Freiheit für Tiere
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Reise zu den Eseln in Mauretanien

Im November 2012

reiste Tom Putzgruber von RespekTiere wieder nach Mauretanien, um sich vor Ort ein Bild zu machen und das erfolgreiche Tierschutz-Projekt weiter auszubauen.

Erfolge eines engagierten Tierschutzprojekts:

Mobile Klinik hilft über 1.000 Eseln pro Monat

Seit 2006 engagiert sich die österreichische Tierschutzorganisation RespekTiere in Mauretanien mit einem sehr erfolgreichen Eselhilfe-Projekt. Denn wie in vielen westafrikanischen Ländern ist die Situation der Arbeitsesel katastrophal: Sie müssen viel zu schwere Lasten tragen oder ziehen - und wenn sie nicht mehr weiter können, werden sie geschlagen, oft bis sie zusammenbrechen. Die schlechten Geschirre schneiden ihnen ins Fleisch, was zu schlimmen Wunden und Verletzungen führt.
Darum hat RespekTiere eine mobile Eselstation aufgebaut, mit der inzwischen drei Tierärzte und ihre Mitarbeiter sowie Hufpfleger an allen Tagen der Woche kostenlos die geschundenen Esel an den Wasserstellen versorgen. RespekTiere hat es sich darüber hinaus zur Aufgabe gemacht, durch Aufklärung - beispielsweise über Radiospots - die Menschen vor Ort zu einem achtungsvolleren Umgang mit den Tieren zu bewegen.

Lesen Sie den Bericht von Tom Putzgruber, Obmann von RespekTiere e.V., über seine jüngste Reise nach Mauretanien.

Das schrille Klingeln des Weckers beendet mit wenig Sanftheit eine unruhige Nacht; die Uhr zeigt knapp nach 3 Uhr morgens, und in Sekundenschnelle sind wir hellwach - heute steht ein enorm wichtiges Ereignis bevor - es geht wieder einmal nach Mauretanien! Schon wenige Augenblicke später weckt das beruhigende Pfauchen der Kaffeemaschine ein Gefühl von Geborgenheit, Vertrautheit, und als kurz darauf der Geruch von frischem, heißen Bohnenkaffee die Luft erfüllt, kann der neue Tag trotz der frühen Stunde und müder Augen beginnen. Noch ist der Horizont düster, doch erste helle Streifen am Firmament verkünden den nahen Sonnaufgang.
Das ruhige sanfte Motorengeräusch begleitet uns alsbald am Weg zum Flughafen München; Irmi Forsthuber, eine begnadete, staatlich geprüfte Hufschmiedin aus Salzburg, versucht neben dem Fahrer verzweifelt, dem beginnenden Tag wenigstens noch ein paar Minuten Schlaf abzutrotzen. Sie wird den Einsatz begleiten, und ihre Aufgabe ist eine große: Wir möchten eine zusätzliche Arbeitskraft für unser Team vor Ort in Mauretanien finden, diese einlernen und so künftig einen Hufpfleger mit der Mannschaft mitschicken. Im Gepäck haben wir übrigens mehr als 30 Kilogramm an medizinischem Material, angefangen von der Kanüle bis hin zum hochwertigen OP-Besteck. Auch für Hufarbeiten haben wir jede Menge an Werkzeug mitgenommen: mehrere Stück Zwickzangen, Hufraspeln, Messer, Wetzsteine und natürlich feste Arbeitshandschuhe.

Alles läuft perfekt. Auf dem Flug nach Paris lassen wir uns in Gedanken fallen, zwar noch mit müdem Geist mangels Schlaf, doch bereits erfüllt von unbesiegbarem Tatendrang. Der Weiterflug von der französischen Metropole nach Mauretanien hat dann aber erhebliche Verspätung. Schließlich hebt der riesige Airbus 330 ab in Richtung Afrika.

Stadt im Wüstensand

Nouakchott,

die Hauptstadt von Mauretanien, aus der Luft. Das Land ist fast dreimal so groß wie Deutschland und besteht mit Ausnahme einer Dornbuschsavannenzone aus Wüste.

