Freiheit für Tiere
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Tier- und Naturschutz im eigenen Garten

Trauen Sie sich!

Von Bruno Haberzettl

Nicht wenigen unserer Zeitgenossen ist es auf erstaunliche Weise gelungen, sich erfolgreich jeglicher Information und Erkenntnis in Sachen Natur- und Umweltverständnis bis heute zu entziehen. Nur so ist es zu verstehen, dass nach wie vor erschreckend oft die Natur als Bedrohung und Naturgärten zumindest als unordentlich empfunden werden.
Wenn solche Menschen auch noch mit der Geißel eines eigenen Gartens gestraft sind, bleibt der Kampf mit in den Himmel wachsenden Pflanzen und böswilligem Ungeziefer nicht aus. Immer dann, wenn sich im Herrschaftsgebiet des »Gärtners« Flora und Fauna seinem strengen und kleingeistigen Ordnungssinn zu widersetzen versuchen, wird das gärtnerische Kriegsbeil ausgegraben. Der Garten darf nicht einfach Garten sein. Er hat zu repräsentieren und den Status seines Besitzers ins rechte Licht zu rücken. Die Keimfreiheit im Haus muss sich auch im Garten als verlängertes Wohnzimmer fortsetzen. Was Putzmittel und Staubsauger innerhalb der vier Wände vollbringen, wird mit Pestiziden und Laubsauger außerhalb fortgesetzt. Solche allerorts vorhandenen Thujen-Vierkanter mit Golfrasen in der Mitte, sind dahinkränkelnde, künstliche Steppenlandschaften, die mit viel Aufwand und Chemie erhalten werden, und letztendlich weder Tier noch Mensch zum Verweilen einladen.

Damit kann falscher Eindruck entsteht: Auch bei uns zu Hause wird regelmäßig geputzt und staubgesaugt. Schon allein unsere frei herumlaufenden Stubentiger machen zusätzliche Putzgänge, vor allem bei nassem Wetter, notwendig. Aber außerhalb des Hauses gelten andere Regeln. In unserem Garten bin ich nicht Herrscher, sondern Besucher, neugieriger Beobachter und Nutznießer.

Der Natur- oder Wildgarten ist alles andere als ein verwilderter Garten!

Bei aller Liebe zu Natur lasse ich unseren Garten aber nicht verwildern. Auch hier sieht man überall die Hand des Gärtners. Ansonst wäre die große Artenvielfalt auf relativ kleinem Raum gar nicht möglich. Der Natur- oder Wildgarten ist alles andere als ein verwilderter Garten! Im Folgenden darf ich Ihnen von meinen eigenen Erfahrungen und mit Erfolg umgesetzten Maßnahmen berichten.

Bild: Bruno Haberzettl

Ein Naturgarten mit Hecken, Feuchtbiotop und Wildblumenwiese bietet vielfältigen Lebensraum für viele Vögel, Libellen, Schmetterlinge, Bienen, Hummeln, Frösche und Kröten...

Eines gleich vorweg: Im Naturgarten gibt es weder Unkraut noch Ungeziefer! Und zwar gerade deshalb nicht, weil gänzlich auf Chemie verzichtet wird. Bei Wühlmäusen, Blattläusen, Mehltau und Co. sollte der Naturfreund daher nicht gleich die Nerven verlieren. Gifteinsatz gegen Wühlmäuse beispielsweise rottet zwar momentan die vorhandene Population aus, aber ebenso auch ihre Fressfeinde, wie zum Beispiel die Schlingnatter. Längerfristig ist nur der Weg freigemacht für eine neue Wühlmauspopulation, die auf Grund ihrer enormen Reproduktionsrate solche Angriffe locker ausgleicht - anders als die schon selten gewordene, standorttreue Schlingnatter, die durch einmaligen Gifteinsatz womöglich für immer aus dem Garten verbannt wird.

Wer sich und seinem Garten etwas Zeit lässt, wird sehen, dass viele Probleme ganz von allein lösen. Was jeder allerdings tun kann, ist die Umgestaltung des Gartens in einen stark strukturierten und artenreichen Lebensraum. Als Vorbild dient uns die Natur. Vielseitige »Lebens-Hotspots« sind immer Wechselbereiche wie Wald- und Wegränder, Uferzonen, Streuobstwiesen... Schon ein kleiner Garten ist geradezu prädestiniert, dafür solche Landschaftsformen zu imitieren. Die Umgestaltung und Erhaltung eines Wildgartens ist denkbar einfach - und, verglichen mit dem »Thujen-Vierkanter«, mit viel weniger Arbeits- und Geldaufwand verbunden.

