Pooja und Shanti: Eine ganz besondere Freundschaft

Pooja und Shanti -Eine ganz besondere Freundschaft Bild: Jessica Marske und Carsten Fricke


Von Julia Brunke

Der neue Film »Pooja und Shanti - Eine ganz besondere Freundschaft« schildert die Freundschaft zwischen Pooja Marske, die im Alter von fünf Jahren in Indien Freundschaft mit Elefanten schloss. Die Dokumentation zeigt original Filmaufnahmen von Pooja und den Elefanten, die ihre Eltern 2004 und 2005 gemacht haben. Wir sehen die 5-jährige Pooja, wie sie für ihre Elefantenfreundin auf dem Markt Tomaten einkauft, wie sie Shanti füttert und mit ihr spazieren geht. Heute ist Pooja 16 Jahre alt. Rückblickend erzählt sie uns in dem Dokumentarfilm von ihren besonderen Erlebnissen mit den Elefanten und vor allem ihrer Freundschaft mit Shanti.


Trailer: Pooja und Shanti


DVD-Tipp: Dokumentarfilm »Pooja und Shanti - Eine ganz besondere Freundschaft« (ca. 40 Minuten Laufzeit).


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Am 26. April 1999 wird Pooja in Asien geboren. Ihre Eltern, Jessica Marske und Carsten Fricke, sind Journalisten und stammen aus Hamburg. Ab 2002 lebt die Familie halb in Indien und halb in Deutschland. Pooja lernt Englisch und fühlt sich in einem kleinen Dorf im indischen Bundesstaat Goa mehr zu Hause als in Hamburg. Sie besucht in Indien den Kindergarten, eine Vorschule und die erste Klasse einer privaten indischen Schule.

Pooja liebt Tiere. Wenn sie in den Wintermonaten mit ihren Eltern in Indien ist, füttert sie Straßenhunde, nimmt Katzenwaisen auf und lässt sich von Affen liebevoll lausen.


»Das erste Mal habe ich auf der Straße einen Elefanten gesehen«, erzählt Pooja. »Er stand in der Sonne, und das ist nicht gut für sie. Wir haben ihn mit Wassermelone gefüttert, weil er uns leid getan hat. Das war ein Touristen-Elefant, die Leute haben sich mit ihm fotografieren lassen. Ich wollte unbedingt mal richtige Elefanten sehen. Darum sind wir in den Nationalpark Mudumalai gefahren und haben dort den Mahout und Shanti kennengelernt.« · Bild: Jessica Marske und Carsten Fricke


Pooja begegnet den Elefanten

Als Pooja fünf Jahre alt ist, lässt sie ihren Eltern keine Ruhe: Sie möchte einmal einen richtigen Elefanten sehen, einen ganz großen! Der Wunsch des kleinen blonden Mädchens führt die Familie 2004 in einen ganz neuen Lebensabschnitt: Die Eltern fahren mit Pooja in den Nationalpark Mudumalai im Süden Indiens. Hier leben Elefanten in freier Wildbahn. Tatsächlich sehen sie vom Auto aus Elefanten. Und nicht nur das: Seit einer Woche verbringen über 60 Tempelelefanten ihren »Urlaub« im Nationalpark. Pooja ist begeistert: So viele Elefanten zu sehen - das hat sie sich selbst in den kühnsten Träumen nicht erhofft. Sie kann den Elefantenkindern stundenlang beim Spielen zusehen. Pooja lernt Subbu kennen. Er ist Fährtenleser und wurde im Dschungel geboren. Er kennt die geheimsten Rückzugsgebiete der wilden Tiere. Subbu liebt Elefanten.
»Elefanten sind in Indien heilige Tiere, deshalb gibt es auch in vielen Tempeln Elefanten«, erklärt er Pooja. »Warum brauchen Tempelelefanten Urlaub?«, fragt sie. »Das Leben im Tempel ist nicht artgerecht«, erklärt Subbu. »Sie haben viel zu wenig Bewegung und oft werden sie auch falsch ernährt.«

Pooja schließt Freundschaft mit zwei Mahouts. Jeder Tempelelefant hat seinen eigenen Mahout, der sich sein ganzes Leben lang um ihn kümmert. Und vor allem schließt Pooja Freundschaft mit Shanti, einer 49-jährigen Tempelelefantin.
Die Familie schlittert in ein Thema, das sie bis heute nicht mehr losgelassen hat: Sie erfahren Elefanten als die zärtlichsten Tiere der Welt - und spüren gleichzeitig das große Leid, das viele gefangene Elefanten ertragen müssen. Von ihren Erlebnissen und Erfahrungen berichten Pooja und ihre Eltern in dem Buch »Pooja, das Elefantenmädchen«, das 2006 erschienen ist.


