Fit mit Pflanzenpower

pdf-download: Sonderdruck Vegan & Sport · Interview mit Dr. Katharina Wirnitzer, Sportwissenschaftlerin: »Sportler wissen oft zu wenig über Ernährung«


Vegane Sportler

Vegan in Topform Der Kanadier Brendan Brazier entschied sich im Alter von 15 Jahren Profisportler zu werden - und lebt seither vegan, weil es ihn gesund und wettbewerbsfähiger machte. Foto: Rob Campbell


Von Julia Brunke

Wussten Sie, dass sich viele erfolgreiche Leistungssportler rein pflanzlich ernähren? Denn die vegane Ernährung ist für Sportler optimal geeignet, da der hohe Anteil an komplexen Kohlenhydraten, Proteinen, Mineralstoffen und Vitaminen ihnen die nötige Power liefert.

An irgendeinem Punkt ihrer Karriere suchen Sportler nach Alternativen und Möglichkeiten, ihr Leistungspotential maximal auszuschöpfen und weiter zu erhöhen. Während manche zu Pillen und Pülverchen greifen (inkl. gesundheitsgefährdender Nebenwirkungen), ändern andere ihre Ernährungsweise und steigen auf pflanzliche Ernährung um.

Die vegane Ernährung bietet Sportlern Vorteile beim Training und vor allem der Regeneration und erhöht gleichzeitig ihre Leistungsfähigkeit im Wettkampf. Olympiasiege, Weltrekorde, Weltmeister­titel und andere sportliche Erfolge beweisen es!


Amerikanische Gesellschaft für Ernährung:

Vegane Ernährung in allen Alterstufen und für Sportler geeignet

Der größte Verband amerikanischer und kanadischer Ernährungswissenschaftler, die American Dietetic Association and Dietitians of Canada (ADA, 2009), vertritt beim Thema pflanzliche Ernährung eine eindeutige Position:
»Die Amerikanische Gesellschaft für Ernährung und der Verband der kanadischen Ernährungswissenschaftler sind der Ansicht, dass eine gut geplante vegetarische Ernährung, einschließlich der rein pflanzlichen (veganen) Ernährung, gesund sowie gesundheitsförderlich sind, der Nährstoffbedarf angemessen ist, und gesundheitliche Vorteile in der Vorbeugung und Behandlung bestimmter Erkrankungen bietet. Eine gut geplante vegetarische Ernährungsform ist für Menschen aller Altersstufen, eingeschlossen Schwangere, Stillende, Kleinkinder, Kinder, Heranwachsende und Sportler geeignet.«

US-Ärztekommission PCRM: Vegane Ernährung ist die gesündeste Ernährungsform

Die US-Ärztekommission für verantwortungsbewusste Medizin (PCRM) geht sogar noch einen Schritt weiter und empfiehlt die vegane Ernährung mit folgender Begründung als die gesündeste Ernährungsform:
»Vegane Ernährung ist sogar gesünder als vegetarische Ernährung. Vegane Ernährung enthält kein Cholesterin, weniger Fett, gesättigte Fettsäuren und Kalorien als vegetarische Kost (weil frei von Milchprodukten und Eiern). Die wissenschaftliche Forschung zeigt, dass die gesundheitlichen Vorteile zunehmen, wenn die Menge tierischer Nahrung in der Kostform verringert wird, was die vegane Ernährung zur gesündesten insgesamt macht.«

Broschüre »Sport & vegan«


Die informative Broschüre »Sport & vegan« können Sie unter www.peta.de/veganundsport kostenlos downloaden

Bestellen Sie die Broschüre »Sport und vegan«:
PETA Deutschland e. V.
Benzstr. 1 · D-70839 Gerlingen
e-mail: info@peta.de


Pflanzenpower: Olympiasiege, Weltrekorde,


Weltmeistertitel und andere sportliche Erfolge


Martina Navrátilová zählt zu den besten Tennisspielerinnen aller Zeiten, gewann 18 Mal den Grand-Slam. 2006, kurz vor ihrem 50. Geburtstag, gewann sie den US-Open-Titel im gemischten Doppel. Martina Navrátilová ist überzeugt: »Die pflanzliche Ernährung ist die beste: frische, ganze Früchte und Gemüse, Vollkorngetreide, wenn irgend möglich aus Bio-Anbau.« Und sie sagt: »Lass dich nicht von deinem Alter definieren!«
Foto: Ryan Born, Depositphotos