Bild: Bruno Haberzettl

Legesteinmauern oder einfache Steinschüttungen in sonniger Lage ziehen Reptilien und Amphibien geradezu magisch an.

Feuchtbiotope, Trockensteinmauern und Hecken aus Ästen und Reisig

Die unverzichtbaren Gestaltungsmaterialen, von denen man nie genug haben kann, sind Steine und Totholz. Legesteinmauern oder einfache Steinschüttungen in sonniger Lage ziehen Reptilien und Amphibien geradezu magisch an. Ähnlich verhält es sich mit Totholz- und Reisighaufen, in denen Zaunkönig, Rotkehlchen, Blindschleiche und Erdkröte Unterschlupf und Nahrung finden.

Wer zu faul ist, eine Hecke zu pflanzen, kann anstelle dieser Totholz (Wurzelstöcke und Asthaufen) aufreihen - in nur wenigen Jahren entsteht eine Hecke. Die im Holz Nahrung suchenden Vögel scheiden hier auch die Samen zahlreicher heimischer Bäume und Sträucher aus, die, wenn einmal gekeimt, schöner und prächtiger wachsen als die gesetzten Kollegen. Heimischen Bäumen, Sträuchern und Stauden sind beim Bepflanzen des Gartens eindeutig der Vorzug zu geben. So ist etwa der heimische Weißdorn für über hundert Tierarten ein wichtiges Nährgehölz. Standortfremde Ziersträucher hingegen sind die Tussis unter der Pflanzen: zwar schön, aber bezüglich der Werte für die Tierwelt meist unattraktiv.

Ein ganz wichtiges und für Mensch und Tier gleichsam faszinierendes Element ist Wasser. In ökologischer Hinsicht sind hierbei die meisten Informationenbroschüren und Ratgeber zu vergessen. Ein möglichst großer und tiefer Schwimmteich, vielleicht auch mit Technik à la Raumschiff Enterprise ausgestattet, ist vor allem für den Handel attraktiv. Wenn Sie aber etwas für die Natur und nicht zuletzt für sich selbst tun wollen, legen Sie lieber kleinere, seichte Tümpel in sonniger Lage an. Wenn Sie diese im Sommer austrocknen lassen (wir verzichten natürlich auf ausgesetzte Fische!), so werden Sie über den dort entstehenden Artenreichtum staunen. Ein immer gleichbleibender Wasserstand ist zwar für Seerosen von Vorteil, nicht aber für Amphibien & Co. Das Zauberwort lautet Dynamik! Ein Besuch in Aulandschaften zeigt warum. Gerade diese, von steter Veränderung geprägten Landschaften sind wohl die artenreichsten.

Dass eine Wildblumenwiese eindeutig mehr zu bieten hat als ein kurz geschorener Rasen, bedarf, glaube ich, keiner Erklärung. Wenn der Garten Nahrung, Versteck und Nistmöglichkeiten bietet, ist das Anbringen von geeigneten Nisthilfen (mit Katzen- u. Marderschutz) eine empfehlenswerte Bereicherung. Im Wildgarten gibt es unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten. Führen Sie Regie. Der Star in Ihrer Produktion ist aber die Natur!

Sie werden staunen, welche Veränderungen ein Naturgarten auch bei Ihnen auslöst. So verbringen wir jeden möglichen Moment in unserem kleinem Naturparadies, staunen über Neuentdeckungen und laden hier unsere Batterien auf. Der Garten ist nicht mehr das verlängerte Wohnzimmer mit Repräsentationspflichten. Auf alle Fälle aber - ob Sie es wollen oder nicht - gibt Ihr Garten unverblümt tiefe Einblicke in Ihre Seele.

Unverzichtbare Gestaltungsmaterialen,

von denen man nie genug haben kann, sind Steine, Reisig und Äste. In Hecken aus Reisig finden Zaunkönig (Bild), Rotkehlchen, Igel, Blindschleiche und Erdkröte Unterschlupf und Nahrung.

Über Bruno Haberzettl

Bruno Haberzettl zählt seit Jahren zu den Größen der deutschsprachigen Karikatur-Szene. Die Zeichnungen des österreichischen Karikaturisten und Illustrators werden regelmäßig in überregionalen Pressemedien publiziert. Seit 1995 erscheint seine wöchentliche
Karikatur am Sonntag in der Kronen Zeitung, dem Gegenstück zur deutschen BILD. Darüber hinaus wurden Bücher mit seinen Zeichnungen veröffentlicht. Bruno Haberzettl wohnt mit seiner Familie im südlichen Niederösterreich.