Delfinarien: Schluss mit Delfinen in Gefangenschaft!

Delfine 1 Manokhan78 Shutterstock

Die moderne Verhaltensforschung hat gezeigt: Delfine sind Persönlichkeiten und verfügen über Selbstbewusstsein.

Sie gehören zu den intelligentesten Tieren auf dem Planeten. In Studien zeigen sie Kreativität und Problemlösungskompetenz und benutzen Werkzeuge. Sie kommunizieren über Körpersprache und Stimmsignale, die sie wie einzelne Worte zu einem Satz zusammenfügen - genauso wie wir Menschen es tun. Sie rufen sich bei ihren individuellen Namen und pflegen ein faszinierendes soziales Netzwerk kooperativer Beziehungen. · Bild: Manokhan78 - Shutterstock.com

Von Milena C. Lange


Der Duisburger Zoo lockt jedes Jahr rund 1 Million Besucher in das Delfinarium, um sich an den Delfinen zu erfreuen. Was den Besuchern leider nicht bewusst ist: Für die Delfine, welche fürs Entertainment gehalten und gezüchtet werden, bedeutet dies körperliches und seelisches Leid und immer wieder vorzeitigen Tod.

2025 feierte das Delfinarium im Duisburger Zoo 60-jähriges Jubiläum. Aber ist das wirklich ein Anlass zur Freude? Was denken Sie: Wie viele Delfine sind dort in der Zeitspanne gestorben? 13? 25? Nein, 68 Delfine sind seit der Eröffnung im Jahr 1965 gestorben, so viele wie in keinem anderen Delfinarium Deutschlands. (2)

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Delfin-Show im Definarium Duisburg. Hier werden aktuell neun Große Tümmler gehalten.

Bild: © Whale and Dolphin Conservation / David Pfender

Hohe Sterblichkeitsrate bei in Gefangenschaft geborenen Delfinen

In der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung bezeichnete der Delfinschützer Richard O’Barry bereits vor über 10 Jahren das Delfinarium im Duisburger Zoo als größten »Delfinfriedhof« der Welt. (5) Ein maßgeblicher Faktor für die hohe Sterblichkeitsrate sind die Nachzuchten: Im Zoo Duisburg überleben nur etwa zwei Drittel der Delfinkälber die Geburt und die ersten Lebensmonate. In 60 Jahren erreichten nur rund zehn Nachzuchten das Erwachsenen­alter. (2) Bekannt wurde das Drama um das Delfinkalb »Domingo«, das 2023 nur acht Monate nach seiner Geburt an einer Schädelfraktur starb. Der Duisburger Zoo gab einen unbeabsichtigten Zusammenstoß mit der Flosse eines ausgewachsenen Delfins als Grund an.

Eine Schädelfraktur bei Delfinen kann aber auch die Folge eines Zusammenpralls mit der Betonwand des Beckens sein, so die weltweit führende Wal- und Delfinschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC). »Ein Zuchtverbot würde Schicksale wie das von Domingo verhindern«, heißt es dazu in einer Pressemitteilung. (7)

Denn ein wesentlicher Grund der hohen Sterblichkeitsrate unter den Babydelfinen ist das Zuchtprogramm: Viele der Nachzuchten in Deutschland werden vom Delfinbullen »Ivo« gezeugt. Dies kann zu enormen Inzuchtproblemen und einer damit steigenden Sterblichkeitsrate der Delfinkälber führen. (2)

Delfine muratart Shutterstock

In Freiheit schwimmen Delfine am Tag bis zu 100 Kilometer weit, erreichen dabei Geschwindigkeiten von über 50 km/h und tauchen bis zu 500 Metern tief.

Bild: muratar - Shutterstock.com

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In Delfinarien werden sie in kleine monotone Betonbecken gesperrt, in denen nicht nur ihr Ortungssystem verkümmert...

Bild: WPix - Shutterstock.com

Delfin Fisch füttern EvaL Miko Shutterstock

Als Belohnung für das Entertainment der Besucher bekommen die Delfine toten Fisch.