Bild: Jessica Marske und Carsten Fricke


Elefanten - Götter in Ketten

Asiatische Elefanten gehören zu den stark bedrohten Tierarten. In Indien leben offiziell 3.500 Elefanten in Gefangenschaft. Die meisten dieser Elefanten wurden aus der Wildnis gefangen. Der Kontrast zwischen der Verehrung dieser Tiere als Gottheit und dem würdelosen Leben in Ketten, das sie führen, könnte nicht größer sein. Die indische Bevölkerung liebt die Elefanten, bringt ihnen in Tempeln Geschenke dar und hofft, von ihnen gesegnet zu werden - doch die lebenden Götter sind eine vom Menschen ausgebeutete Kreatur.

Die aus der Wildnis gefangenen Elefanten müssen gezähmt werden. Das hört sich harmlos an, ist aber ein grausamer Akt, in dem das Tier physisch und psychisch gebrochen wird. Ein Drittel aller Wildfänge stirbt während dieses Prozesses. Der Mahout muss das Tier dominieren, um es befehlen zu können. Der Unterschied in Statur und Kraft zwischen Mensch und Elefant kann nur durch Brutalität und psychischen Druck ausgeglichen werden, so glaubt man in Indien. Das Tier wird diagonal angekettet und von mehreren Mahouts mit Stangen, Stöcken und Haken malträtiert und in einen konstanten Zustand von Angst versetzt. Oft wird der Wildfang unter Wasser-, Nahrungs- und Schlafentzug gesetzt sowie ungeschützt der Sonne ausgesetzt, um das Tier zusätzlich zu schwächen.


Pooja erzählt: »Jeden Morgen bin ich am Fluss, wenn die Mahouts die Elefanten ins Wasser führen.« · Bild: Jessica Marske und Carsten Fricke


»Die Elefanten haben großen Spaß, im Wasser zu planschen. Wie Staubsauger ziehen sie ihren langen Rüssel voll Wasser.« · Bild: Jessica Marske und Carsten Fricke


Pooja und Shanti, eine ganz besondere Freundschaft

Shantis Mahout ist freundlich: Er schreit seine Anweisungen an die Elefanten nicht, sondern spricht ganz normal mit ihnen. Vor allem hat er keins von diesen Eisen mit dem Haken in der Hand, mit denen die Elefanten gefügig gemacht werden sollen. Jeden Tag geht Pooja mit Shanti und dem Mahout zum Baden an den Fluss. Pooja darf mithelfen, Shanti zu waschen, zu bürsten und zu füttern.


Bild: Jessica Marske und Carsten Fricke


Wenn Pooja ihr Frühstück isst, setzt sie sich zu Shantis Füßen auf eine Decke. Da beginnt Shanti plötzlich mit ihrem Rüssel, Pooja abzutasten und am Hals zu kitzeln! »Ich bin total kitzelig am Hals«, erzählt Pooja. »Ich hab mich nachher gefragt, woher sie weiß, dass ich am Hals so kitzelig bin.« - Die Mahouts wundern sich sehr über Shantis neue, verspielte Seite.

Pooja beschreibt 2007 im »Freiheit für Tiere«-Interview wie das ist, wenn man eine Freundschaft mit einem Elefanten hat: »Ich finde das total schön. Man merkt das auch, wie das Tier einen mag. Manchmal, wenn man gerade traurig ist, spürt man, dass der Elefant ein bisschen mit traurig ist.« Und wie fühlt sich ein Elefant an? »An manchen Stellen sind sie ganz weich und sanft«, sagt die damals 8-Jährige. »Die Haut ist da dünn wie Papier, zum Beispiel an den Augen und unter den Achseln und die Mundfläche. Auch an manchen Stellen unterm Bauch... an anderen Stellen ist die Haut ein bisschen stärker - das kann man nicht beschreiben, man muss sie einfach anfassen, um zu wissen, wie das ist.«

