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Rettet die Bären in Slowenien!

In Slowenien ist der Bär

seit dem Jahr 1889 geschützt, was ihn vor dem Aussterben bewahrt hat. Die slowenische Braunbär-Population zählt nach der Schätzung von Experten 440 Individuen. Für die Erhaltung dieser Tierart und eine natürliche Besiedlung der Alpen ist dies zu wenig. Bild: Viktor Luskovec

Die Braunbären wurden in den vergangenen Jahrhunderten in den meisten Teilen Europas ausgerottet. In Slowenien jedoch, einem der kleinsten Länder Europas, haben die Bären überlebt: In der Weite der slowenischen Wälder leben heute rund 440 Bären. Doch es ist unfassbar: Obwohl der Braunbär in Slowenien zu den gefährdeten und unbedingt zu
schützenden Tieren gehört und nach slowenischer Gesetzgebung auch nicht zu den jagbaren Wildtieren zählt, machen Jäger in Slowenien grausame Jagd auf Braunbären: Jedes Jahr werden mehr als 20 Prozent (!) der slowenischen Braunbären geschossen. Damit ist die Bärenjagd in Slowenien blutrünstiger als irgendwo anders auf der Welt. Der genehmigte Abschuss des Braunbären in Slowenien trägt die irreführende Bezeichnung »Außerordentliche Entnahme aus der Natur«.

Der Bär ist ein scheues Tier,

das die Begegnung mit Menschen meidet. Deswegen sind Begegnungen mit Bären selten, auch in den Gebieten, wo Bären relativ häufig vorkommen. Bären sind keine Bedrohung für den Menschen - außer sie werden angegriffen oder durch die Jagd verletzt. Bild: Viktor Luskovec

Früher lebten Bären in ganz Europa, mit Ausnahme der großen Inseln wie Island, Irland, Korsika und Sardinien. In den letzten Jahrhunderten wurden sie in den meisten Teilen Europas ausgerottet - durch die Zerstörung der natürlichen Lebensräume, vor allem durch Abholzung, und die gnadenlose Verfolgung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Jäger. Die Bären überlebten nur in Skandinavien, Südosteuropa und in einigen Enklaven in Italien (Abruzzen und Alpen) und Spanien (Pyrenäen und Kantabrisches Gebirge). In ganz Europa leben heute etwa 50.000 Bären, 35.000 davon im europäischen Teil Russlands. Die höchste Populationsdichte findet sich in Slowenien und in den Balkanländern mit 100 bis 200 Bären pro 1000 Quadratkilometern. Zum Vergleich: In Skandinavien leben durchschnittlich nur 0,5 bis ein Bär pro 1.000 Quadratkilometer.

In Slowenien haben die Braunbären überlebt - Wie lange noch?

In Slowenien hat die Liebe zum Braunbären eigentlich eine lange Tradition: Die adlige Familie Auersperg und der visionäre Förster Dr. Leopold Hufnagel bewahrten vor 120 Jahren in Kočevska (Gottscheerland) die letzten Reste des Urwaldes vor der Abholzung und führten statt Kahlschlag eine fortgeschrittene Methode der Waldbewirtschaftung ein. Und: Sie sorgten schon 1889 dafür, dass die Bären als besonders exponierte Tierart in den Wäldern im Südwesten des heutigen Sloweniens und dem benachbarten Gorski Kotar in Kroatien geschützt wurden - denn der Braunbär war damals auch in den slowenischen Ländern vom Aussterben bedroht.

Doch in den letzten Jahren wurden hunderte Bären erschossen - obwohl der Braunbär nach slowenischem und europäischem Recht zu den gefährdeten und unbedingt zu schützenden Tieren gehört.

Jedes Jahr werden ca. 75 Bären erschossen

Von 1998 bis 2010 wurden nach amtlichen Angaben in Slowenien um die 1120 Bären getötet - das sind durchschnittlich 93 Bären pro Jahr. Rund 80 Prozent dieser Bären wurden erschossen, 17 Prozent kamen durch Unfälle an Straßen oder Bahnschienen um.

»Da die slowenische Regierung im Jahr 2002 und in den Folgejahren behauptete, dass es im Land mehr als 1.000 Braunbären gäbe, akzeptierte die EU-Kommission nach dem Beitritt Sloweniens zur Europäischen Union eine große Zahl von Abschüssen, kritisiert die Naturschutzorganisation EuroNatur. »Einer Studie zufolge, die die Biotechnische Fakultät der Universität Ljubljana 2008 veröffentlichte, lebten in Slowenien zu dieser Zeit allerdings nur noch 400 bis maximal 475 Braunbären.« Damit ist klar: Ohne Jagdstopp ist das Überleben der Bären in Slowenien akut gefährdet.

