Freiheit für Tiere
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Rettung der Löwen in Botswana

Der König der Tiere ist in Gefahr:

Der afrikanische Löwe ist in einigen Regionen Afrikas vom Aussterben bedroht. Bild: Löwen im Moremi National Park, Botswana. · Arnoud Quanjer - Shutterstock.com

Die afrikanischen Löwenpopulationen sind laut einer Untersuchung der Weltnaturschutzunion IUCN von 1993 bis 2018 um dramatische 43 Prozent zurückgegangen. Das bedeutet: Von 200.000 Löwen vor 25 Jahren leben heute nur noch etwas mehr als 22.000 in Afrika in freier Wildbahn. Der Grund: Trophäenjagd, Verlust von Lebensräumen, Rückgang von Beutetierpopulationen, der Verlust von Lebensräumen und die Tötung von Löwen als Vergeltung, wenn sie Nutztiere reißen. Die Stiftung SAVE Wildlife setzt sich in einer Kooperation mit der Technischen Universität München für den Schutz der Löwen in Botswana ein.

Löwen im Ongava-Delta in Botswana

Bild: Richard Juilliart Shutterstock - Shutterstock.com

»Es sind weniger Dürren oder Seuchen, die den Löwen zusetzen. Das Problem ist menschengemacht«, erklärt Lars Gorschlüter, Gründer und Vorstand der Stiftung SAVE Wildlife Conservation Fund. »Der Mensch dringt in ihren Lebensraum ein, jagt sie ihrer Trophäe wegen und tötet sie zum Schutz des Nutzviehs. Und deshalb gilt all unser Engagement zunächst den Menschen. Erst wenn wir sie mit ins Boot holen, ihnen wirkliche Hilfen anbieten, dann lassen sie auch die Wildtiere am Leben.«

Der Aktionsraum eines Löwenrudels kann bis zu 1.000 Quadratkilometer oder mehr betragen. Für eine genetisch gesunde Population sind mindestens 50 zusammenhängende Rudel notwendig. Löwen brauchen für einen Fortbestand also sehr viel Platz. Bei dem gleichzeitigen Anstieg der Bevölkerung in Afrika ist es nicht allzu überraschend, dass es immer häufiger zu Konflikten zwischen Menschen und den Großkatzen kommt.

Die Stiftung SAVE Wildlife Conservation Fund

ist seit 2010 im Löwenschutz aktiv. In Zusammenarbeit mit dem Forschungsteam des Ministeriums für Wildtiere und Nationalparks von Botswana und der Technischen Universität München werden Löwen, die auf Farmen Weidetiere reißen, umgesiedelt, um sie vor Vergeltungstötungen durch die Bauern zu schützen. · Bild: SAVE Wildlife

Außerdem soll ein Löwen-Schutzzone

entwickelt werden, um Löwen zu versorgen, die von Bauern oder von anderen Wildtieren verletzt wurden. · Bild: SAVE Wildlife

»Wir setzen uns dafür ein, dass der Afrikanische Löwe immer einen Platz auf diesem Planeten haben wird«

Die Stiftung SAVE Wildlife Conservation Fund ist seit 2010 im Löwenschutz aktiv und hat ihren Fokus speziell auf Botswana gelegt. Die Löwenpopulation des Landes im südlichen Afrika ist Teil einer der größten zusammenhängenden Populationen afrikanischer Löwen. Für den Arterhalt der Tiere ist es daher von großer Bedeutung, diese gesund zu halten und nachhaltig zu schützen. Um die Löwen in Botswana zu bewahren, arbeitet SAVE seit 2020 mit der Technischen Universität München in einer Kooperation zusammen.

Das Hauptziel besteht darin, ein leistungsstarkes Programm zum Austausch von Ideen mit Gemeinschaften und Dörfern umzusetzen, in denen es Konflikte mit Löwen gibt, um die friedliche Koexistenz von Bauern und Raubtieren und allen anderen problematischen Wildtieren in der Umgebung zu fördern. »Wir setzen uns dafür ein, eine Lösung zu finden, um sicherzustellen, dass der Afrikanische Löwe immer einen Platz auf diesem Planeten haben wird«, so Lars Gorschlüter.

»Es sind weniger Dürren oder Seuchen,

die den Löwen zusetzen. Das Problem ist menschengemacht«,so Lars Gorschlüter, Gründer und Vorstand der Stiftung SAVE Wildlife Conservation Fund. · Bild: Villiers Steyn - Shutterstock.com

Bildung für den Naturschutz

Um eine friedliche Koexistenz von Landwirten und Löwen zu ermöglichen, braucht es Bildung, Schulung und Umwelterziehung. Es werden in den Gemeinden Personen geschult, die in der Koexistenz-Lehre eine führende Rolle spielen sollen und die Landwirte schulen und begleiten. Mobile Workshops sollen zur Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung in den Dörfern durchgeführt werden.

