Freiheit für Tiere
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amaZOOnico: Auffangstation für Wildtiere in Not

Als Volontärin in Equador

Blaustirnamazone mit einer Orito

Bild: Dominique Seeger

Von Dominique Seeger

Vor fast genau einem Jahr reiste ich nach Ecuador, um dort für mehrere Monate als Volontärin bei einem sehr interessanten Projekt namens »amaZOOnico« mitzuarbeiten.

»Coooomidaaaa!!!«
Ein Schrei weckt mich abrupt aus meinem Dämmerschlaf. Nach einer langen Reise erwache ich an einem seltsamen, heißen Ort, Grillengezirpe dröhnt in meinen Ohren. Ich hatte mich unter mein Moskitonetz verkrochen und war weggeschlummert. Das laute »Comida!« holt mich ruckartig wieder in die Gegenwart zurück - es ist Essenszeit. Eine Gelegenheit, die anderen Volontäre kennenz lernen. Ein recht bunt zusammengewürfelter Haufen, sowohl was das Alter als auch Herkunft und Aussehen betrifft. Am Tisch wird Spanisch gesprochen, damit jeder jeden versteht. Ich verstehe überhaupt nichts. Ob es an dem Jetlag, der Unsicherheit oder an meinen (noch) mangelnden Spanischkenntnissen liegt, kann ich in diesem Moment nicht beurteilen. Vorerst sitze ich auf einer Holzbank in der Küche, löffle meinen Reis und komme mir reichlich deplatziert vor.

Ich befinde mich mitten im tiefsten Dschungel im Herzen von Ecuador. Vor ein paar Monaten dachte ich, es wäre eine gute Idee, ins Ausland zu gehen, zu helfen, meinen Horizont zu erweitern und so weiter. Jetzt bin ich da, im amaZOOnico, einer Wildtierauffangstation, meinem Zuhause für die nächsten drei Monate. Das Volontärshaus besteht hauptsächlich aus Holz, Fliegengitter ersetzen hier Fensterscheiben, die Sofaecke sieht sehr nach Marke Eigenbau aus und zu den Haustieren zählen unter anderem Kakerlaken und Taranteln. Das schmeckt auf jeden Fall nach Abenteuer!

Dieses Totenkopfäffchen hat großen Appetit.

Bild: Dominique Seeger

Die Aufgaben der Volontäre

Die ersten Arbeitstage gehen vorüber. Den obligatorischen Eingewöhnungsdurchfall habe ich bereits hinter mir und das Klima und der Schmutz machen mir auch nichts aus. Alles läuft prima. Ich befinde mich in der Tutorenwoche: Ich werde einer erfahrenen Volontärin zugeteilt, die mich in den ersten Tagen mit der Bodega (Futterküche) vertraut macht und mich in die Tiergehege mitnimmt.

Der Tagesablauf orientiert sich in erster Linie an den Bedürfnissen der Tiere. Zuerst wird also das Frühstück zubereitet. Dazu begeben sich morgens um 7 Uhr alle Volontäre in die Bodega. Dort werden frische Früchte in verschiedene Eimer geschnitten. Es gilt das Motto: Was du selbst nicht mehr essen würdest, das wird auch nicht an die Tiere verfüttert. Die Papayas, Oritos, Platanos usw. kommen hier direkt vom Baum, deshalb naschen wir auch gerne mal!

Es gibt drei Fütterungsrunden. In der ersten Zeit mache ich meistens die Tour durch die Affengehege. Alle Gehege hier bestehen aus einem kleinen Vorkäfig und einem groß angelegtem »Lebensbereich-Gehege« mit Bäumen, Pflanzen und einem Zaun drum herum und oben drüber. Zuerst locken meine Tutorin Anke und ich die Affen aus dem Vorkäfig heraus, dann ziehen wir die Verbindungstür zwischen den Käfigen mit einem Seil von außen zu. Sicher ist sicher. Schließlich arbeiten wir hier nicht mit Kuscheltieren zusammen, sondern mit Wildtieren. Nun können wir den Vorkäfig sauber machen. Vor allem der Futterstelle und dem Kot widmen wir unsere überwiegende Aufmerksamkeit. Bevor wir frisches Futter verteilen, soll alles möglichst hygienisch sein. Mit Bürsten und Wasser schrubben wir auch täglich die Wasserbecken. Dann gehen wir wieder hinaus, öffnen die Zwischentür und die Tiere können ihr Frühstück genießen.

