Bayerns größter Milchviehbetrieb: Tierhaltungsverbot wegen schwerer Tierquälerei
Der Betriebsleiter und der Geschäftsführer von Bayerns größtem Milchviehbetrieb dürfen keine Tiere mehr halten. Wegen schwerer Tierquälereien auf dem Hof hat die Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) im August 2025 ein Tierhaltungs- und Betreuungsverbot erlassen. Im Frühjahr 2025 machte der »Allgäuer-Tierschutzskandal« Schlagzeilen, mit schwer zu ertragenden Bildern von brutaler Tierquälerei an Kühen und Kälbern. Es war allerdings bereits der zweite »Skandal«: Denn bereits 2019 wurde schwere Tierquälerei auf dem Hof aufgedeckt.
Kühe, die nicht mehr laufen können, werden mit Treckern weggeschleift; Mitarbeiter treten ein liegendes Kalb: Die Recherche von SOKO Tierschutz in Bayerns größtem Milchviehhof in Bad Grönenbach zeigt erneut massive Verstöße gegen den Tierschutz.
Bilder: SOKO Tierschutz www.soko-tierschutz.org
»Allgäuer-Tierschutzskandal« mit Bildern von brutaler Tierquälerei an Kühen und Kälbern
Der Tierschutz-Skandal auf Bayerns größtem Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach im Allgäu hat zu Aufsehen und Entsetzen weit über Bayern hinaus geführt. FREIHEIT FÜR TIERE berichtete in Ausgabe 4/2025 unter dem Titel »Bayerischer Tierärztetag: Tierqual bei Milchkühen« über den Skandal.
Am 29. August hat die zuständige Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) dem Betriebsleiter des Milchviehhofs die Betreuung und die Haltung von Tieren untersagt - wegen schwerwiegender Verstöße gegen das Tierschutzgesetz.
Wenige Tage zuvor, am 22. August 2025, hatte die Kontrollbehörde bereits gegen seinen Sohn, den Geschäftsführer des Hofs, ein Tierhaltungs- und Betreuungsverbot erlassen. Ein Sprecher der Kontrollbehörde erklärte: »Der Mann hat unter anderem unerlaubt Elektrotreiber bei Kühen eingesetzt, Tiere unsachgemäß transportiert und an ihnen medizinische Eingriffe ohne vorherige Betäubung selbst ausgeführt.« Die »anhaltenden Schmerzen und Leiden«, die er dadurch den Tieren zugefügt habe, rechtfertigten das Tierhaltungsverbot.
Das Tierhaltungsverbot richtet sich nach Angaben der KBLV »personenbezogen« an Betriebsleiter und Geschäftsführer. Der Milchviehbetrieb kann weitergeführt werden, vorausgesetzt, es ist qualifiziertes Personal vorhanden. Zuvor war ein Verbot gegen einen Arbeiter ausgesprochen worden. Drei weitere Verfahren laufen noch.
Schwere Tierquälerei in dem Milchviehbetrieb bereits 2019 aufgedeckt
Bereits 2019 war der Milchhof als »Allgäuer Tierschutzskandal« in die Schlagzeilen geraten, nachdem die Tierrechtsorganisation SOKO Tierschutz Bildmaterial veröffentlicht hatte, das schwere Tierquälerei dokumentierte.
Im Dezember 2020 wurden der Inhaber des Betriebs und sein Sohn zusammen mit weiteren damaligen Mitarbeitern wegen des Verdachts auf massive Verstöße gegen den Tierschutz angeklagt. Bislang gibt es nur ein Urteil gegen zwei ehemalige Beschäftigte des Betriebs, die Verstöße aus dem Jahr 2019 eingeräumt hatten und zu Geldstrafen verurteilt wurden.
Seit dem Skandal wurde der Milchviehbetrieb regelmäßig kontrolliert. Auf die Frage, warum die Veterinäre nichts gefunden haben, sagt die Kontrollbehörde, dass Mitarbeiter natürlich keine Kuh treten oder schlagen würden, wenn die Kontrolleure auf dem Hof seien.
Im März 2025 hat SOKO Tierschutz erneut Aufnahmen aus Bayerns größtem Milchviehbetrieb veröffentlicht, die 2024 von einem Undercover-Ermittler gemacht wurden. Die Videos dokumentieren schwere Tierquälerei: Sie zeigen unter anderem einen Arbeiter, der ein Kalb zu Boden drückt und ihm mit Wucht auf den Kopf tritt. Ein anderer Arbeiter schlägt mit einer Lanze auf den Kopf einer Kuh - das Holz zerbricht. Kühe, die offensichtlich nicht laufen können, werden an Gurten mit einem Radlader durch den Stall geschleift. Kühe werden mit Elektrotreibern traktiert und sogar immer wieder mit einem Teppichmesser gestochen. Der Geschäftsführer, der noch auf seinen Prozess wegen der Vorfälle von 2019 wartet, beteiligte sich selbst an den Misshandlungen. Daraufhin führten Polizei und Staatsanwaltschaft eine Razzia auf dem Hof durch.