Schließlich taucht unter uns eine Landschaft auf, welche frappant die zur Erde gesendeten Bilder der Marssonde widerzuspiegeln scheint: Eine unendliche Weite rötlichen Sandes verkündet den Überflug der Westsahara und den Eintritt in mauretanisches Staatsgebiet. Eine tausend Kilometer weiter, fast unzugänglicher und höchst lebensfeindliche Leere, so empfindet es der Europäer; Heimat nennen dies Hunderttausende Nomaden!

Angekommen am Flughafen von Nouakchott, gibt uns schon beim Aussteigen der heiße Wind eine Antwort auf die Frage, ob uns denn nun auch hier - zumindest gedämpfte - winterliche Temperaturen erwarten. Das Quecksilber des Thermometers aber spricht eine andere Sprache, es ist deutlich über 35 Grad. Die starke Militärpräsenz am Flughafen holt die Besucher schnell in die Wirklichkeit, verdrängt den wegen der Gerüche und fremdartiger Umgebung kurz aufkommenden Anflug von 1000-und-einer-Nacht-Romantik - wir haben es hier mit einer Demokratie zu tun, aber mit einer militärisch straff geführten. Mauretanien erlangte erst 1960 die Autonomie und war bis dahin französische Kolonie.

Alim, einer unserer treuen Mitarbeiter vor Ort, erwartet uns bereits. Wegen der Verspätung des Flugzeugs hat er seit gut 90 Minuten in der brütenden Hitze vor dem Gebäude nach uns Ausschau gehalten. Dann geht es in unsere Unterkunft für die nächsten acht Tage, zu Barbara und Sidi, ihrem Mann. Das so herzliche Paar wird uns bei sich aufnehmen und dabei ständig das Gefühl geben, zu Hause zu sein. Barbara, aus Tirol stammend und seit eineinhalb Jahren ständig zwischen Nouakchott und Innsbruck pendelnd, ist inzwischen zur unverzichtbaren Hilfe im Projekt »Esel in Mauretanien« geworden. Sie ergänzt das Team auf wunderbare Art und Weise, und zusammen mit Saleck Najem, Präsident des neu gegründeten RespekTiere Mauretanien, übernimmt sie die Koordination vor Ort und administrative Aufgaben.

Mauretanien

ist das Land mit den wenigstens Trinkwasservorräten weltweit - die Hauptstadt Nouakchott ist die größte Ansiedlung in der Sahara. Noch immer finden über 80 Prozent des notwendigen Transports in der Stadt auf den Rücken der Esel statt. Zu allermeist befördern sie Trinkwasser aus den Dutzenden Brunnen in der Stadt hin zu den Endverbrauchern.

Der erste Patient

Früh am nächsten Morgen beginnt unser erster Arbeitstag. Keine hundert Meter trennen uns vom Zielort, der Wasserstelle, als plötzlich ein Esel auf der Straße auftaucht, taumelnd. Er fällt nieder, bleibt auf dem Asphalt liegen. Wir können wegen des dichten Verkehrs nicht sofort stehen bleiben, erst an der Wasserstelle, dann jedoch springen wir ohne zu zögern aus dem Wagen, um zu dem Verletzten zurückzukehren. Dr. Dieng und drei Helfer laufen von der Wasserstelle bereits herbei, stützen den Esel und führen ihn aus der Gefahrenzone. Der arme Esel wird untersucht: ein Auto hatte ihn angefahren und der Zusammenprall ließ furchtbare Wunden an beiden Beinen zurück. Dr. Dieng findet aber zum Glück keine weiteren Verletzungen. Der Esel bekommt eine Betäubung, Sekunden später schläft er tief und fest. Dr. Dieng beginnt, die Wunden zu vernähen. Auf der linken Körperseite funktioniert das auch ganz gut: Die Wunden sind zwar tiefer, auch der Muskel ist gerissen, jedoch ist die Stelle eine bessere, weil beim Aufstehen keine direkte Belastung auf die frischen Nähte kommen wird. Rechts sieht die Situation leider anders aus: Die Wunde liegt genau in der Beuge, jede Bewegung wird höllische Schmerzen verursachen - ob die Fäden der Belastung überhaupt standhalten werden?