Zuweilen kann es aber auch passieren, dass ungebetene Gäste während des Saubermachens durch die Eingangstür eindringen und das Futter stibitzen. Die frei lebenden Totenkopfäffchen haben den Futterklau zur Meisterschaft gebracht. Ständig müssen wir uns etwas Neues einfallen lassen, um sie zu verscheuchen oder abzulenken. So wird die Fütterung nie langweilig. Auch die Tiere in den Gehegen reagieren begeistert auf die Ankunft der Futtereimer.

Der erste Blick auf den amaZOOnico vom Fluss aus

Bild: Dominique Seeger

Hier wohnen die Volontäre

Bild: Dominique Seeger

Einmal die Woche kommen Früchte für die Tiere.

Die Volontäre tragen sie vom Fluss bis hoch zur Futterküche.

Tapir-Waisenkind "Navi"

Bei uns lebt eine junge Tapir-Dame namens Navi. Nachdem ihre Mutter bei einer traditionellen Jagd der Einheimischen ums Leben kam, wurde sie von denselbigen Jägern in den amaZOOnico gebracht. Ihre Religion verbietet es ihnen nämlich, Jungtiere zu töten. So wurden die Volontäre Navis Eltern und machten Bekanntschaft mit ihrer Verschmustheit und Intelligenz. Bei jeder Fütterungsrunde rufen wir laut ihren Namen: »NAVI!«, denn sie hat ein riesiges Gehege und ist meistens irgendwo unterwegs. Doch auf den Ruf ihres Namens reagiert sie sofort. Quiekend kommt sie aus dem Dickicht geklettert und beginnt sofort damit, mir die Arme und das Gesicht abzuschlecken. Nach den meisten Fütterungsrunden klebt mir fortan Tapirspeichel im Gesicht, doch jedes Mal geht mir das Herz auf!

Navi, das Tapirmädchen,

zeigt Dominique seine Zuneigung

Navi ist eines der wenigen Tiere, das wir streicheln und lieb haben dürfen, da sie als Jungtier noch viel Zuneigung braucht (die sie auch von allen Volontären bereitwillig bekommt). Doch generell herrscht auch für uns Volontäre die Regel, weder mit den Tieren zu sprechen, noch sie anzufassen. Das klingt im ersten Moment hart, doch wie bereits gesagt, es sind Wildtiere. Und das macht einen großen Unterschied. Sie verdienen eine andere Art von Respekt als Haustiere, und daraus ergibt sich ein ganz anderer Umgang mit ihnen. Wir respektieren sie als wilde freie Tiere, die Herr ihres eigenen Territoriums sind und es nicht - wie zum Beispiel ein Haustier - mit uns Menschen teilen müssen. Wir möchten, dass sie trotz Gefangenschaft so würdevoll und natürlich wie möglich leben können.

Navi, das Tapir-Waisenkind

Bild: Dominique Seeger

Touristen-Führungen:

