Vegan & Sport

Immer mehr Spitzensportler


setzen auf Pflanzenkraft

Von Julia Brunke

Noch vor einigen Jahren herrschte die Meinung vor: Wer Muskeln will, braucht Fleisch! Eine Ernährung ohne tierisches Protein schien für Spitzen­sportler wie Bundesliga-Fußballer, Tennis-Profis oder Radrennfahrer undenkbar. Dies hat sich längst geändert: Immer mehr Sportler setzen auf pflanzliche Ernährung.


Weltfußballer Lionel Messi hat seine Ernährung 2015 auf weitgehend pflanzliche Kost umgestellt, um leistungsstärker zu sein. Basketballstar Dirk Nowitzki lässt seit etwa 10 Jahren aus gesundheitlichen Gründen Milchprodukte weg: »Ich bin damals weggegangen von Kuhmilch, weil man ja sagt, Kuhmilch ist nicht unbedingt gesund.« NFL-Spieler David Carter (Chicago Bears) lebt seit 2014 vegan und fühlt sich stärker als je zuvor. Die Umstellung auf die vollwertige pflanzliche Lebensweise sei die beste Entscheidung gewesen, die er jemals für Körper, Geist und Seele getroffen habe: »Ich habe nicht nur mein eigenes Leben, sondern die unzähligen Leben der stimmlosen und wehrlosen Tiere gerettet. Ganz zu schweigen davon, dass Veganismus das Beste für unseren Planeten ist.«


FL-Spieler David Carter lebt seit 2014 vegan und fühlt sich stärker als je zuvor. Er sagt: »Ich habe nicht nur mein eigenes Leben, sondern die unzähligen Leben wehrloser Tiere gerettet.« · facebook.com/The-300-Pound-Vegan


Strongman Patrik Baboumian sagt: »Ich will nicht, dass Tiere für mich sterben müssen. Ich will aber auch nicht, dass sie für mich leiden.« Der Veganer errang 2011 den Titel »Stärkster Mann Deutschlands«. 2012 brach er den Weltrekord im Bierfassstemmen. · facebook.com/patrik.baboumian


Novak Djokovic, die Nummer 1 der Tennis-Weltrangliste, setzt auf Pflanzenkraft. Er hat gerade ein veganes Restaurant eröffnet. · Bild: Depositphotos


Novak Djokovic, die Nummer 1 der Tennis-Weltrangliste, lässt Milchprodukte seit 2010 konsequent weg und ernährt sich überwiegend pflanzlich. Seine Energie bezieht er aus Avocados und Cashewnüssen sowie Proteinshakes aus Erbsen & Co. Seit einem Jahr, sagt er, sei er praktisch Veganer. Der Tennis-Star hat gerade ein veganes Restaurant in Monaco eröffnet, zu dessen Philosophie der Schutz der Umwelt, die Liebe zur Natur und die Verbreitung eines gesunden Lebensstils gehören. Auch Wimbledon-Gewinnerin Venus Willliams ernährt sich pflanzlich und setzt auf glutenfreie Rohkost und Smoothies.


Vegan: Thema in Sportzeitschriften

Das Rennradmagazin Tour 5/2016 Das Rennradmagazin Tour 5/2016 stellte Ben Urbankes Buch »Be faster - Go vegan« ausführlich vor.


Das Thema »Vegan & Sport« ist inzwischen in großen Sportzeitschriften wie dem Fußballmagazin »kicker« oder »TOUR« (Europas Rennrad-Magazin Nr. 1) angekommen. »Geht Radsport auch vegan?«, fragt »TOUR« 5/2016 auf der Titelseite. Hier heißt es: »Veganer tragen bei ausgewogener Ernährung insgesamt ein geringeres Risiko für Krankheiten wie Diabetes Typ 2, Arteriosklerose, Rheuma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs«. Wichtig sei natürlich der richtige Nährstoff-Mix. In dem ausführlichen Artikel des Radsport-Magazins geht es nicht nur um gesundheitliche Vorteile, sondern auch um ethische und ökologische Gründe: »Fürs Soja-Geschnetzelte muss kein Schwein sterben, für die Hafermilch keine Turbokuh die Melkmaschine ans Euter lassen und fürs vegane Tofu-Omlett kein Huhn im Akkord Eier legen. Pflanzliche Nahrung benötigt bei der Erzeugung überdies weitaus weniger Energie als tierische.«