Der Esel scheint aufzuwachen, seine Bewegungen werden stärker. Dr. Dieng versucht, die umherstehenden Menschen zum Weggehen zu bewegen, um das arme Tier nicht zu erschrecken - ein Versuch, der leider misslingt: Wie in Panik springt der Esel plötzlich auf, knickt ein, alle Belastung liegt auf der vernähten Stelle - und im selben Augenblick reißen die Fäden... furchtbar! Sofort ist unser Team wieder zur Stelle: Erneut dringt die Spritze mit der eilig aufgezogenen Kanüle in die Adern, und fast im selben Augenblick entspannen sich die Bewegungen des Esels. Er knickt wieder ein, findet abermals Erlösung im tiefen Schlaf. Dr. Dieng näht nun an gesunder Haut, zieht die Wunde weit zusammen. So müsste es eigentlich halten, meint er, Sicherheit gäbe es aber nicht.

Inzwischen ist ein Junge vorbei gekommen, mit einer ganzen Schachtel Bananen für den frisch operierten Patienten! Das ist es, was wir meinen, wenn wir davon sprechen, dass es uns langsam gelingt, die Mentalität zu ändern!

Nun können wir einige Minuten verschnaufen - uff, das war ein Arbeitsbeginn! Genauso läuft jeder Tag für das Team, schießt es durch meinen Kopf: Ständig neue Herausforderungen, immense Belastung, immer am Puls des Geschehens - die Arbeit ist eine harte, dazu unter brennend heißer Sonne. Doch auf der anderen Seite kommt die Belohnung sofort: die Dankbarkeit der Menschen für die Rettung ihrer Tiere. Dr. Dieng und unser Team sind hoch angesehen unter der Bevölkerung, gefeierte Helden, bedankt mit freundlichster
Mimik von jedermann (Frauen findet man an diesen Orten nur ganz selten), und sie haben sich diesen Status wirklich verdient...

Ein neuer Hufpfleger für das Team

Viele Esel

haben völlig deformierte oder entzündete Hufe, was unglaubliche Schmerzen zur Folge hat. Darum hat RespekTiere sein Projekt nun um Hufpflege für Esel erweitert -und den Beruf des Hufpflegers in Mauretanien eingeführt.

Jetzt erst finden wir Zeit, uns zum ersten Mal wirklich zu begrüßen: Wir fallen uns in die Arme, und Dr. Dieng stellt zwei neue Team-Anwärter vor: Beide sind hier, um den Beruf des Hufpflegers zu erlernen. Der eine ist ein etwas älterer Mann namens Diallo, der andere ein junger, kräftiger Mann namens Zappa. Gueye ist ebenfalls anwesend - seit gut drei Monaten begleitet der tierärztliche Student die Mannschaft jeden Tag, macht bei uns sein Praktikum. Gueye studiert in Rosso, einer gut 200 Kilometer entfernten Stadt im Süden Mauretaniens. Wie er zu uns kam? Auf der Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz erzählte ein anderer Arzt von der RespekTiere-Klinik, welche so erfolgreich sei und so viele Esel behandeln würde - das wäre der geeignetste Platz für einen angehenden Tierarzt. Kurzerhand fand Gueye Dr. Diengs Nummer heraus, um diesen dann schon am nächsten Tag zu begleiten! Wir freuen uns riesig: erstens darüber, ihn hier zu haben, denn Gueye macht sich wirklich hervorragend, zeigt Einsatz und Tierliebe, Verständnis und den Mut, neue Wege zu gehen; und zweitens, weil wir dies als neuerlichen Beweis erachten, wie gut der Ruf der mobilen Klinik inzwischen geworden ist, wie weit deren Bekanntheit nun reicht.

Irmi, "Eselflüsterin" aus Salzburg

Irmi, Hufschmiedin aus Salzburg,

lernt den neuen Hufpfleger ein, der das RespektTiere-Team in Zukunft begleiten wird.

