Freiheit für Tiere
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Gärtnern für Tiere

Wie lässt sich ein Garten in ein kleines Paradies verwandeln, damit sich dort Eichhörnchen, Schmetterlinge und viele weitere Tiere wohl fühlen und ein Zuhause finden? Adrian Thomas, Mitarbeiter der Royal Society for the Protection of Birds zeigt in seinem neuen Buch »Gärtnern für Tiere«, wie wertvoller Lebensraum geschaffen werden kann.

In jedem Garten leben heimische Arten, ob darin wildtierfreundlich gegärtnert wird oder nicht. Gärten sind somit wichtige Refugien für viele Pflanzen und Tiere. Denn gerade in ländlichen Gebieten hat die Tier- und Pflanzenwelt nichts zu lachen.
Wer in seinem Garten aktiv etwas für Wildtiere tun möchte, findet in Gärtnern für Tiere eine Fülle an praktischen und phantasievollen Anregungen und Ideen.

Adrian Thomas räumt zunächst mit hartnäckigen Irrtümern auf. Dazu gehört der Mythos, nur ein verwilderter Garten eigne sich für die Ansiedlung von Igel & Co. Ob große Gärten, kleine Gärten, Nutzgärten, Ziergärten, Spielwiesen - sie alle lassen sich wildtierfreundlich gestalten. Sogar auf kleinem und kleinstem Raum - wie Terrasse oder Balkon - können Habitate geschaffen werden. Das Praxisbuch »Gärtnern für Tiere« zeigt Schritt für Schritt, wie sich jeder Garten in ein kleines oder großes, elegantes oder wildes Tierparadies verwandeln lässt, damit sich viele verschiedene Tierarten wohl fühlen und darin ein Zuhause finden.

Erfolgreiches tierfreundliches Gärtnern setzt jede Menge Wissen über Fauna und Flora voraus. Adrian Thomas stellt in Gärtnern für Tiere einige Hundert Tierarten (Vögel, Schmetterlinge, Säugetiere, Amphibien und Reptilien, Bienen, Libellen) mit ihren
jeweiligen Lebensbedürfnissen vor: Wie werde ich ein guter »Gastgeber« für große und kleine Gäste aus der heimischen Tierwelt? Wie schaffe ich es, dass Rotkehlchen in meinem Garten brüten? Wie kann ich mehr Wildbienen anlocken und fördern? Wie lege ich
einen Wald- oder Gehölzgarten an, wie eine Wildblumenwiese,
einen Heidegarten oder einen Feldblumengarten? Wie gestalte ich einen Wassergarten? Und wie kann auch ein kleiner Garten, eine Terrasse oder ein Balkon wildtierfreundlich werden? Oder wie lege ich den Gemüsegarten wildtierfreundlich an?

Wirklich hilfreich sind die Porträts von rund 300 verschiedenen Gartenpflanzen (Blumen, Sträucher und Bäume), die nicht nur ideal für manche Wildtierarten sind, sondern überdies den Garten ungemein verschönern. Ein Arbeitskalender begleitet dabei den Hobbygärtner durchs Jahr.

Der Buntspecht

schätzt alten Baumbestand, wo er Insekten aus der Rinde klopfen kann. Im Herbst und Winter ernährt er sich von Kiefern, Fichten- und Lärchensamen, Nüssen, Eicheln und Bucheckern. Bieten Sie einen großen Nistkasten an und lassen Sie Totholz möglichst stehen. Bild: Reddogs - Fotolia.com

Für die Blaumeise

sind möglichst große Laubbäume mit reichem Insektenleben ideal. Hängen Sie einen Nistkasten mit einem 25 mm breiten Einflugloch auf und sorgen sie für Erdnuss- und Sonnenblumensamen-Nachschub in Futtersäulen. Bild: maurizio loi - Fotolia.com

Gärtnern für Vögel

Vögel stehen bei Gärtnern fast immer an erster Stelle: Wer erfreut sich nicht an ihrem Zwitschern, ihrer Schönheit und ihrer Lebendigkeit? Wer beobachtet sie nicht gerne an der Futterstelle? Darüber hinaus sind Vögel wertvolle Helfer eines jeden Gärtners, da sie Schnecken, Blattläuse und Insekten vertilgen. Und: Sie nehmen alle Hilfen, die wir ihnen anbieten, gerne an. Schon einfache Maßnahmen sorgen dafür, dass mehr Vögel in unseren Garten kommen und sich neue Arten ansiedeln - und manche sogar brüten.

