Freiheit für Tiere
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Legalisierte Tierquälerei

Warum die Tierhaltung in Deutschland

legalisierte Tierquälerei ist

Von Lisa Kainz, Agrarwissenschaftlerin M.A. bei PETA Deutschland

Im Jahr 2021 wurden über 720 Millionen Tiere nach einem qualvollen Dasein in deutschen Haltungssystemen der Tierindustrie für Fleisch, Eier und Milch in industrieller Schlachtung getötet. [1] Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob die Tiere in der konventionellen oder der ökologischen Haltung leben. Ihre Bedürfnisse können sie in der landwirtschaftlichen Tierhaltung kaum ausleben – und früher oder später enden alle im Schlachthof.

Seit Jahren dokumentieren wir von PETA Deutschland anhaltend schlechte Zustände für Tiere in der deutschen Landwirtschaft – und das, obwohl der Umwelt- und Tierschutz im deutschen Grundgesetz als Staatsziel verankert ist. Das Agrarministerium behauptet, es ginge den Tieren in der Landwirtschaft gut, erwähnt dabei jedoch kaum die deutlich überwiegenden Missstände. [2]

Wie sich die Regierung beim Tierschutz aus der Pflicht nimmt, welche grausamen Bereiche der Tierindustrie stattdessen sogar noch mit Steuergeldern subventioniert werden, und was das für die Tiere bedeutet, lesen Sie im folgenden Bericht.

Qualvolle Enge, ammoniakverseuchte Luft,

entzündete Augen und offene Wunden: In der industriellen Massentierhaltung leiden Abermillionen Tiere unter den minimalen gesetzlichen Regelungen. Das Ziel: Eine maximale Menge an Fleisch so schnell und preisgünstig wie möglich zu produzieren. · Bild: www.peta.de

Auch wenn alle Gesetze eingehalten werden,

leiden die Tiere aufgrund von Zucht und Haltung täglich Qualen - und das völlig legal und von Seiten der Politik gefördert. · Bild: www.peta.de

Fleisch, Milch und Eier:

Politik verschleiert Missstände bei Tierhaltungen

Mit der so genannten Intensivtierhaltung strebt die industrielle Landwirtschaft danach, eine maximale Menge an Fleisch, Milch und Eiern so schnell und preisgünstig wie möglich zu produzieren - und das auf engstem Raum. In Kombination mit den oft katastrophalen Hygienezuständen würden das viele Tiere ohne die Zugabe von Medikamenten wie Antibiotika und Stresshemmern gar nicht erst überleben. Das wirkt sich durch den Verzehr auch auf den Menschen aus: Antibiotikaresistente Keime, die krank machen und nicht selten zum Tod führen, sind die Folge. Für die Tiere wichtige Grundbedürfnisse wie ein langes Leben, die Möglichkeit, ihr Sozialverhalten ausleben oder ihre Kinder aufziehen zu können, werden in der landwirtschaftlichen Tierindustrie kläglich vernachlässigt. [2]

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft betreibt laut einem Gutachten der Verbraucherorganisation Foodwatch jedoch in erster Linie Schönfärberei. Die Zustände in der deutschen Tierindustrie werden in den Internetauftritten des Agrarministeriums nicht angemessen und faktengetreu wiedergegeben.
Das gilt für
• die Missstände der Tiere in der Zucht, bei der Unterbringung, bei der Versorgung
• und bei der Tötung in Schlachthäusern.

Aus dem Gutachten geht hervor, dass es nicht möglich ist, auf Basis der veröffentlichen Medien durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine ausreichend informierte Kaufentscheidung zu treffen, weil nicht ausreichend über Missstände wie die folgenden aufgeklärt wird. [2]

Elterntierfarmen und Qualzuchten: Das Leid der Hüh

Für maximalen wirtschaftlichen Profit wurden praktisch alle Tiere in der industriellen Haltung durch Qualzuchten für den entsprechenden Zweck (Eier legen, Fleisch ansetzen) »optimiert«. Für die Tiere gleicht dies einer gesundheitlichen Katastrophe.