Ein Urteil gegen den Inhaber des Milchviehbetriebs und seinen Sohn, den Geschäftsführer, steht seit mittlerweile sechs Jahren aus. »Die schrecklichen Taten, die unser Undercover-Ermittler letztes Jahr dokumentierte, die Gewalt, Vernachlässigung, das Sterben, hätten verhindert werden können, wenn sich die Justiz nicht so viel Zeit ließe«, so Friedrich Mülln von der SOKO Tierschutz. Stattdessen führt die Staatsanwaltschaft Memmingen ein Ermittlungsverfahren gegen den Undercover-Ermittler, der die Aufnahmen von den Tierquälereien gemacht hat.
Bereits 2019 hat SOKO Tierschutz Filmaufnahmen von dem Milchhof, die brutale Tierquälerei zeigen, veröffentlicht:
Leider kein Einzelfall
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Der Milchviehbetrieb aus dem Allgäu ist kein Einzelfall, wie einige Schlagzeilen aus Bayern zeigen:
Ein Rinderhalter aus Schweinfurt im bayerischen Unterfranken war wegen zahlreicher Vorfälle am 12. Mai 2025 vom Amtsgericht Schweinfurt wegen quälerischer Tiermisshandlung verurteilt worden. Nach erneuter Tierquälerei verhängte das Veterinäramt Schweinfurt ein Tierhaltungsverbot. Main Post, 27.9.2025
Im April 2025 wurden bei einer Kontrolle in einem Stall in Bad Aibling neun tote Rinder entdeckt. BR24, 11.4.2025
Im März 2025 fanden Kontrolleure auf einem Hof im Landkreis Rosenheim nach einem anonymen Hinweis 14 tote Rinder und drei tote Schafe. Über weitere 40 Rinder wurden aus tierquälerischen Verhältnissen gerettet. agrar heute, 27.3.2025
Im Februar 2025 hat das Veterinäramt auf einem Hof im Oberallgäu 175 Tiere vorgefunden, der Großteil unterernährt und krank. 30 Rinder waren bereits verendet. Der Betrieb war schon in der Vergangenheit aufgefallen. BR24, 24.2.2025 |
Was tun gegen Tierquälerei für Milch?
Kuhmilch ist oftmals billiger als Hafer- oder Sojamilch. Auch Käse und andere Milchprodukte sind oft günstiger als pflanzliche Alternativen. Der günstige Preis für Kuhmilch ist nur möglich durch Einsparungen in der Haltung der Kühe. Und nicht selten geben Milchbauern den Preisdruck durch Gewalt und Vernachlässigung an Kühe und Kälber weiter.
Von der Politik ist kein besserer Tierschutz zu erwarten - mit einem Metzger als Bundeslandwirtschaftsminister, in dessen Ressort auch der Tierschutz fällt, und einem bayerischen Ministerpräsidenten, der sich regelmäßig Wurst essend inszeniert und von »bester bayerischer Milch« schwärmt, trotz Tierschutzskandalen in bayerischen Milchbetrieben.
Wir alle haben als Verbraucher eine Macht, die wir nicht unterschätzen sollten: Der mächtigste Wahlzettel ist der Kassenzettel! Wählen wir statt Tierqualprodukten, die zudem auch noch unserer Gesundheit, der Umwelt und dem Klima schaden, pflanzliche Alternativen! Hafermilch und andere leckere Pflanzenmilchsorten gibt es inzwischen in jedem Supermarkt, ebenso wie eine große Vielfalt an veganen Käsesorten, veganem Joghurt und veganen Eiscreme-Sorten.
Quellen:
· SOKO Tierschutz www.soko-tierschutz.org
Filme ansehen: www.soko-tierschutz.org/mediathek
Gier, Gewalt und Emmentaler - Milchbetrieb in Bad Grönenbach (2025) https://www.youtube.com/watch?v=vEukEEo_Icc
Todeskampf im Allgäu (2019) https://www.youtube.com/watch?v=ytGhcMLAgog
· Verbot nach Tierquälerei: Milchviehhalter darf keine Tiere mehr halten. agrar heute, 29.8.2025. www.agrarheute.com/tier/rind/verbot-tierquaelerei-milchviehhalter-darf-keine-tiere-mehr-halten-636310
· Skandal um Bayerns größten Milchbauern: Tierhalteverbot nach jahrelangen Missständen. Merkur, 28.8.2025. www.merkur.de/bayern/milchbauern-erste-konsequenzen-skandal-um-bayerns-groessten-93902168.html
· Allgäuer Tierschutz-Skandal: Landwirt darf keine Rinder mehr halten. Süddeutsche Zeitung, 26.8.2025. www.sueddeutsche.de/bayern/allgaeu-tierschutz-skandal-tierhaltungsverbot-bad-groenenbach-soko-tierschutz-friedrich-muelln-li.3303488
· Bayerischer Tierärztetag: Tierqual bei Milchkühen. Von Annemarie Botzki, Recherche und Kampagnen bei foodwatch e.V. in FREIHEIT FÜR TIERE 4/2025. www.freiheit-fuer-tiere.de/artikel/bayerischer-tieraerztetag_-tierqual-bei-milchkuehen.html