Adrian Thomas stellt etwa fünfzig Vogelarten vor, welchen Lebensraum, welche Nahrung, welche Schlaf- und Brutplätze sie bevorzugen. Viele Vogelarten freuen sich über Bäume und Sträucher mit Fruchtbehang, andere über eine Vielfalt an Insekten - die wir wiederum durch bestimmte Blühpflanzen, Sträucher, Laubbäume und Gemüsebeete anlocken können. Wichtig ist dabei natürlich, dass keine Pestizide & Co. zum Einsatz kommen!

Amseln freuen sich über Bäume und Sträucher mit Früchten, Rotkehlchen über schattige Waldgärten mit vielen Insekten. Insektenreichtum im Garten lockt auch Sperlinge, Stare, Kohlmeisen und Blaumeisen an. Die Heckenbraunelle liebt dichtes Dorngebüsch, am besten eine Brombeerhecke mit Brennnesseln. Für Zaunkönige sind dichter Pflanzenwuchs, Hecken, Reisighaufen und Holzstapel optimal. Buchfinken und Grünfinken fühlen sich in Gärten mit
Bäumen, Sträuchern und einer gut bestückten Futterstelle wohl, auch eine Feldblumenecke wäre prima. Die Türkentaube freut sich über getreidehaltiges Futter.

Durch Futterstellen, die ganzjährig Zusatzfutter bieten, Vogeltränken und Vogelbäder sowie Nistkästen werten wir den Lebensraum weiter auf. Wichtig ist, dass die Nistplätze an sicheren Plätzen angebracht werden und dass auch Nistmaterial vorhanden ist.

Das Tagpfauenauge

liebt sonnige, blumenreiche Parks und Gärten. Fraßpflanze für die Raupen sind Große Brennnesseln.

Gärtnern für Schmetterlinge

Was die Beliebtheit angeht, so stehen Schmetterlinge den Vögeln kaum nach. In »Gärtnern für Tiere« werden 21 häufige Gartenschmetterlinge und ihre Lebensräume vorgestellt. Denn auf einfache Weise können wir viel tun, um die Zahl der Tagfalter und die Vielfalt ihrer Arten in unserem Garten zu erhöhen:

Wichtigste Fraßpflanzen für viele Raupen sind große Brennnesseln - so für die Raupen von Admiral, Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs, und C-Falter. Daher sollten wir überlegen, ob wir nicht Brennnesseln in unserem Garten kultivieren. Die Raupen des Großen und Kleinen Kohlweißlings brauchen Weiß-, Grün- oder Rosenkohl. Fraßpflanzen für die Raupen des Rapsweißlings und des Aurorafalters sind Knoblauchsrauke, Wiesenschaumkraut und Brunnenkresse.

Nektarpflanzen für erwachsene Schmetterlinge sind Schmetterlingsstrauch, Wilder Majoran, Echter Lavendel, Echte Brombeere, Wasserdost, Gewöhnlicher Efeu, Sumpfkratzdistel, Herbstastern, Acker-Witwenblume u.a.m. in möglichst großen Gruppen an einem sonnigen Platz.

Eichhörnchen

brauchen viele große Bäume. Sind sie im Garten zu Gast, lassen sie sich beim akrobatischen Klettern und Springen von Baum zu Baum wunderbar beobachten. Bild: usbfco - Fotolia.com

Der Igel

ist ein beliebter und willkommener Gartenbesucher, der dringend unserer Hilfe bedarf - denn die Zahl der Igel geht alarmierend zurück! Bild: Genta - Fotolia.com

Gärtnern für Säugetiere

Wenn wir unseren Garten igelfreundlich machen wollen, brauchen wir Holzstöße, Hecken und Brombeergestrüpp, unter welche Igel kriechen können. Wir lassen im Herbst Blätterhaufen im Garten liegen. Selbstverständlich darf in unserem Garten kein Schneckengift zum Einsatz kommen, da Igel so durch den Verzehr von Nacktschnecken zu Tode kommen. Ebenso verbrennen wir keine alten Holzhaufen, da auch dies oft den Tod von Igeln und anderen Tieren bedeutet. Igel ernähren sich von Käfern, Würmern, Raupen, Nacktschnecken. Haben wir stachelige Gäste zu Besuch, freuen sie sich auch über Hunde- und Katzenfutter. Milch und Brot sollten nicht gefüttert werden.

