Freiheit für Tiere
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Lodengrüne Grüne: Pervertierung von Tierschutz

Problemjäger

Karikatur von Bruno Haberzettl

Viele Politiker der Partei DIE GRÜNEN kennen offenbar den Unterschied zwischen »Grün« und »Lodengrün« nicht: So erklärte der grüne Landwirtschaftsminister Meyer kurz nach seiner Wahl den niedersächsischen Jägern eilig: »Ich bin kein Gegner der Jagd, ganz im Gegenteil«. Die Jäger - die einen Tierschützer erwartet hatten - reagierten verwundert, Tier- und Naturschutzverbände empört.

In Niedersachsen ermittelt die Staatsanwaltschaft bekanntlich gegen 150 Hühner-Massenställe - und der Widerstand in der Bevölkerung gegen die Agrarfabriken wächst. So gibt sich Christian Meyer als grüner Landwirtschaftsminister in der Öffentlichkeit medienwirksam als Kämpfer gegen die Massentierhaltung - und kündigte an: Die neue rot-grüne
Landesregierung werde sich »auf allen Ebenen« für deutliche Verbesserungen im Tierschutz einsetzen.

Doch zum Entsetzen der Tierschützer und zur großen Verwunderung der Weidmänner bekundete der grüne Minister bei einer Versammlung der niedersächsischen Jäger: »Ich bin kein Gegner der Jagd, ganz im Gegenteil«. Manchmal, etwa in Naturschutzgebieten, sei sogar mehr Jagd erforderlich, zitierte die Hannoversche Allgemeine (3.3.2013) den Minister. Er sei kein Vegetarier, sondern esse »durchaus auch Wild«. Zum Dank schenkten ihm die Jäger eine Wildmettwurst.

Hängt der neue Minister seine Fahne nach dem Wind? Im Januar 2012 hatte der heutige Minister Meyer der Gänsewacht und dem Wattenrat zugesagt, sich für die Einstellung der Jagd in Schutzgebieten zu verwenden, als er sich in Emden ein Bild von der Jagd auf Zugvögel in Natur- und EU-Vogelschutzgebieten an der Ems machte. (www.wattenrat.de)

Man möchte dem grünen Minister die Worte von Theodor Heuss, dem ersten Bundespräsidenten, mit auf den Weg geben, der bekanntlich sagte:
»Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen
Mitgeschöpf. Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit.«

Lesen Sie dazu:
»Freiheit für Tiere« 2/2013: »Warum jagen Jäger wirklich?«

Offener Brief an Christian Meyer (Grüne)

Internationaler Tierschutzverein Grenzenlos e.V.:
Offener Brief an Christian Meyer (Grüne), Landwirtschaftsminister in Niedersachsen

Sehr geehrter Herr Minister,

als die GRÜNEN in Niedersachsen die Chance zur Umsetzung ihrer Politik bekamen, waren wir sehr zufrieden. Als Sie Minister für Landwirtschaft wurden, haben wir das als Mitglied im Netzwerk »Bauernhöfe statt Agrarfabriken« sehr begrüßt.

Gibt es doch jetzt endlich die reale Möglichkeit zur Korrektur einer industriellen Landwirtschaft, die geprägt ist von abartiger Massentierhaltung und großflächiger Zerstörung und Vergiftung natürlicher Lebensgrundlagen!

Wir setzen voraus, das es Ihnen als zuständiger Minister bei dieser Kurskorrektur auch um den »Tierschutz« geht.

Umso mehr hat uns irritiert, befremdet und entsetzt, von Ihnen zu hören, dass Sie in Übereinstimmung mit den Jägern die Jagd ausdrücklich befürworten (siehe Walsroder Zeitung, 4.3.2013), ebenso Ihr persönlicher Bericht über Ihr Treffen mit der Landesjägerschaft anlässlich des Treffens der Regionalen Bürgerinitiativen in Celle-Wietzenbruch am 3. März). Ja, die Jagd soll Ihrer Auffassung nach sogar in Naturschutzgebieten ausgeweitet werden! Eine solche Auffassung ist mit Natur- und Tierschutz absolut unvereinbar und ist gerade jetzt anlässlich der anstehenden Beratungen zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes ein katastrophales Signal.

Zu Ihrer Information und zum besseren Verständnis der Beweggründe von Jägern und der verheerenden Auswirkungen der Jagd auf die letzten Wildtiere in Deutschland erlaube ich mir, Ihnen den ausführlichen Beitrag zu diesem Thema in der beigefügten Ausgabe von Freiheit für Tiere zu übersenden. Besonders beachtenswert sind die Ausführungen über »Warum jagen Jäger wirklich?«.

Es bedarf eigentlich keiner wissenschaftlichen Erkenntnisse und Argumentationen mehr, die Jagd als nicht mehr zeitgemäß und biologisch unsinnig zu
erkennen und die Motivation von Jägern als egozentrisches Hobby zu entlarven:

Zitat aus einer Dissertation eines Jägers: »Weltweit wird die Wildjagd unserer Zeit selten noch aus rein praktischen Motiven, sondern um eines starken emotionalen Erfolges willen (der Kick beim Töten des Tieres, Freude, Glück, Zerstreuung, Entspannung, Abenteuer) oft mit großer Leidenschaft und Hingabe betrieben... Für den modernen Jäger unserer Zeit bedeutet das Töten des Wildes notwendige Bedingung zum Erreichen des oft leidenschaftlich intendierten emotionalen Ereignisses (der Kick)«. (Freiheit für Tiere 2/2013, S. 27)

Haben wir die GRÜNEN in Sachen »Natur- und Tierschutz« total falsch eingeschätzt oder ist diese von Ihnen erklärte Nähe zur Jägerschaft ein persönlicher Ausrutscher?

Die Lust am Töten sollte jedenfalls nicht von den GRÜNEN unterstützt werden!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Helga Körnig
Internationaler Tierschutzverein Grenzenlos e.V.
www.itvgrenzenlos.de