Freiheit für Tiere
Sie sind hier: Startseite » Artikel

Wilde Hunde

Wilde Hunde

Maike Maja Nowak berichtet über Wanja und ein Rudel frei lebender russischer Hunde

Buchvorstellung von Julia Brunke

In Ihrem Buch »Wanja und die wilden Hunde« berichtet Maike Maja Nowok ihren Erlebnissen mit Wanja und seinen Rudel von neun freilebenden Hunden Lipowka, einem Dorf in Russland, in dem sie sieben Jahre abseits der modernen Zivilisation lebte. Heute ist sie eine der bekanntesten Hundetrainerinnen Deutschlands. Das Geheimnis der »Hundeflüsterin«: Sie hat den Führungsstil von Leithund Wanja in eine eigene Kommunikation mit Hunden übertragen.

Die erste Begegnung mit Wanja

Die Schneeschmelze hat sich zu einem gewaltigen Hochwasser mit den Flüssen verbunden, als Maike Maja Nowak von einem Bauern durch Wald und Felder gerudert wird, um in das Dorf Lipowka zu gelangen, in dem sie sich ein Haus kaufte. Plötzlich schwimmt ein Hund mit Schlappohren im eisigen Wasser. Er folgt dem Boot in etwa zwanzig Meter Entfernung - über eine Stunde lang. In Lipowka angekommen, springt er einen Steilhang hinauf und schüttelt sich. Maja ist sprachlos über den Anblick des großen schneeweißen Tieres mit den schwarzen und rotbraunen Flecken: »So ein toller Hund!«

Am Abend sieht Maja den Hund auf der Wiese vor ihrem Häuschen wieder. Von den Bauern in Lipoka erfährt Maja, dass es ein wilder Hund sei, der im Wald lebe und sicher bissig sei. Immer wieder sieht sie den Hund vor ihrem Haus. Wenn jemand sie besuchen will, knurrt der Hund. Bauer Kolja will den Hund erschießen, »weil er eine Macke hat«. Maja liebt Hunde, doch sie zögert, den Hund bei sich aufzunehmen - sie weiß, dass sie den Hund nicht versorgen kann, weil sie als Sängerin immer wieder zu Konzerten unterwegs sein wird.

Dennoch erobert sie der Hund in seiner unerschütterlichen Art und sie öffnet ihm bald Haus und Herz.
Die Anwesenheit von Wanja bringt Aufruhr unter den Dorfhunden, die frei umherlaufen. Doch da sich Wanja nicht beidrucken lässt beruhigen sie sich bald und akzeptieren seine Anwesenheit. Wanja begleitet Maja überall hin. »Trete ich aus dem Haus einer Babuschka wieder heraus, krabbelt Wanja darunter hervor und kann sich vor Freude kaum halten«, berichtet Maja in ihrem Buch. »Immer wieder stubst er mit seiner Schnauze in meine Handfläche, legt mir die Vorderpfoten auf die Schulter und leckt mir das Kinn. (Es gibt kein Foto von uns beiden, auf dem sich nicht Wanjas Schnauze oder sein ganzer Kopf auf meinem Körper befindet. Mich rührt das sehr.«

Anton und Bambino

Anton ist der erste Hund, der zu Wanja und Maja hinzu gesellt. Einige Wochen später kommt Wanja zum ersten Mal über Nacht mit ins Haus. An seiner Stelle liegt nun Anton draußen und schiebt Wache. »Wanja hat offenbar einen Angestellten gefunden«, denkt sich Maja.

Eines Tages muss Maja für drei Tage nach Moska, um Konzerttermine zu regeln. Sie bittet ihren Nachbarn Bauer Wasja, in dieser Zeit für Wanja und Anton zu sorgen. Wanja sweiß Bescheid, und er schleicht miteingezogenem Schwanz hinter ihr her. Maja ist ratlos: »Wie soll man einem Hund erklären, dass man wiederkommt und ihn nicht für immer verlässt?«

In Moskau findet Maja einen fast zum Skelett abgemagerten Hund am Straßenrand liegen. Sie nimmt »Bambino« mit nach Lipowka.

Als Maja in Lipowka ankommt, ist Wanja nicht da. Von ihrem Nachbarn erfährt sie, dass Wanja in ihrer Abwesenheit die Tür seiner Scheune durchbrochen hat und in den Wald abgehauen ist. Sie ist froh, dass Wanja noch selbstständig sein kann und traurig, weil sie denkt, sie würde ihn nicht wiedersehen. Bambino ist noch geschwächt und darf mit Haus, während Anton wieder seinen Platz draußen einnimmt. Erschöpft von der langen Reise schläft Maja ein.

