Interview mit Dr. Edmund Haferbeck von PETA


PETA (People for the Ethical Treatment of Animals), 1980 in den USA gegründet, ist die weltweit größte Tierrechtsorganisation. Ziel ist es, durch Aufdecken von Tierquälerei, Aufklärung der Öffentlichkeit und Veränderung der Lebensweise jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen. PETA Deutschland e.V. gibt es seit 1993. »Freiheit für Tiere« sprach mit Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung, über Erfolge der PETA-Kampagnen, warum Tiere keine Ware sein dürfen und was jeder Einzelne für Tiere tun kann.


Dr. Edmund Haferbeck, geboren 1957 in Detmold, studierte Agrarwissenschaften an der Universität Göttingen. Durch sein Studium im Fachgebiet Tierproduktion wurde er mit dem Leid der Tiere in der industriellen Massentierhaltung konfrontiert.
Statt in der Agrarindustrie tätig zu werden, traf er bereits Anfang der 1980er Jahre die Entscheidung, sich für die Rechte der Tiere einzusetzen. Seine Doktorarbeit schrieb er über die Nerz-, Fuchs- und Iltiszucht in Deutschland.
Von 1990 bis 2009 war Dr. Edmund Haferbeck als grüner Kommunalpolitiker in Schwerin aktiv.
Seit 2004 arbeitet er für die Tierrechtsorganisation PETA in Stuttgart. Er ist Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung.

Freiheit für Tiere: »Unternehmen unter Druck: Die Macht der Marke PETA«, titelte vor einiger Zeit das Handelsblatt und berichtete über die Erfolge der PETA-Kampagnen. So gab die Baumarktkette OBI nur eine Woche nach Start eurer großen Kampagne bekannt, aus dem Verkauf von Hamstern, Kaninchen und anderen Tieren auszusteigen.

Dr. Edmund Haferbeck: Ja, und weitere Baumärkte ziehen jetzt nach. Auch Toom will aus dem Kleintierverkauf aussteigen, obwohl die in unserer Kampagne gar nicht drinnen waren. Aber sie haben sich jetzt angeschlossen. Der REWE-Verantwortliche hat uns dies im PETA-Headquarter bestätigt.


Thomas D von den »Fantastischen Vier« unterstützt die PETA-Kampagne »Kein Tierverkauf in Baumärkten«. · Bild: PETA


Vegan - DER Wachstumsmarkt

Freiheit für Tiere: Inzwischen haben Vegan-Regalreihen in die ganz normalen Supermärkte Einzug gehalten: mit Veggie-Würstchen, Aufstrichen, Rohkost und vielen mehr - und am Regal steht sogar groß »vegan« angeschrieben.

Dr. Edmund Haferbeck: Es ist wirklich enorm, was da auf dieser Schiene passiert. Wir gehen davon aus, dass das bleibt - dass es nicht nur so eine Lifestyle-Phase ist, sondern wirklich anhält und auch mehr wird.

Freiheit für Tiere: »Vegan« ist der Wachstumsmarkt. Die Umsätze haben sich in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt. Die Nachfrage nach Wurst und Fleisch sank dagegen seit 2008 um 8 bis 9 Prozent.

Dr. Edmund Haferbeck: Ja, der Wurst- und Fleischkonsum schrumpft. Deutschland produziert Fleisch vermehrt fürs Ausland.

Freiheit für Tiere: Das ist halt der Haken daran, wenn man sich freut, dass Wurst- und Fleischproduzenten wie Rügenwalder, Wiesenhof oder Vion vegetarische und vegane Produkte auf den Markt bringen. Sie schlachten deswegen nicht weniger Tiere. Für den heimischen Markt produzieren sie Veggie-Würstchen, weil die jetzt nachgefragt werden, und exportieren massenhaft Fleisch ins Ausland.

Dr. Edmund Haferbeck: Man kann diese Entwicklung anstoßen und in den ersten Schritten auch unterstützen. Aber letztlich gibt es eine klare Botschaft: Die Massentierhaltung muss aufhören! Jegliche Reformen sind nur Stückwerk und reparieren nur ein bisschen was. Denn dieses System Massentierhaltung lässt sich nicht kontrollieren, es lässt sich nicht in seinen ganzen Auswüchsen begrenzen.

Freiheit für Tiere: Das Positive am Veggie-Würstchen-Boom ist: vegetarisch und vegan sind absolut im Mainstream angekommen. Immer mehr Leute sagen: »Ach, ich probier mal die Wurst ohne Fleisch. Ich will ja abnehmen und mein Arzt sagt, ich soll Fleisch reduzieren und auf Cholesterin achten.«

Dr. Edmund Haferbeck: Ganz genau.


Marion Kracht will in einer PETA-Anzeige zu Obst und Gemüse verführen: Die 52-jährige Schauspielerin ist fit und »knackig« dank 25 Jahren vegetarischer Ernährung.· Foto: Caroline-Pitzke für PETA


Immer mehr TV-Dokus über Massentierhaltung

Freiheit für Tiere: Es kommt ja inzwischen alle paar Tage eine Reportage über Massentierhaltung oder über irgendeinen Eier- oder Antibiotika-Skandal im Fernsehen. Und zwar zur besten Sendezeit! Das war vor zehn oder zwanzig Jahren noch ganz anders. Heute kommt da niemand mehr dran vorbei.

