Freiheit für Tiere
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Ultramarathon-Radsportler Ben Urbanke im Interview

Im »Freiheit für Tiere«-Interview erzählt uns Ben Urbanke, auf was Sportler bei der Ernährung achten sollten und warum er 2012 auf vegan umstellte.

Freiheit für Tiere: Im Sommer 2017 bist du das Radrennen London-Edinburgh-London gefahren und hast für die 1.440 Kilometer nur drei Tage gebraucht. Das hört sich einfach unglaublich an! Erzählst du uns davon?

Ben Urbanke:
Es waren die schlimmsten Bedingungen - so sagen die Veranstalter - seit Beginn des Wettbewerbs 1989. Es hat nicht nur die ganze Zeit geregnet, was ja in England nichts Ungewöhnliches ist, aber das Heftigste war der starke Südwind mit Orkanböen bis zu 90 km/h. Das führte dazu, dass in diesem Jahr mehr als 50 Prozent der Fahrer nicht in der vorgegebenen Zeit ins Ziel kamen.

Freiheit für Tiere: Das war also ganz schön hart! Wie hast du das durchgehalten?

Ben Urbanke:
Ja, gemütlich... und indem ich mich gut mit anderen unterhalten habe.

Freiheit für Tiere: Wie bitte?!? Bei Windstärke 9 und Gegenwind?

Ben Urbanke:
Naja, es war nicht die ganze Zeit Windstärke 9, aber hin und wieder. Viel Regen ist für mich nicht so das Problem. Wenn ich mal im Rhythmus bin, den runden Tritt habe, dann trete ich einfach weiter. Man denkt vor allem in Etappen. Man denkt nie: »Jetzt habe ich hundert Kilometer geschafft, jetzt sind es nur noch 1.300 Kilometer«. Sondern man denkt immer nur: »Okay, bis zur nächsten Kontrolle«. Die sind ja nur in 60 bis 80 Kilometern Abstand.

Freiheit für Tiere: Wie bereitest du dich auf ein Langstrecken-Rennen vor?

Ben Urbanke:
Eigentlich gar nicht so besonders. Ich gucke mir die Strecke vorher so ein bisschen an. Sonst vom Training her: Ich fahre ja das ganze Jahr hindurch. Vor Rennen trainiere ich jetzt nicht irgendwie mehr oder weniger. Ich freue mich eher darauf: Was ich da alles sehe, die Naturerlebnisse. Deswegen freue ich mich auch auf Japan. Da freue ich mich auf viele neue Eindrücke in der Natur - und die vielen Menschen, die diese
Leidenschaft teilen.

Freiheit für Tiere: Was ist das für ein Radrennen in Japan?

Ben Urbanke:
Das wird im August 2018 stattfinden. 2.400 Kilometer einmal um die Insel Hokkaido.

Freiheit für Tiere: 2.400 Kilometer?!?

Ben Urbanke:
Ja, ich will 2018 die Zweitausender knacken!

Freiheit für Tiere: Wie versorgst du dich während eines Rennens? Nimmst du deine Verpflegung komplett mit?

Ben Urbanke:
Genau. Beim Rennen London-Edinburgh-London war das Schöne, dass es zwei Backdrops gab. Dort habe ich meine Riegel und ein frisches Outfit deponiert.

Freiheit für Tiere: Was ist für Sportler nach einer Höchstleistung zu beachten?

Ben Urbanke:
Viel Schlaf (lacht), auf jeden Fall viel Schlaf. Und natürlich pflanzliche Proteine. Es ist direkt nach der körperlichen Anstrengung wichtig, den Körper recht schnell mit hochwertigem Eiweiß zu versorgen für die Regeneration. Ich bevorzuge die Süßlupine und Hanfprotein: Die Süßlupine wächst in Deutschland - ist also regional - und gehört mit einem Proteingehalt mit bis zu 40 Prozent zu den eiweißreichsten Hülsenfrüchten der Welt. Süßlupinenmehl gebe ich gerne als Proteinkick in meine Smoothies. Süßlupinen und Hanfsamen enthalten alle acht essenziellen Aminosäuren, die unser Körper nicht selbst produzieren kann. Beide besitzen ein perfektes Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3-Fettsäuren und wirken somit Herzkreislaufproblemen und Entzündungen entgegen.

