Die Vielfalt in der Vogelwelt schwindet


Die Vielfalt in der Vogelwelt schwindet immer mehr. Die Bestandssituation der 248 heimischen Brutvogelarten hat sich seit Ende der 1990er Jahre spürbar verschlechtert: Jede dritte bei uns brütende Vogelart erlitt Bestandsrückgänge. Insbesondere häufige und weit verbreitete Singvogelarten wie Baumpieper und Stieglitz weisen negative Trends auf. Die aktuelle Studie »Vögel in Deutschland« beleuchtet die Hintergründe dieser Bestandsrückgänge. Demnach ist vor allem die Agrarindustrie dafür verantwortlich.

In der Agrarlandschaft brütende Arten erlitten in den letzten Jahrzehnten in Deutschland die stärksten Bestandseinbußen. »Die Arten der Agrarlandschaft bleiben weiterhin unsere Sorgenkinder«, erklärt Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz. »Rund die Hälfte der Vogelarten unserer Felder und Wiesen nehmen im Bestand ab. Besonders betroffen sind die am Boden brütenden Arten und solche, die sich von Kleininsekten ernähren.« Dafür werden die häufige und intensive Bodenbearbeitung und die Entwässerung von Lebensräumen verantwortlich gemacht, aber auch der Einsatz von Insektiziden, vor allem der Neonicotinoide, der zum beschleunigten Rückgang Insekten fressender Vogelarten führt.

»Zugvögel weisen einen höheren Anteil im Brutbestand abnehmender Arten auf als diejenigen Arten, die auch im Winter bei uns bleiben«, so Peter Herkenrath, Geschäftsführer der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten. »Neben den Schutzanstrengungen in Deutschland ist deshalb eine Intensivierung der Bemühungen zum Schutz von Zugvögeln auf ihren Zugwegen und im Überwinterungsgebiet erforderlich.«

Die bedeutendsten negativen Einflussfaktoren bei den überwinternden Wasservogelarten wirkten vor allem an der Küste und auf dem Meer: Fischerei, Meerwasserverschmutzung, Schifffahrtswege sowie Offshore-Windkraftanlagen.

Für die Mehrzahl der EU-Vogelschutzgebiete würden noch die nötigen Pflege- und Entwicklungspläne fehlen. Und dort, wo sie vorlägen, seien diese oftmals nicht vollständig umgesetzt, so Bernd Hälterlein. Als Vorsitzender des Dachverbands Deutscher Avifaunisten fordert er Politik und Verwaltung auf, die dafür benötigten Finanzmittel bereitzustellen: Der europäische Vogelschutz brauche umgehend einen großen Schritt nach vorn.

Die Studie »Vögel in Deutschland« als Download:
www.dda-web.de
www.bfn.de/0315_vogelmonitoring.html

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesamts für Naturschutz, des Dachverbands Deutscher Avifaunisten und der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten, 17.2.2016


Amseljunge Bild: Leiftryn Fotolia


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