Auch weitere Daten sind erschreckend: Nicht einmal jeder fünfte Bär in Slowenien stirbt eines natürlichen Todes. Das durchschnittliche Alter der getöteten Bären liegt bei weniger als drei Jahren, also noch vor Erreichen der Geschlechtsreife: Männliche Tiere erreichen die Geschlechtsreife mit rund 4,5 Jahren, Weibchen in der Regel etwas später, mit rund vier bis sechs Jahren - ausgewachsen sind Braunbären erst mit 10 oder 11 Jahren. Wenn zu wenige Bären zur Fortpflanzung kommen, ist das zukünftige Überleben der Bären in Slowenien stark gefährdet.

Braunbären: Noch immer eine bedrohte Art

Der Braunbär ist trotz einer scheinbar stabilen Stärke der Population noch immer eine bedrohte Art, die in der Roten Liste der bedrohten Tierarten geführt wird. In der Kategorie der IUCN (International Union for Conservation of Nature) wird der Braunbär als vom Aussterben bedrohte Art eingeordnet, wenn die Bedrohungsfaktoren weiter fortdauern. Bedrohungsfaktoren sind die Zerstörung und das Schrumpfen des Lebensraums, die Unterbrechung der Zugkorridore und die Verhinderung von Kontakten mit der Grundpopulation durch den Ausbau des Verkehrsnetzes sowie die Jagd und den Trophäen-Abschuss.

Die Bedeutung der slowenischen Bären

Die Bären in Slowenien werden zur dinarischen Braunbär-Population gezählt. Ihr Lebensraum erstreckt sich von den Wäldern der österreichischen Alpen und Nordostitaliens, und von den Dinarischen Alpen bis zum Pindosgebirge in Griechenland. Die natürliche Ausbreitung der Bären nach Italien, Österreich, in die Schweiz und nach Deutschland ist in den letzten Jahren schwieriger geworden. In Slowenien wurde das Autobahnnetz ausgebaut, die jahrtausendealte Migrationskorridore kreuzt und eine Barriere bildet, weil zu wenig auf grüne Brücken geachtet wurde. Nach der Schätzung von Experten zählt die slowenische Braunbär-Population 440 Individuen. Für eine langfristige Erhaltung der Art und eine natürliche Besiedlung der Alpen ist dies zu wenig. Eine dauerhaft lebensfähige Population von Braunbären benötigt mindestens 1.000 Tiere, also mehr als das Doppelte der heutigen geschätzten Population in Slowenien.

Im Sommer 2012 entsetzte der Abschuss

dieser Bärenmutter mit zwei Jungen die slowenische Öffentlichkeit. Bild: Viktor Luskovec

Abschuss einer Bärenmutter und ihrer Kinder

Ein beispielsloser und brutaler Fall der Liquidierung einer jungen Bärenfamilie im Sommer 2012 hat nicht nur ganz Slowenien entsetzt, sondern auch die gegenwärtige Praxis der staatlichen Jagd­organisation entlarvt: Die Bärin, mit zwei Jungen aus diesem Jahr, hat einige Male die Futterstellen bei Kočevska Reka in Südslowenien besucht und dabei auch einige Hühner und Hasen getötet, um ihre Jungen zu ernähren. Insgesamt wurden dadurch höchstens 500 Euro Schaden verursacht. In so einem Fall müssten die staatlichen Jäger im Einklang mit der slowenischen Gesetzgebung und internationalen Verträgen handeln, die vorschreiben, im schlimmsten Fall die Bärin mit ihren Jungen einzufangen und sie in einen entlegenen Wald anzusiedeln. Doch staatliche Stellen genehmigten den Abschuss.

Zunächst töten die Jäger eines der Jungen - unter dem Vorwand, auf diese Weise die Bärin mit dem anderen Jungen verscheuchen zu wollen. Doch die Bärin suchte ihr verlorenes Kind, sie rief laut nach ihm - aber vergebens: An der Stelle des Abschusses war nur ein blutiger Fleck von ihrem Kind zurückgeblieben. Nach dem offiziellen Foto mit dem getöteten Bärenbaby übergaben die Jäger den Kadaver dem Wildfleischer. Am nächsten Tag wurde auch das andere Bärenbaby getötet und schließlich noch die Bärenmutter.

Skandal: Erneut 72 Bären zum Abschuss freigegeben

Im Widerspruch zu den slowenischen Gesetzen und der EU-Gesetzgebung wurden im Herbst 2012 erneut 72 Bären und acht Wölfe per Ausnahmegenehmigung zum Abschuss freigegeben - mit der irreführenden Bezeichnung »Außerordentliche Entnahme aus der Natur«. Zudem hat die Regierung den Handel mit Fleisch und Trophäen von getöteten Bären und Wölfen wieder zugelassen.

Jedes Jahr werden mehr als 20 Prozent der slowenischen Braunbären geschossen. Ein derartig schwerwiegender Eingriff in die Population einer gefährdeten Art ist gegen jede rechtliche Grundlage, entgegen aller wissenschaftlichen Erkenntnisse und führt langfristig zur Ausrottung der gefährdeten Art. Nirgendwo auf der Welt wird ein so hoher Prozentsatz der Population von Bären und Wölfen getötet wie in Slowenien.

