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Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen 2019

Auch 2019 schockierten Meldungen über Menschen, die von Jägern erschossen oder Opfer von Jagdunfällen wurden, die Öffentlichkeit: Liest man die Meldungen, so fällt auf, dass es sich nicht nur um klassische Jagdunfälle (»Jäger verwechselt Jäger mit Wildschwein«), sondern vor allem um bewaffnete Beziehungstaten (»Jäger erschießt Ehefrau«) handelt. Hinzu kommen mehrere Hundert Verletzte sowie die Gefährdung Unbeteiligter (Spaziergänger, Radfahrer, Autofahrer, ...). Die Initiative zur Abschaffung der Jagd dokumentiert seit 2001 die Opfer von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen und fordert: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!

Die Meldungen, die Sie im Folgenden lesen, wurden aufgrund von vorliegenden Presseberichten erstellt. Dies kann sicherlich einerseits zu Fehlerquellen führen, andererseits niemals alle Fälle erfassen. Die Aufstellung erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Denn gerade bei Familientragödien wird selten bekannt, woher der Täter die Schusswaffe hatte, ob er also Jäger oder Schütze war.

In Deutschland sterben jedes Jahr bis zu 40

Menschen durch Jäger und Jägerwaffen. Dabei handelt es sich nur zum Teil um klassische Jagdunfälle, sondern vor allem um Beziehungstaten mit Jagdwaffen, in denen ein Jäger die Ehefrau, Verwandte oder Nachbarn erschießt. · Bild: Syda Productions - Fotolia.com

Die Meldungen, die Sie im Folgenden lesen, wurden aufgrund von vorliegenden Presseberichten erstellt. Dies kann sicherlich einerseits zu Fehlerquellen führen, andererseits niemals alle Fälle erfassen. Die Aufstellung erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Denn gerade bei Familientragödien wird selten bekannt, woher der Täter die Schusswaffe hatte, ob er also Jäger oder Schütze war.

Lesen Sie eine Auswahl von Meldungen über Tote

durch Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen

in Deutschland

17.12.19: Jäger erschießt Sohn, Hund und sich
Ein 64-jähriger Jäger hat in Itzehoe erst seinen 15-jährigen Sohn Norman und den Familienhund, einen Jack-Russell-Terrier, mit einem Gewehr erschossen. Anschließend erschoss er sich selbst. Um 0.45 Uhr hatte sich der Jäger bei der Polizei gemeldet: Er sagte, dass er seinen Sohn erschossen habe und sich nun selbst richten würde. Als die Polizisten am Tatort eintrafen, fanden Sie die Leichen des Jugendlichen, des Hundes und des 64-jährigen Jägers. Die Polizei geht von einer Familientragödie aus. (Bild, 17.12.2019)

22.11.19: Jagdunfall - 80-Jähriger schwer verletzt
Bei einer Jagd im Berchtesgadener Land wurde ein 80-jähriger Jäger schwer verletzt. Der Senior war auf der Suche nach einem geschossenen Tier, als er ausrutschte und 50 Meter in die Tiefe stürzte. Die Bergwacht musste ihn in einem »aufwändigen Einsatz« retten. (tz München, 22.11.2019)

19.11.19: Jägerin von Wildschwein schwer verletzt
Bei einer Jagd in der Lüneburger Heide wurde eine 33-jährige Jägerin schwer verletzt. Der Jagdhund der Jägerin hatte ein Wildschwein gestellt. Als die Jägerin ihrem Hund in eine dichte Tannenschonung folgte, wurde sie von dem Wildschwein angegriffen und schwer verletzt. Ein Rettungshubschrauber musste gerufen werden. (BILD, 19.11.2019)

15.11.19: Drei Tote bei Familiendrama
Drei Tote bei Familiendrama im nordrhein-westfälischen Wülfrath: Ein 60-Jähriger hat am 7.11.2019 seine 57-jährige Ehefrau, seine 87-jährige Mutter (87) und den Hund erschossen. Vier Tage später brachte er sich selbst um. Die Schusswaffe wurde im Haus gefunden. Ob der Mann Jäger oder Schütze war, wurde nicht bekannt. (BILD, 15.11.2019)