Aktive Aufklärung für den Schutz der Tiere

Neben dem Füttern und Säubern der Gehege gehören zu den Aufgaben der Volontäre auch Touristenführungen. In der gesamten Umgebung werden in Cabañas oder Hotels die geführten Touren durch den amaZOOnico angeboten. Das läuft dann ungefähr so: Ein Guide fährt eine Gruppe Touristen mit dem Boot zu uns und übergibt sie in unsere Obhut. Zuerst wird abgerechnet - mit dem Geld aus den Führungen wird hauptsächlich das Futter der Tiere finanziert. Leider erhöhen die Händler fast wöchentlich die Preise für die Früchte, doch der amaZOOnico kann nicht alle paar Tage das Eintrittsgeld erhöhen. Deshalb gibt es auch einen kleinen Shop (wir nennen ihn einfach die »Bar«), in dem handgemachter Schmuck, Getränke, bedruckte T-Shirts und Ähnliches angeboten werden. Natürlich decken die Souvenir-Einnahmen nicht die laufenden Kosten des gesamten Projekts mit Hunderten von Tieren und fest angestellten Mitarbeitern, geschweige denn von speziellen Medikamenten, Operationen für kranke Tiere oder etwa neue Käfige für tierische Neuzugänge. Aus diesem Grund ist das Projekt auf Spenden unbedingt angewiesen. Für jede Unterstützung, ob Geld oder Arbeitskraft, ist man hier sehr dankbar.

Die Touristen kommen aus allen möglichen Ecken der Erde. In der Regel beschränken sich die angebotenen Sprachen für die geführten Touren hier auf die Sprachen Deutsch (Schweizerdeutsch), Englisch, Spanisch und Französisch. Es wurde aber auch schon nach einer russischen und sogar nach einer hebräischen Tour gefragt. Das können wir Volontäre dann doch nicht erfüllen, doch jeder sollte nach einer Eingewöhnungszeit imstande sein, eineinhalbstündige Touren in drei Sprachen zu geben - Spanisch unbedingt mit inbegriffen. Anfangs hatten wir alle Angst vor den spanischen Touren, doch es wird keine sprachliche Glanzleistung erwartet, sondern nur, dass man die wichtigsten Informationen einfach und klar vermitteln kann. Ich gestehe, vor meiner ersten Spanischtour habe ich mir Sätze für jeden einzelnen Käfig zusammengeschrieben und auswendig gelernt. Doch mit der Zeit wird es sehr viel leichter. Vor allem die Körpersprache ist eine charmante Art über sprachliche Lücken hinweg zu kommen. So ist das hier im Dschungel: Wenn etwas nicht gegeben ist, muss man sich eben etwas anderes einfallen lassen.

Meine allererste Touristenführung gebe ich schon an meinem dritten Tag, auch gleich noch auf Englisch. Aber es macht wirklich Spaß - und bis zum Schluss übernehme ich immer gerne Touristen­führungen. Die meisten Touristen sind sehr nett, sogar aufrichtig interessiert und staunen - genau so wie ich jeden Tag - über diese faszinierenden Tiere. Am Anfang einer jeden Tour gebe ich den Besuchern eine kurze mündliche Zusammenfassung zum Projekt und seinen Zielen. Auch wichtig, die drei Regeln für Besucher: Tiere nicht anfassen, nicht mit ihnen sprechen und beim Fotografieren den Blitz ausmachen. Schließlich geht es im Gänsemarsch auf Trampelpfaden in das grüne Dickicht, aus dem sich Schritt für Schritt die Tiergehege herausschälen. An jedem halte ich an und erzähle die meist traurigen Geschichten ihrer Bewohner.

Mein schönstes Touristenerlebnis habe ich an einem Donnerstagnachmittag, als ich eine dreißigköpfige Gruppe Amerikaner übernehme. Eine Dame ist besonders von den Tukanen angetan und wir geraten in ein lebhaftes Gespräch über Vögel. Ich erzähle ihr von einem wunderschönen, pink-grünen Ara, der zurzeit in der Pflegestation auf eine Operation wartet. Sein ehemaliger Besitzer hat ihm Draht durch die Flügel geflochten, aus welchen Gründen auch immer. Die Dame unterbricht mich und fragt, wie viel die Operation koste. Ich antworte ganz erschrocken, dass es nicht meine Absicht sei, damit um Spendengelder zu werben. Doch sie lässt nicht locker und möchte sofort mit dem Verantwortlichen sprechen, um die Spende noch heute wirksam zu machen. Noch in derselben Nacht konnte der Ara operiert werden und wurde so von seinen Schmerzen befreit.

