Elefanten: Komplexe Kommunikation

Lieben Elefanten ihre Kinder? "Ihre Gehirne ähneln den unseren. Sie produzieren die gleichen Hormone, die bei uns Menschen für unsere Gefühle verantwortlich sind." Bild: aiisha - Fotolia.com


Komplexes Sozialverhalten


und hoch entwickelte Kommunikation

Von Julia Brunke

Elefanten haben ein ausgeprägtes, sehr komplexes Sozialverhalten. Sie leben in flexiblen Gruppen und sind fortwährend auf Wanderschaft. Die Fähigkeit zur Kommunikation ist daher hoch entwickelt. Über verschiedene Kontaktrufe »sprechen« sie miteinander: Sie koordinieren ihre Gruppe und ihre Wanderungen, begrüßen bekannte Familien, reagieren auf Hilferufe, Protestlaute und natürlich dem Warnruf der Leitelefantin, wenn Gefahr droht. Elefanten erkennen Gruppenmitglieder an der Stimme, können aber auch die Stimmen von Menschen unterscheiden und so Gefahren einschätzen.

Außerdem haben Elefanten einen hoch entwickelten Geruchssinn: Sie können Wasservorkommen und Nahrungsquellen schon aus mehreren Kilometern Entfernung erschnuppern und Mitglieder des Familienverbands von fremden Artgenossen am Geruch unterscheiden. Sie können sogar Spuren zurückverfolgen und herausfinden, wo Familienmitglieder sich gerade aufhalten.

»Elefanten bauen tiefe Bindungen miteinander auf, die jahrzehntelang dauern«, erklärt Dr. Cynthia Moss vom Amboseli-Nationalpark in Kenia. »Das Überleben der Elefanten hängt sehr stark vom sozialen und ökologischen Wissen ab, das ältere Elefanten erworben haben und an die jüngeren weitergeben: Wanderwege, wie sie Essen finden, wie sie Gefahren vermeiden.«


Elefanten erkennen ihre Artgenossen an der Stimme

Elefanten erkennen einander an der Stimme - und am Geruch. Gerüche und Laute halten sie im Gedächtnis fest und vergessen nichts. Die grauen Riesen kommunizieren über ein komplexes und ausgeklügeltes Lautsystem, das auch Töne im extrem tiefen Infraschallbereich umfasst. Damit können sie sich sogar über mehrere Kilometer hinweg verständigen - und sich gegenseitig erkennen.

Die Verhaltensforscher Karen McComb und Graeme Shannon von der Universität Sussex in England studieren Elefanten im Amboseli-Nationalpark in Kenia. Sie wiesen nach, dass jede Elefantin rund 100 andere weibliche Elefanten an der Stimme erkennt.

Doch Elefanten erkennen auch ihre Feinde an der Stimme. Die Forscher spielten den Elefanten Aufnahmen verschiedener akustischer »Bedrohungen« vor: Stimmen von Löwen und Menschen. Ihre Studien zeigen, dass Elefanten die unterschiedlichen Ebenen der Bedrohung von Löwen und auch von Menschen sicher einschätzen können. Diese Fähigkeiten sind am stärksten unter erfahrenen älteren Elefanten ausgeprägt.


Elefanten erkennen Menschen an der Stimme

Elefanten wissen, dass nicht alle Menschen eine Gefahr sind. So unterscheiden Elefanten die Stimmen von Massai-Jägern, die sie früher gejagt und getötet haben und Menschen vom Stamm der Kamba, von denen sie keine Bedrohung erlebt haben, sowohl am Geruch, als auch an der Stimme.

Die Verhaltensforscher Karen McComb und Graeme Shannon spielten 47 freilebenden Elefantenfamilien im Amboseli-Nationalpark 142 Hörproben mit immer dem gleichen Inhalt vor: »Guck, guck, dort drüben kommt eine Gruppe Elefanten.« Die Reaktion der Tiere auf die Aufnahmen war eindeutig: Auf Stimmen männlicher Massai reagierten die Elefanten besonders ängstlich, zogen sich zurück, suchten Schutz in der Herde und versuchten, die drohende Gefahr über ihren Hör- und Geruchsinn genauer zu identifizieren. Deutlich entspannter reagierten die Elefanten auf die Stimmen männlicher Kamba, aber auch die Stimmen weiblicher Massai und Massaijungen.

