Freiheit für Tiere
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Strafanzeige gegen riesige Treibjagd

181 Jäger, 100 Treiber und 60 Hunde

erlegen 81 Wildschweine in 3 Stunden

Im Auftrag von mehreren Tierschutzorganisationen wie PETA Deutschland e.V. und der Initiative zur Abschaffung der Jagd wurde Strafanzeige gegen die Verantwortlichen einer riesigen revierübergreifenden Treibjagd gestellt. Bei der ganze 11 (!) Reviere umfassenden Treibjagd im Waldgebiet zwischen Inzigkofen, Göggingen und Meßkirch im Dezember 2013 hatten 181 Jäger, 100 Treiber und 60 Jagdhunde innerhalb von drei Stunden 81 Wildschweine zur Strecke gebracht. Dabei wurden so viele Wildschweine abgeschossen wie sonst in einem ganzen Jahr! Die Tierschutzorganisationen sprachen von »Abartigen Auswüchsen der Jagd«.
Die Hegeringe Sigmaringen und Meßkirch und der Bauernverband hatten als »Pilotprojekt« zu der riesigen revierübergreifenden Drückjagd aufgerufen.

Verstöße gegen geltendes Recht!

Sechs Tierschutzorganisationen haben am 5.2.2014 bei der Staatsanwaltschaft Hechingen Strafanzeige gegen die Verantwortlichen dieser Treibjagd eingereicht. Ihr Rechtsanwalt Dominik Storr ist der Auffassung, dass die von den Hegeringen Sigmaringen und Meßkirch sowie dem Bauernverband am 7.12.2013 organisierte Jagd gleich in mehreren Punkten gegen das geltende Jagdrecht und das Tierschutz­gesetz verstößt: Zum einen würden Wildschweine wie Schädlinge behandelt werden. Für Schädlingsbekämpfung seien die Jäger aber gar nicht zuständig. Zudem gebe es für revierübergreifende Jagdausübungsmaßnahmen keine gesetzliche Grundlage, da in Deutschland nach dem ausdrücklichen Willen des Gesetzgebers das strenge Revierprinzip gelte. Folgerichtig habe daher der Gesetzgeber in Rheinland-Pfalz als erstes Bundesland sein Jagdgesetz entsprechend geändert und darin explizit aufgenommen, dass Hegegemeinschaften auch »jagdbezirksübergreifende Bejagungen« durchführen können.

Hinzu komme, dass bei Jagden dieser Größenordnung nicht von einer weidgerechten Jagdausübung ausgegangen werden könne. Durch diese Verstöße sei kein rechtfertigender Grund für die Tötung von Wirbeltieren vorhanden. Dadurch hätten sich die verantwortlichen Personen mutmaßlich nach § 17 TierSchG strafbar gemacht.

Sogar Jäger kritisieren revierübergreifende Drückjagden

Ausgerechnet von Jägern erhalten die Tierschutzorganisationen Schützenhilfe: Im benachbarten Hegering Blumberg haben 13 langjährige Jagdpächter ihre auslaufenden Jagdpachtverträge aus Protest gegen die revierübergreifenden Drückjagden nicht verlängert: Sie prangern die großen revierübergreifenden Drückjagden als »nicht waidgerecht« und »unethisch« an, weil »nur noch der Abschuss des Wildes« zähle. Dies berichteten der Südkurier und der Schwarzwälder Bote am 4.02.2014. Die 13 langjährigen Jagdpächter begründen dies in einem Offenen Brief, aus dem der Südkurier wie folgt zitiert: »Wir lehnen diese Art der Jagd aus ethischen Gründen ab.«

Großes Presseecho

Die Medien hatten bereits im Vorfeld berichtet: »Tierschützer bereiten nach Drückjagd Strafanzeige vor«, titelte beispielsweise der Südkurier am 17.12.2013.

»Rechtsanwalt will Jäger anzeigen - Die Drückjagd in und um Meßkirch ruft Tierschützer und die Justiz auf den Plan«, titelte die die Schwäbische Zeitung am 5.2.2014 und zititert Rechtsanwalt Storr, der die Strafanzeige im Auftrag mehrerer Tierschutzorganisationen gestellt hat: »Jagden in dieser Größenordnung sind nicht mehr angemessen, und revierübergreifende Jagden halte ich für absolut rechtswidrig. Zudem verstoßen sie gegen das Tierschutzgesetz«.

»Drückjagd: Rechtsanwalt legt Strafanzeige vor«, meldete der Südkurier am 6.2.2104: »Wie berichtet, hatte die Tierschutzorganisation PETA die Jagd kritisiert und die Anzeige angekündigt. PETA-Anwalt Dominik Storr sieht nun keine Gesetzesgrundlage für die Jagd über Reviergrenzen hinweg«. Die 13 Blumberger Jäger, die ebenfalls revierübergreifende Drückjagden ablehnen und deshalb ihre bisherigen Reviere aufgeben, seien ohne ihr Zutun zu Gewährsmännern von Tierschützern geworden.