»Artgerechte Haltung«?

Bis zu 300 Eier legt eine so genannte »Hochleistungshenne« im Jahr. Durch extreme Überzüchtung wird diese hohe »Legeleistung« erreicht. · Bild: www.peta.de

Sobald die Legeleistung nach etwa 1,5 Jahren

nachlässt, werden die völlig ausgemergelten Hennen geschlachtet und enden als Suppenhuhn. · Bild: www.peta.de

Das Leid der Hühner für Eier und Fleisch

Elterntierfarm:

In dunklen, stickigen Anlagen vegetieren die zusammengepferchten Puten und müssen Nachkommen für die Geflügelfleischindustrie »produzieren«. · Bild: www.peta.de

Zum Vergleich:

Hennen in der Eierindustrie legen pro Jahr oft mehr als 300 Eier - die Urrasse, von der die heutigen Hühner vermutlich abstammen, legt nur 20 bis 30 pro Jahr. Die Folgen sind oftmals entzündete Legeorgane, Stress und brüchige Knochen.

Masthühner nehmen so schnell an Gewicht zu, dass ihre Knochen brechen und sie sich nicht mehr zu den Wasserstellen bewegen können - viele verdursten elendig.

Basis für das tierquälerische System der Eier- und Mast­industrie sind so genannte Elterntierfarmen. Dort werden männliche und weibliche Hühner gehalten, um unzählige Nachkommen für die Eier- oder Geflügelfleischindustrie zu
»produzieren«. Für Elterntierfarmen gibt es keine speziellen Haltungsvorschriften. Aufgrund ihrer Qualzucht werden beispielsweise Puten in diesem System künstlich befruchtet:

• Eine natürliche Fortpflanzung ist nicht möglich, da die Tiere nur noch darauf »optimiert« sind, Fleisch anzusetzen.

• Für die Puten ist die künstliche Befruchtung mit Schmerzen und Stress verbunden.

• Damit die Tiere möglichst viel Gewicht in kurzer Zeit zulegen, wurde außerdem ihr Sättigungsgefühl züchterisch manipuliert, damit sie ständig Hunger haben.

Kühe und Kälber als Fleischlieferanten

und Milchmaschinen missbraucht

Rinder werden oft mit für sie unnatürlichen Futtermitteln aus Soja, Getreide und anderem so genanntem Kraftfutter ernährt. Dadurch produzieren Kühe zusätzliche Milch, in der Mast setzen Rinder mehr Fleisch an. Kälber werden meist ohne
Betäubung kastriert und enthornt.

• Meist werden männliche Kälbchen zur »Produktion« von Kalbfleisch aufgezogen und hierzu ihren Müttern kurz nach der Geburt entrissen.

Die Kälbchen werden in kleine Boxen, so genannte Kälberiglus, gesperrt und im Alter von gerade einmal drei bis fünf Monaten im Schlachthof getötet.

• Die weiblichen Kälbchen werden ihren Müttern ebenfalls kurze Zeit nach der Geburt entrissen. Sobald sie etwas über ein Jahr alt sind, werden sie zum ersten Mal auf gewaltsame Weise künstlich befruchtet. Dieser Vorgang wiederholt sich jährlich, um den Milchfluss konstant hoch zu halten.

Sobald die Kuh zu wenig Milch produziert oder ernsthaft krank wird, wird sie im Schlachthof getötet - im Schnitt nach etwa fünf Jahren. Die natürliche Lebenserwartung von Rindern liegt dagegen bei 20 Jahren und mehr.