Irmi, unsere Hufschmiedin, die wir aus Salzburg mitgebracht haben, arbeitet mit unfassbarem Einfühlungsvermögen, wie eine »Eselflüsterin«: Tatsächlich halten selbst die unruhigsten Tiere nach kurzer Zeit völlig still, und zu allermeist muss dann auch gar niemand den Esel festhalten. Irmi erklärt ihr kompliziertes Handwerk auf beeindruckend verständliche Art und Weise und verschmilzt im Nu mit der Mannschaft und den umstehenden Beobachtern zu einem Team - wunderschön! Selbst die Sprachbarriere verschwindet im Nu. Und bald kristallisiert sich heraus: Zappa scheint perfekt für die Arbeit als Hufpfleger, seine Auffassungsgabe ist beneidenswert und sein handwerkliches Geschick eine Segnung! Und so können wir einen riesigen Erfolg feiern: Ab sofort wird ein angelernter Hufschmied das Team der mobilen Klinik begleiten. Wir füllen damit endgültig eine enorm wichtige Lücke und vervollständigen unsere Esel-Hilfe auf neuer Ebene.

Dr. Dieng und sein Team behandeln die Esel an den Wasserstellen

Ein weiterer Esel wird behandelt. An seinem Rücken ist eine riesige offene Wunde, sie klafft zentimeterweit auseinander - ganz entsetzlich anzusehen. Dr. Dieng desinfiziert, versucht zu nähen, gibt aber bald auf - zu tief ist die Verletzung. Der Eselhalter bekommt ein Mittel zur Desinfektion und wird angehalten, die Wunde ständig zu säubern. Dr. Dieng will den Esel in ein paar Tagen wieder sehen und dann entscheiden, was weiter getan werden kann.

Ein paar Jungen erscheinen. Sie haben auf ihrem Karren einen Esel gebunden, in liegender Stellung, die Beine fest verknotet. Er sei von einem Auto anfahren worden, erklären sie, und da sie wussten, dass das RespekTiere-Team heute an dieser Wasserstelle ist, seien sie sofort aufgebrochen. Dr. Dieng untersucht den Verletzen - Gott sei Dank kein Bruch! Er stellt den Fuß ruhig, kühlt die Schwellung und spritzt dem Esel Schmerzlinderer mit abschwellender Wirkung, dazu Vitamine, und behandelt ihn gegen Parasiten. Dann können die Kinder den Esel wieder mitnehmen, nicht aber ohne zu erfahren, dass sie auf den vierbeinigen Freund ganz gut aufpassen und ihn lieb haben müssen!

Die mobile Esel-Klinik

versorgt mit mehreren Tierärzten und Helfern die Esel an den Wasserstellen. Hier bringen einige Jungen einen angefahrenen Esel auf einem Karren.

Der Eselmarkt - Ort des Schreckens

Ein Ort des Schreckens:

Von ihren ehemaligen Besitzern im Stich gelassen und ausgesetzt, warten verletzte Esel auf ihr Ende - nach Jahren härtester Arbeit und Entbehrung, von Schlägen gezeichnet, blutend, humpelnd, zitternd, ängstlich. Sie stehen und liegen inmitten der verwesenden Überreste ihrer Artgenossen, welchen zuvor dasselbe Schicksal widerfahren war.

Wir sind heute am Eselmarkt, einem Ort des Schreckens. Es ist jener Platz, der in meinen persönlichen Erinnerungen den allerschrecklichsten Rang einnimmt. Hier warten verlassene Esel auf ihr Ende, auf Grund von mehr oder minder schweren Verletzungen von ihren ehemaligen Besitzern einfach ausgesetzt. Sie stehen und liegen inmitten der verwesenden Überreste ihrer Artgenossen, welchen zuvor dasselbe Schicksal widerfahren war. Völlig sich selbst überlassen, aufgrund ihrer körperlichen Gebrechen unfähig, die weitere Umgebung nach Essbarem abzusuchen, ergeben sie sich stoisch ihrem Verhängnis. Sie verhungern, langsam und qualvoll. Ohne jemals Hoffnung, Glück oder Freude erfahren zu haben, scheiden sie in einem lautlosen Abschied aus dieser Welt. »Entsorgt«, nicht anders als die Abermillionen Kubikmeter Straßenmüll - all diese todtraurigen Weggenossen nach Jahren härtester Arbeit und Entbehrung, von Gewalt gezeichnet, blutend, humpelnd, zitternd, ängstlich - weggeworfen.

