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Kleine Hundekunde

Kleine Hundekunde

Am Ende Ihres neuen Buchs »Wanja und die wilden Hunde« stellt Maike Maja Novak in der »Kleinen Hundekunde« Grundlagen der natürlichen Kommunikation mit Hunden vor: Die Art, wie Hunde sich miteinander verständigen und erzieherisch miteinander umgehen, wird auf den Menschen übertragen. Und diese Einfachheit der Verständigung ist einfach genial. Denn: »Hunde sind keine Konditionierungsmaschinen, sondern hochsoziale Wesen.« Und darum können wir Menschen uns auch situativ mit ihnen verständigen - wenn wir es in der »Hundesprache« tun.

Im Folgenden stellen wir einige Auszüge aus der »Kleinen Hundekunde« von Maike Maja Novak vor:

Führung

»Schauen wir uns doch einmal die Gründe dafür an, warum ein bestimmter Hund ein Rudel führt:
- weil er in den meisten Situationen souverän und ruhig bleibt
- weil er klare, unmissverständliche Signale sendet
- weil er Lösungen sucht, die eine Situation verbessern
- weil er Gefahrensituationen rechtzeitig erkennt
- weil er sinnvolle Entscheidungen trifft
- weil er die meisten Entscheidungen durchsetzt
- weil er so wenig wie möglich dafür tun muss.

Wie oft sind wir enttäuscht, wenn unser Hund nicht auf uns hört, weil wir meinen, er müsse es schon alleine deshalb tun, weil wir ihn versorgen, ihm ein Zuhause geben und unser Herz schenken. Doch was von dem, was unter Hunden von einem Anführer erwartet wird, können wir selbst ihm bieten?«

Wie erziehen wir souveräne Hunde?

»In den sieben Jahren, die ich mit meinem russischen Hunderudel zusammenlebte, sowie bei meiner Arbeit mit inzwischen mehr als fünftausend Hunden konnte ich bei souveränen Hunden, die ein Verhalten unterbrechen wollten ... immer wieder vor allem folgende ... Vorgehensweise beobachten:

Zuerst senden sie Abbruchsignale, das heißt die Warnung an einen anderen Hund, dass eine Handlung nicht erwünscht ist. Dazu gehören zum Beispiel:
- mit den Augenfixieren
- knurren und bellen
- Nase rümpfen
- Lefze heben
- sich in den Weg stellen.

Erst wenn diese Warnung nicht beachtet wurde, folgen Abbruchhandlungen, das heißt, die unerwünschte Handlung des anderen Hundes wird aktiv unterbrochen. Dazu gehören zum Beispiel:
- Rempler
- Bewegungseinschränkung (dem anderen Raum abnehmen oder einen Raum bestimmen, in dem er bleiben soll
- Abschnapper (kurzer Biss ohne Einsatz der Zähne)
- Zuschnapper (Biss mit etwas Einsatz der Zähne)
- sich über den Hund stellen (maximaler Einsatz)
- Schnauzenbiss (nur erwachsener bei jungem Hund und unter Junghunden).

(...) So können Sie selbst Abbruchsignale und -handlungen anwenden:

Abbruchsignale
- streng blicken
- in den Weg stellen
- ein Warngeräusch machen wie »Scht«, »Ssst«, »Hej« (»Nein« und »Schluss« eignen sich nicht, weil Menschen, wenn sie sich in ihrer Sprache aufhalten, ganz schnell wieder zehn Mal »Nein« und »Schluss« rufen, ohne es zu bemerken.

Abbruchhandlungen
- Anrempler (bei kleinen Hunden mit der Hand, bei größeren mit den Oberschenkeln oder dem Knie; immer nur vor den Brustkorb oder an der Seite, nie am Kopf)
- Aktive Bewegungseinschränkung (dem Hund mit dem eigenen Körper Raum abnehmen oder einen Raum bestimmen, in dem er bleiben soll)
- Abschnapper (kurzer Stüber mit zwei Fingern in die Seite des Hundes, nicht am Kopf)
- Zuschnapper (kurzes Zwischen mit der ganzen Hand in die Seite, nicht am Kopf)
- Schnauzengriff (nur bei einem ganz jungen Hund)
- in die Haut neben der Wange greifen, um so den Kopf zu fixieren (wenn der Hund emotional so aufgeladen ist, dass er keinen Kontakt mehr zum Menschen aufnehmen kann; schützt auch vor Bissen).«

