Angriff auf den Artenschutz: Wölfe zum Abschuss freigegeben
Seit Beginn des neuen Jagdjahres am 1. April 2026 ist der Wolf offiziell im Bundesjagdgesetz und damit zur jagdbaren Tierart erklärt. Jäger dürfen zwischen Juli und Oktober auf Wölfe schießen. Zuvor hatte das EU-Parlament 2025 den Schutzstatus des Wolfes von »streng geschützt« auf »geschützt« herabgestuft - obwohl es dafür keine wissenschaftlich nachvollziehbaren Daten gibt. Geschuldet ist das einer Politik, die sich von wirtschaftlichen Interessen der Lobby der »Nutz«tierhalter und von der Jagdlobby leiten lässt - Tierschutz, Natur- und Artenschutz zählen nicht. Am Europäischen Gerichtshof sind mehrere Klagen gegen die Herabsetzung des strengen Schutzes des Wolfes anhängig.
Wissenschaftler und Naturschutzorganisationen warnen: Abschüsse von Wölfen können sogar zu mehr Schäden an ungeschützten Nutztieren führen: Wird eines der Elterntiere aus einem Rudel geschossen, lastet auf dem verbleibenden der Druck, die Welpen mit Nahrung zu versorgen - und dann sind ungeschützte Weidetiere eine einfache Beute. Ebenso werden hungrige Jungwölfe, deren Eltern erschossen wurden, Schafe ohne wolfssicheren Zaun angreifen. Mehrere Studien aus Slowenien, Frankreich und Schweden belegen, dass eine Freigabe der Jagd auf Wölfe nicht zu weniger Nutztierrissen führt. Fachgerechter Herdenschutz ist die beste Lösung, um Probleme mit Wölfen gering zu halten.
»Dieses neue Gesetz schützt keine Weidetiere, schwächt aber den Artenschutz«, erklärt Dr. Sybille Klenzendorf vom WWF Deutschland. Stattdessen brauche es mehr Unterstützung für wirksame Herdenschutzmaßnahmen. Diese zeigen bereits Wirkung: Trotz wachsender Wolfspopulation ist die Zahl der Übergriffe 2024 um 25 Prozent gesunken.
Am Europäischen Gerichtshof sind mehrere Klagen gegen die Herabsetzung des strengen Schutzes des Wolfes anhängig. Sollte den Klagen stattgegeben werden, könnte dies zur Nichtigerklärung der auf der Herabstufung des Wolfsschutzes basierenden Rechtsakte führen.
Quellen:
· Versagen auf ganzer Linie: Der Wolf im Bundesjagdgesetz. Wildtierschutz Deutschland, 7.3.2026
· WWF warnt vor mehr Nutztierrissen und fordert stärkeren Herdenschutz. WWF, 4.3.2026
Dieses Bild hat Naturfotograf Guido Meyer aufgenommen. Er schreibt dazu: »Dieser etwa sechsjährige Wolfsrüde war ein außergewöhnliches Erlebnis. Länger andauernde Beobachtungen an adulten Wölfen sind selten, zu sensibel sind ihre Sinne und zu präzise ihr Beobachtungsverhalten. Oft reicht ein Winddreher oder eine minimale Bewegung und sie sind verschwunden, bevor man sie richtig erfasst. Man fragt sich unweigerlich: Wie viel öfter sehen sie uns, als wir sie wahrnehmen?«
Bild: Guido Meyer · naturdigital.online
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