Unter der Überschrift »Die Wahrheit liegt auf dem Teller« ist im Fußballmagazin »kicker« (25.4.2016) zu lesen: »Durch vegane Profis steht auch in der Bundesliga das Thema Ernährung im Focus. Sie soll die Leistung fördern«. Ernährung sei ein wichtiger Baustein, wird Peter Knäbel, Direktor Profifußball beim HSV zitiert. »Schließlich wird ein Formel I-Auto auch nicht mit normalem Sprit betankt.« Auch der Teamarzt von Darmstadt 98, Dr. med Klaus Poettgen, kommt im »kicker« zu Wort: »Vegane Ernährung funktioniert. Das haben wir mit unserem Spieler Marco Sailer anhand all seiner Werte gezeigt. Früher, als man noch nicht so viel über Ernährung wusste, wären Veganer oder Vegetarier sicher ein No-go gewesen.«


Vegan in der Fußball-Bundesliga


In der Fußball-Bundesliga haben Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund und SV Darmstadt 98 inzwischen die Ernährung für die Spieler umgestellt – weg von Fleisch und Milchprodukten.

Athletiktrainer Christian Kolodziej, der bei der Eintracht die gesunde Ernährung eingeführt hat, sagte gegenüber der BILD-Zeitung: »Generell ist tierische Ernährung für den Körper nicht gut. Milchprodukte führen zum Beispiel zu Übersäuerung und verursachen schneller Entzündungen. Wir versuchen, davon immer mehr abzukommen.« Wenn es nach Kolodziej ginge, sollten sich die Spieler vegan ernähren.

Bei Borussia Dortmund hat Trainer Thomas Tuchel die Speise­pläne reformiert - dies betrifft Milchprodukte, Fleisch und Zucker. Seither stehen Sojaprodukte, Quinoa und Gemüse auf dem Ernährungsplan. Dortmunds Mats Hummels trinkt seit längerem generell keine Milch mehr und ernährt sich zu Hause weitgehend vegan.

SV Darmstadt 98 hat bereits vor zwei Jahren die Ernährung umgestellt. Teamarzt Dr. Klaus Pöttgen schreibt in seinem Beitrag »Fleischlos in der Bundesliga« für die SportÄrzteZeitung«: »Der Verein hat seit fast zwei Jahren kaum Muskelverletzungen zu beklagen. Die Zahl ist äußerst gering dort. Das ist im Fußball selten. Das ist kein Zufall.«


Die Bundesliga-Fußballerinnen Sarah Freutel, Janina Meißner und Vanessa Martini berichten im Interview mit Aleksandra Kelemann, wie sich durch Umstellung auf vegane Ernährung ihr Körper­gefühl positiv veränderte. · Bild: Aleksandra Kelemann www.facebook.com/aleksandra.kel.9


Die Bundesliga-Spielerinnen Sarah Freutel, Janina Meißner und Vanessa Martini berichten im Interview mit Aleksandra Kelemann, wie sich durch Umstellung auf vegane Ernährung ihr Körper­gefühl veränderte: »Was ich gemerkt habe bei extremer Belastung, z.B. Lauftests, dass meine Beine nicht mehr so schnell zumachen oder übersäuern, dass ich in dieser Hinsicht schon leistungsfähiger bin«, sagt Sarah Freutel. Auch Vanessa Martini stellt fest, dass die Beine nicht mehr so schnell übersäuern und sie mehr Energie hat. Janina Meißner sagt: »Ich habe es an der Verdauung bemerkt, dass die pflanzlichen Produkte viel besser von meinem Körper aufgenommen werden können. Beim Frühstück habe ich es am meisten gemerkt, dass ich danach kein komisches Gefühl im Magen habe. Es fühlt sich einfach besser an.«


Aus Liebe zu den Tieren

Die Bundesliga-Profis Marco Sailer von Darmstadt 98 oder Löwen-Kapitän Daniel Adlung ernähren sich vegan, um mehr Ausdauer zu haben, wegen Fitness und Gesundheit, aber
auch aus Liebe zu den Tieren. »Wenn man sich mit dem Thema Tierhaltung befasst, macht man sich natürlich Gedanken«, sagt Daniel Adlung von TSV 1860 München, der statt Steak auf Quinoa, Linsen und grüne Smoothies setzt. Stürmer Marco Sailer gibt zu bedenken: »Es geht um Leben! Die komplette Menschheit müsste einfach mal über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier nachdenken. Dann würde so etwas nicht passieren. Freiheit für alle Tiere!«

Auch Ex-Nationaltorwart Timo Hildebrand ist für seinen Einsatz für den Tierschutz bekannt. »Ich esse zwar nicht hundert Prozent vegan, aber meistens« sagt er. »Ich fühle mich besser, leichter und nicht mehr so schwer nach den Mahlzeiten.« Ex-Nationalspieler und Weltmeister Thomas Berthold, der sich seit 2012 vegan isst, sorgte bei Hildebrand für ein Umdenken.