13.11.19: Munition gebastelt - Jäger verletzt
Beim Herstellen von Munition hat sich ein 59-jähriger Jäger im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus musste. Eine Zündvorrichtung war plötzlich explodiert und verletzte den Jäger an Bauch und Brust. Der Jäger hatte die Munition zuhause gebastelt - dazu sei er laut Polizei berechtigt gewesen. (dpa,13.11.2019)

8.11.19 Treibjagd: Kugeln treffen Haus
Im schlimmsten Fall hätte das tödlich enden können: Als Jäger im Weilerer Wald (Rhein-Hunsrück-Kreis) eine Treibjagd veranstalteten, schlugen zwei Geschosse in ein Wohnhaus in Boppard-Weiler ein. (Rhein-Hunsrück-Zeitung, 9.11.2019)

Bei einer Treibjagd im Rhein-Hunsrück-Kreis

schlugen zwei Kugeln in ein Wohnhaus ein, eine traf das Küchenfenster. · aus: Rhein-Hunsrück-Zeitung, 9.11.2019

3.11.19: Jogger im Wald angeschossen
Im Heidekreis wurde ein Jogger im Wald auf einem öffentlich zugänglichen Weg angeschossen und am Bein verletzt. Ein Jäger hatte mit einer Schrotflinte auf ihn geschossen - es fand gerade eine Treibjagd statt. (Hannoversche Allgemeine, 3.11.2019)

4.10.19: Jäger erschießt Pferd statt Wildschwein
Ein 65-jähriger Jäger hat ein Islandpferd auf einer Weide im niedersächsischen Heidekreis erschossen, weil er es mit einem Wildschwein verwechselt hat. Es sei es zu diesem Zeitpunkt fast dunkel gewesen. »Was, wenn dort ein Mensch gestanden hätte?«, fragt der Pferdehalter. (Hannoversche Allgemeine, 4.10.2019)

27.9.19: 74-jähriger Jäger schießt Freund in Kopf
Ein 74-jähriger Jäger wollte in einem Wildgehege im Landkreis Ludwigslust-Parchim einen Damhirsch schießen. Dabei stützte er sich mit dem Jagdgewehr auf dem Dach seines PKW ab. Dabei durchschlug das Geschoss das Fahrzeugdach, wodurch ein auf dem Beifahrersitz sitzender 60-Jähriger am Kopf getroffen und schwer verletzt wurde. (Süddeutsche Zeitung vom 27.9.2019)

23.9.19: Bei Jagdunfall schwer verletzt
Ein 72-jähriger Jäger hat sich in der Nähe von Paderborn beim Durchladen seines Jagdgewehrs aus Versehen in den Fuß geschossen und schwer verletzt. (Kreispolizeibehörde Paderborn, 23.9.2019)

19.9.19: Kugel trifft Bauern statt Wildschwein
Bei der Maisernte im schwäbischen Gündelbach saßen ein 25-jähriger Landwirt und eine 18-jährige Erntehelferin auf dem Traktor, als zwei Jäger auf ein Wildschwein schossen. Eine Kugel durchschlug die Scheibe des Traktors. Der junge Mann wurde in den Unterschenkel getroffen und mit dem Rettungs­hubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Die 18-Jährige wurde durch Glassplitter verletzt. (Stuttgarter Zeitung am 17.9.2019)

6.9.19 Gewehr explodiert: Jäger schwer verletzt
Schwerer Jagdunfall bei einer Drückjagd im Kreis Saarlouis: Ein 55-Jähriger wollte auf ein Wildschwein schießen. Beim Schuss explodierte sein Jagdgewehr, der Jäger erlitt schwere Gesichts- und Handverletzungen. (Rheinpfalz, 6.9.2019)