Dr. Edmund Haferbeck: Und dann noch die Berichte in den Printmedien… fast jede Woche ist in den großen Zeitungen und Magazinen ein riesiger Bericht.

Freiheit für Tiere: Hierbei hat PETA ja auch einen großen Teil zur Aufklärung beigetragen. Wie oft bekommt ihr eigentlich Anfragen für Fernsehsendungen, Dokus und so weiter?

Dr. Edmund Haferbeck: Im Schnitt sind es mittlerweile fünf bis zehn Fernsehaufzeichnungen pro Woche zu allen Tierschutzthemen: nicht nur zur Agarindustrie, sondern zu Zirkussen, über tierische Mitbewohner, Tierquälereien bei Hunden, Hundeführerschein, Giftköder... die ganze Palette.

Zum Teil produzieren wir inzwischen die Beiträge selbst in unserem eigenen Studio: Die Fernsehstationen müssen nicht mehr unbedingt ihre Teams zu uns herschicken, sondern sie senden uns die Interviewfragen, die von den Fachreferenten oder von mir bei uns im Studio beantwortet werden. Und dann wird das eingeschickt und sie können es sofort senden.

Freiheit für Tiere: Das heißt: Am Nachmittag kocht ein Skandal hoch und in den Abendnachrichten bei SAT 1 oder RTL kommt schon das PETA-Statement?

Dr. Edmund Haferbeck: Noch nicht einmal mehr abends, sondern schon in der 18 Uhr-Sendung. Um 15 Uhr bekommen wir die Fragen, dann beantwortet das von uns ein Verantwortlicher, dann haben sie das fertige Interview um 16 Uhr und um 17 Uhr kommt es schon in der Sendung. Und das wird immer mehr. Also, ich alleine habe nur im Jahr 2014 um die 150 TV- und Radio-Interviews gegeben und 400 für Printmedien.


Paul McCartney ist nicht nur eine absolute Musiker-Legende, sondern auch engagierter Tierschützer: Der Ex-Beatle isst nichts »was Augen hat« und trägt kein Leder. Als einer der berühmtesten PETA-Aktivisten schreibt er immer wieder Briefe an Politiker und Tierausbeuter-Firmen und erhebt seine Stimme für die Tiere: »Vor vielen Jahren war ich einmal angeln, und als ich den armen Fisch einholte, wurde mir klar, dass ich dabei war, ihn zu töten - nur für eine vergängliche Gaumenfreude. Da hat irgendwas in mir Klick gemacht. Als ich ihn so sah, wie er nach Atem rang, wusste ich, dass ihm sein Leben in diesem Moment genauso wichtig war, wie mir meines.«


Das unbeachtete Leid der Fische

Freiheit für Tiere: Wiesenhof, der größte deutsche Geflügelzüchter und -verarbeiter, macht neuerdings nicht nur Veggie-Alternativen, sondern will beim Fisch ganz groß einsteigen…

Dr. Edmund Haferbeck: Wiesenhof ist bereits eingestiegen in eine große Fischproduktionsfirma in Island.

Freiheit für Tiere: … und die fangen dann die letzten Fische aus den Weltmeeren?

Dr. Edmund Haferbeck: Ja, die betreiben Fischerei und auch Aquakulturen. Sie merken halt auch: Bei den klassischen »Nutztieren« geht das Geschäft zurück - auch wenn es bei
Geflügel immer noch kleinere Wachstumsraten gibt – und suchen sich dann andere Bereiche. Fisch ist ein Trend-Markt. In der Öffentlichkeit herrscht ja immer noch großes Unwissen. »Ach, Sie sind Vegetarier? Aber Fisch essen Sie noch, oder?« - Fisch ist doch für viele Leute nicht so richtig ein Tier…

Freiheit für Tiere: …Fische schreien nicht, man glaubt auch nicht, dass sie Gefühle und Schmerzempfinden haben. Und sie sind angeblich auch so gesund, man braucht ja Omega 3…

Dr. Edmund Haferbeck: Naja, aber die Schwermetallbelastung ist ganz gewaltig. In den Aquakulturen kommen dann noch die ganzen Medikamente und Keime dazu. Und die
Verlustraten sind enorm: Viele Fische verenden, bevor sie geschlachtet werden.

Freiheit für Tiere: Was auch viel zu wenig bekannt ist: Fast die Hälfte des weltweiten Fischfangs wird als Fischmehl in der industriellen Massentierhaltung verfüttert, damit Rinder, Schweine, Hühner und Fische in Aquakulturen noch schneller ihr Schlachtgewicht erreichen. Mancher Fischesser versucht sich rauszureden: »Es ist ja kein Wildfang, für den die Ozeane leer gefischt werden, sondern Fisch aus der Aquakultur, der wurde extra gezüchtet.« In Wirklichkeit wurde im Verhältnis zum Gewicht des Zuchtfisches die x-fache Menge an Fischen aus Wildfang in der Aquakultur als Fischmehl verfüttert. Und dazu kommt dann noch der Beifang: Delfine, Schildkröten…

Dr. Edmund Haferbeck: Der Beifang wird gar nicht gezählt, sondern weggeworfen. Diese so genannten Kollateralfänge sind furchtbar, und das sind ja mindestens 30 Prozent…

Freiheit für Tiere: … und die verenden dann qualvoll.

