Freiheit für Tiere
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Animals' Angels: "Wir sind bei den Tieren"

Wer die bunten, idyllischen Packungen von Milch, Butter, Quark & Co vor sich auf dem Tisch hat und die zufrieden grasenden Kühe vor Alpenpanorama sieht, kommt kaum auf die Idee, dass solche Bilder nichts mit der Realität zu tun haben. Was die Realität ist, sieht Sophie Greger von »Animals‘ Angels« anders.

Sophie sieht die Kühe in den so genannten »Anbindehaltungen«. Einige Dutzend der Ställe, in denen Kühe so gehalten werden, hat sie besucht und kontrolliert. Sie berichtet: »Ich kann das kaum fassen, dass Tiere bei uns immer noch so gehalten werden. Die Kühe verbringen - mit Ketten um den Hals - an dieser einen Stelle ihr gesamtes Leben. Sie können nicht nach vorne, nicht nach hinten. Sie können sich nur legen und wieder aufstehen. Sie erinnern mich an Kerkerinsassen im Mittelalter und an unschuldig Gefangene in irgendeiner Diktatur. Mitten in Deutschland - tausendfach gibt es so etwas. Jede vierte deutsche ‚Milch’kuh wird so im Stall angebunden. Und dasselbe gilt für ‚Mast‘rinder. Das hat mich tief getroffen.«

Sophie Greger dokumentiert Anbindehaltungen

in Deutschland · Foto: Animals’ Angels

»Die Kühe verbringen - mit Ketten um den Hals

- an dieser einen Stelle ihr gesamtes Leben.« · Foto: Animals’ Angels

"Vielen würde die Lust auf Fleisch vergehen"

Dabei hat Sophie schon einiges gesehen, was Tieren angetan wird. Seit Jahren arbeitet sie mit Animals‘ Angels in Europa dafür, dass sich endlich beim Transport, bei der Haltung und bei der Schlachtung etwas zum Besseren für die Tiere ändert. »Das sind halt die Tiere, die jeder nur essen will. Die so genannten ‚Nutz’tiere werden ja hinter Stacheldraht und in riesigen Fabriken gemästet und eingesperrt. Vieles, was ihnen angetan wird, bekommt man nicht zu Gesicht. Das soll auch so sein, sonst würde vielen Menschen die Lust auf Fleisch vergehen.«

Die Animals‘ Angels gehen dahin, wo andere weggehen. Und sie sehen hin, wo andere wegsehen. Sophie sorgt in Polen mit einheimischen Mitarbeitern dafür, dass Märkte kontrolliert und die schlimmsten Missstände angezeigt werden. Silvia, ein italienischer ‚Tierengel‘, ist in Rumänien unterwegs und bearbeitet lokale und regionale Behörden, damit sie dort wenigstens ansatzweise die europäischen Bestimmungen für die Tiere einhalten: »In Rumänien regt mich zum Beispiel ein ‚Volkssport‘ auf, bei dem Pferde schwerste Betonklötze ziehen müssen, bis sie zusammenbrechen. So etwas hat in einem zivilisierten Europa keinen Platz, und immerhin haben wir schon Erleichterungen und Einschränkungen solcher Quälereien durchsetzen können. Es ist halt äußerst mühsam.«

Silvia setzt sich in Rumänien ein,

dass Tierschutz­bestimmungen wenigstens ansatzweise eingehalten werden. · Foto: Animals’ Angels

Einsatz in Indien

Mühsam ist es, und es erfordert Hartnäckigkeit, Geduld und innere Stärke, denn die Animals‘ Angels wollen immer mit den Behörden und den zuständigen Beamten arbeiten und nicht gegen sie. Sie sind überzeugt, dass nur so langfristige Veränderungen zu erreichen sind. Das gilt auch für Indien, wo Sophie mit zwei indischen Frauen und unterstützt durch eine indische Tierschutzorganisation schon viel für Kühe und Kälber getan hat. »Wenn man immer wieder nachhakt und nicht nachgibt, und wenn man deutlich für die Tiere eintritt, ohne dass man als überheblicher Europäer rüberkommt, kann man schon etwas erreichen«, sagt Sophie. Einige der schlimmsten Quälereien sind abgeschafft, wenigstens an einigen Orten, und diese Arbeit setzt Beispiele und wirkt als Leuchtturm.