Proteste und eine Petition gegen den Abschuss

Dem Einsatz des slowenischen »Vereins für die Befreiung der Tiere und ihre Rechte« mit ihrem Vorsitzenden Stanko Valpatič ist es zu verdanken, dass gegen die Republik Slowenien und das Ministerium für Umwelt und Raum mehrere Protestnoten beim Verfassungsgericht und der Europäischen Komission eingegangen sind und Strafanzeigen eingereicht wurden.

In einer Petition wird Minister Franc Bogovic aufgefordert, die angefochtene Abschussgenehmigung sofort zurückzunehmen und ein Moratorium über die Tötung der bedrohten Arten zu verhängen, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist.
An den Ministerpräsidenten der Republik Slowenien, Janez Jansa, richtet sich der Aufruf: »Stoppen Sie das Massaker an bedrohten Wölfen und Bären! Verbieten Sie den Handel mit Fleisch, Fellen und Trophäen slowenischer Bären und Wölfe!«

Eine Zukunft für die Braunbären

»Uns muss klar sein, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann es zum Zusammenbruch der Population kommt«, so Stanko Valpatič, der weitere Aktionen für die Abschaffung der Jagd angekündigt hat. »Der Braunbär hat nur eine Zukunft, wenn die zuständigen Institutionen Maßnahmen für eine langfristige Erhaltung des Braunbären und seines Lebensraums vornehmen und ein Miteinander mit dem Menschen ermöglichen.«



Quellen:
Zavod za ekologijo Narava 2001 (Institut für Ökologie und Natur 2001)
Verein für die Befreiung der Tiere und ihre Rechte (Društvo za osvoboditev živali in njihove pravice)
EuroNatur
www.euronatur.org

Unterstützen Sie die Petition gegen den Abschuss

von Braunbären in Slowenien!

Der slowenische »Verein für die Befreiung der Tiere und ihre Rechte« (Društvo za osvoboditev živali in njihove pravice) hat eine Petition an die slowenische Regierung gerichtet, die Tötung der Bären sofort zu verbieten.
Online-Petition: www.osvoboditev-zivali.org

E-mail an das Umweltministerium: gp.mko@gov.si

Die Lebensweise der Braunbären

Einst lebten Braunbären überall dort, wo es Wald gab - und das war in fast ganz Europa. Durch die Rodung der großen Wälder ging immer mehr Lebensraum verloren: Schon im Mittelalter wurden die Bären in schwer zugängliche, waldreiche Gebirge zurückgedrängt. Heute kommen Braunbären nur noch in wenigen steilen, felsigen Gebirgen mit großen zusammenhängenden Wäldern vor: Größere Gruppen von Braunbären leben im Dinarischen Gebirge und den Karpaten sowie in Skandinavien und im europäischen Teil von Russland. In den Pyrenäen, den Alpen und dem Apennin gibt es noch kleinere Populationen.

Ein Bären-Gebiet muss über viele schwer zugängliche Höhlen und genügend Rückzugsraum verfügen, so dass die Bären ungestört ihre Jungen aufziehen können. Denn der Bär ist ein scheues Tier, das die Begegnung mit Menschen meidet. Deswegen sind Begegnungen mit Bären selten, auch in Gebieten, wo sie relativ häufig vorkommen. Bären sind keine Bedrohung für den Menschen - außer sie werden angegriffen oder durch die Jagd verletzt.

Erwachsene Bären brauchen ein großes Territorium: Die Weibchen leben in einem Territorium von ca. 100 Quadratkilometern, Männchen brauchen deutlich größere Gebiete.

Der Großteil der Ernährung des Braunbären ist pflanzlicher Herkunft, im Frühsommer und Sommer bis zu 95 Prozent. Auf seinem Speiseplan stehen Beeren, Eicheln, Bucheckern, Kastanien, Nüsse und Pilze sowie Gräser und Kräuter. An tierischer Nahrung nehmen Bären Insekten und deren Larven, Vögel und deren Eier, kleinere Nagetiere sowie frisches Aas zu sich. Braunbären können in der Regel nur kranke und schwache Tiere erbeuten. So fangen sie in Ausnahmefällen ein größeres Tier, wie wilde Ziegen, Schafe oder Rehe, gelegentlich auch Kleinvieh.

Im Herbst futtern sich die Bären einen Winterspeck an. Da sie im Winter nicht genügend Nahrung finden, halten sie eine Winterruhe in ihrer Höhle. Es ist kein echter Winterschlaf, und die Bären sind leicht wieder aufzuwecken: Herzschlag und Atemfrequenz gehen zurück, doch die Körpertemperatur sinkt nur leicht.

Erwachsene Bärenmännchen erreichen ein Gewicht von bis zu 300 Kilogramm, in Ausnahmefällen auch mehr, die Weibchen etwa 180 Kilo. Aufgerichtet werden sie 1,80 Meter bis drei Meter groß. Europäische Braunbären können in freier Wildbahn 20 bis 30 Jahre alt werden.