Freiheit für Tiere
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Strafanzeige gegen Fuchsmassaker

»Jagd steht auf der Kippe«

Tierschutzorganisationen stellten Strafanzeige gegen eine Massentötung von 71 Füchsen im hessischen Reinhardswald wegen Verstoßes gegen das Tierschutz­gesetz. Diese Strafanzeige schlug hohe Wellen in Presse und Fernsehen - und wird offenbar von der zuständigen Staatsanwaltschaft ernst genommen.

Zwischen dem 25. und 27. Januar 2013 hatten die Jäger dreier Hegegemeinschaften eine revierübergreifende »Schwarzwildschwerpunktjagd« veranstaltet. Doch weil den etwa 60 Jägern kaum Wildschweine vor die Flinte kamen, kam es zu einer Massen­tötung von 71 Füchsen. Mehrere Tierschutz­organisationen, darunter PETA Deutschland e.V., die Anti-Jagd-Allianz und die Initiative zur Abschaffung der Jagd, reichten daraufhin über die Kanzlei Storr aus Neustadt am Main (Bayern) Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz bei der Staatsanwaltschaft Kassel ein.

Die Strafanzeige gegen die Fuchs-Massentötung schlug große Wellen: Zunächst berichtete die Presse mehrfach ausführlich, in zahlreichen Leserbriefen wurde die blutige Hobbyjagd angeprangert.

Am Ostermontag sendete das Hessische Fernsehen einen Bericht über die Strafanzeige. Aufgrund der öffentlichen Kritik wollten sich die betroffenen Jäger nicht äußern. Statt dessen sagte der Zoologe Jochen Tamm, selbst Jäger, vor der Kamera: »Einfach nur töten ohne irgendeinen weiteren Grund, außer sich vielleicht eine Trophäe an die Wand zu hängen oder einfach nur an dem eigenen Schießvermögen zu erfreuen, das reicht nicht aus, um ein höheres Lebewesen vom Leben zum Tod zu bringen.«

Sogar aus der unteren Jagdbehörde des Landkreises Kassel wurde im Fernsehen Kritik laut. Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel, sagte gegenüber der Hessenschau, »dass diese Art von Jagd etwas ist, worauf man nicht stolz sein kann.«

Die Deutsche Jagdzeitung blickt mit Sorge auf die Strafanzeige. In dem Artikel »3 Hegegemeinschaften angezeigt: Jagd ohne Grund« (DJZ 4/2013) heißt es: »Mit der Jagdausübung ist
unweigerlich das Töten verbunden. Ein ‘vernünftiger Grund’ im Sinne des Tierschutzgesetzes besteht für den Abschuss von Wild allerdings nicht. Genau das machen sich Tierschützer jetzt zunutze.« Das Schlimme sei, dass die Tierschützer auf Grundlage der momentanen Gesetzeslage sogar auf Erfolg hoffen könnten, so die Deutsche Jagdzeitung. Und das Jägermagazin kommt zu dem Schluss: »Denn haben die 7 jagdfeindlichen Tierschutzorganisationen Erfolg mit ihrerAnzeige, steht die gesamte Jagd auf der Kippe.«

Das Landwirtschaftsportal top agrar griff den Bericht der DJZ auf: »Tierschützer glauben, eine neue Möglichkeit gefunden zu haben, juristisch gegen die Jagd vorzugehen.« (21.4.2013) Derzeit prüfe die Staatsanwaltschaft Kassel, ob eine strafbare Handlung vorliegt.

»Die Freude am Töten allein kann nicht als vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes angesehen werden«, so Rechtsanwalt Dominik Storr, der die Tierschutzorganisationen vertritt. Dies gilt umso mehr, als der Tierschutz inzwischen als Staatsziel im Grundgesetz festgeschrieben ist.

»Die Jagd ist eines der sichersten Mittel,

das Gefühl der Menschen für ihre Mitgeschöpfe abzutöten.« François Voltaire, Schriftsteller und Philosoph

Verstoß gegen das Tierschutzgesetz

Als Rechtfertigung für diese Massentötung von Füchsen, die als Wirbeltiere grundsätzlich dem Schutz des Tierschutzgesetzes unterstehen, wurde nachträglich vor allem die angebliche Seuchengefahr durch Tollwut und Fuchsbandwurm genannt.

Doch für die Abwehr von Tierseuchen, auch für vorbeugende Maßnahmen, ist die Jägerschaft nicht zuständig. Ausschließlich sachlich zuständig für Maßnahmen der Seuchenabwehr oder -vorbeuge ist die nach § 1 Abs. 1 Satz 1 der Verordnung zum Vollzug des Tierseuchenrechts örtlich zustände Kreisverwaltungsbehörde.

Das Argument, dass die Jäger die Tollwut bekämpfen und daher massenhaft Füchse erlegen müssen, ist zudem eine längst widerlegte Mär: Deutschland gilt seit 2008 nach den internationalen Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit als tollwutfrei.

In Deutschland ist kein einziger Fall einer Fuchsbandwurminfektion eines Menschen über Waldbeeren etc. dokumentiert.
Mediziner vom Uniklinikum Ulm und von der Universität Würzburg gaben offiziell Entwarnung: »Dass man sich auf diese Weise mit dem Fuchsbandwurm infizieren kann, darf endgültig ins Reich der Legenden verbannt werden.«(Welt der Wunder, 18.6.2012)

Außerdem ist die Durchführung von revierübergreifenden Jagdausübungsmaßnahmen im hessischen Jagdrecht nicht vorgesehen. Die revierübergreifende Massentötung von Füchsen in Hofgeismar war daher nach hessischem Jagdrecht illegal und verstößt somit gegen das Tierschutzgesetz.