Obwohl die Kühe in Indien ‚heilig‘ sind, geht es ihnen dort überhaupt nicht gut. Sie werden vernachlässigt, müssen sich mühsam ihr Futter suchen (und dabei immer wieder Plastik und Müll aufnehmen). Jedes Jahr werden Millionen »Heilige Kühe« unter unsäglichen Bedingungen nach Bangladesch transportiert, um für die Lederindustrie geschlachtet zu werden. Und: Ausgerechnet Indien ist auf dem Weg, Brasilien als größten Rindfleisch-
Exporteur der Welt abzulösen. Quälereien und Hunger und Durst gehören zu den Leiden der Kühe.

Sophie setzt sich auch in Indien

für die »Heiligen Kühe« ein, die oft gar nicht so heilig behandelt werden. · Foto: Animals' Angels

Ausgerechnet Indien ist auf dem Weg,

der größte Rindfleisch-Exporteur der Welt zu werden. · Foto: Animals' Angels

Kontrolle von Tiertransporten in der EU

Seit 12 Jahren ist Julia Havenstein, eine 43jährige Juristin, im Auftrag der Animals‘ Angels bei den Tieren. Ihre Schwerpunkte waren anfangs Spanien und Portugal, wo sie sich erfolgreich für eine bessere Behandlung der so genannten ‚Nutz’tiere eingesetzt hat. Seit einigen Jahren leitet sie die Transporteinsätze in der EU sowie Projekte im Mittleren Osten und Marokko.

»Mein Herz schlägt für die Tiere, die im Schlachthaus und dann auf dem Teller landen. Von Spanien aus gehen viele Tiere auf den Transport, zum Beispiel nach Italien, und deswegen kontrollieren wir immer wieder die Routen. Zum Glück arbeiten wir sehr gut mit der Polizei zusammen! In Europa haben wir schon Dutzende Schulungen für Polizisten gemacht, es sind bestimmt 5.000 Beamte durch unsere Trainings gegangen. Dank der Schulungsmaßnahmen können sie besser dafür sorgen, dass die Bestimmungen eingehalten werden und wo notwendig Strafen verhängen. Zum Beispiel organisiert die italienische Polizei jetzt jedes Jahr einen großen Einsatztag, an dem alle Autobahnpolizeistellen konzentriert gegen die Unsitten bei den Tiertransporten vorgehen. Das ist ein großer Erfolg, allein an den Geldbußen von zigtausend Euro gemessen - und so etwas spricht sich natürlich bei den Transporteuren herum!«

Julia Havenstein kontrolliert Tiertransporte

in der EU, in enger Zusammenarbeit mit der Polizei. · Foto: Animals' Angels

Zeichen setzen

»Bei den Tieren« zu sein - das ist immer wieder die Aufgabe und das Ziel der Animals‘ Angels. Sie sind direkt vor Ort, von Portugal bis nach Australien und von Dänemark bis
Katar. Dass sie als kleine, tatkräftige Gruppe nicht flächen­deckend wirken können, wissen sie selber nur zu gut. Umso mehr legen sie Wert darauf, dass sie Prozesse anstoßen, Beispiele geben und Zeichen setzen.

»Wenn schon von Europa, auch von Deutschland aus, die Maschinen und Ideen für die industrielle Behandlung von Tieren in die Dritte Welt und in den Osten exportiert werden - dann wollen wir unsere Überzeugung auch exportieren, als Gegengewicht. Das ist unser Protest«, sagt Julia. Sie bereitet sich gerade auf einen »Animal Day« in Marokko vor, wo die Animals‘ Angels auf einem Tiermarkt zeigen wollen, dass Hühner Wasser, Schafe Schatten und alle Tiere eine gute Behandlung brauchen. »Tiere haben in unseren Augen eine eigene Würde, und das wollen wir demonstrieren, indem wir ganz praktisch vor Ort etwas für sie tun.«

Gegengewicht zum Tierqual-Export von Deutschland

aus: Die Tierschutz-Überzeugung in andere Länder bringen, zum Beispiel beim »Animal Day in Marokko«. · Foto: Animals' Angels

Christa Blanke, Gründerin der »Animals’ Angels«,

weiß: Wer sich auf das Schicksal der »Schlacht«tiere einläßt, wird zum Zeugen von Brutalität und Vernichtung in unvorstellbarem Ausmaß. Das moderne Agrobusiness kalkuliert mit dem, was Tiere gerade noch aushalten können, ohne zu sterben. Das Leiden findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. · Foto: Animals' Angels