2.9.19: Jäger erschießt Fohlen statt Wildschwein
In Nordrhein-Westfalen hat ein Jäger ein Fohlen erschossen. Die Besitzerin fand das Fohlen am Morgen tot auf einer Weide in Blankenheim - nur etwa 70 Meter von einem Hochsitz entfernt. Gegenüber der Polizei sagte der Jäger, dass er auf ein Wildschwein geschossen habe. (Radio RPR1, 2.9.2019)

18.8.19: 82-jähriger Jäger trifft 76-Jährigen
Jagdunfall in der Eifel: Ein 82-jähriger Jäger hat einen 76-jährigen Jagdkollegen aus Versehen angeschossen und schwer verletzt. (Kölnische Rundschau, 18.8.2019)

4.7.19: 71-Jähriger schießt auf Frau und erschießt sich
Ein 71-Jähriger hat im Landkreis Aurich (Niedersachsen) erst versucht, seine 38-jährige Lebensgefährtin zu erschießen, dann erschoss er sich selbst. Die Frau wurde mit einer lebensgefährlichen Kopfverletzung ins Krankenhaus gebracht. (Emder Zeitung, 4.7.2019)

17.8.19: Jäger trifft aus Versehen Pferd
Ein Islandpferd wurde auf einer Koppel in Weiskirchen (Saarland) bei einer Jagd aus Versehen angeschossen und so schwer verletzt, dass es eingeschläfert werden musste. (Breaking News Saarland, 17.8.2019)

21.4.19: Polizei erschießt bewaffneten Jäger
Ein Polizist hat in Bochum einen 77-jährigen Jäger, der ihn mit seinem Jagdgewehr bedroht hatte, angeschossen. Der Mann erlag später den Verletzungen. Ein Zeuge hatte die Polizei gerufen, weil ein Mann mit einer vermutlich durchgeladenen Schusswaffe auf dem Friedhof unterwegs sei. (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 24.4.2019)

25.3.19: Fahrlässige Körperverletzung
Bei einer großen Gesellschaftsjagd mit rund 150 Jägern im Harz traf der Schuss eines 48-jährigen Waidmanns aus Versehen einen 67-jährigen Jagdkollegen, der mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus kam. (Mitteldeutsche Zeitung, 25.3.2019)

1.2.19: Jäger verschanzt sich mit Schusswaffen
Weil ein 78-jähriger Jäger, der über mehrere Waffen verfügte, sich in seiner Wohnung verschanzt hatte, kam es in Iphofen zu einen Großeinsatz der Polizei: Teile der Innenstadt wurden abgesperrt, ein Spezialeinsatzkommando rückte an. Wegen familiärer Probleme war es offenbar zu einer Bedrohungssituation gekommen. (FOCUS online am 1.2.2019)

25.1.19: Jäger erschießt aus Versehen seine Tochter
Ein Jäger aus Karlsruhe hat in der eigenen Wohnung seine 19-jährige Tochter erschossen. Der 56-jährige Mann wollte gerade zur Jagd zu gehen, als sich ein Schuss aus seinem Gewehr löste und die Tochter traf. (Mitteldeutsche Zeitung, 25.1.2019)

22.1.19: Jäger statt Reh getroffen
Bei einer Drückjagd in Sachsen-Anhalt wurde ein Jäger am Oberkörper getroffen und verletzt. Ein Jagdkollege hatte auf ein Reh geschossen. (Mitteldeutsche Zeitung, 22.1.2019)

Informationen: Initiative zur Abschaffung der Jagd
www.abschaffung-der-jagd.de

Karikatur: Thoddy

Österreich:

