Die Wahrheit über "Schweineproduktion"

Was passiert, bis das Fleisch auf unseren Teller kommt? Bild: Simone van den Berg Fotolia.com


Rund 66.000 Schweinemastanlagen gibt es in Deutschland. Missstände sind in den Betrieben systemimmanent. PETA-Recherchen zeigen immer wieder, dass die ohnehin ungenügenden Bestimmungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung regelmäßig und dauerhaft missachtet werden. Eine neue Recherche blickt hinter die Kulissen der Ferkelaufzuchtbranche.

Die WDR-Sendung »Markt« schockte am 10.2.2014 die Fernsehzuschauer mit Aufnahmen aus einer Ferkelaufzucht: zu sehen waren furchtbare Zustände, kranke, sterbende und tote Ferkel.


In dem Ferkel-Aufzuchtbetrieb in Nordrhein-Westfalen werden die Ferkel in engen Buchten auf Spaltenböden gehalten. Viele Tiere husteten aufgrund des Ammoniakgehalts in der Luft. Foto: PETA www.peta.de


Dieses Ferkel litt an einem Mastdarmvorfall. Es lag mit angefressenem Hinterteil inmitten der anderen Tiere. Foto: PETA www.peta.de


Einige Ferkel litten an Hautpilzbefall. Foto: PETA www.peta.de


Antibiotika, Dreck, Tierleid, Tod

In dem Betrieb in Welver/Kreis Soest werden Ferkel in engen Buchten auf Spaltenböden gehalten. Die Filmaufnahmen von PETA Deutschland e.V. und animals e.V. dokumentieren völlig verdreckte Ställe und viele kranke Tiere. »Ein Schweinebaby litt an einem Mastdarmvorfall«, berichteten die Ermittler. »Es lag mit angefressenem Hinterteil inmitten der anderen Tiere. Zahlreiche Ferkel hatten unbehandelte Nabelbrüche, Kastrationsvorfälle und große Abszesse. Sterbende und schwache Schweine mit Augen­verletzungen und Hautpilzbefall lagen in den Buchten; tote Ferkel mitten auf dem Gang. Sämtliche Ferkel hatten kupierte Schwänze, was seit 2011 laut Erlass des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums nur noch in Einzelfällen erlaubt ist.«

Die Ermittler von PETA berichteten, dass einige Spaltenböden und das darunterliegende Kotbecken so verstopft waren, dass die Exkremente der Tiere nicht abflossen. Es wimmelte von Fliegenmaden. Viele Tiere husteten aufgrund des Ammoniakgehalts in der Luft. Während der Ermittlungen wurden im Rahmen mehrerer Prüfungen des Betriebes außerdem sechs verschiedene Antibiotika-Präparate dokumentiert sowie weitere Medikamente, die im Vorraum der unverschlossenen Anlage offen abgestellt waren.

Was ist von »Qualitätsstandards« zu halten?

Wenn die Ferkel im Aufzuchtbetrieb in Welver ein bestimmtes Alter erreicht haben, werden sie weiterverkauft. Manche der jungen Schweine werden direkt als so genannte »Spanferkel« vermarktet. Die meisten gehen jedoch an Betriebe, die die Tiere mästen, bis sie geschlachtet werden. Der Tierrechtsorganisation PETA liegen Unterlagen vor, die Geschäftsverbindungen zu einer Viehhandlung belegen, die mit dem Versprechen wirbt: »Alle unsere Ferkelerzeuger sind QS-zertifiziert«. Das »QS-Siegel« soll Sicherheit und Qualität in den Mast­betrieben garantieren. Doch die PETA-Recherche beweise genau das Gegenteil: »Es herrschen unhygienische Zustände, die Tiere sind krank, sterben, erhalten verschiedenste Antibiotika-Präparate und leiden ihr kurzes Leben lang unsägliche Qualen«, so die Tierrechtsorganisation.


Einige Ferkel hatten riesige unbehandelte Nabelbrüche. Foto: PETA www.peta.de


PETA stellt Strafanzeige

PETA Deutschland e.V. meldete die dokumentierten skandalösen Zustände in dem nordrhein-westfälischen Ferkel-Aufzuchtbetrieb umgehend dem Veterinäramt und erstattete Strafanzeige gegen den Betreiber sowie die betreuende Tierärztin bei der Staatsanwaltschaft.


Einige Ferkel hatten Augenverletzungen. Foto: PETA www.peta.de


Aktiver Tierschutz: Was Sie tun können

Genau in diesem Moment leiden Millionen Schweine in Mastbetrieben. Die Ferkel werden ihren Müttern schon nach wenigen Wochen weggenommen. In den ersten Lebenstagen werden die Schwänze abgeschnitten, die Zähne gekappt und die männlichen Tiere kastriert - alles ohne Betäubung. Alles legal. Nach etwa sechs Monaten Mast werden sie in den Tiertransporter verladen, zum Schlachthof gebracht und getötet.

Selbst wenn sich alle Beteiligten an die Tierschutzgesetze und Richtlinien halten würden, könnte das Leiden und Sterben der Tiere dennoch nicht verhindert werden. Die einzige Möglichkeit, den Tieren wirklich zu helfen, ist, keine Tiere mehr zu essen! Vegetarier und Veganer führen nicht nur ein gesünderes Leben - sie bewahren auch bis zu 50 Tiere pro Jahr vor dem Tod in Tierfabriken und Schlachthöfen.

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Informationen:

PETA Deutschland e. V.
Benzstr. 1 · D-70839 Gerlingen
e-mail: info@peta.de

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