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Deutschland: Gefährliches Land für Zugvögel

Die Bestände vieler Vogelarten nehmen rapide ab. Besonders stark betroffen sind Zugvögel, die über tausende Kilometer zwischen den Brutgebieten und ihren Überwinterungsgebieten hin und her ziehen. Eine neue Studie zeigt: Deutschland gehört zu den Ländern, die für Zugvögel am gefährlichsten sind.

Ein britisches Forscherteam hat untersucht, was für Zugvögel besonders gefährlich ist. »Es gibt immer mehr Belege dafür, dass die vom Menschen geschaffene Infrastruktur für Zugvogel­populationen besonders schädlich sein kann«, so Studien-Ko-Autor James Gilroy. Dazu gehören Gebäude, Straßen, Windturbinen und die Lichtverschmutzung. Hinzu kommt die Jagd auf Zugvögel. »Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass der Druck für Populationen am größten ist, die mehreren Bedrohungen gleichzeitig ausgesetzt sind - zum Beispiel Arten, die in Gebieten leben, in denen die Infrastruktur stark ausgebaut wurde, in denen selbst die verbleibenden natürlichen Lebens­räume geschädigt sind und in denen es gleichzeitig ein höheres Maß an Jagd und anderen Störungen gibt.«

Deutschland gehört laut der Studie zu den Ländern, die für Zugvögel am gefährlichsten sind: Neben stark ausgebauter Infrastruktur und nächtlichen Lichtquellen weist Deutschland aufgrund von industrieller Landwirtschaft ein relativ hohes Maß an Lebensraumzerstörung auf. Hinzu kommt die Vogeljagd.

Im Naturschutzgebiet »Petkumer Deichvorland«,

Teil eines EU-Vogelschutzgebiets, wird seit Jahren Jagd auf Wasservögel gemacht - auch auf arktische Gänse auf dem Vogelzug. Unglaublich: Die Gänsejagd im Naturschutzgebiet ist erlaubt! · Bilder: Eilert Voss

Immer wieder werden auch streng geschütze Arten

getroffen: Die Nonnengans ist nach deutschem und europäischem Recht streng geschützt und nicht jagdbar. · Bilder: Eilert Voss

Vogeljagd in Deutschland

In Deutschland sind - im Unterschied zu anderen EU-Ländern - nicht nur zahlreiche Vogelarten wie Wildtauben, Krähen, Fasane, Rebhühner und Waldschnepfen durch die Jagdgesetze zur Jagd freigegeben, sondern zum Teil ganze Vogelfamilien: »Enten«, »Gänse« und »Möwen«. Wenn Jäger in die Gänseschwärme schießen, werden auch immer wieder streng geschützte Arten getroffen.

Jedes Jahr werden in Deutschland durch die Jagd bis zu zwei Millionen Wildvögel getötet. Hinzu kommen etwa 300.000 Wasservögel, die »nur« angeschossen wurden - und dann durch die Verletzungen oder durch eine Bleivergiftung aufgrund von Bleischrot-Munition einen qualvollen Tod sterben.

»Man kann nur nachdrücklich fordern, dass die Jagd auf Vögel vollständig eingestellt wird. Jägerische Schießlust ist kein triftiger Grund.«
Prof. Dr. Josef H. Reichholf, Zoologe und Ornithologe

Quellen:
· Claire Buchan, Aldina M. A. Franco, James Gilroy et al: Spatially explicit risk mapping reveals direct anthropogenic impacts on migratory birds. 24.6.2022
onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/geb.13551
· Vogelzug: »Deutschland gehört zu den gefährlichsten Ländern für Zugvögel überhaupt«. Interview mit James Gilroy von der School of Environmental Sciences. RiffReporter, 29.6.2022.
www.riffreporter.de
· Komitee gegen den Vogelmord: Gesetzeslage in Deutschland.
www.komitee.de/de/projekte/deutschland/gesetzeslage-in-deutschland/