Film MALEIKA - Interview mit dem »Gepardenmann«

Kinotipp: MALEIKA


»Freiheit für Tiere«-Interview mit dem »Gepardenmann« und Filmemacher Matto Barfuss

Der Regisseur und Tierfilmer Matto Barfuss ist der breiten Öffentlichkeit als der »Gepardenmann« bekannt: Er lebte zwischen 1996 bis 2002 über 25 Wochen lang mit einer wilden Gepardenfamilie in Tansania zusammen. Seine Berichte und Bildbände über diese Zeit fanden weltweites Interesse: Er wurde UNESCO-Fotopreisträger und UN-Botschafter für biologische Vielfalt. 2013 sollte erneut ein freilebendes Tier sein Leben verändern: Matto Barfuss traf auf die Gepardin Maleika, die im darauf folgenden Jahr sechs Jungen das Leben schenkte. Vier Jahre lang begleitete der Filmemacher und Tierschützer Maleika und ihre Familie.



Freiheit für Tiere: Am 12. Oktober kommt Ihr Film MALEIKA in die Kinos. Worauf können wir uns freuen? Und was ist Ihr wichtigstes Anliegen?

Matto Barfuss: Für mich ist MALEIKA natürlich ein Herzblut-Projekt. Ich habe sie vier Jahre lang mit der Kamera begleitet. Nach wenigen Tagen wurde mir klar, dass ich nicht eine Natur-Dokumentation filme, sondern die tolle Geschichte einer unglaublichen Persönlichkeit dokumentiere. Und so sind letztlich auch vier Jahre daraus geworden und über 240 Stunden an Rohmaterial, aus denen wir dann diesen Kinofilm mit 106 Minuten Länge geschnitten haben. Es geht vor allen Dingen um die Geschichte dieser Gepardin, um die Mutterliebe und die Art wie sie es schafft, ihre Kinder großzuziehen - aber letztlich auch das Loslassen und auch die dunklen Stunden einer Mutter: Von den sechs Babies, die sie anfänglich hatte, sind nur zwei groß geworden. Das ist leider eine normale Quote für eine Gepardin in Afrika in der freien Natur. Maleika wird im Laufe der Zeit – und das ist, glaube ich, eine ganz, ganz wichtige Botschaft, und das wird man auch spüren – eine absolute Persönlichkeit.

Das ist etwas, das mir sehr am Herzen liegt: Tiere nicht einfach als Tiere zu sehen, sondern auch anzuerkennen, endlich anzuerkennen, dass es unglaubliche Persönlichkeiten sind, die sich im Laufe ihrer Biographie verändern, die viele spannende Erfahrungen machen und diese dann letztendlich auch umsetzen in ihrem tagtäglichen Leben. Hätte ich vorher ein Drehbuch geschrieben, ich hätte es nicht schöner und dramatischer schreiben können.



Freiheit für Tiere: Wir Zuschauer sehen ja immer gerne Tierfilme. Nun sind Sie nicht nur Tierfilmer, sondern auch Tierschützer. Mit MALEIKA – das haben Sie eben schon angesprochen - möchten Sie mehr vermitteln als nur einen schönen Film, oder?

Matto Barfuss: Ganz genau. Für mich geht es eigentlich um die Emotionalität. - Als Kind wollte ich Verhaltensforscher werden und habe mich dann sehr früh daran gestört, dass man das Verhalten der Tiere einfach katalogisiert und sehr technisch gesehen hat. Dann hatte ich das Glück, auf die künstlerische Schiene zu kommen. Und als Künstler habe ich gemerkt: Man kann etwas verändern, und ganz wichtig ist dabei die Emotion, die man erzeugt. Die Geschichte MALEIKA als solche ist eine emotionale Geschichte. Aber für mich ist MALEIKA auch eine Botschaft, dass ganz, ganz dringend etwas passieren muss in Afrika.

Ich spreche jetzt speziell von unserer Arbeit dort. Wir selber haben dort den gemeinnützigen Verein »Leben für Geparden e.V.« und eine Stiftung »Go wild Botswana Trust«, die in Botwana arbeitet. Es gibt in Afrika sehr, sehr viele Mensch-Tier-Konflikte, weil natürlich Raubkatzen ganz gerne auch an Nutztiere herangehen und töten, da die aus ihrer Sicht natürlich herausselektiert werden müssen. Und hier arbeiten wir mit unserer Stiftung, indem wir den Farmern löwensichere und damit auch leoparden- und gepadensichere Krals bauen.

Wir haben auch ein Schulbuch-Projekt in Afrika. Das heißt, wir vermitteln den Kindern, dass wilde Tiere ein ganz, ganz großes, wichtiges Gut sind und dass bei entsprechendem Verhalten diese Tiere auch keine Gefahr für sie sind.

Und wir werden mit dem Kinofilm ein Projekt ins Leben rufen, das heißt »Green Belt Botswana«. »Green Belt« heißt: Wir werden entlang des südlichen Wendekreises der Sonne, der geht durch die Kalahari in Botwana - ein sehr trockenes Gebiet -, innerhalb der nächsten zehn Jahre eine fünfhundert Kilometer lange Baumlinie pflanzen. Und alle Kommunen, die im Bereich dieser Linie liegen, werden wir in unser Bildungsprojekt mit hineinnehmen und mit dem Bau von raubkatzensicheren Viehkralen für Farmer Hilfe gegen Mensch-Tier-Konflikte geben.



Freiheit für Tiere: In Botswana sind doch Trophäenjagd und Jagdtourismus verboten, oder?

