Freiheit für Tiere
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Meine Katze wurde erschossen

Der Tod eines geliebten Tieres ist immer ein Schicksalsschlag. Was es aber für Tierfreunde bedeutet, wenn der Hund oder die Katze von einem Jäger erschossen wird, ist kaum vorstellbar. Astrid Heidmann schrieb an Freiheit für Tiere, weil sie ihre Katze Minna auf diese Weise verlor - und es war nicht ihre erste Katze, die von Jägern erschossen wurde...

Von Astrid Heitmann

Minna war eine Katze mit viel Charakter, Witz und Charme! Wir hatten Minna und ihrem Bruder Munk vor fünf Jahren als Findelkatzen, die am Bahndamm ausgesetzt worden waren, aufgenommen. Munk und Minna wuchsen sehr glücklich in meinem Haus mit Garten am Ackerrand auf. Ich hatte schon eine weitere Katze und einen großen Hund. Alle verstanden sich prima. Die Katzen hörten abends auf unser Pfeifen und kamen kurz darauf über Nacht ins Haus.

Am 1. Oktober 2012 wurde Minna noch um 19:30 Uhr von meinem Partner in 30 Metern Entfernung vom Haus gesehen. Minna hatte einen Aufenthalts-Radius von etwa 100 bis 150 Metern ums Haus herum. Als sie an diesem Vollmondabend nicht kam, dachte ich zuerst, es liege vielleicht am Mond. Wir standen nachts mehrmals auf und riefen sie. Es war absolut unüblich, dass sie nicht nach Hause kam. Als sie auch am nächsten Tag ausblieb, informierte ich Tierärzte, Tierheime und die Nachbarn aus der Siedlung.

Ein Nachbar wurde beim Hundespaziergang Zeuge, wie ein Auto hielt und ein Schuss fiel

Dann rief mich eine Nachbarin an und berichtete, dass ihr Mann, als er von Minnas Verschwinden erfuhr, gleich erzählte, dass er abends etwas beobachtet hatte: Er hatte um 21:10 Uhr bei einer letzten Hunderunde gesehen, dass ein Auto vom nahe gelegenen Gutshof kam, dessen Besitzer Jäger ist und immer zur Jagd einlädt. Der Wagen fuhr die Straße in Richtung meines Hauses, dann hielt er etwa 60 bis 80 Meter davor an, stieg aus... und dann fiel ein Schuss! Mein Nachbar sagte, er habe sofort Angst bekommen, dass er womöglich in der Schussrichtung stand, und blinkte schnell mit seiner Taschenlampe. Kurz danach stieg der Fahrer wieder ein und fuhr davon.
»Na? Ist ´ne Katze weg?«

Daraufhin rief ich den örtlichen Jagdpächter an, um zu erfahren, was passiert sei. Er bestritt es, geschossen zu haben. Er sagte aber, dass er mit einigen Jägern an dem Abend um 19:30 Uhr ein Treffen hinter dem Gutshof hatte zum »Entenstrich« (also zum Entenschießen). Er glaubte aber nicht, dass einer von den Jägern meine Katze erschossen habe.

Der Gutshof liegt etwa 400 Meter von meinem Haus entfernt. Nach dem Entenschießen - wie nach all solchen Ereignissen - hatten sich die Jäger zum Umtrunk getroffen. Die Zeit der Beobachtung meines Nachbarn passt genau damit zusammen. Es kann nur einer von den Jägern gewesen sein, der vom Hof fuhr und dann den Schuss abgab! Ich versuchte auch den Gutshofbauern dazu zu befragen, der nur aalglatt entgegnete, es sei keiner gewesen, sie hätten ja alle bei ihm zusammengesessen. Er selbst hatte uns aber, als wir am ersten Tag auf Katzensuche umherfuhren, angesprochen mit den Worten: »Na? Ist 'ne Katze weg?«

Es ist sowieso fragwürdig, in der Dämmerung auf arglose Tiere zu schießen. Aber es geht überhaupt nicht, in der Dunkelheit nahe der Siedlung herumzuballern, denn einige Leute gehen abends dort noch mit dem Hund! Was wäre gewesen, wenn der Nachbar wirklich getroffen worden wäre?!

Minna war nicht das erste Jäger-Opfer: Kater mit 38 Schrotkugeln im Körper

Ich brachte die Geschichte in die Zeitung, die jedoch nur zaghaft berichtete. Ich erlebe so etwas nicht zum erstenmal: Insgesamt sind mir in den letzten 20 Jahren sechs Katzen mysteriös abhanden gekommen. Ein Kater ist genau vor der Hauseinfahrt abgeschossen worden! Als wir ihn fanden, ließen wir ihn röntgen: Er hatte 38 Schrotkugeln im Körper und war aus zwei Metern Entfernung abgeknallt worden! Und bei meinem Nachbarn ist das Dielentor und das Wohnzimmerfenster von Jägern eingeschossen wurden! Sie machten gefährliche Treibjagden in einer Kurve einer befahrenen Straße. Sie stellten dicke eiserne Fangeisen in einem Wald auf, wo viele Menschen mit Kindern und Hunden
spazieren gingen ! Solche Fallen gibt es noch immer! Außerdem wurde meine eigene Oma von Jägern angeschossen, und einer
ihrer Hunde wurde erschossen!

Unsere Katzen sind für uns wie Kinder

Wir haben seit dem Verschwinden unserer Katze Minna viel geweint. Da wir keine Kinder haben, stehen die Tiere bei uns wirklich an dieser Stelle! Auch unsere anderen Tiere trauern sehr... vor allem Munk!

Skandal:

Skandal: Bundesregierung hält am Abschuss von Hunden und Katzen fest

Jedes Jahr werden nach Schätzungen von Tierschutz­organisationen über 300.000 Katzen und ca. 40.000 Hunde von Jägern erschossen oder in Fallen gefangen. Doch das Landwirtschaftministerium will am Abschuss von Hunden und Katzen festhalten.

Auf Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen an das Bundeskanzleramt bestätigt das von Ilse Aigner geleitete Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, dass ihr Ministerium am so genannten »Jagdschutz« festhalten will. Der Jagdschutz regelt in den Jagdgesetzen den Abschuss von Hunden und Katzen. (Pressemitteilung Bündnis 90/Die Grünen, 5.12.2012)

Als Grund für die Haustierabschüsse gibt die Jägerschaft das angebliche »Wildern« der Tiere an. Doch welcher Familienhund reißt wirklich ein Reh und welche Hauskatze fängt einen Feldhasen? Hunde und Katzen sind für viele Menschen Familienmitglieder - und ihr Tod ist ein schlimmer Schicksalsschlag, nicht nur für die Kinder.