Dr. Edmund Haferbeck: Das ist ein riesiges System, wie in der industriellen Massentierhaltung: Die verendeten Tiere, die Kadaver oder auch die kranken Tiere kommen in die Tierkörperbeseitigungsanstalt als K3-Ware. Die werden dann durchgemehlt und das daraus produzierte Tiermehl, Knochen­mehl, Fleischmehl wird wieder den anderen Tieren als Futter gegeben. Dieses Kreislaufsystem gibt es mittlerweile auch in der Aquakultur. Und das ist so ein Verbrechen! Aber Fische sind derzeit noch Wachstumstrend. So werden Aquakulturen systematisch ausgebaut.

Ich will an dieser Stelle auch die Sensibilität darauf lenken, dass in der öffentlichen Debatte der Bereich Fische viel zu wenig präsent ist. Und das Bewusstsein ist in der Öffentlichkeit
völlig falsch gepolt: »Es ist ja kein Fleisch«, »Es sind ja keine Tiere«. Obwohl sie doch zwei Augen haben - und man isst eben nichts, was Augen hat. Und es sind Wirbeltiere. Auch das ist nicht bekannt, dass es Wirbeltiere sind, die vom Tierschutzgesetz ganz genauso geschützt sind wie Hund, Schwein, Rind und Katze.


Strafanzeigen gegen Angel-Wettkämpfe

Freiheit für Tiere: Das betrifft dann ja auch die Angler.

Dr. Edmund Haferbeck: Man muss auch mal sehen, dass die Jägerschaft in Deutschland mit 350.000 Waidmännern in den Wäldern lusttötend unterwegs ist. Bei den Petri-Jüngern, also den Anglern, sind es 3.3 Millionen. Das sind ganz andere Zahlen, und auch die Quantitäten sind ganz anders. Die Jäger schießen über 5 Millionen Wildtiere pro Jahr und außerdem Hunde und Katzen, aber wir haben eine dreistelligen Millionenzahl an Fischen, die jedes Jahr geangelt - also gequält und getötet - werden. Um die Fische kümmert sich kaum jemand - und das muss sich ändern.

PETA hat seit fast fünf Jahren systematisch Strafanzeigen gestellt gegen die ganzen Angelvereine, die sich treffen und Wettangeln veranstalten. Die Staatsanwaltschaften lehnten das am Anfang immer ab. Die fragten dann die Veterinärbehörden, und die sagten: »Nö, ist alles in Ordnung, die Fische werden ja gegessen und der Wettkampf ist nur so nebenbei«. Das hat sich mittlerweile entscheidend geändert: Die Staatsanwaltschaften sind jetzt fast einhellig - ausgehend von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen - der Ansicht, dass diese so genannten Gemeinschafts-Angelwettbewerbe - Wettangeln, Pokalangeln, Königsangeln - tatsächlich strafbar sind nach § 17 des Tierschutzgesetzes. Das sind keine Urteile, aber das sind ganz klare juristische Feststellungen. Baden-Württemberg und Bayern standen lange wie ein Bollwerk gegen diese neue Sichtweise. Und da hat jetzt tatsächlich die Staatsanwaltschaft Würzburg - und vorher schon Aschaffenburg - einen ganz klaren Durchbruch gemacht. Das hätten wir nie gedacht! Die Staatsanwaltschaften Würzburg und Aschaffenburg haben jetzt wirklich ganz klar und deutlich gesagt, dass Wettangeln tatsächlich strafbar ist.

Die Angler wollen davon nichts wissen und bringen dann auch Anwälte, die seitenweise Ausführungen machen, wie toll das Angeln ist, auch für das Allgemeinwohl und so weiter, sie machen ja auch Hege…

Freiheit für Tiere: …»Hege« heißt dann Abschuss von Kormoranen, weil diese Vögel Fische fangen…

Dr. Edmund Haferbeck: Kormorane abschießen, genau, das ist für die Hege. Oder Fische aussetzen, damit sie etwas zum Angeln haben. Aber da hat die Staatsanwaltschaft Würzburg - im Übrigen auf Weisung der Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg - jetzt eindeutig festgestellt, dass die Angelwettbewerbe strafbar und ein Verstoß gegen geltendes Recht sind. Nebenbei: Das Fischereigesetz von Bayern muss jetzt auch revidiert werden, das stimmt jetzt so nicht mehr mit dem geltenden Recht überein. Wir gehen davon aus, dass dieses Wettangeln irgendwann demnächst ein Ende haben wird. Und dann wird die ganze Angelei deutlich reduziert werden.


1500 Milliarden Fische werden jedes Jahr gefangen und getötet, das sind mehr als alle Säugetiere zusammen. Viele Fische leben noch, wenn sie aufgeschnitten und ausgenommen werden. Andere werden in den Netzen zerquetscht oder ersticken langsam. · Bild: PETA


Mehr Informationen: www.fischen-tut-weh.de

Gefahr durch Antibiotika-Resistenzen

Freiheit für Tiere: Seit Jahren sorgt der massive Antibiotikaeinsatz in der industriellen Massentierhaltung für Schlagzeilen.