Doch die kleine Pooja sieht auch das Leid der Elefanten: »Ich habe gesehen, wie sie Elefanten geschlagen haben - es gibt ja Stellen, die sind so dünn wie Papier - und das tut dann ganz doll weh. Und das wissen diese Menschen auch, wo es besonders weh tut. Da gibt es einen Haken, mit dem sie in die Haut stechen.«


Bild: Jessica Marske und Carsten Fricke


Pooja, heute 16 Jahre alt,


erzählt von der Zeit mit Shanti

Wenn Pooja in Deutschland ist, besucht sie eine internationale Schule in Berlin. Hier besucht sie das Filmteam. In der Dokumentation »Pooja und Shanti - Eine ganz besondere Freundschaft« berichtet Pooja heute rückblickend von ihren Erlebnissen mit den Elefanten und vor allem ihrer Freundschaft mit der Elefantin Shanti.

Pooja erzählt dem Filmteam, wie sie als 6-Jährige Shanti eine besondere Freude machen wollte: Sie kauft auf dem Markt eine große Menge Tomaten und verpackt sie in einen Karton, mit Geschenkpapier und Schleife drum herum. »Ich dachte eigentlich, sie weiß nicht, was da drin ist, wenn ich die Tomaten einpacke«, erinnert sich Pooja heute. »Aber sie wusste von Anfang an, als ich noch weiter entfernt von ihr war, genau, dass da Tomaten in dem Papier drin sind. Denn Elefanten haben einen sehr feinen Geruchssinn. So hat sie die Tomaten schon von weitem gerochen. Und als ich zu ihr hin gelaufen bin - das Paket, das ich tragen musste, war sehr schwer, da waren neun Kilo Tomaten drin, und ich war sechs Jahre alt - hat sie die sehr schnell ausgepackt und gegessen.«


Bild: Jessica Marske und Carsten Fricke


Shanti muss wieder zurück in den Tempel

Doch schließlich ist das Sommercamp für die Tempelelefanten vorbei und sie sollen auf Lastwagen verladen und wieder in ihre Tempel gebracht werden. Shantis sonst so beweglicher Rüssel ist steinhart. Ihre Augen tränen, so dass sich die graue Haut darunter ganz dunkel färbte. - Können Elefanten weinen?

Pooja ist überzeugt: »Alle Tiere haben Gefühle, genau wie wir. Sie sind auch traurig oder verspannt - sie merken das alles. An dem letzten Abend von dem Elefantencamp war sie viel unruhiger. Sie wollte auch gar nicht auf diesen Lastwagen. Und ihre Augen haben getränt, es sah aus, als würde sie weinen. Es liefen ihr viele Tränen runter.«
Ohne Zweifel spürt Shanti, dass die Zeit im Nationalpark, in dem sie sich oft frei bewegen und im Fluss baden konnte, zuende ist und sie auf einem Lastwagen über holprige Straßen wieder zu ihrem Tempel gekarrt wird. Sie kennt das aus den vergangenen Jahren. Elefanten haben bekanntlich ein sehr gutes Langzeitgedächtnis.

»Ich finde es besser, wenn die Elefanten - wenn alle Tiere - in ihrem Lebensraum leben dürfen, für den sie eigentlich bestimmt sind«, sagt Pooja. »Ich finde es besser, wenn sie frei sind und ihr Leben führen können, wie sie es wollen - und nicht gefangen sind.«


Ein Sommer mit Shanti

Shanti ist wieder zurück aus dem Nationalpark. Aber sie ist nicht alleine: Pooja und ihre Familie wohnen jetzt nebenan. Shantis Augen werden groß und aufmerksam. »Sie hat mich gleich wieder erkannt und mit ihrem Rüssel an den Haaren und am Kopf beschnüffelt«, erzählt Pooja rückblickend.

Pooja füttert Shanti zur Begrüßung mit Bananenblättern. Es ist interessant, auf den Filmaufnahmen die Kommunikation zwischen den beiden ungleichen Freundinnen zu beobachten: Shanti bringt mehrmals zum Ausdruck, dass die Portionen zu klein sind. Pooja versteht erst nicht und schiebt den Rüssel zurück. Doch dann versteht sie den Wink und macht die Portionen größer - elefantengerecht eben.