Bild: EvaL Miko - Shutterstock.com

Ein weiterer Grund für die hohe Sterblichkeitsrate ist die Haltung von Delfinen in Gefangenschaft. In freier Wildbahn schwimmen Delfine in selbst ausgesuchten Gruppen bis zu 100 Kilometer am Tag und tauchen auf der Suche nach Nahrung bis zu 500 Meter tief. In Delfinarien leben Delfine in Betonbecken, die zum Teil nur 1,80 Meter tief sind. (2,3,6)

Das Delfinarium im Duisburger Zoo schreibt auf seiner Internetseite, dass sich seit den Anfangsjahren der Delfinhaltung »enorm viel« verändert habe. Die Delfinarien hätten sich »von einem einfachen Becken zu einem großen komplexen Mehrbeckensystem mit ausgefeilter Filtertechnik entwickelt, um den Tieren einen bestmöglichen Lebensraum zu bieten«, Der Gesamtbeckenkomplex sei »z.T. über 5 m« tief. (1)

Dies ändert aber nichts daran, dass die Betonbecken-Haltung bei den Delfinen zu akutem Bewegungsmangel führt. Sie bietet keine Abwechslung, keine Rückzugsmöglichkeiten.

Delfinarium Garsya Shutterstock

Kinder lieben Delfine. Doch wir sollten ihnen vermitteln: Delfine gehören in die Freiheit und nicht in Gefangenschaft!

Bild: Garsya - Shutterstock.com

Im Delfinarium Duisburg werden die Delfine in einem vollständig überdachten Gebäude gehalten. Für die Delfin-Shows werden ihnen unnatürliche Verhaltensweisen zwanghaft antrainiert - und die Shows verursachen bei den Delfinen Stress. Nicht selten wird das Wasser in den Becken mit Chlor versetzt, damit es für das Publikum klar aussieht. Dies führt bei den Meeressäugern jedoch zu übermäßiger Reizung der Augen und Haut. Müsste ein Mensch unter solchen Bedingungen leben, würden die körperlichen und seelischen Belastungen eine professionelle medizinische Behandlung erfordern. Den in Gefangenschaft gehaltenen Delfinen geht es nicht anders: Offene Wunden, Magengeschwüre, Lungenentzündungen, Depressionen und aggressives Verhalten - all das sind typische Folgen der Gefangenschaft bei Delfinen. Dies führt zum Einsatz von Psychopharmaka und in manchen Fällen sogar zum Suizid der Delfine. (3,6)

Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums werden die Forderungen eines Zuchtverbotes und der Schließung des Delfinariums Duisburg nochmals laut. Organisationen wie Whale and Dolphin Conservation (WDC) oder Pro Wildlife setzen sich für ein Auslaufen der Gefangenschaftshaltung von Delfinen und ein Zuchtverbot ein. (3,7) Die Delfine könnten in Meeresrefugien überführt werden - eine eingezäunte Meeresbucht, in der ein artgerechteres Leben für die Individuen möglich ist. Zwar leben Delfine in einem solchen Refugium nicht in völliger Freiheit, doch sie sind nicht länger Teil der Show-Branche, und die Bedingungen in einer Meeresbucht ähneln ihrem natürlichen Lebensraum deutlich mehr. Aktuell existiert jedoch noch kein solches Refugium in Europa.

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Delfine gehören in die Freiheit und nicht in Delfinarien!

Bild: Manokhan78 - Shutterstock.com

Delfine direkt auswildern?

Sollen Delfine, die ihr gesamtes oder einen großen Teil ihres Lebens in Gefangenschaft verbracht haben, vollständig ausgewildert werden, müssen erhebliche Hürden überwunden werden - sofern eine Auswilderung überhaupt möglich ist.

In der Natur müssen Delfine ihre eigene Beute jagen, sich im Meer orientieren können und Feinden entkommen. All das müssen und können Delfine nicht, welche in Gefangenschaft gehalten werden. Hinzu kommt, dass viele dieser Tiere - wie bereits beschrieben - unter erheblichen psychischen und physischen Belastungen leiden. Für Delfine, welche jahrelang in Gefangenschaft gehalten wurden und daher ein Leben lang auf Medikamente und Pflegepersonal angewiesen sind, schränkt dies die Überlebenschancen in der Natur zusätzlich stark ein. Die letzte Hürde der Auswilderung von Delfinen ist die Reintegration in eine freilebende Gruppe. Delfingruppen weisen ein ausgeprägtes soziales Gefüge auf, in der neue oder unbekannte Individuen - insbesondere solche, denen wichtige Fähigkeiten fehlen - kaum Zugang finden. Zudem sind in Gefangenschaft gehaltene Delfine an den Kontakt zu Menschen gewöhnt, was die Kommunikation zu anderen Delfinen und soziale Interaktion bei der Reintegration zusätzlich erschwert.