Dr. Edmund Haferbeck: Die Antibiotika-Problematik in den Ställen der industriellen Massentierhaltung ist ja mittlerweile auch von der Politik erkannt worden. Es ist inzwischen gesetzlich auch ein bisschen gemacht worden durch die Novellierung der Arzneimittelverordnung. Doch jetzt sind die so genannten Reserveantibiotika der neue Trend in der Massentierhaltung. Das sind solche Antibiotika, die für Tier und Mensch zugelassen sind, nur bei Infektionen mit resistenten Erregern angewandt werden und beim Menschen als wirklich letzte Möglichkeit gelten, überhaupt noch bestimmte bakterielle Krankheiten bekämpfen zu können. Und diese Reserveantibiotika werden jetzt immer mehr eingesetzt in der Massentierhaltung.

Vor ein paar Monaten haben wir eine Recherche in einer Ferkel-Aufzuchtanlage durchgeführt. Dort herrschten schlimme Zustände und die hatten dort massenhaft Reserveantibiotika lagern. Wir stellten Strafanzeige und sie mussten eine hohe Geldbuße zahlen. Aber das Veterinäramt hat die Sache mit den Reserve-Antibiotika nicht weiter verfolgt. Wir haben jetzt ganz aktuell das Ministerium in Nordrhein-Westfalen dazu angeschrieben und aufgefordert, zusätzlich zu den Tierschutzverstößen auch diesen Fall mit den Reserveantibiotika mit zu verfolgen. Es ist eine ganz wichtige Sache, dass der Antibiotikaeinsatz in der Massentierhaltung weiter eingedämmt wird. Die normalen Antibiotika werden in der Massentierhaltung mittlerweile zurückgefahren, aber dafür die Reserveantibiotika reingenommen. Die Tierärzte, die das verschreiben, machen damit richtig Geld. Und es ist ja alles tiermedizinisch indiziert.


Augenwischerei statt Transparenz

Freiheit für Tiere: Wenn ein Tier krank ist, bekommt der ganze Bestand Antibiotika verabreicht.

Dr. Edmund Haferbeck: Das nennt man Metapropylaxe.

Freiheit für Tiere: Aber wenn die Reserveantibiotika bei Menschen das letzte Mittel sind, das bei Infektionen mit resistenten Erregern hilft, heißt das doch: Wenn die Erreger auch resistent auf Reserveantibiotika werden, hilft nichts mehr - und der Patient stirbt an einer Lungenentzündung, Grippe oder Blutvergiftung.

Dr. Edmund Haferbeck: Ja, da gibt es dann nichts mehr, was hilft. Es sterben ja schon heute in Deutschland Tausende Menschen an Infektionen, weil sie nicht mehr behandelt werden können, weil eben Resistenzen gegen Antibiotika existieren. Es gibt in Kliniken mittlerweile Quarantäne-Stationen extra für Mitarbeiter aus der Landwirtschaft. Das muss man sich mal vorstellen: So weit sind wir in Deutschland! Und trotzdem wird hier nicht richtig durchgegriffen. Die Bundesregierung hat mit der Novellierung der Arzneimittelverordnung noch nicht genug gehandelt. Denn das gesamte System fußt ja darauf, dass die Landwirte selbst angeben müssen, was sie an Medikamenten einsetzen. Das heißt also: die Täter. Der Gesetzgeber verlässt sich mit seiner Verordnung, mit seinen Gesetzen auf die Angaben der Täter. Sowas gibt’s nirgendwo.

Freiheit für Tiere: Im Straßenverkehr verlässt sich der Gesetzgeber ja auch nicht auf die Angaben der Autofahrer: »Ich habe die Geschwindigkeitsbegrenzung immer eingehalten und stand auch nie im Parkverbot«.

Dr. Edmund Haferbeck: Du gibst an: »Die Höchstgeschwindigkeit war 130 und ich bin auch nicht schneller gefahren«. In Wirklichkeit bist du mit 200 gebrettert, und das kann dir auch keiner nachweisen. Und da wird dann die Statistik draus gemacht. Und dann heißt es im nächsten Jahr: »Es ist was Tolles passiert, wir haben die Antibiotika drastisch reduziert: Es sind nicht mehr 1.452 Tonnen, es sind nur noch 1.238.« Und das ist doch eine Farce.

Freiheit für Tiere: Das ist Augenwischerei. Und es wird ja noch großzügig subventioniert. Was da an Steuergeldern an die industrielle Massentierhaltung geht…

Dr. Edmund Haferbeck: Und zwar auch die Steuergelder der Vegetarier und Veganer, die das alles ja gar nicht mehr wollen und diese Tierqual-Produkte auch nicht mehr nachfragen. Und trotzdem werden ihre Gelder zum Teil dafür verwendet. Das ist natürlich Teil der Solidargemeinschaft hier in Deutschland. Aber eine Solidargemeinschaft, die immer noch nicht vollständig begriffen hat, dass sie schädliche Produkte steuerlich belasten muss - so wie wir seit vielen Jahren die Ökosteuer für Benzin haben.