Carl Lewis zählt zu den erfolgreichsten Leichtathleten der Sportgeschichte und wurde 1999 zum »Sportler des Jahrhunderts« gekürt: Er war neunmal Olympiasieger und achtmal Weltmeister.
Carl Lewis stellte mit seiner ganzen Mannschaft auf pflanzliche Ernährung um und ernährte sich in Wettkampfzeiten komplett vegan.
Foto: Manfred Werner



Edwin Moses gilt als weltbester Hürdenläufer: Er war 2-facher Olympiasieger und 2-facher Weltmeister über 400 m Hürden, stellte 4 Mal einen neuen Weltrekord auf und blieb zwischen 1977 und 1987 während 122 aufeinanderfolgenden Rennen ungeschlagen. Moses war und ist Vegetarier und setzt sich für Menschenrechte und Frieden ein.
2006 erhielt Edwin Moses die Auszeichnung »Sportler mit Herz« auf dem Deutschen Sportpresseball.
Foto: Sportsforpeace



Mike Tyson ist als mehrmaliger Weltmeister im Boxen eine Legende. Zahlreiche Skandale führten zu seinem Absturz.
Heute hat »Iron Mike« seinen inneren Frieden gefunden: »Ich trinke keinen Alkohol, rauche nicht, nehme keine Drogen. Ich ernähre mich vegan, kein Fleisch, keine Milch, keine Eier.«
Foto: Depositphotos


Der Kanadier Brendan Brazier entschied sich im Alter von 15 Jahren Profisportler zu werden - und lebt seither vegan, weil es ihn gesund und wettbewerbsfähiger machte. Foto Donovan Jenkins


Brendan Brazier war professioneller Ironman-Triathlet und Sieger des kanadischen Ultramarathons von 2003 und 2006 über 50 Kilometer.
Er ist ein führender Pionier für eine vollwertige, rein pflanzliche Lebensweise speziell für Sportler. Sein Buch »Vegan in Topform« revolutioniert die vegane Ernährung.
Lesen Sie das »Freiheit für Tiere«-Interview mit Brendan Brazier



Die Sportwissenschaftlerin Dr. Katharina Wirnitzer ist Mountainbikerin und erfolgreiche Teilnehmerin der Trans-Alp-Challenge, einem der härtesten Radrennen überhaupt. Mit »bikeeXtreme« legte sie weltweit die erste wissenschaftliche Studie zur Leistungsfähigkeit von vegan lebenden Extrem-Ausdauer Sportlern vor, die belegt, dass die vegane Ernährung speziell für den Ausdauer-Hochleistungssport höchst geeignet ist.
Foto: adventureV.com



Johanna Jahnke, Kapitänin des FC St. Pauli Frauen-Rugby, ist 7-fache deutsche Meisterin und spielt im Nationalteam. Johanna Jahnke, Jahrgang 1983, lebt seit ihrem 17. Lebensjahr vegan. Ihr Mann ist ebenfalls erfolgreicher Rugby-Spieler und Veganer. Auch die zwei Kinder wachsen vegan auf.
Foto: Carlos Anthonyo für PETA



Patrick Baboumian gilt als stärkster Mann Deutschlands: 2011 gewann er die Strongman-Meisterschaften. 2012 wurde er Europa­meister im Powerlifting und stellte den Weltrekord im Bierfassstemmen (150,2 kg) auf.
Patrick Baboumian war lange Vegetarier, 2011 entschied er sich aus Mitgefühl für die Tiere Veganer zu werden.
Er sagt: »Fleisch ist eine riesen Belastung für den Stoffwechsel.« Und: »Vor sechs Jahren wurde ich als vegetarischer Strongman noch belächelt. Mittlerweile fragt sich meine fleischverzehrende Konkurrenz, ob sie etwas falsch macht.«
Foto: Caroline Pitzke & Christine Fiedler für PETA