Timing

... »Sobald der Hund mit dem aufhört, was er abbrechen sollte, ist die Harmonie wieder hergestellt - und Sie können und sollten ihm das mit einer entspannten Körperhaltung, einem Lächeln oder einen freundlichen Blick mitteilen. Der Hund darf nicht den Eindruck gewinnen, dass Ihre Beziehung gerade auf dem Spiel steht, sondern verstehen, dass es gerade nur um ein bestimmtes Verhalten ging, das er unterlassen sollte. Ansonsten gefährden Sie Ihre Beziehung langfristig tatsächlich.«

Ein Abbruchsignal ist keine »Schreckschusspistole«

»Eine weit verbreitete Methode, ein Abbruchsignal zu konditionieren, geht wie folgt: Futter wird auf dem Boden verteilt. Wenn der Und sich nähert, ruft der Halter »Schluss« und zeitgleich wirft der/die Trainer/in eine Wurfkette neben den Hund. Begründet wird diese Methode damit, dass der Hund das Wort »Schluss« auf diese Weise immer als Abbruchsignal erkennen, die Kette aber zugleich nicht mit dem Halter verbinden und so keine Angst vor diesem bekommen würde.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten gerade eine/n neue/n Partner/in kennen gelernt. Sie wollen sichergehen, dass diese Person künftig in jeder Situation sofort versteht, wenn etwas an ihrem Verhalten Sie stört. Dafür beauftragen Sie mich. Ich habe einen Hundert-Euro-Schein auf den Waldweg gelegt, auf den Sie zusammen mit dieser Person gerade entlang laufen, und verstecke mich hinter einem Baum. Ihre Begleitung bückt sich erfreut, den Fund aufzuheben. Sie schreien hysterisch »Nein!«, und ich werfe im selben Moment eine schwere Kette dicht neben die Person. In Zukunft wird sie diesen Weg sicher nicht mehr gehen wollen und erschrickt nun jedes Mal, sobald Sie »Nein« sagen (falls sie überhaupt bei Ihnen bleibt).

»Stopp« sagen zu können ist ein wichtiger Teil unseres Umgangs miteinander. Es ist ein Signal, das uns davor bewahrt, immer gleich zuschlagen zu müssen, wenn wir etwas nicht wollen. Ein Abbruchsignal in der oben beschriebenen Weise konditionieren zu wollen, zeigt aus der Sicht des Hundes kein soziales Verhalten des Menschen...«

Situativer Umgang mit dem Hund statt sinnloser Prinzipien

»Da wir Hunde angeblich nicht situativ lenken können, ist es zum Beispiel unter Hundehaltern ein ungeschriebenes Gesetz, am Bordstein aus Prinzip stehenzubleiben und den Hund sitzen und/oder warten zu lassen - auch wenn die Ampel gerade Grün zeigt oder weit und breit kein Auto in Sicht ist. Ohne Hund würden wir hier jedoch genauso vorgehen, wie es Leithunde an einer potentiell gefährlichen Stelle tun würden: Wir würden schauen, hören, entscheiden und handeln. Je nach Situation gingen wir hinüber oder blieben stehen

Warum agieren wir zusammen mit unserem Hund nicht genauso? Dazu bedarf es nur eines Abbruchsignals, um zu verhindern, dass der Hund bei Gefahr über die Straße läuft. Wenn keine Gefahr in Sicht- und Hörweite ist, können wir den Hund ebenso gut einfach weiterlaufen lassen und müssen ihn nicht zum Sitzen/Warten zwingen (ich handhabe das mit meinen Hunden so). Dieses Beispiel können Sie auf alle Lebenssituationen übertragen. Sie brauchen nur dann agieren, wenn es tatsächlich nötig ist, nicht aus Prinzip oder vorsichtshalber. (...)

Ihr Hund muss Ihnen zutrauen dürfen, dass Sie wissen, was Sie tun.«


Über die Hundetrainerin Maike Maja Nowak

Maike Maja Nowak, geboren 1960 in Leipzig, seit 1986 in Berlin lebend, studierte Hundepsychologie und Verhaltenstherapie für Hunde. Sie wendet sich jedoch bald ab von den Inhalten dieser Lehrstoffe und besinnt sich darauf, wie ihr Leithund, Wanja, in dem russischen Dorf Lipowka, in dem Maike Maja Nowak von 1991-97 lebte, ein zehnköpfiges Hunderudel souverän, kompetent und freundlich geführt hatte. Ohne Druck, ohne Bestechung. Ohne Methode. Er führte sie. Das reichte.

Das Dog-Institut wurde 2008 von Klaus Wowereit im Rahmen von sei.Berlin als »Offizieller Botschafter von Berlin« ausgezeichnet.

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