Jedoch, wie sagte der Schweizer Schriftsteller Max Fritsch? -
»Die Unverbindlichkeit, das Schweigen zu einer Untat, von der man weiß, ist wahrscheinlich die allgemeinste Art unserer Mitschuld.« Deshalb bleibt nur eine Alternative - fortan sogar noch stärker und ohne Unterlass für die Esel zu kämpfen…
Trotz des täglichen Sterbens haben auch hier unsere Behandlungen längst gefruchtet, und wir haben den Eselmarkt als regelmäßigen Behandlungsort jeden Samstag im Kalender.

Doch trotz jeglicher Bemühung klebt das Gefühl der alles verzehrenden Traurigkeit über dem Fleck Erde. Die alten, zerrissenen Zelte der Eselhändler stemmen sich noch immer gegen die Elemente. Die Arbeiter tragen schmutzige Kleidung, wie anders sollte es dann auch sein? Die ganze Umgebung erstarrt in Tristesse, und selbst bei strahlendem Sonnenschein, wie er hier nun mal allermeist vorherrscht, wirkt das Land wie eingehüllt in einen Nebel des Leidens.

Es wird der Tag kommen, an dem auch hier die Sonne am Horizont aufgeht. Dieser Tag wird ein Tag der Befreiung sein, eine Erlösung nicht nur für die Tiere, sondern die Befreiung des menschlichen Geistes, das Wiedererwachen der verloren geglaubten Humanität.

Unerschütterlicher Glaube an das Gute

»Am Strand, am Fischmarkt in der Nähe des Hafens,

behandeln unsere Ärzte inzwischen auch die dortigen Esel, die zum Transport der Fische eingesetzt werden. Wir sehen einen Esel, angebunden an seinem Karren, in der Sonne ruhend; neben ihm: ein Hund! Und dieser schmiegt sein Gesicht ohne Unterbrechung sanft an den Gefährten, immer und immer wieder!«

Am Strand, am Fischmarkt in der Nähe des Hafens, behandeln unsere Ärzte inzwischen auch die dortigen Esel, die zum Transport der Fische eingesetzt werden. Wir sehen einen Esel, angebunden an seinem Karren, in der Sonne ruhend. Neben ihm: ein Hund! Und dieser schmiegt sein Gesicht ohne Unterbrechung sanft an den Gefährten, immer und immer wieder! Der Anblick lässt selbst Männeraugen ein bisschen feucht werden...

Einige Tage später erklärt uns Mohammed, einer unserer Mitarbeiter, die Schwierigkeiten dieses Behandlungsplatzes, zeigt verschiedene Esel und deren Problematiken. Und da kommt ein Esel-Gespann auf uns zu, vollbeladen mit den so typischen Eisboxen mit Fischen drinnen - und neben dem Esel läuft der Hund, immer im Schatten des Transportes - unser Paar! Tatsächlich, erzählt uns der Esellenker, die beiden seien unzertrennlich schon seit langer, langer Zeit. Freundschaft über die Arten hinweg - wie wunderschön, wir Menschen sollten uns ein Beispiel daran nehmen!

Die Menschen Mauretaniens stammen von stolzen Völkern ab. Sie sind kommunikativ, lebendig, freundlich - und obwohl ihr Dasein aus einem ständigen Kampf ums Überleben besteht, haben sie nie das Lächeln verlernt. Dennoch, die immer wieder so offene Grausamkeit gegenüber Tieren ist ein Aspekt, der schwer mit ihrem so herzlichen Wesen in Übereinstimmung zu bringen ist.

Ich muss gestehen, ich liebe die Menschen hier vom Herzen - auch wenn gegenteiliges Gefühl im Angesicht schwer verletzter oder sterbender Esel wahrscheinlich wesentliche einfacher zu ertragen wäre. Aber vielleicht ist es ja gerade der unabdingbare Glauben an das Gute im Menschen, welches ohne Zweifel in jedem von uns zumindest bruchstückartig vorhanden ist, der uns überhaupt erst dazu befähigt, den Tieren beizustehen.