Interview mit Dr. Katharina Wirnitzer


»Sportler wissen oft zu wenig über Ernährung«

Bild: adventureV.com


Dr. Katharina Wirnitzer ist Sportwissenschaftlerin, Ausdauer-Leistungssportlerin und Trainerin - und schwört auf Pflanzenpower: »Ich muss auf absolut nichts verzichten, um beruflich erfolgreich, äußerlich hübsch, innerlich schön, sportlich fit und gesund, satt, zufrieden und glücklich zu sein, ebenso nicht um zu feiern und köstlich zu tafeln. Mein Lebensglück ist nicht gesäumt durch Ausbeutung von wehrlosen Tieren.«

pdf-download: Sonderdruck Vegan & Sport · Interview mit Dr. Katharina Wirnitzer, Sportwissenschaftlerin: »Sportler wissen oft zu wenig über Ernährung«


Freiheit für Tiere: Die rein pflanzliche Ernährung hat für Sportler viele Vorteile. Du hast sogar deine Doktorarbeit über die positiven Auswirkungen von veganer Ernährung auf die Ausdauerfähigkeit im Ultra-Marathon-Radsport geschrieben. Was ist denn der auffälligste Vorteil, wenn man die Leistungsfähigkeit von fleischessenden und vegan lebenden Ausdauersportlern miteinander vergleicht?

Dr. Katharina Wirnitzer: Eine sorgfältig geplante und gut durchgeführte vegane Ernährung bietet eine Reihe von Vorteilen. Sie fördert und bietet exzellente Gesundheit, maximiert Leistungs- und Ausdauerfähigkeit, Regeneration und Abwehrfähigkeit gegen Krankheiten.

Im Hinblick auf Regenerationsfähigkeit und Immunabwehr sind vegane Sportler eindeutig im Vorteil, sodass hier - speziell vegane Ausdauersportler - eine Überlegenheit im Vergleich zu Mischköstlern haben. Die bessere Immunabwehr von veganen Sportlern basiert auf der erhöhten Aufnahme von Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Ballaststoffen und Antioxidantien, was in einer verbesserten Gesundheit und Abwehr von Bakterien und Viren resultiert. Exakt das ist die Basis für den Aufbau der sportlichen Leistungsfähigkeit, und kann so Regeneration und Abwehrfähigkeit gegen Krankheit maximieren.

Erst der gesunde Athlet - eben weil optimal versorgt und (so gut wie) nie krank - kann sein Training mit anschließend optimaler Regeneration wie geplant konsequent und langfristig durchführen und ohne krankheitsbedingte Verzögerungen, Stagnation oder gar Rückschritte im Trainingszustand umsetzen und seine Leistungsfähigkeit weiter verbessern, um im Wettkampf auf höchstem Niveau Spitzenleistungen erbringen zu können.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts bewiesen frühe Studien die Überlegenheit einer rein pflanzlichen Ernährung, und zeigten, dass sportliche Höchstleistung in direktem Zusammenhang mit rein pflanzlicher Ernährung steht. Der Vergleich von strikt vegetarischen Sportlern zu Fleischessern ergab zusammenfassend, dass rein pflanzlich lebenden Athleten 2- bis 3-mal größere Leistungen (!) in Stärke, Widerstands- und Ausdauer-Fähigkeit erbrachten.
D. h. bei gleichzeitig stark reduzierter Regenerationszeit, die
teilweise nur ein Fünftel (!) dessen betrug, was Fleischesser benötigten, um sich vollständig zu erholen, konnten strikte Vegetarier größere Belastungen über viel längere Zeiträume tolerieren.

Die Ernährung ist der Boden, auf dem Höchstleistungen gedeihen oder verderben können. Das zeigt sich gerade bei Etappen-Rennen. Meine wissenschaftliche Arbeit belegt, dass die vegane Ernährung speziell für die enormen Anforderungen im extremen Ausdauer-Leistungssport höchst geeignet ist. Die Ergebnisse meiner aktuellen Publikation (weltweit 1. vegane Ernährungstaktik im Wettkampf-Sport: Wirnitzer et. al., Januar 2014) eines 8-tägigen Mountainbike-Rennens bestätigen einmal mehr, dass diese er­nährungsphysiologischen Herausforderungen durch eine sorgfältig geplante und durchgeführte vegane Ernährungsstrategie erfüllt werden können.