Freiheit für Tiere: Und höhere Steuern für Zigaretten und Alkohol…

Dr. Edmund Haferbeck: Alles völlig richtig. Doch der Gesetzgeber wehrt sich mit allen Mitteln dagegen, die schädlichsten Produkte, nämlich Fleisch- und Milchprodukte, zu besteuern…

Freiheit für Tiere: …oder einfach die Subventionen zu streichen...

Dr. Edmund Haferbeck: … die Subventionen zu streichen, den verringerten Mehrwertsteuersatz abzuschaffen - da verweigert er sich drastisch. Woran man sehen kann, dass die Agrarindustrie in Deutschland eine der mächtigsten Branchen ist...

Freiheit für Tiere: …und die Lobbyisten an den entscheidenden Stellen sitzen hat…

Dr. Edmund Haferbeck: … in den Ausschüssen, zum Teil die Minister - das sind Leute aus der Massentierhaltungsindustrie.


Der massive Antibiotika-Einsatz in der industriellen Massentierhaltung sorgt seit Jahren für Schlagzeilen. Statt strenger Gesetze und empfindlicher Strafen für Verstöße setzt das Bundeslandwirtschaftsministerium auf eine Datenbank, in die Massen­tierhalter den Antibiotika-Einsatz selbst eintragen. Und das sorgt für alles andere als Transparenz. · Bild: PETA


Was als "Skandal" aufgedeckt wird, ist die Regel

Freiheit für Tiere: PETA hat aktuell eine neue Masthähnchen-Recherche durchgeführt. Kannst du dazu schon etwas sagen?

Dr. Edmund Haferbeck: Ja, wir haben gerade eine große Recherche abgeschlossen bei einem der »Big five«-Geflügelproduzenten in Deutschland. Bisher war ja vor allem der Geflügelproduzent Wiesenhof im Visier der Tierschützer. Jetzt geht es um einen der größten Hähnchenmastkonzerne. In Deutschland haben sie nur wenige Mastbetriebe, sie produzieren zum großen Teil im Ausland und importieren. Deshalb waren die bisher noch nicht so auf dem Schirm. Das hat sich jetzt ge­ändert: Es fanden Recherchen in deutschen Betrieben statt, bei denen tierquälerische Zustände im Bestand selbst dokumentiert wurden und höchst grausame und brutale Ausstallungspraktiken. Das wird jetzt gerade ausgewertet, es ist ja viel, viel Material, das muss ja alles gesichtet werden, beschrieben werden und so weiter. Wir haben auch wieder Strafanzeigen erstattet.

Und da sieht man: Es sind nicht irgendwelche Tierschützer und Tierrechtler, die mal eine Demo machen und vielleicht mal eine Grenze überschreiten. Die wahren Rechtsbrecher sind diejenigen, die mit Tieren ihre Geschäfte machen und solche strafbaren Handlungen machen. Und zwar systematisch.

Aber das Wichtigste ist: Obwohl seit über zehn Jahren jedes Jahr -zig solcher Undercover-Ermittlungen von PETA und anderen Organisationen immer wieder dokumentiert und veröffentlicht werden - obwohl das also seit Jahren passiert, und die Branche immer wieder sagt, sie passen sich an, sie machen das nicht mehr, sie verpflichten sich und machen Selbstkontrolle, Webcams und so weiter -, finden unsere Ermittler, die wirklich eine repräsentative Stichprobe von Betrieben haben, weil sie nur in die gehen, wo tatsächlich was offen ist, eine unverschlossene Tür etc., tierquälerische Zustände.
Die brauchen da nur reinzugehen und finden genau das, was die ganze Zeit bestritten wird - und zwar im Jahre 2015! Es ist immer noch dasselbe - und das nach den ganzen Bildern, die es mittlerweile gibt. Das ist unvorstellbar und das zeigt, dass bei diesem System der industriellen Massentierhaltung auch noch so viele Freiwilligkeiten, Kontrollen, Selbstverpflichtungen alle nicht funktionieren.

Die industrielle Massentierhaltung muss abgeschafft werden. Und damit würde dem Planeten Erde, den Hungernden in der Welt, den Tieren, den Menschen, die dort in diesen unsäglichen Schlachtbetrieben arbeiten müssen, der größte Dienst überhaupt erwiesen.

Freiheit für Tiere: Man muss auch davon ausgehen, dass das, was als »Skandal « irgendwo aufgedeckt wird, in Wirklichkeit die Regel ist.

Dr. Edmund Haferbeck: Das ist die Regel! Das muss man betonen: Es geht hier nicht um Einzelfälle, es ist alles die Regel - es ist systemimmanent.

Freiheit für Tiere: Und diejenigen in der Behörde, die wirklich das Tierschutzgesetz durchsetzen wollen, kriegen dann Repressalien. Dies hat Dr. Hermann Focke, langjähriger Leiter des Veterinäramts Cloppenburg, der Region mit der größten Tierdichte Europas, war, in zwei Büchern ausführlich beschrieben. (Hermann Focke: Tierschutz in Deutschland - Etikettenschwindel?! · Hermann Focke: Die Natur schlägt zurück - Antibiotikamissbrauch in der intensiven Nutztierhaltung und Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt)

Dr. Edmund Haferbeck: Die kriegen dann Repressalien. Die werden unter Druck gesetzt.


