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Schon mindestens 24 Wölfe illegal erschossen

Sie sind wieder da: Wölfe in Deutschland.

Ende des letzten Jahrtausends durchschwamm der erste Wolf von Polen kommend die Neiße und schrieb Naturgeschichte. Die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland ist ein erfolgreiches Kapitel in der Geschichte des Artenschutzes - nicht nur vor dem Hintergrund des gegenwärtigen dramatischen Artensterbens. Hier durchsteift ein Europäischer Grauwolf die Teichlandschaft in der Oberlausitz. · Bild: Karin Jähne - Fotolia.com

Im Juli 2017 wurde in Schluchsee im Schwarzwald ein toter Wolf gefunden. Nach Angaben des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin wurde er erschossen. »Müssen jetzt Jäger zur Waffenprobe?« titelte BILD am 14.8.2017 und schrieb: »Fieberhaft sucht die Polizei nach dem Schützen. Ihm drohen bis zu 50 000 Euro Bußgeld. Bei ihren Ermittlungen nehmen die Fahnder auch die örtlichen Jagdreviere ins Visier. Und ihre Jäger.«

Der Wolf vom Schluchsee war vermutlich erst der vierte Wolf in Baden-Württemberg seit seiner Ausrottung vor über 150 Jahren. Und: Es war bereits der 24. Wolf, der einem illegalen Abschuss zum Opfer fiel. Die Dunkelziffer dürfte sicher höher sein.

Zudem gibt es zahlreiche versuchte Abschüsse: Immer wieder werden bei Wölfen, die im Straßenverkehr zu Tode kommen, verheilte Schusswunden festgestellt. So hatte etwa eine junge Wölfin, die Anfang Juli bei einem Verkehrsunfall in Sachsen zu Tode kam, einen Schrotbeschuss überlebt, berichtet der NABU: »Die routinemäßige Untersuchung des Kadavers hatte Kugeln gezeigt, die über den gesamten Körper verteilt waren.«

Immer wieder machen Jäger, Landwirte und einige Politiker - allen voran Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt - Stimmung gegen den Wolf. Offen werden Forderungen laut, Wölfe abzuschießen, eine Abschussquote für Wölfe einzuführen, den Bestand »zu regulieren«. Geltendes Recht und internationale Abkommen werden dabei mit Füßen getreten:

Wölfe sind in Deutschland im gesamten Bundesgebiet über § 44 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) streng geschützt. Bei Verstößen wird per Anzeige die zuständige Staatsanwaltschaft tätig. Je nach Vergehen sind Strafen von bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug oder hohe Geldbußen möglich. Damit besitzen Wölfe in Deutschland den höchstmöglichen Schutzstatus.

Doch auch nach europäischem und internationalem Recht sind Wölfe streng geschützt: Wölfe sind sowohl durch das Washingtoner Artenschutzabkommen sowie die Berner Konvention geschützt. Deutschland hat beide Abkommen ratifiziert, so dass diese völkerrechtlich verbindlich sind. Als EU-Mitgliedsstaat verpflichtet sich Deutschland, die so genannte Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) umzusetzen. Der Wolf ist über den Anhang IV der FFH-RL besonders geschützt.

»Der illegale Abschuss eines Wolfes oder eines Luchses ist eine Straftat«, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks der Passauer Neuen Presse. Diese könne mit einer Geldstrafe oder gar einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden. Zudem trage die Jagd auf den Wolf laut Hendricks nicht dazu bei, Risse bei Nutztieren zu vermeiden. Das Beispiel der Lausitz zeige, dass »konsequenter Herdenschutz« die Zahl der Nutztier-Risse reduziere.

Nutztiere wie Schafe und Rinder, Gatterwild können auf ihrer Weide durch Elektrozäune oder Herdenhunde vor Wolfsangriffen geschützt werden. Das Land Niedersachsen fördert diese Präventionsmaßnahmen mit einer Übernahme von bis zu 80 Prozent der Kosten. In anderen Bundesländern gibt es ähnlich hohe Zuschüsse.

Quellen: · Wolf in Baden-Württemberg illegal erschossen – 24. Fall in Deutschland. NABU, Pressemeldung vom 8.8.2017
· Getöteter Wolf: Müssen jetzt Jäger zur Waffenprobe? BILD, 14.8.2017
· Hendricks: »Jagd auf Wolf hilft nicht gegen Nutztier-Risse«. Passauer Neue Presse, 12.8.2017

Karikatur: Thoddy