Die 6-jährige Pooja verbringt am liebsten jeden Tag mit Shanti: Sie kauft auf dem Markt Bananenblätter und Tomaten ein und füttert die fünf Tonnen schwere Elefantin. Morgens um halb acht ist Duschzeit: Pooja spritzt Shanti mit einem Wasserschlauch ab und bürstet sie gemeinsam mit dem Mahout. Manchmal darf Pooja auf dem Rücken der Elefantin sitzen, um von ihr mitgeduscht zu werden: Shanti gießt mit ihrem Rüssel das Wasser aus dem Badebecken über Pooja - eine herrliche Erfrischung bei diesen heißen Temperaturen! Am liebsten hält Shanti dem Mädchen ihren Rüssel hin, damit sie ihn wieder und wieder mit Wasser auffüllt, so dass sich die Elefantin selbst duschen kann.

»Die Verbindung zwischen Pooja und Shanti ist wirklich außergewöhnlich«, erzählt der Mahout. »Sie kommt jeden Tag und verbringt die ganze Zeit, die sie kann, mit Shanti. Shanti ist freudig aufgeregt und sehr glücklich, wenn sie den ganzen Tag mit Pooja zusammen sein kann.

Doch irgendwann heißt es Abschied nehmen: Pooja fährt mit ihren Eltern wieder nach Deutschland. Leider hat sie Shanti nicht wieder gesehen: Die Elefantendame stirbt aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters. Ein 19-jähriger Elefantenbulle tritt an ihre Stelle im Tempel - aber zwischen ihm und Pooja entwickelt sich längst nicht so eine Freundschaft wie mit Shanti. Für die heute 16-jährige Pooja sind die Erlebnisse mit den Elefanten immer noch lebendig. Gemeinsam mit ihren Eltern setzt sie sich seit Jahren für bessere Lebensbedingungen der Elefanten in Indien ein.


Elefanten - hochsoziale Tiere

Elefanten sind die größten Landlebewesen der Erde. Als Vegetarier ernähren sie sich von Gras, Wurzeln, Blättern, Rinde, Früchten. Heute gibt es nach Schätzung der Weltnaturschutzunion IUCN noch etwa 470.000 Afrikanische Elefanten (vor 80 Jahren sollen es noch drei bis fünf
Millionen gewesen sein). Stark gefährdet ist der Asiatische Elefant: Es gibt nur noch 25.600 bis 32.750 Individuen.

Elefanten sind hochsoziale Tiere. Die extrem ausgeprägten mütterlichen Verhaltensweisen werden selbst von Tieren ausgeübt, die keinen Nachwuchs haben: Großmütter, Mütter, Schwestern und ihre Kinder bilden Elefantenherden, die von älteren Elefantinnen mit viel Erfahrung angeführt werden. Die Herdenmitglieder sind lebenslang miteinander verbunden, nehmen Rück­sicht aufeinander, sorgen sich um den Nachwuchs anderer und um kranke Artgenossen. Ist eine Elefantin beispielsweise verletzt, passen sich die anderen ihrem langsamen Tempo an, stecken ihr zur Beatmung den Rüssel ins Maul, legen blutstillenden Lehm auf Wunden und helfen Verwundeten auf die Beine. Elefantenkinder wachsen von allen Mitgliedern der Herde geschützt und behütet auf.

Elefanten können sehr alt werden: 60 bis 80 Jahre. Bis ein Elefantenkind erwachsen ist, dauert es zehn bis 15 Jahre. Elefanten vermehren sich nur sehr langsam: Jedes Weibchen bekommt nur alle paar Jahre ein einzelnes Kind. Große Verluste durch Fänge, Abschüsse und Verdrängung aus dem Lebensraum sind daher dramatisch und können - wenn überhaupt - nur langsam kompensiert werden.

Es gibt zwar viele Asiatische Elefanten als Haus- oder Arbeitstiere. In freier Wildbahn sind sie jedoch stark gefährdet, vor allem durch stetigen Verlust ihrer Lebensräume. Freilebende Elefantenpopulationen sind größtenteils klein und isoliert und können ihren historischen Wanderrouten nicht mehr folgen, da diese durch Siedlungen und Plantagen zerschnitten sind.

Die DVD

DVD: Pooja und Shanti - Eine ganz besondere Freundschaft
Dokumentation · ca. 40 Minuten Laufzeit
Preis: 12,- Euro (zugl. Porto)

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