Die Studie zeigt, dass die Leistungsfähigkeit veganer Ausdauer-Sportler mit Belastungsintensitäten von 80 Prozent der maximalen Laborleistung oder 88 Prozent der maximalen Herzfrequenz im Wettkampf über 8 Renntage aufrechterhalten werden kann, gerade weil durch vegane Ernährung direkt während der Wettkampf-Belastung optimale Versorgung garantiert und so die Regeneration optimal unterstützt werden kann. Der Sportler bleibt während dem Wettbewerb voll leistungsfähig und ist für die nächste Etappe schneller wieder fit.

Rein pflanzliche Ernährung bietet also vielfältige Vorteile für Sportler. Eine gut geplante und durchgeführte vegane Ernährung bietet

- erhöhte Leistungsfähigkeit,

- Deckung des erhöhten Energie- und Nährstoff-Bedarfs,

- schnellere Wiederauffüllung der Muskel-Energiedepots,

- schnellere Erholung und damit verkürzte Regenerationszeiten.

Dadurch ist die vegane Ernährung zur optimalen Energie- und Vitalstoffversorgung speziell von Sportlern höchst geeignet.


Komplexe Kohlenhydrate sind der richtige »Sprit«


für Sportler und aktive Menschen

Freiheit für Tiere: Du hast das Vorwort zur deutschen Ausgabe von »Vegan in Topform« des kanadischen Triathleten und Ironman Brendan Brazier geschrieben. Hier vergleichst du unseren Körper mit einem Auto, das permanent im »Roten Bereich« gefahren wird, wenn wir ihm nicht den richtigen »Sprit« geben. Welcher »Sprit« ist für aktive Menschen und Sportler denn der richtige?

Dr. Katharina Wirnitzer: Bedauerlicherweise wissen Sportler und Trainer oft erschreckend wenig über Ernährung. Gerade Sportler schaden sich häufig selbst in dem Bestreben, sich für bessere Fitness und mehr Leistungsfähigkeit besonders gut ernähren zu wollen. In der Meinung besonders gesund und sportgerecht zu essen, ernähren sich Sportler häufig falsch und oft sogar schlechter als ein durchschnittlicher Mischköstler.

Die Bedeutung der Kohlenhydrate als der Hauptbrennstoff für die Leistungsfähigkeit ist seit den 1830er Jahren bekannt. Bereits damals konnte der Einfluss von Kohlenhydraten auf die Aufrecht­erhaltung und Verbesserung der Ausdauer-Leistung demonstriert werden. Kohlenhydrate verbessern die Wettkampfleistung bei Hitze und Belastungsintensitäten über 80 Prozent der maximalen Leistungsfähigkeit.

Ausdauersportlern wird seit 1982 eine pflanzliche Ernährung aufgrund des positiven Einflusses auf langandauernde und hochintensive Belastungen als optimale Strategie für Ausdauerleistungen wissen­schaftlich empfohlen.

Vor allem Triathleten, Läufer und Radsportler folgen einer veganen Ernährung aus dem vorrangigen Grund, da diese zur Deckung des stark erhöhten Kohlehydrat-Bedarfs und im Hinblick auf dessen Qualität für extreme Ausdauer- und Ultra-Langzeit-Belastungen optimal geeignet ist. Ebenso ist die Versorgung mit Vitalstoffen (Konstanthalten des Körpergewichts) am höchsten. Gegen Mischkost und vegetarische Ernährung spricht vor allem das unterrepräsentierte Angebot an Kohlehydraten.

Es gibt unzählige Studien, die belegen, dass der menschliche Organismus auf pflanzliche Kost perfekt abgestimmt ist, daher kann der Körper bereits unter normalen Alltags-Bedingungen Kohlen­hydrate am besten aufnehmen und verwerten, und bleibt gleichzeitig leistungsfähiger. Bei intensiven und langandauernden körper­lichen Belastungen in Hitze gewinnt dieser Aspekt immer stärker an Bedeutung, da der Körper mit Kohlenhydraten insgesamt am effizientesten arbeitet und gleichzeitig kaum belastet ist.