Ein Tucan beim Essen.

Das Futter ist sehr schmal geschnitten, damit sie es einfacher essen können. Bild: Dominique Seeger

Gelbbrust-Aras sind sehr intelligente Tiere.

Bild: Dominique Seeger

Die meisten Tiere aus Wildtierhandel gerettet

Ein Großteil aller Tiere, die hier sind, entstammt dem Wildtierhandel, der glücklicherweise mittlerweile in Ecuador verboten ist. Das Ministerium für Umwelt konfisziert Tiere meist vom Schwarzmarkt und gibt sie an Auffangstationen wie den amaZOOnico weiter. Dabei erfahren wir oft nicht viel über Herkunft oder Zustand der Tiere. Deshalb muss sich jedes einer wochenlangen Quarantäne unterziehen, wird deparasitiert und auf unnatürliches oder aggressives Verhalten beobachtet. Es muss hundertprozentig ausgeschlossen werden, dass die Tiere anderen durch Krankheiten oder Gewalthandlungen schaden können.

Mehr als ein Drittel dieser Tiere können nie wieder in die Freiheit zurück. Sie kommen hier an, teilweise verstümmelt, traumatisiert oder zu stark an Menschen gewöhnt. Zum Beispiel gibt es hier sehr viele Aras, schöne, bunte und intelligente Tiere. Einige können sprechen. Das ist ein schlechtes Zeichen, sie waren zu lange Haustiere. Sie sind daran gewöhnt, gefüttert zu werden, kennen ihre natürlichen Feinde nicht mehr und haben keine Ahnung vom Überleben in der Wildnis. Und kaum einer weiß, dass diese Vögel sehr alt werden - bis zu 70 Jahre! Wer möchte schon ein Haustier sein Leben lang haben? Kaum jemand. Aus diesem Grund landen viele Aras bei uns, und die Kapazität der Vogelkäfige ist schon lange überschritten. Doch wo sollen die Tiere sonst hin? Geld für einen neuen Käfigbau gibt es zur Zeit nicht mehr. Denn alle Reserven und Spendengelder sind schon in einen neuen Ozelotkäfig geflossen.

Klammeraffenmama mit Baby.

Der amaZOOnico hat dafür gesorgt, dass sich diese vom Aussterben bedrohten Affen in dem Gebiet wieder ansiedeln konnten. Bild: Dominique Seeger

Zwei Ozelot-Babys vom Schwarzmarkt gerettet

Ende des Jahres 2012 kamen zwei kleine Ozelot-Babys direkt vom Schwarzmarkt in den amaZOOnico. Bis vor kurzem lebten sie in einem Käfig außerhalb der Touristenroute und wurden von den Volontären mit der Flasche großgezogen. Mittlerweile sind sie ihrem Käfig aber längst entwachsen und wollen auf Bäumen klettern und den Dschungel durchstreifen. Zu diesem Zweck wurde lange gespart, und schlussendlich konnten sie in ihre neue Heimat umziehen, das bis dahin größte Gehege des amaZOOnico. Doch es muss ihnen auch unbedingt gefallen, denn sie müssen den Rest ihres Lebens hier verbringen.

Wenn eine Wildkatze einmal von den Eltern getrennt bei Menschen aufwächst, kann sie nie wieder ausgewildert werden, da Katzen Einzelgänger sind und niemand ihnen nachträglich Jagen und Überleben in der Wildnis beibringen kann.

Der junge Ozelot Huachi macht es sich gemütlich.

Bild: Dominique Seeger

Ozelotjunges Ankas erkundet das neue Gehege.

Bild: Dominique Seeger

Auswilderung von Affen im Schutzwald

Anders ist es mit den Affen. Sie leben ähnlich wie wir Menschen in sozialen Gruppen. Aus diesem Grund ist es dem amaZOOnico gelungen, in einem eigenen Schutzwald so viele Affen auszuwildern, dass sich die über die Jahre ausgedünnten Klammeraffenbestände wieder erholen konnten.