Wir verteilen wieder viele mitgebrachte Geschenke wie Sonnenbrillen und Taschenlampen als Auszeichnung an die Menschen, die ihre Esel ganz besonders gut behandeln. Der Sinn solcher Vergaben besteht im Hoffen auf einen möglichst positiven Effekt, auf das Bewusstwerden des Esels nicht nur als Arbeitskraft, sondern als Freund - und auf viele Nachahmer!

Die mobile Tierklinik behandelt mehr als tausend Esel pro Monat

RespekTiere behandelt inzwischen weit mehr als tausend Esel im Monat - ein immenser Aufwand. Doch gemessen an der Anzahl von geschätzten 80.000 Tieren in der ganzen Stadt, wird uns immer wieder bewusst, welches Stück Arbeit wir in diesem Land noch vor uns haben! Zurücklehnen gilt nicht, nicht für uns, nicht in den nächsten 20 Jahren, so viel steht fest!

Dennoch: Eine Tatsache macht uns mehr als stolz: Es ist augenscheinlich, wir haben seit Jahren nicht nur unser Niveau gehalten, nein, wir haben uns ständig verbessert, aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und sind mit riesigen Schritten vorangegangen. Heute können wir mit Fug und Recht behaupten: Wir helfen nicht nur den Eseln - wir sind dabei, eine ganze Gesellschaft zu verändern!

Veränderung einer ganzen Gesellschaft

Kenner dieser Breitengrade wissen wohl, wie sich die Situation noch vor wenigen Jahren präsentierte: Damals konnte kaum ein Esel gesehen werden, dessen Körper nicht mit schweren Wunden, Geschwüren, Verletzungen überzogen war - und auch heute noch gibt es solche Fälle. Aber im Unterschied zu damals sind sie wesentlich seltener geworden. Und an jenen Wasserstellen, welche wir betreuen, bleiben sie fast völlig aus!

Warum? Weil wir IMMER auf Aufklärung gesetzt haben und dies auch weiterhin tun. Der behandelnde Arzt ist angehalten, jedes einzelne Gespräch mit dem Hinweis auf die Folgen des Schlagens zu beginnen. Und dieses Vorgehen zeigt Wirkung!

Den allergrößten Erfolg brachte uns wahrscheinlich die Ausstrahlung eines extra produzierten Radiospots, der vor einigen Jahren für Furore sorgte: Es war der erste Tierrechtsspot Mauretaniens, vielleicht sogar ganz Afrikas, in dem ein religiöser Führer, ein Imam, Stellen aus dem Koran erklärte, welche dezidiert das Schlagen von Tieren verbieten. Mauretanien ist eine islamische Republik, ein so genannter Gottesstaat. Nur vergessen die Menschen - allzu oft nicht zuletzt auf Grund der Armut und vielleicht noch viel mehr wegen des Nicht-mächtig-Seins des Lesens und Schreibens - die Worte des Allmächtigen!

Aufklärung durch Radiospots, Plakate & Broschüren

RespekTiere

hat Aufkleber mit der Aufschrift »Nicht schlagen!« herstellen lassen, welche die Mitarbeiter auf die Wasserfässer kleben.

Wir besuchen das bekannteste Kommunikationszentrum der Stadt. Hier produziert man Radiosendungen, Werbeclips, veranstaltet Konzerte, führt Impf- und Aids-Kampagnen durch, kämpft gegen Drogensucht und vertritt Menschenrechte im Allgemeinen. Ein wunderbarer Ort, ein Ort des Friedens, des Fortschritts, der Bildung und des Gemeinsamen - ein Ort wie geschaffen für unsere Botschaft! Nedwa heißt der Schirmherr dahinter, und genau hier wurde schon unser erster Radiospot produziert.

