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Die Wahrheit über Putenfleisch

Foto: PETA · www.peta.de

PETA dokumentiert gravierende Missstände in deutschen Puten-Elterntierfarmen -Tierrechtsorganisation erstattet Strafanzeige

Viele gesundheitsbewusste Menschen - vor allem viele Frauen - essen statt Schweinefleisch lieber Putenfleisch, weil es als fett- und kalorienarm gilt. Doch wie wird Putenfleisch
eigentlich erzeugt?

Rund 47 Millionen Putenküken schlüpfen pro Jahr allein in der Bundesrepublik. Der Tierrechtsorganisation PETA ist erstmals ein Blick hinter die Kulissen deutscher Puten-Elterntierfarmen gelungen: Mehrere Monate lang wurden umfangreiche Ermittlungen in vier Anlagen in Brandenburg durchgeführt. Die erschütternden Aufnahmen zeigen kranke, blinde und schwerverletzte Puten mit teilweise gebrochenen Gliedmaßen, enge, mit Kot und Urin übersäte Stallungen sowie tote Tiere. PETA weist darauf hin, dass auch einer der größten Putenproduzenten Deutschlands zu den Abnehmern der Puteneier gehöre.

Die Tierrechtsorganisation hat Strafanzeige gegen die Betriebe bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin gestellt.

In dunklen, stickigen Anlagen

vegetieren die zusammengepferchten Puten-Eltern. Die Befruchtung findet auf künstlichem Wege statt. Die männlichen Puten leiden unter der Enge, ihren überzüchteten Körpern und der regelmäßigen Samenentnahme. Wöchentlich wird den Hennen das Sperma injiziert. Foto: PETA · www.peta.de

Überzüchtete Puten-Hochleistungshybriden

Puten-Hochleistungshybride sind so überzüchtet, dass sie sich nicht mehr alleine, also auf natürliche Weise, fortpflanzen können. Daher findet ihre Befruchtung auf künstlich statt. In so genannten Elterntierfarmen wird den Hähnen regelmäßig Samen abgezapft. »Die Hennen werden etwa einmal pro Woche zusammengetrieben und festgehalten. Dann wird ihnen eine an einen Druckschlauch angeschlossene Inseminationspaillette in die Kloake eingeführt und der Samen herausgedrückt. Anschließend werden die Puten werden zurück in den Stall getrieben«, berichtet PETA. Wieder und wieder wiederhole sich dieser Vorgang, während die Elterntiere in dunklen, stickigen Produktionsfarmen vor sich hinvegetieren.

Die befruchteten Eier werden aus den Nestern genommen und in eine Brüterei gefahren. Die geschlüpften Küken werden an Mastbetriebe geliefert. Nach einer Mastzeit von 21 Wochen bei Hähnen und 16 Wochen bei Hennen enden sie im Schlachthof.

Auch die Elterntiere werden nach einer Produktionsperiode von 26 Wochen geschlachtet - es werden neue Elterntiere eingestallt. Die natürliche Lebenszeit von Puten kann bis zu 15 Jahre betragen. Übrigens: Auch »Bio-Putenjungtiere« können von Elterntieren aus solchen Zuchteinrichtungen stammen!

Viele Puten

in den Elternfarmen unter Krankheiten und es sterben viele Tiere qualvoll noch bevor sie zum Schlachter abtransportiert werden. Foto: PETA · www.peta.de

Qualzucht: Vererbtes Leiden

PETA spricht von Qualzucht, die nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist und verboten sein sollte: »Die Hochleistungshybriden sind auf immer mehr Gewicht und rasantes Wachstum gezüchtet. Muskeln und Skelett kommen mit dem schnellen Wachstum nicht mit. Beinschwächen, Skelettveränderungen und Herz-Kreislauf-Probleme sind Folge der schnellwüchsigen Qualzuchten. Fast alle Puten haben Verformungen am Skelett, können kaum oder gar nicht mehr laufen.« Diese Zuchtmerkmale werden von den Elterntieren vererbt - das Leiden ihrer Nachkommen ist vorprogrammiert.

Foto: PETA · www.peta.de

Unsägliches Leid in Mastanlagen und Schlachthöfen

In den dunklen Ställen der Elterntierfarmen beginnt also der Leidensweg der ca. 11 Millionen Puten, die allein in Deutschland jährlich gemästet und geschlachtet werden. »In den Mastanlagen leiden die Tiere nicht nur unter der genetisch vorprogrammierten Qual, sondern zusätzlich unter unhaltbaren unhygienischen Zuständen«, kritisiert PETA. »Dicht an dicht eingepfercht in stickigen, abgeschotteten Anlagen vegetieren die Tiere wochenlang auf ihrem eigenen Kot. Brustblasen und zahlreiche andere Krankheiten und Deformierungen entstehen; fast die Hälfte der eingestallten Mastputen weist schon nach kurzer Zeit Fußballenschäden auf, da die Tiere ständig auf ihrem feuchten Kot und Urin hocken. Einzig und allein die Gabe von Antibiotika hält sie überhaupt am Leben. Viele Puten überleben die Mastzeit dennoch nicht.« Denn sowohl in den Mastbetrieben als auch in den abgeschotteten Puten-Elterntierfarmen würden Krankheiten grassieren.

Ein qualvoller Tod

Nach einem kurzen, qualvollen Leben folgt ein qualvoller Tod: »Am Tag der Ausstallung werden die Puten brutal zusammengetrieben, getreten, herumgeschleudert, in enge LKWs geworfen und gequetscht und zum Schlachthof gefahren«, berichtet PETA. Dort würden sie an ihren verletzten und teilweise gebrochenen Beinen im Akkord an ein Fließband gehängt. Zur Betäubung werden die Puten durch ein Elektro-Wasserbad gezogen. Dabei kommt es bei den zappelnden Tieren immer wieder zu Fehlbetäubungen. So sind sie noch bei Bewusstsein, wenn das Fließband zur Entblutungsmaschine fährt, in der mit mechanisch bewegten Klingen die Halsschlagadern durchtrennt werden.

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