Stürmer Marco Sailer: »Als Profi-Fußballer bin ich nicht nur Veganer, weil es meinen Körper fit und leistungsfähig hält – sondern auch, weil es gut für die Umwelt ist.« · Bild: becelveganchallenge.de


38 Profi-Sportler bei Vegan-Challenge

Marco Sailer, der Fußballer mit dem längsten Bart in der Bundesliga, hat im Frühjahr 2016 eine Vegan-Challenge gestartet. Der Stürmer wettete: Wenn er innerhalb von 30 Tagen nicht 30 Profi-Sportler findet, die sich 30 Tage lang vegan ernähren, würde er seinen Bart abschneiden. 38 Profi-Sportler haben bei der Vegan-Challenge mitgemacht und dafür gesorgt, dass er seinen Bart behält: die Fußball-Bundesliga-Spielerinnen Amanda Stahl, Sarah Freutel, Vanessa Martini, Katharina Kiel, Marith Prießen und Laura Feiersinger, Bastian Schulz vom 1.FC Kaiserslautern, Wasserball-Olympiateilnehmer Julian Real, Europa-Hallenmeisterin im Hochsprung Arisne Friedrich, die Deutsche U23-Meisterin über 5000 m und 10000 m Isabell Teegen, die Handball-WM-Teilnehmer Laura Bauer und Thomas Bauer, der Deutsche Vizemeister im Eishockey David Cespiva, die Basketball-Profis Philipp Neumann und Julian Albus u.v.a.


"Wenn es doch auch so geht, verstehe ich


nicht, wieso man Tiere essen muss"

Eishockey-Bundesligaspieler Sebastian Osterloh, der lange bei den Straubing Tigers spielte und in der nächsten Saison zum ESV Kaufbeuren zurückkehrt, ernährt sich seit fast zwei Jahren zu 99,9 Prozent vegan. »Ich habe viel mehr Energie und meine Regeneration ist kürzer« sagt er. Doch nur die Ernährung umzustellen, ist dem Eishockey-Profi nicht mehr genug: »Umso mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, umso mehr Reportagen man schaut, umso klarer wird es einem. Es ist dann von der Ernährung ins Ethische übergegangen«, sagt er. »Wenn es doch auch so geht, verstehe ich nicht, wieso man Tiere essen muss. Man kann auch so glücklich sein. Man muss die Leute einfach damit konfrontieren, wie das Fleisch auf den Teller kommt.« Darum meint er, dass sich jeder Filme wie »Earthlings« und »Cowspiracy« mal ansehen sollte.


Eishockey-Bundesligaspieler Sebastian Osterloh: »Man muss die Leute einfach damit konfrontieren, wie das Fleisch auf den Teller kommt.« · www.facebook.com/sebastian.osterloh.56


Felix Maly, aktueller Deutscher Meister auf 10.000m Eisschnell­lauf, berichtet im Vegan Magazin über die Vorteile der veganen Ernährung. Auch er hat »Earthlings« angesehen. »Daraufhin hab ich mich immer mehr informiert und weiterentwickelt und irgendwann war ich dann wirklich voll davon überzeugt.«

Quellen:
• Die Wahrheit liegt auf dem Teller. Kicker, 25.4.2016
• Geht Radsport auch vegan? TOUR 5/2016
• Djokovic: »Ich bin praktisch Veganer«. BLICK, 27.5.2016
• »Rette Marco Sailers Bart!« www.becelveganchallenge.de
• Fleischlos in der Bundesliga. sportschau.de, 13.10.2015
• Dr. Klaus Pöttgen: Fleischlos in der Bundesliga. SportÄrzteZeitung 1/2015
• Eintracht Frankfurt stellt Ernährungsplan um. BILD, 2.9.2015
• Vegane Küche für Mats Hummels. sport1.de, 1.9.2014
• Aleksandra Kelemann www.facebook.com/aleksandra.kel.9
• Vegan macht stark. Vegan Magazin, April 2016
• The »Vegan Warrior« in der Eishockey-Liga. Freiheit für Tiere 3/2016
• NFL-Spieler David Carter: Vegan. Freiheit für Tiere 1/2016


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