Vor 40 Jahren gab eine Kuh etwa 8 Liter Milch

am Tag – so viel, wie ein Kälbchen braucht, um heranzuwachsen. Moderne Turbo-Kühe bringen 30, 40 oder sogar 60 Liter Milch am Tag. Die dermaßen überzüchteten Tiere sind besonders krankheitsanfällig – ihr Leben endet mit nur vier bis fünf Jahren im Schlachthof. Sie sind zu Wegwerfkühen geworden. · Bild: Sukpaiboonwat - shutterstock.com

Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit

werden männliche Kälber oft vernachlässigt oder sogar kurz nach der Geburt getötet. · Bild: www.peta.de

Kannibalismus und Krankheiten

bei der Zucht von Schweinen

Ein Großteil aller Schweine leidet das ganze Leben lang in viel zu engen Ställen und Käfigen. Da die Muttersauen möglichst viele Nachkommen für die Mast produzieren sollen, werden sie regelmäßig künstlich befruchtet. Während der Besamung und der Säugezeit werden die Muttertiere über Wochen in extrem enge Metallkäfige gesperrt. Dort können sie sich nicht einmal umdrehen, was teilweise auch in der Biohaltung erlaubt ist. Damit alle Muttersauen gleichzeitig besamt werden können, wird ihnen oft ein Hormon verabreicht, welches schwangeren Pferden auf Blutfarmen mit einer unvorstellbar grausamen Methode entnommen wird.

Obwohl Schweine von Natur aus sehr friedfertige und soziale Tiere sind, entwickeln sie durch die Qualhaltung in der Enge und Isolation kannibalistische Züge. Zudem führt die Haltung auf harten, oft durch Kot und Urin verunreinigten Spaltenböden bei vielen Tieren zu Krankheiten wie schmerzvollen Gelenkentzündungen und Reizungen von Augen und Atemwegen.

In industriellen Zuchtbetrieben

für die Ferkelproduktion müssen die weiblichen Schweine ungefähr die Hälfte ihres ohnehin nicht langen Lebens in körpergroßen Metallkäfigen, dem so genannten »Kastenstand«, verbringen. Die hoch intelligenten Tiere können sich nicht einmal umdrehen, geschweige mit ihren Ferkeln interagieren. · Bilder: www.peta.de

Tiertransporte: Tierhölle auf den Straßen

Jeder Transport, zusammengepfercht ohne ausreichend Wasser und Nahrung, ist für die Tiere eine Qual.

• Rinder und Schweine werden oft mit brutaler Gewalt auf die LKWs getrieben.

• Hühner und Puten werden im Akkord in Kisten gestopft - immer wieder brechen dabei Beine oder Flügel.

• Akuter Platzmangel oder das Mischen sich fremder Tiere kann zu schmerzhaften Verletzungen führen. Fehlende oder falsch angebrachte Trennvorrichtungen verstärken dieses Problem.

Auch sind Tiere in Tiertransporten oft nahezu ungeschützt der Witterung ausgesetzt: Selbst bei großer Hitze werden Schweine, Hühner und Rinder oftmals über lange Strecken hinweg transportiert.

Auf dem Weg in den Schlachthof:

Das qualvolle Ende eines viel zu kurzen Lebens unter tierquälerischen Bedingungen. Über 750 Millionen Tiere werden jedes Jahr in deutschen Schlachthöfen getötet - eine unfassbar hohe Zahl! · Bild: www.peta.de

Schlachthof:

Ein Tod kann niemals "tiergerecht" sein

In Deutschland werden jeden Tag rund 2.000.000 Tiere in Schlachthöfen getötet. [3] Ein gewaltsamer Umgang und Fehlbetäubungen sind bei dieser Tötung im Akkord keine Ausnahme, sondern die Regel. Von einer »humanen« Tötung kann auch »beim Schlachter um die Ecke« nicht die Rede sein, denn die zulässigen Betäubungsmethoden sind mit großen Qualen verbunden. So leiden beispielsweise Schweine während der Betäubung mit CO2-Gas unter einem lang andauernden Erstickungskampf und versuchen panisch, aus den Gasgondeln zu fliehen. Das Schlachten von Bio-Tieren unterscheidet sich übrigens nicht von der konventionellen Schlachtung.