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In Gefangenschaft gehaltene Delfine wieder in die Freiheit zu entlassen, ist kaum möglich.

Delfine, welche jahrelang in Gefangenschaft gehalten wurden, haben in der Freiheit der Ozeane kaum Überlebenschancen. Sie waren in jahrelanger Gefangenschaft an Fütterung und Versorgung durch Pflegepersonal sowie an Medikamente und Psychopharmaka gewöhnt. Sie hatten kaum Möglichkeit, die Kommunikation zu anderen Delfinen und natürliche soziale Interaktion in einer Gruppe zu lernen, was die Reintegration in eine freilebende Gruppe erschwert. Delfingruppen in freier Natur weisen ein ausgeprägtes soziale Gefüge auf, in der neue oder unbekannte Individuen - insbesondere solche, denen wichtige Fähigkeiten fehlen - kaum Zugang finden.

Bild: lornet - Shutterstock.com

Weltweit werden über 3.000 Delfine in Delfinarien gehalten. Bislang konnten weniger als 40 Delfine erfolgreich ausgewildert werden. Diese Zahlen verdeutlichen eindrücklich, mit welch enormem Aufwand und welchen Herausforderungen eine Auswilderung tatsächlich verbunden ist. (8,9) Die aktuell in Gefangenschaft gehaltenen Delfine haben nur eine begrenzte Chance auf Auswilderung oder auf die Überführung in ein passendes Meeresrefugium. Genau aus diesem Grund sollten Delfine nicht mehr gezüchtet werden.

Die Tierrechtsorganisation PETA appelliert seit Jahren an die Bundesregierung, dem Vorbild anderer Nationen zu folgen und die Haltung von Delfinen zu verbieten. Viele andere europäische Länder haben bereits entschieden, ihre Delfinarien zu schließen - aufgrund der tierschutzwidrigen Haltung: In Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Kroatien, Zypern und vielen anderen Ländern gibt es keine Delfinarien mehr. In Frankreich wurde ein Verbot für Delfin-Shows und die Zucht der Meeressäuger verhängt, das am 2. Dezember 2026 in Kraft tritt. Auch in Belgien muss das letzte Delfinarium bis 2037 endgültig schließen. (2,4,7)

Auch Sie können helfen! Unterstützen Sie keine Delfinhaltung in Gefangenschaft, besuchen Sie keine Delfinarien, machen Sie keine »Delfintherapien« und nutzen Sie keine Angebote zum Schwimmen mit Delfinen. Klären Sie Bekannte und Freunde auf - für die Freiheit von Delfinen!

Delfine Facanv shutterstock

Bild: Facanv - Shutterstock.com

Quellen:

(1) Delfinarium Zoo Duisburg Internetauftritt. https://delfinarium-zoo-duisburg.de/haltung

(2) 60 Jahre Delfinarium Duisburg: Kein Grund zum Feiern. Pro Wildlife, 11.7.2025. www.prowildlife.de

(3) Flippers Erbe – Delfinarien in der Kritik. Delfine in Gefangenschaft – Leiden für die Show. Pro Wildlife. ww.prowildlife.de

(4) Duisburg: Größter »Delfinfriedhof« Europas feiert 60-jähriges Bestehen. Tierrechtsorganisation PETA fordert Umsiedlung der Großen Tümmler in Sanctuary und verweist auf Haltungsverbote in anderen Ländern. PETA, 10.7.2025. www.peta.de

(5) Delfinschützer O’Barry nennt Zoo Duisburg »größten Delfin-Friedhof der Welt«. Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 30.3.2012. www.waz.de

(6) Tier-Shows: Gefangenschaft treibt Delfine in den Selbstmord. WELT, 30.06.2014. www.welt.de

(7) Zwei Delfine weniger im Duisburger Zoo. Whale and Dolphin Conservation (WDC), 14.6.2023. de.whales.org/2023/06/14/zwei-delfine-weniger-im-duisburger-zoo/

(8) Can captive dolphins be released? Enviroliteracy, 04.03.2025. enviroliteracy.org/can-captive-dolphins-be-released/

(9) Five Myths the Dolphin Industry Tells, World Animal Protection, 09.04.2021 www.worldanimalprotection.org.au/news/five-myths-dolphin-industry-tells/