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Rindfleischproduktion verursacht Wassermangel

Im Westen der USA herrscht seit Jahren zunehmende Dürre. Eine neue Studie entlarvt den dramatischen Zusammenhang zwischen Rindfleischproduktion und Wasserknappheit.

Wassermangel: Verluste in Milliardenhöhe, Pflanzen- und Tierarten gefährdet

Aufgrund klimabedingter Dürren und des steigenden Wasserverbrauchs sind die Wassereinzugsgebiete in den USA zunehmend unter Druck geraten. Niedrige Wasserstände haben in den letzten Jahren Hunderte von Pflanzen- und Tierarten gefährdet und landwirtschaftliche Verluste in Milliardenhöhe verursacht. Die Rindfleischproduktion könnte der größte Faktor für Wasserknappheit sein, so das Ergebnis der Studie »Wasserknappheit und Fischgefährdung angetrieben von der Rindfleischproduktion« eines interdisziplinären Forscherteams.

Rindfleischproduktion: Größter Faktor für Wasserknappheit in den USA

»Wenn wir den Wasserstress bekämpfen wollen, dann nicht, indem wir unsere Zähne ein bisschen schneller putzen oder fünf Minuten weniger unter der Dusche verbringen, so wichtig diese Dinge auch sind. Die Nahrungsmittelproduktion ist ganz entscheidend«, erklärt Peter Debaere, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Darden School of Business, University of Virginia, der seit Jahren zur Ökonomie der Wasserproduktion und -knappheit forscht.

Anhand eines von den Forschern als »Water Supply Stress Index« bezeichneten Maßes berechneten die Wissenschaftler den Grad der Wasserknappheit in Wassereinzugsgebieten im ganzen Land und verglichen ihn mit dem Wasserfluss in Flüssen, um festzustellen, welche Wassereinzugsgebiete erschöpft waren. Sie stellten fest, dass die Wasserknappheit in den USA nicht gleichmäßig über das Land verteilt ist, sondern sich auf die Bundesstaaten westlich des Mississippi konzentriert.

Der Anbau von Viehfutter verbraucht am Colorado River 55 % des gesamten Wassers

Im Colorado-Flusseinzugsgebiet zum Beispiel war der Wasserverbrauch in 75 Prozent der Jahre zwischen 2000 und 2015 höher als die Menge des verfügbaren Wassers. »Das ist nur möglich, weil sie die Stauseen des Lake Powell und des Lake Mead erschöpfen«, sagt Debaere. Bei der Analyse der Quellen dieser Erschöpfung identifizierten er und seine Forscherkollegen den Anbau von Viehfutter als größte Quelle: er macht in den westlichen Bundesstaaten 32 Prozent des gesamten Wasserverbauchs aus - und sogar satte 55 Prozent im Colorado River Basin. »Man braucht Bewässerung, um all diese Pflanzen anzubauen«, erklärt Prof. Debaere. »Den Menschen ist nicht klar, wie viel Wasser in sie hineinfließt.«

Im Moment mag es billiger sein, die Futterpflanzen im Westen der USA anzubauen, wo das Rindfleisch produziert wird - aber das liegt nur daran, dass die Kosten der Wasserknappheit nicht berücksichtigt werden. »Es wird keine Lösung für die Wasserkrise geben, solange wir die Preise für Wasser nicht angemessen festsetzen.«

Quelle: Water scarcity and fish imperilment driven by beef production.
In: Nature Sustainability 3/2020.
www.nature.com/articles/s41893-020-0483-z

UNESCO warnt seit Jahren vor dramatischer

Verschärfung der Trinkwasser-Knappheit

Bereits heute haben 2,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem und durchgängig verfügbarem Trinkwasser. Der jährlich erscheinende World Water Development Report der UNESCO warnt seit Jahren vor einer dramatischen Verschärfung der Trinkwasser-Knappheit: Bis zum Jahr 2050 bedrohen Umweltschäden und mangelnde Wasserressourcen 45 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts und 40 Prozent der weltweiten Getreideproduktion.

Die landwirtschaftliche Produktion ist laut der UNESCO für 70 Prozent des Wasserverbrauchs verantwortlich. Das Problem: 70 Prozent der angebauten Nutzpflanzen dienen nicht als Nahrung für Menschen, sondern landen in den Futtertrögen der industriellen Massentierhaltung. Dabei ist die Viehzucht äußerst ineffizient in der Nutzung der Ressourcen: Für jedes Kilo Rindfleisch werden 16 Kilo Getreide (Mais, Soja, Weizen) verfüttert.

Für 1 Kilo Rindfleisch werden bis zu 15.400 Liter Wasser verbraucht

Die Produktion von Fleisch und Milch verschlingt ein Vielfaches mehr an Wasser als der Anbau von Grundnahrungsmitteln wie Getreide oder Gemüse. Für den Anbau von Viehfutter werden unglaubliche Mengen an Wasser verbraucht: Für die Produktion von nur 1 Kilo Rindfleisch werden bis zu 15.400 Liter Wasser verbraucht. Mit dieser Menge könnte man über ein Jahr lang täglich duschen! Zum Vergleich: Für die Produktion von 1 Kilo Weizen werden 1.300 Liter Wasser gebraucht, für 1 Kilo Kartoffeln 255 Liter, für 1 Kilo Karotten nur 131 Liter.

Deutschland hat in der EU die zweithöchste Nitratkonzentration im Wasser

Deutschland ist ein wasserreiches Land. Doch in den Hitzesommern ist selbst bei uns das Wasser mancherorts knapp geworden.

Hinzu kommt: Unmengen von Mist und Gülle verseuchen Flüsse, Seen und Grundwasser. Deutschland hat in der EU die zweithöchste Nitratkonzentration im Wasser. Die Folge für die Bürger: steigende Wasserpreise.

Doch trotz neuer »Gülleverordnung« wurde 2020 an mehr als jeder vierten Messstelle in Agrarregionen der EU-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter weiterhin überschritten. Im September 2020 drohte die EU Deutschland mit der Wiedereröffnung des Vertragsverletzungsverfahrens. Die EU-Kommission hatte bereits 2019 mit einem Zwangsgeld von zu 850.000 Euro pro Tag gedroht, weil die hohe Nitrat-Belastung seit Jahren gegen die europäische Grundwasserrichtlinie verstößt.