Freiheit für Tiere: Immer mehr Sportler stellen für mehr Leistungsfähigkeit auf vegane Ernährung um. Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton wurde beispielsweise Veganer,
nachdem er den Film »What The Health« gesehen hatte. Hamilton berichtete - wie andere Sportler auch - über einen höheren Energielevel, besseren Schlaf, schnelle Regeneration, bessere Haut und generell ein besseres Körpergefühl. Wie erklärst du dir das?

Ben Urbanke:
Ja, ganz einfach. Es ist ja kein Hexenwerk, das ist ja mittlerweile alles ernährungsphysiologisch belegt. In meinem Buch »Be faster - Go vegan« gehe ich darauf ausführlich ein. Wenn man den Körper gut mit Nährstoffen, vor allem grünen Nährstoffen, versorgt, funktioniert der Körper besser, als wenn man das nicht macht. Tierische Produkte haben gegenüber pflanzlichen entsprechende Nachteile. So ist zum Beispiel Fleisch als Eiweißlieferant säurebildend, pflanzliche Eiweiße sind basisch. Eine basische Ernährung führt natürlich automatisch zu einem besseren Körpergefühl.

Nach der Umstellung auf 100% pflanzliche Ernährung

stellte Ben Urbanke fest, dass seine Regenerationszeit kürzer und die Leistungsfähigkeit größer wurde. Bild: facebook.com/ben.urbanke

Freiheit für Tiere: Du ernährst dich bereits seit 2012 Jahren rein pflanzlich. Was waren deine Gründe für die Umstellung?

Ben Urbanke:
Bei mir waren es ökologische und ethische Aspekte: Der Regenwald wird abgeholzt für die Tierfutterproduktion. Dazu kommt die enorme Wasserverschwendung:
Für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch werden an die 15.000 Liter Wasser verbraucht.

Die ethischen Aspekte stehen bei der ganzen Tiermast außer Frage: Die Massentierhaltung ist ethisch nicht vertretbar. Das ist ja nicht mehr wie früher, als der Bauer einige wenige Tiere hatte. Heute muss man immer mehr Tiere haben, damit es überhaupt wirtschaftlich tragbar ist. Und das kann es ja nicht sein! Dieser ganze Teufelskreis: Immer mehr Tiere, immer weniger Zeit, es wird immer mehr ein mechanischer Apparat. Und das Tier an sich - das Individuum - bleibt in diesem Prozess auf der Strecke. Das Tier wird eine Ware.

Freiheit für Tiere: Unterstützt du auch Tierrechts- oder Umweltorganisationen?

Ben Urbanke:
Ja. Ich unterstütze einige, möchte keine besonders hervorheben, denn es sind so viele Organisationen unterstützenswert, ob es die großen Organisationen sind wie PETA, Gnadenhöfe und Lebenshöfe oder die Tierheime vor Ort.

Freiheit für Tiere: Was möchtest du den Leserinnen und Lesern von »Freiheit für Tiere« noch sagen?

Ben Urbanke: Niemand braucht tierische Produkte, um vital zu sein und generell körperliche Leistung zu bringen. Ich kann jedem nur empfehlen, es mal zwei Wochen auszuprobieren.
Danach wird jeder schon einen Effekt, einen Unterschied merken. Und dann kann ja jeder individuell für sich entscheiden, ob er weiter am Ball bleiben will. Man sollte einfach mal damit anfangen. Nicht sagen: »Das könnte ich nicht« - einfach mal anfangen. Das sage ich auch immer in meinen Vorträgen. Und das Wichtigste: Die Tiere werden es dir danken!

Das Gespräch mit Ben Urbanke führte Julia Brunke, Redaktion »Freiheit für Tiere«



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Ben Urbanke: Be faster - go vegan
Mit 75 schnellen Rezepten
208 Seiten, gebunden
Unimedica, 2016 · ISBN: 978-3-944125-50-3
Preis: 19,80 Euro