Kohlenhydrate sind also »der optimale Sprit«, der bevorzugte Haupt-Brennstoff des menschlichen Organismus. Kohlenhydrat ist also für alle Menschen und für alle Belastungsformen, egal ob im Alltag, Beruf oder Sport, die Basis! D. h. auch der Kraftsportler muss mindestens 50 bis 60 Prozent der Tages-Energie aus Kohlenhydraten decken.

Fazit: Kohlenhydrate sind der bevorzugte Haupt-Brennstoff für den menschlichen Körper - und nicht Protein!


Pflanzenpower

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Eiweiß - der am meisten missverstandene Nährstoff

Freiheit für Tiere: Viele Sportler sind überzeugt, Eiweiß wäre der wichtigste Energielieferant, um Leistung zu bringen - und deswegen setzen sie auf Fleisch. Was ist dazu aus sportwissenschaftlicher Sicht zu sagen?

Dr. Katharina Wirnitzer: Protein ist seit seiner Entdeckung 1839 der bis heute am meisten missverstandene und fehlinterpretierte Nährstoff.

Laut der Protein-Theorie (1842) sei Protein der Haupt-Brennstoff für jegliche Muskelbewegung. Allerdings wurden bereits wenig später (1850 - 1860) die Nährstoffe Kohlenhydrat und Fett als Haupt-Brennstoffe für muskuläre Aktivität nachgewiesen und die Protein-Theorie als falsch widerlegt. Trotzdem ist der Mythos Fleisch noch heute fest verankert im Bewusstsein der Menschen, und bis heute ist Protein Synonym für Fleisch. Daher kommt auch die falsche Annahme, speziell von Männern und Sportlern: Allein im Fleisch steckt Lebenskraft. Dieser überdimensionale kulturelle Fehler basiert bis heute fundamental auf der tief verwurzelten Fehlmeinung Protein sei Fleisch.

Der Mensch ist kein Fleisch(fr)esser. Vielfache Studien aus Biologie und Anthropologie belegen deutlich, dass der Mensch überwiegend Pflanzen(fr)esser ist. Nur um in äußersten Notzeiten zu überleben, ist der menschliche Organismus grundsätzlich in der Lage, tierisches Protein zu verwerten. Enzyme für die Protein-Verdauung finden sich beim Menschen erst im Magen. Zusätzlich verfügt der Mensch über 10mal weniger Magensäure zur Protein-Verdauung als typische Fleischfresser, wie z. B. die Hauskatze.

Protein dient im menschlichen Körper vorwiegend als Baustoff, nicht aber Brennstoff. Daher kann der Körper Protein nur zu etwa 5 Prozent zur Energie-Bedarfsdeckung speichern. Protein ist allgemein stark überbewertet. Eine Proteinaufnahme von 8 bis 15 Prozent der Gesamtkalorien ist ausreichend für die Gesundheit und auch für den stärker belasteten Sportler-Stoffwechsel optimal.

Vegane Nicht-Sportler sind nicht nur ausreichend mit Protein versorgt, sondern überschreiten mit 10 bis 12 Prozent der täglichen Gesamtenergie sogar leicht die empfohlene Tageszufuhr. Veganer erreichen also die aktuellen Ernährungsrichtlinien für die empfohlene Proteinzufuhr, ohne spezielle Produkte oder Eiweißsupplemente zu verwenden, da alle essentiellen Aminosäuren durch pflanzliches Protein abdeckt werden können. D. h. Proteinmangel ist für vegane Sportler kein Thema. Die allgemeine Empfehlung von 10 bis 35 Prozent ist also keine physiologische Notwendigkeit, sondern allein Marketing-Strategie!

Fazit: Sportler sind immer sehr besorgt, genug und hochwertiges Protein zu sich zu nehmen. Aber: Allein richtig abgestimmtes und dosiertes Training macht Muskeln stark und/oder ausdauernd, nicht aber die erhöhte Zufuhr und übermäßige Aufnahme von Protein.

Vielmehr wird der Haupt-Brennstoff Kohlenhydrat stiefmütterlich bedacht. Komplexe Kohlenhydrate garantieren einerseits durch ihre langsame Aufspaltung geringe Blutzucker-Schwankungen bei gleichzeitig relativ stabilem Glucose-Spiegel und versorgen den Körper andererseits über lange Zeiträume gleichmäßig mit Energie. Das ist der Sprit für Gesundheit und Wohlbefinden!