In einem langen, von Biologen überwachten Prozess werden Affen aus der Gefangenschaft an eine bereits frei lebende Gruppe angenähert. Dazu wurden mitten in der Wildnis fernab aller Straßen und menschlichen Siedlungen Käfige gebaut, in die die auszuwildernden Affen umgezogen werden. In der näheren Umgebung dieses Käfigs lebt bereits eine Affengruppe in Freiheit. Durch Futter wird diese an den Käfig mit dem Neuling herangelockt. Es entsteht eine Kennlern-Situation. Nach einer (wohl kalkulierten und genau beobachteten) Weile wird die Käfigtür geöffnet und der Affe entschwindet als neues Mitglied einer frei lebenden Affengemeinschaft.

Frei lebender Wollaffe

Bild: Dominique Seeger

So läuft es zumindest im Optimalfall. Leider gibt es auch Affen, die im wahrsten Sinne des Wortes durchgedreht sind. Von ihren früheren Besitzern in den Wahnsinn getrieben, als Spielzeug missbraucht, zurückgelassen als kreischendes Etwas… Eines unserer Kapuzineräffchen zum Beispiel reagiert sehr aggressiv auf Frauen. Einmal während des Saubermachens passe ich nicht auf und komme zu nahe an das Käfiggitter. Sofort reißt mir der Kapuziner ein Büschel Haare raus und kratzt mir über die Hand. Natürlich tut es weh, doch vielmehr schmerzt mich, dass diesem Affen offensichtlich Schlimmes angetan wurde. Wir vermuten, dass er das Haustier einer Frau war, die ihn wohl sehr schlecht behandelt hat. Mittlerweile lebt er jedoch wieder in Freiheit.

Affen sind sehr intelligent. Man kann sie nicht einfach in einen Käfig sperren, so wie man das mit einem Menschen auch nicht kann. Irgendwann drehen wir durch. Ein Affe braucht ebenso wie ein Mensch eine geistige Beschäftigung. Zu diesem Zweck sind alle Volontäre verpflichtet, regelmäßig »enricisimientos« zu entwickeln. Das sind kleine Vorrichtungen, die die Tiere zum Denken anregen sollen. Einfachstes Beispiel ist etwa eine Papaya mit einem kleinen Loch, in das schmackhaftes Futter gesteckt wird. Der Affe möchte an diese Leckerei herankommen, muss sich aber überlegen, wie er die Papaya am besten öffnet oder wie er das Futter aus dem kleinen Loch herauskriegen könnte.

Goldstirnklammeraffen

Bild: Dominique Seeger

Auch andere Tiere sind ihres Käfiglebens schnell überdrüssig und freuen sich über jede Herausforderung. Zum Beispiel leben hier Wickelbären, das sind kleine Mischungen aus Affe, Bär und Kolibri (ja genau, Kolibri – sie besitzen eine sehr lange Zunge, ähnlich der eines Kolibris). In Ecuador werden sie für eine Art Hahnenkampf »verwendet«. Wickelbärmännchen sind sehr territorial: Macht man sie also aggressiv und hetzt sie aufeinander, entsteht ein Kampf auf Leben und Tod. Das ist natürlich illegal, doch die Wetteinsätze bringen große Gewinne ein. Einige wenige Überlebende wohnen nun bei uns - meist mit schweren Verstümmelungen an Schwanz, Hals, Gesicht oder Pfote. Nichtsdestotrotz sind das aufgeweckte Kerlchen, die klettern können wie Weltmeister. Deshalb hängen im ganzen Käfig Äste, Seile oder Bambusschaukeln zum Beklettern, die wir alle paar Wochen neu arrangieren, damit es nicht zu langweilig wird.

