Interview mit Cowspirarcy-Regisseur Keegan Kuhn


Die industrielle Massentierhaltung ist Klimakiller Nummer 1 und damit hauptsächlich für die globalen Umweltprobleme verantwortlich. Dies ist seit der UN-Studie »Der lange Schatten der Viehwirtschaft« von 2006 und dem Bericht des Worldwatch Instituts von 2009 bekannt. Haben Sie sich auch schon gefragt, warum diese Tatsache von Regierungen, auf Klimakonferenzen und sogar von namhaften Umweltschutzorganisationen völlig ausgeblendet wird? Die Dokumentarfilmer Kip Andersen und Keegan Kuhn wollten herausfinden warum: Sie begannen mit ihren Recherchen und stellten unbequeme Fragen… Herausgekommen ist ein Dokumentarfilm, den man gesehen haben muss: »Cowspiracy«.
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Nachdem sie in »Cowspiracy« den Einfluss der Viehwirtschaft auf die Umwelt beleuchteten, geht es nun um die Folgen für die Gesundheit: Die Produzenten Kip Anderson und Keegan Kuhn arbeiten an ihrem neuen Film »What the Health«.
Trailer und Infos: www.whatthehealthfilm.com


"Billionen Tiere und das Leben des Planeten


hängen von uns ab"

»Die Dinge sind gerade total verrückt, nachdem wir nun unseren neuen Film angekündigt haben«, sagt Keegan Kuhn. Und obwohl er alle Hände voll zu tun hat, nahm er sich die Zeit, »Freiheit für Tiere« einige Interview-Fragen zu beantworten. · Bild: www.cowspiracy.com


Freiheit für Tiere: Zu Beginn eures Dokumentarfilms sagt Kip Anderson, nachdem er den Film »Eine unbequeme Wahrheit« gesehen hatte, versuchte er, umweltbewusster zu leben. Aber ihm wurde klar, dass es nicht ausreicht, kürzer zu duschen, weniger mit dem Auto zu fahren oder den Müll zu trennen. Während seiner Recherchen stellte er fest, dass der größte Umweltzerstörer die industrielle Massentierhaltung ist. Wie entstand die Idee, daraus einen Film zu machen?

Keegan Kuhn: Nachdem er herausgefunden hatte, dass die Aufzucht von Tieren für die Nahrungsmittelindustrie weitaus mehr klimaschädliche Gase verursacht als der gesamte Verkehr zusammen, verbrachte mein Co-Direktor Kip Anderson mehrere Monate damit, Antworten von den großen Umweltorganisationen hier in den USA zu erhalten, warum sie dieses Thema nicht ansprechen. Durch die Weigerung, seine Fragen zu beantworten, erkannte er, dass da mehr los ist - und wir taten uns zusammen und starteten mit dem Film.

Freiheit für Tiere: »Cowspiracy« ist in erster Linie ein Umweltschutz-Dokumentarfilm. Doch er führt zu der Frage: Was ist der Preis von Fleischproduktion und Tiere essen?

Keegan Kuhn: »Cowspiracy« beleuchtet alle Aspekte der Viehzucht, aber hat den Fokus auf dem Thema Umweltschutz. Doch der Film untersucht auch, wie diese Industrie die Regierung hier in den USA und weltweit beeinflusst, wie stark diese Industrie von der Regierung subventioniert wird, um die Produkte billig anzubieten und die Rolle, die dies spielt im Hinblick auf unsere Gesundheit und natürlich, welche Folgen dies für die Tiere hat. Die wahren Kosten dieser Industrie sind potenziell alles Leben auf diesem Planeten, wenn wir nicht die notwendigen Änderungen vornehmen.

Freiheit für Tiere: In »Cowspiracy« zeigt ihr auch die Folgen der industriellen Massentierhaltung und des Konsums von tierischen Produkten für die Ozeane. Glaubst du, dass das Sterben der Ozeane in der Öffentlichkeit schon bekannt genug ist?

Keegan Kuhn: Die Viehzucht hat nicht nur großen Einfluss auf die Atmosphäre, sondern auch auf die Ozeane. Der Hauptgrund für die Todeszonen im Ozean ist der Stickstoff, der aus den ganzen Massentierställen und der Futtermittelproduktion entweicht. Der Dünger erstickt die Bäche, Flüsse, Buchten und schließlich die Ozeane mit Algen, die den Sauerstoff rauben, so dass alle Fische sterben.
Aber nicht nur das: Das Leben in den Ozeanen wird gebietsweise abgebaut, um die ständig steigende Nachfrage der Menschen nach Tierfleisch zu befriedigen (denn die Fische landen auch als Fischmehl in den Futtertrögen der Massentierhaltung). Es wird prognostiziert, dass die Ozeane bis zum Jahr 2048 leer gefischt sind, wenn wir nicht aufhören, in dieser Weise Fischfang zu betreiben. Traurigerweise ignorieren die Menschen dies immer noch und glauben, dass die Technologie uns irgendwie eines Tages retten wird.