Jeder, vor allem Sportler, sollten über den allgemein unter­repräsentierten Anteil an - vor allem komplexen - Kohlenhydraten im Nahrungsangebot sehr beunruhigt sein und daher auch sehr darum bemüht sein, den natürlichen Bedarf am bevorzugten Haupt-Brennstoff zu decken und durch bewusste Aufnahme von Kohlenhydraten verstärkt anzuheben! Daher sollte der Großteil der täglichen Energie durch Kohlehydrate gedeckt werden, am
besten durch Vollkornprodukte und vor allem viel Obst, Gemüse, Nüsse, Samen und Keime.


Die Sportwissenschaftlerin Dr. Katharina Wirnitzer hält regelmäßig Vorträge zum Thema »Vegan & Sport«. · Bild: change2V.com


»Mit 16 Jahren hörte ich auf, Tiere zu essen«

Freiheit für Tiere: Du hast dich bereits in jungen Jahren entschieden, vegan zu leben. Was waren deine Beweggründe?

Dr. Katharina Wirnitzer: Ich komme aus einer Familie von Tierquälern, von Viehhändlern, Bauern, Metzgern und Jägern, wobei man dazu sagen muss, dass man vor Generationen noch stolz war, diese »Berufe« auszuüben bzw. diesen »Stand« zu bekleiden. Ich bezeichne diese »Berufe« als Tierquälerei, denn ich habe eine andere Entscheidungsgrundlage als noch meine Familie vor Generationen. Daher nehme ich meine Verantwortung wahr und spreche diese Dinge auch so klar und ungeschönt aus.

Mein Impuls zum - vorerst - ethischen Vegetarismus (Tierschutz) und 9 Jahre später dann zum ethischen Veganismus (Tierrechte) erfolgte mit 16 Jahren. Ich dachte, wenn ich meine Haare pink, blau oder grün färbe, meine Nägel bunt anstreiche, und wenn ich »nur« Milch trinke, Joghurt, Käse und Eier esse, tue ich den Tieren nicht weh - ich dachte, ich helfe damit den Tieren und schütze sie. Mein Genuss, Spaß und Luxus, meine Kleidung und Freizeitgestaltung sollten nicht auf dem Leid Wehrloser fußen.
Damals wusste ich noch nicht, dass selbst unsere schrecklichsten Albträume niemals an das heranreichen werden, was Tiere durch Menschen erleiden müssen. So begann ich also mit 16 Jahren,
vegetarisch zu essen.


Vegan - aus Liebe zu den Tieren

Durch mein Sportstudium beschäftigte ich mich dann intensiv mit Ernährung. Die Puzzleteile im Spannungsfeld von Mensch-Ernährung-Tier setzten sich nach und nach zusammen. 1999 hat sich das Mosaik für mich vervollständigt: Seit ich 25 bin, ernähre ich mich nicht nur vegan, ich lebe umfassend vegan! Es war für mich sehr einfach, mein Leben von heute auf morgen neu zu organisieren, besonders weil es für mich dabei keinerlei Nachteile und Einschränkungen gibt - auch wenn von sich eingenommene Menschen glauben: Ich muss verzichten, ich darf dies oder das nicht konsumieren.

Das ist falsch! Ich muss auf absolut nichts verzichten, um beruflich erfolgreich, äußerlich hübsch, innerlich schön, sportlich fit und gesund, satt, zufrieden und glücklich zu sein, ebenso nicht um zu feiern und köstlich zu tafeln. Mein Lebensglück ist nicht gesäumt durch Ausbeutung von wehrlosen Tieren.

Man kann so einfach vegan leben - mir fehlt nichts! Ganz im Gegenteil bin ich glücklich, dass mein Leben nicht auf Leid, Mord und Totschlag aufbaut, und ich gerade deshalb in allen Bereichen meines Lebens leistungsfähig bin! Ich habe mich konsequenterweise ganz einfach selbst in die Verantwortung genommen, mein Leben in allen Bereichen nicht auf Leid aufzubauen. Ich nahm mir einfach die Freiheit - und das kann jeder -, mich gegen die Ausbeutung und das Leid von Wehrlosen zu entscheiden.