Jagdkugel durchschlägt Hotelfenster

In Bad Leonfelden schlug eine Kugel aus einer Jagdwaffe im »Falkensteiner«-Hotel ein. Laut Landespolizeidirektion Oberösterreich hatte ein 51-jähriger Jäger von seinem Hochsitz aus auf Damhirsche in einem Wildgatter geschossen. Das bleihaltige Projektil durchschoss 810 Meter entfernt das Fenster des Hotelzimmers, beschädigte den Fernseher und blieb im Türrahmen stecken. Zum Glück war zu diesem Zeitpunkt niemand in dem Hotelzimmer - der Schuss hätte sonst vielleicht sogar tödlich enden können. Die Polizei erteilte dem Schützen ein Waffenverbot und ermittelt wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit.
Quelle: Südtirol News am 19.10.2019

Frankreich:

Schwangere bei Jagd von Jagdhunden tödlich verletzt

Bei einem Spaziergang in einem Wald nordöstlich von Paris ist eine schwangere Frau von Jagdhunden angegriffen und so schwer gebissen worden, dass sie verblutete. Die 29-Jährige war mit ihren Hunden unterwegs, als sie auf mehrere Jagdhunde traf, die sie angriffen - offenbar im Blutrausch. Die junge Frau alarmierte ihren Lebensgefährten, der fand jedoch nur noch die Leiche. Laut Autopsie verblutete die werdende Mutter an den Bisswunden. In dem Gebiet hatte eine Jagd auf Hirsche mit vielen Hunden stattgefunden.
Quelle: Während Jagd im Wald verblutet - Schwangere von Hunden zu Tode gebissen. ntv, 20.11.2019

Schweiz:

Alle 29 Stunden passiert ein Jagdunfall - alle dreieinhalb Monate ist ein Toter zu beklagen

Anders als in Deutschland gibt es in der Schweiz eine offizielle Statistik über Jagdunfälle. Die Beratungsstelle Unfallverhütung BFU in Bern verzeichnet seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2000 insgesamt 63 tödliche Jagdunfälle in der Schweiz (Stand November 2019). Rein rechnerisch passiert alle 29 Stunden ein Jagdunfall, alle dreieinhalb Monate kommt ein Mensch ums Leben.

In der Statistik der BFU sind allerdings nur die klassischen Jagdunfälle erfasst. Straftaten mit Jägerwaffen und bewaffnete Familientragödien wie im Oktober 2019, als ein Hobbyjäger zuerst seine Ehefrau und dann sich selbst tötete, sind nirgends statistisch erfasst.

»Jagdwaffen führen zu Missbrauch in unserem Sozialleben«, erklärt die schweizerische IG Wild beim Wild. »Immer wieder kommt es zu Schusswaffen-Suiziden, Drohungen und tödlichen Tragödien. Jahr für Jahr werden Menschen durch Hobby-Jäger und Jägerwaffen getötet und verletzt.«
Quelle: Statistik tödlicher Jagdunfälle. IG Wild beim Wild, 19.11.2019. wildbeimwild.com

Forderung nach Jagdverbot in Italien

Nach wiederholten tödlichen Jagdunfällen wird in Italien die Forderung nach einem Verbot immer lauter.

Im September hatte ein 34-jähriger Jäger bei einer Wildschwein­jagd nahe der süditalienischen Stadt Salerno versehentlich seinen 55-jährigen Vater erschossen. In der
Annahme, es würde sich um ein Wildschwein handeln, schoss der 34-Jährige und traf seinen Vater tödlich in den Bauch. Anlässlich dieses tödlichen Jagdunfalls forderte die ehemalige Tourismusministerin Michela Vittoria Brambilla ein »Ende des Wilden Westens in den Wäldern und auf den Feldern«.

2018 waren in Italien 22 Menschen wegen Jagdunfällen ums Leben gekommen. Dem Parlament liegt bereits ein Gesetzesentwurf für ein Jagdverbot an Sonntagen vor. Anlass war ein tödlicher Jagdunfall in der norditalienischen Region Ligurien, als ein 18-Jähriger beim Sonntagsspaziergang mit seinem Hund von einem Jäger erschossen wurde.
Quelle: Zu viele tödliche Unfälle: Forderung nach Jagdverbot in Italien. www.oe24.at, 23.9.2019