physisch erkrankt, sollte es auf jeden Fall zusammen mit Artgenossen in einem Offenstall halten. Sonst ist eine Krankheit schon vorprogrammiert, auf jeden Fall Hufleiden, von seelischen Leiden ganz zu schweigen.

90% der Pferde haben Hufprobleme

Aus eigener Erfahrung möchte ich sagen, dass mindestens 90% der Pferde, die in menschlicher Gefangenschaft leben, Hufprobleme haben. Und dies beginnt schon im Fohlenalter. Ob Zwanghuf, Bockhuf, Hufbeinrotation, Hufrollenentzündung, Hufkrebs - dies alles sind Krankheiten, die auf falsche Haltungsbedingungen mit Bewegungsmangel und falsche Hufpflege zurückzuführen sind. Wann kommt ein Huf schon mit Wasser in Kontakt und dann auch noch in Form eines Bades von mindestens 15 Minuten täglich, das den ganzen Huf samt Kronrand umspült?

Das viel verwendete und beliebte Huffett ist sogar wasserabstoßend und verhindert, dass sich das Horn mit Feuchtigkeit vollsaugen kann.

Auch der ständige Kontakt der Hufe mit Ammoniak greift diese stark an. Durch die mangelnde Bewegung kann der Huf seine Aufgaben nicht mehr erfüllen, er deformiert sich - und dies hat sehr große Auswirkungen auf den gesamten Organismus des Pferdes, nicht nur auf den Bewegungsapparat.

Hufpflege - statt Hufschmied?

Frau Dr. Strasser beschäftigt sich schon seit 1978 mit dem Thema Pferd und Huf. Sie erforschte und untersuchte Zusammenhänge von Hufgesundheit, Hufform und Haltungsbedingungen. Sie erläutert die Funktion des Hufes, der in sich einzigartig ist. Auch brachte sie altes Wissen über den Huf, das seit Jahrtausenden existiert und auch bis zum Anfang unseres Jahrhunderts von Pferdesachverständigen angewandt und niedergeschrieben wurde, wieder an die Öffentlichkeit.

Hufpfleger, die von Frau Dr. Strasser ausgebildet wurden, informieren die Pferdehalter über die Behandlungsmöglichkeiten und erklären die Vorgehensweise der Hufpflege am Huf, die meist mit einer Haltungs-, Fütterungs- und Bewegungsumstellung einhergeht.
Schon oft konnten Pferde gerettet werden, welche die normale Schulmedizin als hoffnungslosen Fall aufgegeben hatten, wie z.B Pferde mit Hufrollenentzündung, chronischer Hufrehe und mit Hufkrebs.

Hufeisen sind unnötig

Hufeisen sind unnötig, ja sogar gesundheitsschädlich und wirken den Funktionen des Hufes völlig entgegen. Die Stoßdämpfung und die Hufdurchblutung werden stark beeinträchtigt. Das Gewicht des schweren Eisens wirkt sich zusätzlich negativ aus. Auch kann der Huf nicht mehr über das oben beschriebene Puffersystem abrollen, sondern schlägt nur noch auf hartes Metall.

1984 ließ die Schweizer Kavallerie an der Veterinär-Medizinischen Fakultät der Universität Zürich Untersuchungen über den Einfluss des Beschlages durchführen: »Der Stoß, welcher den lebenden, mit Eisen armierten Huf vom harten Untergrund her trifft, ist 10 bis 33 mal stärker als beim unbeschlagenen Pferd. Die Nachvibration in der Hornkapsel durch die Eisenschwingung beträgt etwa 800 Hz (pro Sekunde) gegenüber 150 Hz bei "nur" Gummibeschlag.«

Auch ist eine Spreizung der Hufkapsel nicht mehr möglich, da die starken Eisen diese einschränken. Die Folge ist mangelnde Durchblutung. Diese führt u.a. zu schlechter Hornqualität, das Gewebe wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Die Folge davon ist, dass die Nerven nicht mehr richtig arbeiten und dadurch das Schmerzempfinden stark eingeschränkt ist. Der Hufbeschlag führt zwar zur zeitweiligen Schmerzfreiheit, nicht aber zur Heilung, da die Ursachen nicht beseitigt werden.

Anders arbeiten die Hufpfleger nach Dr. Strasser. Ziel ist es immer, die Ursachen zu bekämpfen, um nach und nach eine optimale Hufform anzustreben und so einen leistungsfähigen Huf zu bekommen. Denn nur wer die Ursachen entfernt, hat auf Dauer ein gesundes und ausdauerndes Pferd, das auch über lange Strecken mühelos laufen kann.

Der gesunde Huf

Wie sieht nun ein optimal funktionierender Huf aus, und worin besteht seine Aufgabe?

>> Vorderhufe haben eine Winkelung von etwa 45 Grad und sind im Zehenbereich kreisrund. Sie können so das größte Gewicht tragen und optimal federn. Die Hinterhufe sind etwas steiler (50-55 Grad) und spitzer, sie dienen als Motor, die Hufspitze kann sich in den Boden eingraben und schieben.

>> Der Strahl trägt im hinteren Drittel mit, ist breit und dient so als Puffer, um den Stoß zu dämpfen und den Boden abzutasten.

>> Der Tragerand trägt im Zehenbereich bis zur Strahlspitze und im hinteren Trachtenbereich mit. Dazwischen befindet sich eine Senke, die optimal stoßdämpfend wirkt. Die Trachten stehen kaum über das Sohlenniveau hinaus, da sonst ungünstige Hebelwirkungen entstehen würden.