So und ähnlich sieht der Arbeitstag im amaZOOnico aus. Nach Feierabend gehen wir oft im Fluss baden, der direkt vor unserer Haustür ist. Wir kochen zusammen, machen Musik, entspannen uns in Hängematten, unterhalten uns über den Tag. Durch diese Art des Zusammenlebens entsteht unter den Volontären eine enge Gemeinschaft, in der man sich aufeinander verlassen kann. Nirgendwo anders habe ich solch besondere Freundschaften geschlossen, wie in meiner Zeit im amaZOOnico. Noch heute habe ich Kontakt mit diesen Menschen, obwohl sie überall auf dem Erdball verstreut sind. Durch die intensive Arbeit mit den Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum wachsen die Menschen hier zusammen - für das
gemeinsame Ziel, den Tieren ein besseres Leben zu ermöglichen.

Im Gegensatz zu meinen unzähligen reiselustigen Generationsgenossen hatte ich viel Angst vor meiner Reise. Alleine auf einem fremden Kontinent, eine fremde Sprache und eine fremde Umgebung. Doch es hat sich mehr als gelohnt. Ich verbrachte die beste Zeit meines Lebens mitten im Dschungel, mit Menschen, die etwas Gutes tun wollten und es jeden Tag taten, ohne dafür Anerkennung oder gar Geld zu erwarten, umgeben von Natur, die es üppiger und prachtvoller für mich nicht geben kann, mit Tieren, die mich jeden Tag aufs Neue faszinierten und mir ihre Freundschaft anboten. Ich war dort jeden Tag dreckig, verschwitzt, müde und zerstochen und… glücklich.

Danke an das Projekt amaZOOnico und alle seine unglaublichen Mitarbeiter, sowie an alle Tiere dort! Ya nos veremos.

Fütterung der frei lebenden Totenkopfäffchen

Bild: Dominique Seeger

amaZOOnico:

Auffangstation, Auswilderungsprojekte und Schutzwald

Der amaZOOnico, eine Auffangstation für Wildtiere, wurde vor rund 20 Jahren von der Schweizerin Angelika Raimann, ihrem ecuadorianischen Ehemann Remigio Canelos und Christine von Steiger ins Leben gerufen. Diese Wildtierauffangstation geht jedoch über das »normale« Aufnehmen von Tieren weit hinaus und arbeitet seit langem an sehr interessanten Auswilderungsprojekten, vor allem für die vom Aussterben bedrohten Klammer- und Wollaffen. Hierzu werden seit Jahren Regenwaldflächen gekauft, um sie zu einem Schutzwald umzufunktionieren, in dem weder gerodet noch gejagt werden darf. In diesem Areal werden so viele Tiere wie möglich in langen und intensiv begleiteten Prozessen ausgewildert. Die Tiere, die aufgrund zu starker Menschengewöhnung oder Verletzungen nicht mehr ausgewildert werden können, werden in großen Freiluftgehegen gehalten und von Volontären aus aller Welt versorgt.

Täglich kommen Touristengruppen, die für ein paar Dollar durch diesen Park geführt werden. Für viele Besucher hat das zu Anfang einen starken Zoo-Charakter. Doch die Volontäre zeigen bei diesen Touren nicht nur die Tiere, sondern erzählen auch ihre (meist traurigen) Geschichten und klären somit gleichzeitig über Wildtierhaltung und deren fatale Folgen auf.

Das Projekt finanziert sich ausschließlich aus Spenden und den Erträgen aus den Touristenführungen.
Informationen: amaZOOnico
TENA / Napo, Ecuador
e-mail: amazoonico@gmail.com
Volontäre, Praktikanten: volunteers@selvaviva.ec
Internet: www.selvaviva.ec/amazoonico/

Spendenkonto
Konto Padrinos del amaZOOnico, Zürich
Sparkasse Hochrhein, Waldshut-Tiengen
BLZ 68452290; Kontonummer: 77052421
BIC-/SWIFT-Code: SKHRDE6W
IBAN DE16 6845 2290 0077 0524 21