Systembedingte Tierqual

durch tierfeindlichen Lobbyismus

Die Politik kommt ihren gesetzlich festgeschriebenen Pflichten, die Tiere in der Agrarindustrie vor Schmerzen, Leiden und Schäden zu schützen, nicht ausreichend nach. Stattdessen fördert die Regierung die tierquälerischen Methoden der Tierindustrie durch lasche Gesetze und subventioniert das systematische Tierleid aus rein wirtschaftlichen Interessen in Milliardenhöhe.

Ein Beispiel ist das betäubungslose Kastrieren von wenige Tage alten Ferkeln:

• Zuerst wurde die Frist für ein Verbot der betäubungslosen Kastration um zwei Jahre nach hinten verschoben.

• In dieser Fristverlängerung wurde dann beschlossen, dass Landwirte selbst eine Kastration unter Narkose durchführen dürfen - und dies auch noch mit einem äußerst umweltschädlichen Narkosegas.

Eine von der Bundesregierung selbst beauftragte Studie bestätigt ebenfalls: Kühe und Kälber leiden massiv in der Milchindustrie. [4]

Eine andere Studie des Instituts Arbeit und Wirtschaft aus dem Jahr 2019 zeigte, weshalb sich an den grauenvollen Zuständen für Tiere in der Agrarindustrie nichts ändert: Über die Hälfte der Unionsmitglieder im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft des Bundestages hatten zum Zeitpunkt der Untersuchung einen Posten im Deutschen Bauernverband. [5] Da in diesem Ausschuss mit die wichtigsten Entscheidungen im politischen Tierschutz getroffen werden, sind die Aussichten für die Belange der Tiere finster. Insbesondere die CDU/CSU blockiert und lehnt regelmäßig bessere Tierschutzgesetze ab. Bei einigen CDU-Bundestagsabgeordneten, die selbst eine Landwirtschaft betreiben, wurden selbst tierschutzwidrige Zustände aufgedeckt.

So können Sie Tierleid in der Ernährungsindustrie

verhindern

• Entscheiden Sie sich für eine tierleidfreie vegane Ernährung und kaufen Sie kein Fleisch, keine Eier und keine Milchprodukte mehr ein. Damit kann jeder Einzelne bewusst ein Zeichen gegen die grausame Tierausbeutung setzen – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

• Der Tierschutz ist in der Politik massiv unterrepräsentiert: Fordern Sie die Etablierung eines Tierschutzministeriums in Deutschland, indem Sie die Petition unterzeichnen!

Quellen
[1] DESTATIS Statistisches Bundesamt (2022): Fleischproduktion 2021 um 2,4 % gegenüber dem Vorjahr gesunden.
www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/02/PD22_050_413.html
[2] Foodwatch: Tierwohl-BMEL-Report. Schönfärberei statt Fakten: Die Kommunikation des Bundesagrarministeriums zur Nutztierhaltung in Deutschland. (13.01.2021)
www.foodwatch.org/fileadmin/-DE/Themen/Tierhaltung/Dokumente/2021-01-20_Tierwohl-BMEL-Report.pdf
[3] Statista (23.06.2020): Über 2 Millionen Tiere werden täglich geschlachtet.
https://de.statista.com/infografik/22076/anzahl-der-durchschnittlich-pro-tag-in-deutschland-geschlachtete-tiere/
[4] Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung; Projekte in den Förderprogrammen des BMEL, betreut durch den Projektträger BLE (ptble): Tiergesundheit, Hygiene und Biosicherheit in deutschen Milchviehbetrieben - eine Prävalenzstudie.
https://ibei.tiho-hannover.de/praeri/pages/69#_AB
[5] Institut Arbeit und Wirtschaft (iaw) der Universität Bremen (2019): Verflechtungen und Interessen des Deutschen Bauernverbandes. www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/landwirtschaft/agrarreform/190429-studie-agrarlobby-iaw.pdf