Tierquälerei: Sportgerät Pferd

Freiheit für Tiere: Ein anderer Bereich, in dem immer wieder Tierquälereien an die Öffentlichkeit kommen, ist der Pferdesport. Ein aktuelles Beispiel ist das Dressurpferd Totilas: Bei der Europameisterschaft im August 2015 musste Totilas die schwere Dressurprüfung durchstehen, obwohl er für alle Experten erkennbar ein Gesundheitsproblem hatte. PETA hat eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Tierquälerei gestellt. Nach viel öffentlicher Kritik wurde schließlich das Karriere-Aus von Totilas bekannt gegeben. PETA hatte ja bereits im Jahr 2012 Strafanzeige gegen Paul Schockemöhle, den Halter von Totilas, und gegen Matthias Rath, den Reiter, gestellt wegen Rollkur (einer tierquälerischen Trainigsmethode) und isolierter Boxenhaltung.

Dr. Edmund Haferbeck: Was im Pferde-Leistungssport für tierquälerische Methoden angewendet werden, ist ja mittlerweile bekannt. Die Pferde werden zu »Sportgeräten« degradiert, mit denen man Geld verdienen will. Es ist völlig inakzeptabel, Pferde als »Sportgeräte« zu missbrauchen und ihnen dabei unnatürliche Leistungen abzuverlangen. Die Gier, Turniere um jeden Preis zu gewinnen, lässt die Reiter ihre Pferde nicht mehr als fühlende Lebewesen sehen. Kein Leistungssport bei Pferden ist ohne Tierquälerei möglich.

Freiheit für Tiere: Und wenn sie nicht mehr die Leistung bringen oder krank sind, kommen sie zum Schlachter.

Dr. Edmund Haferbeck: Genau. Bringen die Tiere nicht mehr die gewünschten Erfolge, werden sie häufig wie eine Ware entsorgt. Und dann regen sich die Leute auf bei Pferdefleisch in der Lasagne.

Freiheit für Tiere: Es geht ja im Fohlenalter schon los: Die Tiere werden auf Springpferd, Rennpferd, Dressurpferd oder Trabrennpferd gezüchtet. Und wenn sie nicht die Leistung bringen, nicht schnell genug sind oder wenn das Trabrennpferd nicht trabt, sondern galoppiert, kommt es auch in die Wurst.

Dr. Edmund Haferbeck: Da sieht man aber auch Übergänge von assentierhaltungskonzernen zur Ausbeutung im Pferde-Leistungssport: Schockemöhle ist einer der größten Massentierhalter u.a. mit »Deutsche Frühstücksei«. Sein Springpferd Deister trug den Beinamen »der springende Geldschrank«, Schockemöhle ist auch Mitbesitzer von Totilas. Die Sprehe-Gruppe ist einer der größten Hähnchenmastkonzerne, Kristina Bröring-Sprehe ist Dressurreiterin und gewann 2014 den Weltmeistertitel mit der deutschen Equipe. Da schließt sich dieser Kreis von Leuten, die mit Tieren ihre Geschäfte machen und sie eben nur als »Ware« ansehen.


Tierquälerei bei der Hundeausbildung

Dr. Edmund Haferbeck: Ja, und dann haben wir ja auch noch den Bereich Hundeausbildung mit Teletakt - ein ganz, ganz schlimmer und brutaler Bereich. Teletaktgeräte sind schon seit 2006 verboten. Trotzdem werden sie eingesetzt. Sie werden auch nach wie vor frei verkauft, aber sie dürfen nicht eingesetzt werden. Doch sie werden eingesetzt. Und es wird gemogelt: Sie werden mit speziellen Halsbändern verdeckt, weil die Tierquäler wissen, dass da immer mal jemand guckt, Undercover oder vom Fernsehen. Und wenn sie erwischt werden, dann heißt es: »Ja, das waren ja keine Stromhalsbänder, das waren Vibrationshalsbänder« - und die sind wiederum nicht untersagt. Aber Vibrationshalsbänder und Teletakt-Stromhalsbänder sind teilweise in einem Gerät - man kann also beide Geräte einstellen - so dass die Nachweisführung in dieser Sache wahnsinnig schwer fällt. Und das nutzen diese skrupellosen Leute aus. Das ist ein ganz, ganz brutaler Bereich und Sport. Es sind 2.000 Hundeplätze allein vom Schäferhundverband und wir gehen davon aus, dass bei über der Hälfte immer noch diese Ausbildung läuft.

Das wird noch eine schwere Sache, da etwas zu machen. Woran man wieder sehen kann: Der Gesetzgeber kann etwas verbieten, auch gerichtlich bestätigt. Aber diese Tierausbeuter - und das sind Leute, die machen das in ihrer Freizeit, die wollen nur ihre Prüfung, die wollen neben ihrem Hund, der da eine Prüfung bestanden hat, als große Macker dastehen - die halten sich an nichts, und zwar vorsätzlich und bewusst.


Die Plakataktion »So sterben Milchkühe« erregte großes Aufsehen: Weil die Plakatwerbe-Firma die PETA-Kampagne als »unzumutbar« ablehnte, wurde groß in den Medien daüber berichtet und öffentlich diskutiert.