Wir sitzen mit den Sendungsverantwortlichen zusammen und überreichen unser neuestes Plakat zum Aufhängen: »Wer Gnade am Tier übt, an dem wird Allah Gnade üben«.
Der Direktor Moussa Kante, ein äußerst liebenswerter, weiser Mann, vergießt eine Träne, eine Träne der Achtung und des Respekts, so sehr ist er von der Botschaft des Plakats ergriffen! Er erzählt: Seit unserer ersten Begegnung vor einigen Jahren spricht er fast jeden Tag mit seinen Söhnen über das Eselprogramm, die Eselproblematik, und er liebt den Radio-Spot - er kann es kaum erwarten, ihn wieder und wieder auszustrahlen! Er berichtet, dass die Menschen hier beginnen, allmählich über das Schicksal der Tiere nachzudenken. Wir dürfen jetzt nicht nachlassen, trotz der Kosten von 4.000 Euro für die neue Ausstrahlung des Radiospots.

Das Plakat hängt nun in einem der wichtigsten Kommunikationszentren der Stadt - allein das war unseren Besuch in Mauretanien wert. Die Verbreitung der Botschaft: »Wer Gnade am Tier übt, an dem wird Allah Gnade üben« führt zu einem stetigen Wandel in der Gesellschaft.

Deshalb bitten wir Sie vom Herzen, wenn Sie unserer Meinung sind: Helfen Sie mit, diesen Traum weiter zu verwirklichen, den Traum vom Umbruch einer Gesellschaft, der zuerst über das Erkennen der Tierquälerei führte, und nun drauf und dran ist, die Menschen auf sanftem Wege zurück zu den Wurzeln der Menschheit zu führen, zum Anbeginn der Beziehung Mensch - Tier, dorthin, wo wir alle noch Brüder und Schwestern waren...

Plakat

»Wer Gnade am Tier übt, an dem wird Allah Gnade üben«. »Es entstand durch die Zusammenarbeit auf so vielen Ebenen - nur durch die Mithilfe der so wunderbaren Designerin Frau Uschi Apelt, des Gelehrten Adel El Sayed, unseres Freundes Ing. Habib, Saleck, des unverzichtbaren Mitarbeiters, sowie der Initiative unserer Unterstützerin Gerlinde Rupp.«

Ziele für die Zukunft

Sie sehen, so viel hat sich wieder getan bei unserem Projekt »Hilfe für die Esel in Mauretanien«! Voller Stolz blicken wir erwartungsvoll in die Zukunft, denn unsere Ziele sind hochgesteckt! Während Sie diese Zeilen lesen, wird unser frisch gestalteter Radiospot ausgestrahlt. Wir haben eine neue Broschüre geschaffen, die in Zeichensprache - mit Bildern der begnadeten Salzburger Künstlerin Caro Riener - den richtigen Umgang mit Eseln zeigt. Wir haben die mobile Klinik weiter ausgebaut. Und: Wir werden alsbald wieder nach Mauretanien aufbrechen, mit dem wunderbaren Tierarzt Dr. Matthias Facharani im Schlepptau, um mitzuhelfen, eine Eselklinik wie die unsere im Nachbarland aufzubauen - doch dies ist eine andere Geschichte, und Sie werden in Kürze davon erfahren!

Um weiterhin so erfolgreich voranschreiten zu können, bitten wir Sie daher vom Herzen: Helfen Sie uns helfen! Die Esel Mauretaniens brauchen uns - und wir brauchen Sie! Wir haben eine echte Chance, den Lauf der Dinge - bisher als gegeben hingenommen - nachhaltig zu verändern!

Das RespekTiere-Team

sieht mit Spannung den neuen Herausforderungen entgegen.

Informationen: Verein RespekTiere

Gitzenweg 3 · A-5101 Bergheim
e-mail: info@respektiere.at
www.respektiere.at

Spenden:
Überweisungen aus Österreich: Verein RespekTiere
Salzburger Sparkasse
BLZ: 20404
Kto.: 2345 ·
BIC: SBGSAT2S
IBAN: AT132040400000002345

Überweisungen aus Deutschland (steuerlich absetzbar):
Verein RespekTiere International
Volksbank RB Oberbayern
BLZ: 71090000 ·
Kto: 215961
BIC: GENODEF1BGL ·
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