Diese geschulten Begleiter und Landwirte sind in der Lage, Viehzüchter vor sich nähernden Löwen zu warnen und Ranger auszubilden, die als Schnellreaktionsteam fungieren, um ungünstige Zwischenfälle zwischen Löwen und der lokalen Bevölkerung zu vermeiden.

Eine wichtige Rolle spielt auch die Umwelterziehung an Schulen mit dem Ziel, die junge Generation über Löwen zu unterrichten. Deshalb hat SAVE ein Umweltbildungsprogramm ins Leben gerufen, das Kindern, die am Rande und in den Wildtiergebieten oft mit Angst vor Raubkatzen groß werden, eine alternative Denkweise vermitteln soll. Das Umweltbildungsprogramm soll ihnen die Wichtigkeit dieser Tiere näher bringen und die Kinder für Löwen faszinieren. Somit wäre der Grundstein für eine Zukunft im Safari-Tourismus gelegt, der das zweitwichtigste wirtschaftliche Standbein des Landes darstellt.

Um eine friedliche Koexistenz

von Landwirten und Löwen zu ermöglichen, braucht es Bildung, Schulung und Umwelterziehung. Bilder: Start des neuen Leaning Centers in Matsaudi, Botswana. · Bilder: SAVE Wildlife

Einfangen und Umsiedeln von Löwen

In Zusammenarbeit mit dem Forschungsteam des Ministeriums für Wildtiere und Nationalparks von Botswana und der Technischen Universität München siedelt die Stiftung SAVE Wildlife problematische Löwen aus den Farmen um, um sie vor Vergeltungstötungen durch die Bauern zu schützen.

Diese Löwen werden mit Hilfe von Satellitenhalsbändern überwacht, damit ein Team von Gemeindebegleitern die Viehzüchter warnen kann, wenn die Löwen in ihr Weideland eindringen oder sich ihrem Weideland nähern. Diese Überwachung wird auch ermöglichen, Veränderungen in der Anzahl der Löwen im Ökosystem zu erkennen, was ein anpassungsfähiges Management ihres Schutzprogramms ermöglicht.

Langfristiger Erhalt einer gesunden Löwenpopulation

Ziel der Kooperation zwischen Stiftung SAVE Wildlife Conservation Fund und der Technischen Universität München ist der langfristige Erhalt einer gesunden Löwenpopulation in Botswana und der Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area (KAZA TFCA), einem grenzüberschreitendes Natur- und Landschaftsschutzgebiet im südlichen Afrika. Hierzu soll ein Austausch von Löwen-Aktivitäten mit allen in der KAZA TFCA stattfinden. Außerdem soll ein Löwen-Schutzraum entwickelt werden, um Löwen zu versorgen, die von Bauern oder von anderen Wildtieren verletzt wurden.

Um Löwen und ihre Beutetiere vor Wilderei zu schützen, werden die Rangerstützpunkte vom Ministerium für Wildtiere und Nationalparks unterstützt: Funknetz, Ausrüstung und Betriebskosten sowie die Überwachungsinfrastruktur. Denn der Aufbau eines effektiven Managements in den Parks und Reservaten ist für die Zukunft der Wildtiere in Botswana von entscheidender Bedeutung.

Informationen:

SAVE Wildlife Conservation Fund Stiftung
Dieselstraße 70
D-42489 Wülfrath
Internet: www.save-wildlife.org

Interview mit Lars Gorschlüter, Gründer von SAVE

Bild: SAVE Wildlife

Nach einem Urlaub in Afrika im Jahr 2007 entdeckte der Unternehmer Lars Gorschlüter (Jahrgang 1970) seine Begeisterung für wild lebende Tiere - und wollte etwas für die Rettung von bedrohten Tieren und der Natur tun. 2010 gründete er die gemeinnützige Stiftung Save Wildlife Conservation Fund, die sich besonders für Natur- und Artenschutzprojekte in Afrika engagiert, aber auch für Tierschutzprojekte in Europa.

Löwenmutter und Junges in der Savuti-Region

im Westen des Chobe Nationalparks in Botswana. · Bild: Stu Porter - Shutterstock.com

Freiheit für Tiere: Du bist Manager der Firma GOTEC mit über 2.000 Mitarbeitern, die Spezialbeschichtungen für die Autoindustrie herstellt und in diesem Bereich Marktführer ist. Parallel bist du Vorstand einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung des Natur- und Artenschutzes einsetzt. Was treibt dich an?

Lars Gorschlüter:
Im dicht besiedelten Europa haben wir ja so ziemlich alles an Wildnis zerstört. Das Beispiel Bär Bruno, der unmittelbar nach Freigabe zum Abschuss nur wenige Stunden überlebte, hat uns gezeigt, dass es hier doch ein tiefes Misstrauen, vielleicht sogar eine Angst gegenüber allem Wilden gibt. Auch die rückkehrenden Wölfe haben es schwer: Eltern fürchten, dass ihre Kinder gefressen werden und Jäger sehen sie als Konkurrenten.