Ein Hundefiepen weckt sie: Wanja steht vor der Tür! »Ich weine und bin dann ganz stumm vor Glück. Ich werfe mich auf den Boden, Wanja wirft sich neben mich und es wird geschmust, was das Zeug hält. Ich will nie wieder wegfahren in diesem Moment.«
Wanja unterrichtet Bambino

Bambino trippelt um Wanja herum und leckt sich beschwichtigend über das Maul. Wanja hört auf zu knurren. Bambino springt stürmisch auf Wanja zu, dieser fängt ihn im Flug ab und stößt ihn mit einem knappen Rempler zurück. Bambino versucht alles Mögliche, um Wanjas näher zu kommen. Dieser jedoch setzt ihm weiter Grenzen. Nur solange der junge Hund auf Distanz bleibt, schenkt Wanja ihm keinerlei Beachtung. Nach etwa fünfzehn Minuten gibt Bambino auf und legt sich hin. »Auch Wanja legt sich daraufhin entspannt neben mich auf den Boden und lässt sich von mir den Bauch kraulen. Schließlich schlafen wir alle drei auf dem Scheunenboden ein. Wanja und ich nevebeinanderliegend, Bambino zusammengerollt in einer Ecke. Ich denke noch: Der arme Bambino, hoffentlich fühlt er sich nicht ausgestoßen. Ich kann damals noch nicht wissen, dass er gerade im wichtigsten Ritual unterrichtet wird, das ein Leithund wie Wanja lehren kann.«

Laska

Eines Tages ist Wanja verschwunden. Und in dem Hunderudel gibt es immer wieder Ärger. »Zum ersten Mal sehe ich, welch wichtigen und guten Job Wanja als Leithund macht.«

Nach vier Tagen kehrt Wanja zurück - in Begleitung einer wunderschönen Huskyhünding aus dem Nachbardorf. »Laska ist eine große Bereicherung für das kleine Rudel«, schreibt Maja. »In ihrer Sanftheit besitzt sie - wenn nötig - eine große Bestimmtheit. Wenn Bambino zum Beispiel jede Distanz verliert und allen auf die Nerven fällt, stellt sie sich einfach vor ihn hin und blickt ihn an. Bambino kratzt sich sofort die Kurve und legt sich irgendwo auf einen geschützten Platz unter das Haus oder hinter einen Vorsprung. Ich kann nicht erkennen, dass Laska irgendetwas anderes tut als ihn anzuschauen.«

Wanjas Qualitäten als Leithund

»Wanja schaltet sich nur ein, wenn es wirklich nötig ist«, schreibt Maja. »Ansonsten kann jeder der Hunde tun und lassen, was er will. Das ist für mich eine Entdeckung.« Maja erinnert sich an die Foxterrier-Hündin Berry, mit der sie aufgewachsen war. Ihr Vater machte mit ihr täglich Exerzierübungen: »Dieses strenge Abrichten führte dazu, dass die Hündin zwar auf meinen Vater hörte, jedoch Angst vor ihm hatte und nur selten von alleine seine Nähe suchte.«

Wanja führt sein Rudel schließlich neun Hunden unglaublich souverän - und sorgt so für eine große Harmonie unter den Hunden.

Zurück in Deutschland: Viktor

Jahre später, wieder zurück in Deutschland, holt Maja einen älteren Hund aus dem Tierheim: Viktor. Viktor ist psychisch völlig gestört und voller Ängste. So beginnt Maja ein Fernstudium zur Hundepsychologin an einem anerkannten Institut. Mit Hilfe all dessen, was sie von Wanja gelernt hat, hilft sie Viktor, seine Ängste und die Schatten der Vergangenheit abzulegen und ein glücklicher, lebensfroher Hund zu sein.

Das Buch

Wanja und die wilden Hunde

Ein Buch über ein Rudel von zehn russischen freilebenden Hunden

Maja Nowak, Autorin von »Die mit dem Hund tanzt« erzählt von ihren Erlebnissen im russischen Dorf Lipowka, wo sie einige Jahre fast abgeschnitten von der Welt lebte. Es finden sich zuerst Wanja, dann nach und nach neun weitere Hunde an ihrer Seite ein. Sie und die Bauern erobern ihr Herz und werden Lehrmeister für ihr weiteres Leben. In faszinierender Weise beschreibt Maja Nowak das wunderbare Zusammenspiel von Hunden und Menschen an einem einzigartigen Ort. Ein spannendes Buch, warmherzig und humorvoll geschrieben.

Die »Kleine Hundekunde« am Schluss des Buches ist ein Schatzkästchen für jeden, der mit Hunden leben will.

Maike Maja Nowak:
Wanja und die wilden Hunde

Mein Leben in fünf Jahreszeiten
Gebundene Ausgabe, 336 Seiten · Mosaik Verlag 2012
ISBN: 978-3-442-39213-1 · Preis: 17,99 Euro