Matto Barfuss: Ja, das war eine ganz tolle Geschichte: Da wurde 2014 vom Parlament wirklich durchgesetzt, dass die Trophäenjagd komplett verboten ist. Das wird auch wirklich sehr strikt kontrolliert. Und Botswana ist auch, was die Vorgehensweise gegen Wilderei angeht, ein Vorreiter.



Freiheit für Tiere: Es leben nur noch 6.000 bis 12.000 Geparden in Freiheit. Wodurch sind sie vor allem bedroht?

Matto Barfuss: Die Hauptproblematik bei Geparden ist: Der Lebensraum geht zurück, die Lebensräume sind zu wenig vernetzt. Geparden brauchen sehr große Gebiete, um den Genpool gesund zu erhalten. Wir haben leider auch zunehmend die Probleme mit Straßenbau. Wir haben in einigen Gebieten durchaus auch einige Probleme mit Tourismus. Aber eines der größten Probleme bei den großen Katzen ist natürlich der Mensch-Tier-Konflikt. Was wir da machen im kleinen Kreis in Botswana: Wir beraten die Farmer, bauen löwensichere Krals – wir haben bisher zwölf Stück gebaut – und die Farmer müssen halt am Abend ihr Vieh da rein bringen. Das funktioniert wunderbar, und die Farmer haben dann auch keinen Schaden mehr.

Freiheit für Tiere: Auch die Zahl der Löwen ist ganz dramatisch zurückgegangen. In ganz Afrika sollen nur noch 20.000 bis 30.000 Löwen leben.

Matto Barfuss: Bei allen großen Katzen haben wir ja leider dieses ganz große Problem. Es gab diese große Studie der University of Cambridge, die über 40 Jahre lang die 78 großen Schutzgebiete in Afrika beobachte im Hinblick auf Stand und Entwicklung der Säugetiere. Die Studie wurde 2011 veröffentlicht: In den 40 Jahren sind die Bestände der großen Säugetiere um rund 50 Prozent zurückgegangen und die der großen Katzen um 90 Prozent.



Freiheit für Tiere: Was kann der Einzelne tun?

Matto Barfuss: Zum einen gibt es natürlich die Möglichkeit, für dieses »Green Belt«-Projekt zu spenden. Zum anderen ist es, glaube ich, auch ganz wichtig zu überlegen, wie das persönliche Verhalten letztlich auf das gesamte ökologische System wirkt. Wer beispielsweise vorhat, nach Afrika zu reisen, sollte sich schon ganz genau überlegen: Welche Art von Tourismus ist vertretbar? Welche Farm besuche ich? Und eben solche Farmen, die sich nach außen hin als ganz tolle Artenschutz-Projekte hinstellen, auch mal kritisch hinterfragen. Denn Artenschutz ist meistens etwas Unspektakuläres: Bildungsarbeit, mit Farmern arbeiten – das ist nicht unbedingt etwas, was man gerne im Urlaub macht. Da streichelt man dann doch lieber Löwen... die dann später im »Canned Hunting« von anderen Touristen abgeschossen werden.

Es macht nur Sinn, den Leuten vor Ort zu sagen: Wir haben ähnliche Fehler gemacht - mit dem Wolf, mit dem Luchs, mit dem Bären. Wir verstehen eure Probleme. Doch wenn es gelingt, das »Wildlife« im Land zu schützen, dann ist das eine Ressource, die ist wertvoller als Gold. Und dann können das in hundert oder zweihundert Jahren eure Kindeskinder auch noch erleben.

Freiheit für Tiere: Das gleiche Bewusstsein gilt es ja hier bei uns in Deutschland auch zu schaffen, wo das Artensterben dramatische Ausmaße angenommen hat.

Matto Barfuss: Ja genau. Zum Ökosystem gehört halt letztlich alles dazu, nicht nur die prominenten Tiere. Das Problem haben wir eben auch in Afrika: Da werden die »schönen« Tiere geschützt – und die anderen, zum Beispiel Schlangen, werden gnadenlos getötet.

Ich glaube, dass man über den Film Maleika sehr persönlich mitgenommen wird in ein Ökosystem – das gilt gerade auch für Kinder. Über diese »sanfte Bildung« mit viel Emotion kann man, glaube ich, schon sehr, sehr viel erreichen.

Freiheit für Tiere: Das ist doch ein schönes Schlusswort! Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Das Gespräch mit Matto Barfuss führte Julia Brunke, Redaktion »Freiheit für Tiere«



Ab 12. Oktober im Kino: MALEIKA

Regisseur Matto Barfuss ist der breiten Öffentlichkeit als der »Gepardenmann« bekannt. Er lebte jahrelang zusammen mit einer Gepardenfamilie und filmte hautnah das Leben in der Wildnis. Der Regisseur ist außerdem UNESCO-Fotopreisträger, UN-Botschafter für biologische Vielfalt und engagierter Tierschützer.

2013 traf Matto Barfuss die frei lebende Gepardin Maleika und begleitete sie vier Jahre lang. Entstanden ist ein fesselnder Dokumentarspielfilm mit atemberaubender Naturaufnahmen, der dem Zuschauer tiefe Einblicke in den unberechenbaren und zugleich atemberaubenden Alltag von Maleika gewährt: Die Gepardin bringt sechs Junge zur Welt. Mit großer Liebe und beeindruckenden Opfern gelingt es ihr, ihre Gepardenkinder großzuziehen. Dabei ist die Natur tagtäglich unerbittlich. Doch nichts ist stärker als die bedingungslose Liebe der Katzenmutter sowie der Wille und Drang ihrer Kleinen, einmal ebenso groß und stark zu werden wie ihre Mutter.

Die Produktion ist ausschließlich und in allen Teilen in der freien Natur ohne Beeinflussungen entstanden!

Informationen: www.maleika.eu

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