Freiheit für Tiere: »Cowspiracy« basiert auf Interviews. Es werden so gut wie keine gewalttätigen Szenen vom Leid der Tiere in der Massentierhaltung und in den Schlachthöfen gezeigt. Aber auch die Aussagen der Interviews und eurer Recherchen sind deutlich...

Keegan Kuhn: Der Film ist keine Tierrechtsdokumentation, daher ist es nicht voll mit Bildern, die das Leid sterbender Tiere zeigen, aber es gibt einige wenige Szenen vom Leid der Tiere und eine von einer Hinterhof-Schlachtung. Es sind relativ kurze Aspekte in dem Film, doch wir fanden, es war notwendig, diese einzubeziehen, denn wir können nicht wirklich über Viehwirtschaft sprechen, ohne die Tatsache anzusprechen, dass jedes einzelne Tier in dieser Industrie schließlich getötet wird.

Freiheit für Tiere: »Cowspiracy« ist ein Wortspiel. Wie kamt ihr auf diesen Titel? Und was wollt ihr damit ausdrücken?

Keegan Kuhn: Der Titel »Cowspiracy« ist ein Wortspiel aus »cow« und »conspiracy« - und das passt ziemlich gut für den Film. Wenn man sich die großen Umweltschutzorganisationen in den USA anschaut, so vermitteln sie den Eindruck: Alles, was wir tun müssen, um den Planten zu retten, ist eine Änderung der Energieproduktion sowie das Einkaufen lokaler Bio-Produkte - während die Realität weit davon entfernt ist. Die Umweltorganisationen schweigen fast völlig still über die absolut wichtigste Änderung des Lebensstils, die du machen kannst: die Massentierhaltungsindustrie zu boykottieren und zu einem veganen Lebensstil zu wechseln.

Freiheit für Tiere: Die massenhafte Produktion tierischer Produkte (Fleisch, Milch, Eier, Fisch) führt zum Kollaps unserer Mutter Erde. In euren Interviews werden aber auch die dramatischen Konsequenzen für unsere Gesundheit deutlich. Warum verdrängen so viele Menschen diese Fakten?

Keegan Kuhn: Wir wollten ursprünglich einen großen Teil des Films diesem Thema widmen, aber uns wurde klar, dass dies ein komplett anderer Film wäre. Ich freue mich, sagen zu können, dass wir soeben unseren zweiten Film »What the Health« angekündigt haben, der erklärt, welche Rolle der Konsum tierischer Produkte für unsere persönliche Gesundheit und dem Wohlergehen unserer Gesellschaft spielt.

Freiheit für Tiere: Was kann jeder Einzelne tun?

Keegan Kuhn: Das bei Weitem Wichtigste, das jeder Einzelne tun kann, um dem Planeten zu helfen, ist der vegane Lebensstil. Keine andere Änderung des Lebensstils hat solch große Auswirkungen auf den Planeten wie das, was wir essen. Sogar das Wechseln zu Solarenergie hat nicht solche Wirkung, wie Fleisch und Käse aufzugeben.

Freiheit für Tiere: Was wollt ihr den Leserinnen und Lesern von »Freiheit für Tiere« noch sagen?

Keegan Kuhn: Sprecht laut, sagt, was ihr denkt! Bleibt niemals still, wenn ihr Ungerechtigkeit seht. Da sind Billionen Tiere von euch abhängig - und das Leben dieses Planeten hängt davon ab, dass wir alles tun, was wir können, für ein höheres Bewusstsein und eine neue Ära der wahren Nachhaltigkeit.


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Die weltweite Fleisch- und Fischindustrie hat einen weit größeren Einfluss auf Klima und Umwelt als alle anderen schädigenden Abgas-Emissionen. Warum findet diese bemerkenswerte Tatsache kaum oder gar keine Beachtung bei führenden Umweltorganisationen?

»Womöglich der wichtigste Film, um uns aufzufordern, den Planeten zu retten.«
Oscar-Preisträger Louie Psihoyos, Regisseur von »Die Bucht«

»Dieser Film wird Aufsehen erregen und die Umweltschutzbewegung befeuern.«
Darren Aronofsky, Regisseur von »Noah«, »The Wrestler« und »Black Swan«

Cowspiracy - Das Geheimnis der Nachhaltigkeit
Kip Andersen (Regisseur), Keegan Kuhn (Regisseur)
Erscheint am 18.03.2016
FSK: 6 · Laufzeit: ca. 86 Minuten
Sprache: Deutsch Dolby Digital 2.0 / Englisch Dolby Digital 2.0
www.cowspiracy.com

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