Deutschland ist beim Tierschutz Schlusslicht

Freiheit für Tiere: Auf der einen Seite gibt es also eine unglaublich positive Entwicklung: Die Medien berichten über Tierschutz und vegane Ernährung, immer mehr Menschen entscheiden sich auch bewusst aus ethischen Gründen, keine Tiere mehr zu essen… So ist es auch beim Thema »Jagd«: Vor zwanzig Jahren hat doch die große Mehrheit der Bevölkerung geglaubt, der Jäger ist der Förster vom Silberwald, der füttert die Tiere und schießt nur die alten und kranken. Und mittlerweile sagt doch fast jeder: »Das Schießen von Tieren macht denen Spaß, außerdem schießen sie Hunde und Katzen tot und eigentlich würde sich das Gleichgewicht in der Natur selber regulieren.« Es sind also gewisse Erkenntnisse in der Mitte der Bevölkerung angekommen und immer mehr Menschen stellen dadurch auch ihr Leben und ihr Konsumverhalten um.

Auf der anderen Seite nehmen aber auch diese Abartigkeiten, die Perversion, das Ausmaß der Ausbeutung und der Gewalt zu. Das ist wie eine Schere, die immer weiter auseinander geht.

Dr. Edmund Haferbeck: Seit Jahren passiert in Deutschland im Bereich Tierschutz auf gesetzlicher Ebene gar nichts mehr. Im Gegenteil: Die letzte Novellierung des Tierschutzgesetzes ist eine Verschlechterung des vorhergehenden Tierschutzgesetzes gewesen, was eigentlich untersagt ist, weil der Tierschutz seit 2002 in der Verfassung als Staatsziel festgeschrieben ist. Die abartigste Tierquälerei ist erlaubt, der Öffentlichkeit wird aber gesagt: »Wir haben ein Tierschutzgesetz...«

Freiheit für Tiere: …»das strengste der Welt«...

Dr. Edmund Haferbeck: Genau, »das strengste der Welt«. Fachleute sagen ganz klar: Das ist ein Tiernutzgesetz und kein Tierschutzgesetz. Es will sich keiner mit diesen Tierausbeutern, Agrarindustriellen und so weiter anlegen, und deswegen macht der Gesetzgeber nichts.

Auch im Bereich Zirkus beispielsweise, obwohl der Bundesrat die Bundesregierung 2003 und 2011 gebeten hat, die Haltung von Wildtieren im Zirkus zu verbieten. Der Gesetzgeber will aber kein Verbot von Tierhaltungen rein ins Gesetz schreiben. Denn wenn das einmal passiert, und das würde auch rechtlich durchgestanden werden, dann müssten sie das für alle anderen tierquälerischen Haltungen auch tun.

Und diesen Dammbruch verhindert die Regierung - und zwar egal in welcher Mehrheit: ob schwarz-gelb, ob schwarz-rot, ob schwarz-grün oder rot-grün. Diesen Dammbruch des Tierhaltungsverbots für bestimmte systemimmanente Tierquälereien verhinderte bisher jeder Regierung.

Auf der anderen Seite werden die Kontrollbehörden auf Kreis- und Kommunalebene, die Veterinärbehörden, immer weiter ausgedünnt: Es werden Stellenkürzungen vorgenommen, so dass die Kontrollmechanismen, die ohnehin im Bereich Tierschutz lascher gar nicht sein könnten, auch reduziert werden.

Jeder Privatmensch würde, wenn er das alles dulden würde, was zum Beispiel in der Nachbarschaft passiert an Straftaten, dafür vor Gericht zur Rechenschaft gezogen und verurteilt werden. Aber der Gesetzgeber maßt es sich an, weil er weiß: Mir kann ja keiner was.

Freiheit für Tiere: Inzwischen gibt es in anderen Ländern große Fortschritte im Tierschutz: 18 europäische Länder haben Wildtiere im Zirkus verboten. Aber nicht nur in Europa: In Indien, Singapur, Israel, Bolivien, Mexiko, Kolumbien,
Paraguay, Peru, Costa Rica und El Salvador sind sämtliche Wildtiere im Zirkus verboten. In Botswana hat die Regierung 2014 Trophäenjagd und Jagdtourismus verboten. Kenia hat die Großwildjagd bereits seit 1977 verboten. In Griechenland gilt seit Dezember 2013 ein generelles Jagdverbot. In Israel ist seit 2013 die Jagd zu Sportzwecken verboten. Costa Rica hat 2013 ein umfangreiches Jagdverbot erlassen…

Dr. Edmund Haferbeck: … in unserem Nachbarland Holland gibt es weitreichende Jagdverbote, in Luxemburg ist die Fuchsjagd verboten.

Aber Deutschland ist - was Tierschutz angeht - eines der Schlusslichter in Europa. Die Schweiz, Österreich und die Niederlande sind in der Tierschutzgesetzgebung viel weiter, Großbritannien teilweise, die skandinavischen Länder bis auf die Pelztierhaltung… Also, viele Länder haben mittlerweile in wesentlichen Punkten viel, viel bessere Tierschutzgesetze als Deutschland.