Animals' Angels 1998 von Christa Blanke gegründet

Seit 1998 gibt es die Animals‘ Angels. Sie wurden gegründet von Christa Blanke, die mit ihrem Engagement und ihrer klaren Haltung für viele Tiere Verbesserungen gebracht - und bei Transporteuren, Händlern und Politikern für Aufsehen gesorgt hat. Gerade weil sie unbequem und unnachgiebig immer wieder bei den zuständigen Stellen vorgesprochen und nachgehakt hat, ist sie mit ihrer Organisation zu einem Markenzeichen geworden. Christa Blanke wurden nationale und internationale Anerkennung durch viele Preise und Auszeichnungen zuteil, darunter das Bundesverdienstkreuz.

Ihr Buch »Mit den Augen der Liebe« ist ein sehr persönliches Tagebuch, in dem sie von Tiertransporten berichtet: Von der Qual und Angst der Tiere, ohne Wasser, ohne Nahrung, ohne Rücksicht - und von Menschen, die bei den Tieren sind, ihnen Wasser und Trost geben, die die Augen nicht verschließen und das Gesehene an die Öffentlichkeit bringen. In ihrem Buch »Da krähte der Hahn« berichtet Christa Blanke von ihren Erfahrungen als Pfarrerin, die sich für Tierschutz engagiert und immer wieder feststellt, wie die Kirche zu all dem Unrecht an Tieren schweigt. Dies führte im Jahr 2000 zu ihrem Kirchenaustritt.

Anbindehaltung verbieten, Tiertransporte stoppen

»In Deutschland muss noch viel passieren!«, sagt Sophie Greger (34). »Ich bin froh, dass wir im Jahr 2015 so viel für die angebundenen Kühe erreicht haben wie nie zuvor. Die aktuellste Entwicklung ist eine Bundesratsinitiative, die Hessen im November eingereicht hat: Ein deutschlandweites Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung. Die Vorarbeit dazu haben wir gemacht. Wir haben das Thema auf die Tagesordnung gesetzt. Jetzt muss die Politik ihre Verantwortung ernst nehmen und für dieses längst überfällige Verbot stimmen.«

Langstrecken-Tiertransport.

Seit fast 20 Jahren sind »Animals’ Angels« bei den Tieren auf Autobahnen, an Schlachthöfen, Sammelstellen und Märkten. Sie trainieren Polizisten und halten Fachvorträge für Veterinäre und politische Entscheidungsträger. Sie stellen Strafanzeigen bei festgestellten Verstößen und publizieren ihre Beobachtungen und Erfahrungen. · Foto: Animals' Angels

Julia Havenstein, die Vorsitzende von Animals‘ Angels, freut sich an allen Erfolgen für die Tiere. »Und wenn Sie mal auf der Autobahn einen riesigen LKW sehen mit der Botschaft: STOPPT TIERTRANSPORTE - der fährt in unserem Auftrag! Dafür haben unsere Förderer und Unterstützerinnen gespendet. Und dafür stehen wir!«

In Deutschland fahren bisher 11 LKW und ein Bus

mit der Aufschrift »STOPPT TIERTRANSPORTE!« · Foto: Animals' Angels

Animals' Angels

>> ist die anerkannte Fachorganisation für die Abschaffung der Tiertransporte,
>> hat einen globalen Anspruch,
>> verlangt den Vollzug bestehender Tierschutzgesetze,
>> proklamiert die Rechte von Tieren auf Leben, Freiheit und Glück,
>> arbeitet dafür, dass Tiere als Lebewesen mit eigenen Rechten behandelt werden,
>> sieht den Kampf für Tierrechte gleichwertig mit dem Kampf für Menschenrechte.

Gegründet 1998 von Christa und Michael Blanke -
Wird ausschließlich durch etwa 6.000 Spender und Unterstützerinnen finanziert -
Arbeitet mit ca. 15 Menschen auf vier Kontinenten.
Motto: »Wir sind bei den Tieren«

Kontakt:
Animals’ Angels
Rossertstraße 8
D-60323 Frankfurt a. Main
Tel. +49 (0)69 - 70798170
www.animals-angels.de