Durch Zerstörung ihres Lebensraums ist auch die Haselmaus selten geworden. Die kleinen goldfarbenen nachtaktiven Tiere brauchen alle Hilfe, die sie bekommen können. Wenn unser Grundstück in Waldnähe liegt, können wir eine gemischte Hecke aus einheimischen Gehölzen, Brombeeren und Haselnusssträuchern pflanzen. Manche Haselmäuse besuchen auch Vogelfutterspender, sogar tagsüber.

Wenn wir alten Baumbestand im Garten haben (und die umliegenden Nachbarn auch), sind wir optimale Gastgeber für Eichhörnchen. Sie ernähren sich von Samen, Beeren, Nüssen, Knospen und Rinde, aber auch Vogeleiern. Gerne bedienen sich Eichhörnchen auch an Vogelfutterstellen.

Im deutschsprachigen Raum gibt es rund 25 bis 30 Fledermausarten, die alle streng geschützt sind. Um Fledermäusen ein gutes Umfeld zu bieten, brauchen wir einen Teich, über dem sie Insekten fangen können, nektar- und pollenreiche Blütenpflanzen, die Insekten anlocken und Bäume, die nicht nur Insektenherbergen sind, sondern Fledermäusen auch geschützte Futterplätze und - vielleicht einmal - Schlafplätze bieten.

Was gibt es Schöneres,

als an einem Sommertag an einem Teich zu entspannen und den Libellen zuzusehen? Bild: nujalee - Fotolia.com

Der dramatische Rückgang ihrer Lebensräume,

der Feuchtgebiete, bedroht Frösche weltweit. Adrian Thomas ist überzeugt: "In unseren Gärten können wir vor der eigenen Haustür mit der Erhaltung der Erde beginnen." Bild: Flarotof - Fotolia.com

Gärtnern für Libellen, Reptilien und Amphibien

Wer einen Teich im Garten hat oder einen Wassergarten anlegen möchte, findet in »Gärtnern für Tiere« wertvolle Anregungen. Je größer der Gartenteich, desto mehr Arten werden wahrscheinlich zu Besuch kommen. Wenn wir ein möglichst reiches Tierleben an unseren Teich locken wollen, sorgen wir für einen sonnigen Platz, unterschiedlich tiefe Regionen im Teich, einschließlich seichter Stellen. Libellen lieben üppigen Pflanzenbewuchs, ein oder zwei untergetauchte Äste und geschützte Hecken und Blumenbeete mit vielen Insekten in der Nähe.

Sobald ein Teich angelegt ist, siedeln sich wie von Zauberhand Frösche an. Nicht nur für Kinder ist es faszinierend, zu beobachten, wie aus dem Froschlaich Kaulquappen schlüpfen. Für Eidechsen und Blindschleichen können wir am Teich nach Süden ausgerichtete Plätze zum Sonnenbaden anlegen, in der Nähe von üppiger Vegetation. In Steinhaufen, am besten mit Felsbrocken, die in der Erde eingegraben sind, können sie übernachten und überwintern.

Wir sehen: Jeder Gartenbesitzer kann aktiv Lebensräume schaffen und seinen Garten in ein kleines Paradies für Menschen und Wildtiere verwandeln. Oder wie es Adrian Thomas ausdrückt: »In unseren Gärten können wir vor der eigenen Haustür mit der Erhaltung der Erde beginnen.«

Adrian Thomas: Gärtnern für Tiere
Das Praxisbuch für das ganze Jahr
240 Seiten, gebunden, durchgehend Farbfotos
Haupt-Verlag 2013
ISBN-13: 9783258077598
Preis: 29,90 Euro