Tiere gehören sich selbst, wie jeder Mensch auch. Wenn ein Vater sagt: »Mein Sohn«, so ist damit gemeint, dass ein Kind zu seinen Eltern gehört, und nicht ihr Besitz ist wie z. B. ein Auto. Und wenn man hier konsequent zu Ende denkt, sind die Tiere laut Schöpfungs- und Evolutionsgeschichte unsere älteren Geschwister! Niemand würde z. B. seine Schwester für einen kurzen Gaumenkitzel ein Leben lang einsperren, vergewaltigen, ausbeuten und ermorden oder für eine neue Körperlotion brutal und langsam zu Tode foltern. Ich kann mir selbst helfen, die
Tiere aber sind meinem Handeln hilflos ausgeliefert. Selbst wenn sich morgen herausstellen würde, vegan wäre ungesund, würde ich fortfahren vegan zu leben - das bin ich den Tieren schuldig!

Die Konsequenz aus diesem beruflich-privaten Prozess ist also, dass ich nun seit 15 Jahren vegan lebe - aus ethischen, globalen, gesundheitlichen und sportlichen Gründen. Es war die beste und sinnvollste Entscheidung meines Lebens. Mein Bestreben, anderen durch meinen Beruf, Sport oder mein Privatleben nicht zu schaden, verfolge ich konsequent weiter.

Ethisch gesehen ist dies der Weg der geringsten Schuld. Ich habe meinen Weg gefunden - für mich gibt es keinen Weg zurück!

Die Zukunft ist veggie. Also: GO VEGAN!


Weiterführende Informationen


Dr. Katharina Wirnitzer ist Sportwissenschaftlerin, Physikerin, Dozentin für Sportwissenschaften, Wissenschaftspublizistin, Autorin, Ausdauer-Leistungssportlerin und Trainerin (Radtouren- & Mountainbike-Guide, Bergwanderführerin). Sie finishte 2003 und 2004 die BIKE Transalp Challenge (Mountain­bike-Etappen-Rennen über 8 Tage).

Die leidenschaftliche Outdoor-Sportlerin lebt seit 1999 vegan und promovierte 2009 mit ihrer Untersuchung über die positiven Auswirkungen von veganer Ernährung auf die Ausdauerfähigkeit im Ultra-Marathon-Radsport. * Als Expertin für rein pflanzliche Ernährung und Ernährungstaktik im Sport stellt Katharina Wirnitzer ihre Erfahrung auf den Internetseiten change2V und adventureV zur Verfügung.

change2V richtet sich an Vegetarier, Veganer und solche, die es werden wollen. Ernährungs-Coaching, Sport-Coaching, Personal-Training, Vorträge, Workshops, Firmen Events, Gastro- & Tourismus-Training. www.change2V.com

adventureV richtet sich an aktive und sportliche Vegetarier, Veganer und solche, die es werden wollen. Aktiv-Urlaub und Sport-Ferien charakterisiert durch drei Merkmale: Abenteuer, Outdoor, Freude, Spaß & Wohlbefinden, dazu Veggie-Verpflegung und -Unterkunft, köstlich, stressfrei und unkompliziert. Hundewandern, Mountainbike, Rennrad, Schneeschuhwandern, Wandern, VeggieDays, Firmen Events.
www.peta.de/katharinawirnitzer


Literatur:
- Katharina Wirnitzer: bikeeXtreme. Performance determining factors and vegan nutrition pattern to successfully complete the Transalp Challenge. SVH - Südwestdeutscher Verlag für Hochschulschriften, 2009. ISBN: 978-3-8381-0912-1.
- Wirnitzer KC & Kornexl E (2014). Energy and macronutrient intakte of a female vegan cyclist during an 8-day mountain bike stage race. Proc (Bayl Univ Med Cent); 27(1):42-45
- Brendan Brazier: Vegan in Topform. Mit einem Vorwort von Dr. Katharina Wirnitzer. Unimedica Verlag, 2013
- Dr. Jacobs Weg des genussvollen Verzichts. Mit einem Buchkapitel von Dr. Katharina Wirnitzer (2. Auflage, Dezember 2013).




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Rezepte aus "Vegan in Topform"


Lesen Sie das »Freiheit für Tiere«-Interview mit Brendan Brazier


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