Für ein Wildtierverbot in Zirkussen wurden 620.000 Unterschriften gesammelt und dem zuständigen Ministerium übergeben - begleitet von einer Demonstration vor dem Brandenburger Tor. · Foto: PETA


Mit der Aktion Klimaschutz beginnt auf dem Teller tourte PETA im Sommer 2015 durch deutsche Großstädte. Im Dezember 2015 findet in Paris der Klimagipfel statt. Die Welternährungsorganisation FAO benannte bereits 2006 die Tierwirtschaft als Hauptverursacher der schlimmsten Umweltprobleme. · · Foto: PETA


"Drei Mal am Tag haben wir Macht"

Freiheit für Tiere: Was kann der Einzelne tun? Viele Menschen sind sich ja der Macht, die wir als Konsumenten haben, gar nicht richtig bewusst.

Dr. Edmund Haferbeck: Nein, überhaupt nicht. Das System funktioniert halt nur auf Geldbasis. Der Einzelne kann jeden Tag drei Mal entscheiden, was er sich auf den Teller tut. Jeden Tag drei Mal. Das sind klare Entscheidungen, und es ist klar, wie die Entscheidung aussehen muss, wenn einem die Tiere am Herzen liegen: nämlich hin zu veganen Produkten.

Und der Einzelne kann jeden Tag seine Freizeit dahingehend entscheiden, ob er nun in den Zirkus mit Wildtieren geht oder in einen Zirkus, in dem nur Artistik stattfindet. Ich bin Anhänger des Zirkus Soleil beispielsweise, da geh ich dann rein.

Oder man kann entscheiden, ob man sonntags mit den Kindern in den Zoo geht. Das sind Tiere in Gefangenschaft, und Kinder sollen das eben nicht als normal und gut ansehen. Und man geht nicht in Delfin-Shows oder in Angelvereine. Der Verbraucher kann das alles selbst bestimmen und auch in diesen Bereichen zeigen: Wir wollen das alles nicht mehr.

Freiheit für Tiere: Wenn keiner mehr hingeht in Zirkusvorstellungen mit Tieren oder in Delfinshows, dann gibt’s die nicht mehr.

Dr. Edmund Haferbeck: Und dieses Bewusstsein ist noch viel zu wenig ausgeprägt. Obwohl jeder weiß, was da passiert, denn an den Medienberichten kommt keiner vorbei. Und deswegen muss man auch mal sagen: Wenn du trotzdem, obwohl du es weißt, in den Discounter gehst und eine Tiefkühl-Pute kaufst, dann bist du mitschuldig an den Verhältnissen. Denn du fragst das Produkt nach.

Freiheit für Tiere: Das Gleiche gilt für Leder…

Dr. Edmund Haferbeck: ... und für Seide, Angora- und Merinowolle… Wie Merinowolle hergestellt wird - hoch tierquälerisch -, ist mittlerweile auch bekannt. Leder ist kein Abfallprodukt der Fleischindustrie. Leder wird gerade in Ländern wie Indien und Bangladesch ausschließlich für die Lederindustrie produziert…

Freiheit für Tiere: Ja, und auch die teuren Schuhmarken: Ecco zum Beispiel hat eigene Rinderherden, da ist Fleisch dann das Abfallprodukt…

Dr. Edmund Haferbeck: Ja. Genau. Das ist wie bei Pelzprodukten. Überhaupt: Wie kann man überhaupt noch Pelz tragen? Das geht doch nicht mehr!

Freiheit für Tiere: Unsere Frage ist ja: »Was kann der Einzelne tun?« Und da sind auch Leserbriefe nicht zu unterschätzen…

Dr. Edmund Haferbeck: Oh ja!

Freiheit für Tiere: Mit Leserbriefen kann man zu Themen Stellung nehmen. Zeitungen schreiben ja das, worauf die Leser reagieren. Wenn ein Jäger eine Katze oder einen Hund erschießt, darüber wird immer groß in der Zeitung berichtet, denn da weiß man: Die Leser regen sich auf. Und wenn man sich noch viel mehr auch über andere Themen aufregt… zum Beispiel, wenn berichtet wird, dass ein Angler einen Riesenwels aus dem Fluss gezogen hat. Wenn dann Leserbriefe kommen, die sich darüber aufregen, dann überlegen die sich das nächste Mal, ob sie einen Angler ablichten oder bringen vielleicht auch mal einen kritischen Bericht.

Dr. Edmund Haferbeck: Also, das ist auch eine gute Möglichkeit. Heute, im Internetzeitalter, ist das so einfach, Kommentare oder Leserbriefe an Zeitungen zu schreiben.
Da schreibt man eben mal abends in zehn Minuten einen Leserbrief, dass das so nicht geht, dass doch auch mal die Rechte der Tiere zu berücksichtigen sind. Und das wird dann auch immer mehr abgedruckt, weil die Redaktionen merken: »Oh, da kommt doch eine Meinung mittlerweile verstärkt zum Tragen, die wir vor einigen Jahren noch nicht so hatten.«
Und auch das ist ein Weg, um wirklich etwas für die Tiere zu erreichen.

Das Gespräch mit Dr. Edmund Haferbeck führte Julia Brunke, Redaktion »Freiheit für Tiere«


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