Mit ihrem hervorragenden akustischen Erinnerungsvermögen behalten Elefanten auch Laute, die sie mit bestimmten Situationen oder Erfahrungen assoziieren, fest in ihrem Gedächtnis.


Elefanten vergessen nichts - sie können sich besser an Vergangenes erinnern als Menschen. Sie merken sich nicht nur Wanderrouten, Futterplätze und Wasserstellen, sondern erkennen auch ehemalige Gruppenmitglieder oder Menschen nach Jahrzehntenen wieder. Bild: Omica - Fotolia.com


Elefanten: Posttraumatische Belastungsstörungen


ähnlich wie bei Menschen

Nach grausamen Erfahrungen leiden Elefanten unter ähnlichen posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) wie Menschen.

Die Verhaltensforscher Graeme Shannon und Karen McComb verglichen das Verhalten von Elefanten im Amboseli-Nationalpark in Kenia, wo die Tiere nicht erschossen werden, mit dem Verhalten einer Gruppe von Elefantenwaisen in Südafrika: Die älteren Elefanten des Familienverbands waren erschossen worden, um den Bestand zu regulieren. Die überlebenden Elefantenwaisen waren in den Nationalpark Pilanesberg umgesiedelt worden.

Die Forscher spielten den Elefanten unterschiedliche Rufe von Artgenossen vor. Die Elefanten aus dem Nationalpark in Kenia zeigten sich alarmiert, wenn die Rufe eine echte Gefahr verkündeten, und reagierten entspannt, wenn sie weniger Bedrohliches meldeten. Die Elefantenwaisen dagegen verhielten sich unvorhersehbar auf Signale unterschiedlicher Gefahrenkategorien - ein posttraumatisches Stressverhalten.

Die Verhaltensforscher sehen dafür zwei Ursachen: Die Elefantenwaisen waren durch das Miterleben der Tötung von Mitgliedern ihres Familienverbands traumatisiert, außerdem litten sie unter der Zerstörung der Sozialstruktur des Verbandes.

»Diese Verhaltensänderung könnte nicht nur langfristig bestehen bleiben, sie könnte auch auf kommende Generationen übertragen werden«, geben die Verhaltensforscher zu bedenken. Denn bekanntlich geben Elefanten Wissen an nachfolgende Generationen weiter.


Um 1980 lebten noch etwa 1.3 Million Elefanten in Afrika. 2013 lebten in Afrika noch etwa 470.000 Elefanten in freier Wildbahn. Grund ist vor allem die Jagd nach Elfenbein. Der afrikanische Elefant droht auszusterben. Bild: Wizard - Fotolia.com


Afrikanische Elefanten vom Aussterben bedroht

Um 1980 lebten noch etwa 1.300.000 Elefanten in Afrika. Um 1990 waren es nur noch um die 600.000. Doch in den letzten Jahren schrumpft die Zahl der Elefanten in Afrika dramatisch: 2006 lebten in Afrika noch etwa 550.000 Elefanten in freier Wildbahn, 2013 waren es nur noch 470.000 Elefanten. Grund ist vor allem die Jagd nach Elfenbein, das in China oder Thailand zu Schmuck und Kunstwerken verarbeitet wird.
Aufgrund steigender Elfenbein-Preise nimmt das Ausmaß der Wilderei weiter zu: Mit etwa 25.000 bis 30.000 getöteten Elefanten pro Jahr übersteigt die Todeszahl die Zahl der neu geborenen Elefanten in Afrika. Wenn sich nichts ändert, droht der afrikanische Elefant in einem, spätestens zwei Jahrzehnten auszusterben.


Quellen:
· Amboseli Elephant Research Project
www.elephanttrust.org
· Elephants recognize the voices of their enemies. In Nature, März 2014.
www.nature.com/news/elephants-recognize-the-voices-of-their-enemies-1.14846
· Lebenslang verstörte Elefanten. In: National Geographic
www.nationalgeographic.de/aktuelles/meldungen/lebenslang-verstoerte-elefanten
· Blutige Jagd nach "weißem Gold": Afrikanischer Elefant droht auszusterben. ntv, 23.3.2015


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