>> Die Sohle ist leicht nach innen gewölbt und frei von Unebenheiten. Sie trägt im Zehenbereich halbmondförmig mit.
>> Die Eckstreben stehen 1-2 mm über das Sohlenniveau und verlaufen sich in Höhe der Strahlmitte, tragen aber nicht mit. Sie sind Rutschbremse und halten die Hufkapsel zusammen.

Nur ein gesunder Huf kann seiner Funktion als Blutpumpe und Stoßdämpfer gerecht werden (Hufmechanismus): Das Hufbein ist in der Hornkapsel mittels der weißen Linie (Lamellenhorn) aufgehängt und direkt von der blutgefüllten Huflederhaut umgeben. Bei Belastung des Hufes spreizt sich die Kapsel, das Hufbein sinkt tiefer und das Sohlengewölbe weicht nach unten aus. Dadurch hat die Lederhaut mehr Platz und füllt sich wie ein Schwamm voll Blut. Bei angehobenem Huf wird die Kapsel eng und drückt die Huflederhaut aus. Das Blut wird nach oben gepumpt und die Herztätigkeit unterstützt - der Huf wird ausreichend mit Nährstoffen versorgt und der gesamte Körperkreislauf funktioniert.

Der zweite wichtige Aspekt des Hufmechanismus ist die Stoßdämfung durch die Spreizung der Kapsel und durch das aufgehängte Hufbein, das in der Aufhängung federn kann. Außerdem rollt der Huf über Ballen, Strahl, Trachten, Steitenwände, Zehe ab - er setzt also zuerst mit den weicheren Hornregionen auf, die als Puffer wirken.

Informationen, Fortbildungen, Hufpflegervermittlungen:

Institut für Hufgesundheit & ganzheitliche Pferdebehandlung
Blaihofstr. 42/1, 72074 Tübingen
Tel/Fax: 07071/87572 · e-mail: Hufklinik@t-online.de
www.hufklinik.de

Buchtipp: Jonny Pump

Ein Beitrag zum Tierschutz

»Jonny Pump und das geheime Wissen der Pferdehufe«

Die Hufe sind ein ebenso wichtiges Organ des Pferdes wie sein Herz oder die Lunge. Mit dem Buch »Jonny Pump« von Angela Mayr, Jennifer Kurz und Marlene Mayr werden junge und junggebliebene Pferdefreunde in das »geheime Wissen« um die Pferdehufe eingeweiht: Aufbau des Hufes, Hufmechanismus, Fehlstellungen, falsche Hufbearbeitung, Einfluss von Hufeisen und Hufschuhen - diese Themen werden mit einfachen Worten und vielen Bildern beschrieben, so dass sie auch für Kinder verständlich sind.

»Es ist erschreckend und traurig zugleich, wie viele Pferde mit verkümmerten Hufen ihr Dasein fristen müssen, weil ihre Besitzer über die Auswirkungen von krankhaft veränderten Hornkapseln zu wenig Bescheid wissen«, so die Autorin Angela Mayr. Ihr ging es vor mehr als zehn Jahren genauso: Sie hatte ein liebes Pferd, das jedoch in schnelleren Gangarten buckelte - und niemand wusste, warum - auch der Tierarzt und der Hufschmied nicht. »Erst als wir Fotos an eine Barhuforthopädie-Schule schickten, erfuhren wir, dass unser Pferd unter seinen Zwanghufen litt. Das Tier hatte bei jedem Schritt Schmerzen, die sich in schnelleren Gangarten noch verstärkten.«

Schmerzende Hufe können einem Pferd das Leben zur Qual machen und ihm die Freude an der Bewegung nehmen. Auch viele Krankheiten können ihren Ursprung in falsch gepflegten Hufen haben. Deshalb sollte sich jeder Pferdefreund und vor allem jeder Pferdehalter mit dem Thema Hufe gut auskennen. Und: Jeder Pferdehalter sollte für eine pferdegerechte Unterbringung sorgen. Um gesund zu bleiben, braucht jedes Pferd viel Bewegung - und das jeden Tag und zu jeder Jahreszeit. Denn der gesunde Huf funktioniert wie eine Pumpe und unterstützt das Herz bei seiner Arbeit, Blut durch den Pferdekörper zu pumpen und so alle Knochen und Organe mit lebensnotwendigen Baustoffen zu versorgen. Die meisten Hufexperten sind sich einig, dass dieser Hufmechanismus beim gesunden, unbeschlagenen Huf am besten arbeitet. Die leider oft noch übliche Boxenhaltung, wo das Pferd die meiste Zeit des Tages steht und nicht täglich auf die Weide darf, führt dazu, dass die Hufpumpe sozusagen abschaltet. Die Folge: Der gesamte Organismus wird zu wenig mit Nährstoffen versorgt und die mangelnde Durchblutung der Beine führt zu kranken Hufen.

Warum Angela Mayr dieses Buch geschrieben hat? Das Buch ist ein Beitrag zum aktiven Tierschutz »und somit unser Beitrag zur Weltverbesserung«, so die Autorin. Darum wendet sich das Buch auch ausdrücklich an Kinder - denn sie sind die Pferdebesitzer, Tierärzte, Hufschmiede und Tierschützer von morgen.





»Das wohl verständlichste Buch über Pferdehufe, das derzeit auf dem deutschen Markt erhältlich ist«
(Zeitschrift Pegasus - Freizeit im Sattel, 10/2008)

Angela Mayr; Jennifer Kurz; Marlene Mayr:
Jonny Pump und das geheime Wissen der Pferdehufe
Gebunden, 71 Seiten, 14,90 Euro, Amaro-Verlag
ISBN 978-3000243769
Lesealter: 10-99 Jahre