Das südliche Afrika ist - trotz aller Probleme - eines der ganz wenigen Gebieten auf der Erde, wo Wildnis noch existieren darf, wo es Landstriche gibt, in die der Mensch noch nicht bzw. kaum eingegriffen hat. Manchmal habe ich gedacht: So, wie es hier aussieht, könnte es ähnlich mal bei uns ausgesehen haben, bevor die Industrialisierung ihren zerstörerischen Lauf nahm. Und weil das auf der ganzen Welt so einzigartig ist, MÜSSEN wir alles tun, um das zu bewahren!

Freiheit für Tiere: SAVE Wildlife setzt sich für wildlebende Tiere und den Schutz der Natur vor allem in Afrika ein. Der Schwerpunkt eurer Projekte ist in Botswana. Warum?

Lars Gorschlüter: Botswana ist ein wunderschönes ursprüngliches Land, mit dem paradiesischem Okavango Delta, der Kalahari Wüste und den größten Salzpfannen dieser Erde. Ebenso leben hier viele atemberaubende Tierarten, zum Beispiel Nilpferde, Löwen, Zebras und riesige Elefantenherden. Die meisten Arten haben noch intakte Bestandzahlen in Botswana, was vor allem auf intakte Ökosysteme hinweist. Gerade diese gilt es für unsere folgenden Generationen zu erhalten!

Karte: Projekte der Stiftung Save Wildlife

Conservation Fund in Botswana

Freiheit für Tiere: Welches sind neben dem Löwenschutz eure aktuell wichtigsten Projekte in Botswana?

Lars Gorschlüter: Wichtige Projekte sind:

- »Education 4 Conservation«-Projekte. Diese zielen auf die Kinder in Wildtiergebieten und rund um die Wildtiergebiete. Kinder und Jugendlichen im Alter von 2 bis 18 Jahren nehmen an unseren Projekten teil. Die Kinder lernen dort vor allem den Respekt und die Hintergründe der Natur kennen.

- Community Development, also die Entwicklung der Gemeinden in und rund um die Wildtiergebiete. Dort helfen wir den Gemeinden, nachhaltige Einkommen zu erwirtschaften, wie zum Beispiel durch Ökotourismus. Gemeinden, die sich früher durch Trophäenjagd-Tourismus über Wasser gehalten haben, erzielen nun Einnahmen durch Gemeinde-Campingplätze für Öko-Touristen.

- Aufbau und Unterhaltung von Wildtierkorridoren. Durch gezielte Wasserstellen bringen wir alte Wildtierkorridore wieder zum Leben - und wir halten damit die Wildtiere aus den Gemeinden fern. Das wiederum reduziert die Mensch-Tier-Konflikte. Die Farmer müssen nicht mehr um ihre Einnahmen fürchten, weil wir zum Beispiel Elefantenrouten wiederherstellen. Ebenso folgen Antilopen dieser Route, das wiederum hält die Raubtiere aus den Dörfern.

- Nilpferd-Schutz. Durch die letzte Dürre in 2019 wurden viele Nilpferde in den letzten Wasserlöchern gefangen. Dort pumpen wir Wasser und versorgen die Tiere mit Nahrung. Zuletzt konnten wir so 106 Nilpferde vor dem sicheren Tod retten. »Freiheit für Tiere« hat über diese Rettungsaktion in Ausgabe 3/2020 berichtet.

Lars Gorschlüter möchte vor allem bei den Kindern

anfangen, um bei den Erwachsenen von morgen die Grundlage für die Achtung und Wertschätzung von Wildtieren zu legen. Bild: Start des neuen Leaning Centers in Matsaudi, Botswana.

Freiheit für Tiere: Der Stiftung SAVE Wildlife und vor allem auch dir persönlich sind die Bildung und Erziehung der Kinder wichtig, damit sie von klein auf lernen, Tiere und Natur zu achten, zu wertschätzen, sich für sie zu begeistern, damit sie sich später als Erwachsene für ihren Schutz einsetzen. Wie engagiert sich SAVE konkret in Kinderhilfsprojekten?

Lars Gorschlüter:
Inzwischen haben wir 24 Kinderprojekte »Education 4 Conservation« mit über 1.200 Kindern. Seit Beginn des Programms sind schon über 10.000 Kinder geschult worden. Ein neues »Learning Center« wird in den nächsten Monaten in der Gemeinde Matsaudi im Wildtierrand-Gebiet gebaut. Das Center ist für 60 bis 100 Kinder im Alter von 2 bis 18 Jahren geplant.

Freiheit für Tiere: Vielen Dank für dieses interessante Gespräch. Wir wünschen euch für eure wichtigen Projekte viel Erfolg!

Das Interview mit Lars Gorschlüter führte Julia Brunke, Redaktion »Freiheit für Tiere«