Die Verfolgung von Vegetariern durch die Kirche
»Katharer-Taube« auf einem Sandsteindenkmal, das an die Ermordung der Katharer in Südfrankreich erinnert. Die Gemeinschaft der Katharer wurde durch die Inquisition und einen Kreuzzug der Katholischen Kirche im 13. und 14. Jahrhundert ausgerottet.
Über die urchristliche Glaubensbewegung der Katharer findet sich in den Inquisitionsakten der Kirche Folgendes: »...sie durften ... kein Tier töten.« Und: »Ferner glauben sie, dass es sogar in drängender Not eine Todsünde sei, Fleisch, Eier oder Käse zu essen...« · Bild: »Taube in Minerve«, Slatibartfas, CC-Lizenz (BY 2.0)
Von Julia Brunke, Redaktion FREIHEIT FÜR TIERE
»Wenn jemand Fleischspeisen, die Gott den Menschen zum Genuss gegeben hat, für unrein hält und ... auf sie verzichtet ..., der sei mit dem Bannfluch belegt.«
Papst Johannes III., Synode von Braga, 561 n. Chr.
Diesen Bannfluch verkündete Papst Johannes III. im Jahr 561 nach Christus auf der Synode von Braga in Portugal. Ein Bannfluch hatte die »Vogelfreiheit« zur Folge: Der Gebannte verlor als Ausgeschlossener aus der Gesellschaft alle Rechte.
Ganz in diesem Geiste wurden im Jahre 1051 durch die Bischofsversammlung in Goslar »Ketzer«, die ausschließlich von Pflanzennahrung lebten, zum Tode verurteilt, weil sie sich geweigert hatten, Hühner zu töten. Das Töten von Hühnern wurde zum »Test«, um Ketzer zu erkennen!
Etwa 200 Katharer wurden zum Osterfest des Jahres 1244 unterhalb der Festung Montségur durch katholische Kreuzzügler verbrannt.
Die Katharer (die »Reinen« - von griechisch: katharós = rein) waren eine urchristliche Glaubensbewegung vom 12. bis zum 14. Jahrhundert. Sie lebten vor allem in Südfrankreich (Okzitanien), aber auch in Italien, Spanien und Deutschland. Bekannt sind sie auch als »Albigenser« nach der südfranzösischen Stadt Albi, einer ehemaligen Katharer-Hochburg. Sie selbst nannten sich »veri christiani« (»die wahren Christen«).
Aus dem Wort Katharer wurde die abwertende Bezeichnung »Ketzer« für alle Abweichler von der katholischen Kirche.
· Bild: Die Ketzer von Montsegur, Alte Gravur. Morphart Creation - Shutterstock.com
Warum verfolgte die Kirche vegetarisch lebende »Ketzer«?
Dass die Katholische Kirche - und später auch die Lutherische Kirche - über viele Jahrhunderte hunderttausende sogenannte Ketzer verfolgte, grausam foltern und brutal töten ließ - oft durch Verbrennen bei lebendigem Leibe -, gehört heute zum Allgemeinwissen. Interessant ist jedoch, dass fast allen verfolgten Gemeinschaften, die dem urchristlichen Glauben treu waren, etwas gemeinsam war: Sie weigerten sich strikt, Menschen und Tiere zu töten und Fleisch zu essen!
Als »Ketzer« wurden sie durch die Kirche jahrhundertelang verfolgt und erbarmungslos ausgerottet. Was hat diese Menschen bewogen, die Tiere als Mitgeschöpfe zu achten? Was war ihre Ethik, mit der sie ihrer Zeit - und auch dem Verhalten der meisten Menschen heute - weit voraus waren?
Wer waren die »Ketzer«?
Mit der Entstehung der römischen Machtkirche in den ersten Jahrhunderten nach Jesus von Nazareth hatte sich die Kirche immer mehr von der urchristlichen Lehre entfernt. Besonders im Mittelalter war es offensichtlich, dass die Kirche nicht in den Spuren des Jesus von Nazareth wandelte. Ein Zeitgenosse schrieb: »Dekadente Prälaten, Bischöfe, die immer reicher werden, weil sie ihre Gemeinden skrupellos ausplündern, Päpste und Kardinäle mit einer reichen illegitimen Kinderschar, Klöster, die auf eine sehr unmittelbare Art „Häuser der Lust und Freude“ sind, ... Oberhirten, die ganze Landstriche mit Krieg und Zerstörung überziehen..., um ihren Machtbereich und ihre Territorien zu erweitern« - dies war der Nährboden, der eine Sehnsucht nach dem ursprünglichen Christentum weckte und ein Wiedererwachen desselben begünstigte. (Quelle: Die Verfolgung von Vegetariern durch die Kirche. Verlag Das Brennglas, 2003)
Die urchristlichen Bewegungen bemängelten deshalb, dass die katholische Kirche nichts mit den Lehren des Jesus von Nazareth gemein habe. Sie erkannten die römische Kirche als heidnische Kultreligion. Sie vermissten fundamentale Lehren Jesu, die bei der Zusammenstellung der Bibel und der katholischen Glaubenssätze nicht aufgenommen wurden: wie die Achtung der Tiere als Mitgeschöpfe, die Lehre von der Reinkarnation oder das Gesetz von Saat und Ernte.
Bischof Buchard von Orta, Zeremonienmeister bei Papst Alexander VI., hielt über die Zustände im Vatikan im 15. Jahrhundert handschriftlich fest: »Wollte ich all die in Rom vorkommenden Mordtaten, Räubereien und Gräuel aufzählen, so fände ich kein Ende. Wie viel Vergewaltigungen und Blutschande! Wie viel Verdorbenheit macht sich in diesem päpstlichen Palast breit, ohne Scheu vor Gott oder den Menschen! Welche Herden von Kupplerinnen und Prostituierten treiben sich in diesem Palast St. Peter herum!«
Und so stand auf der einen Seite eine blutrünstige Kirche, die an Grausamkeit und Perversität nicht mehr zu überbieten war, und auf der anderen Seite die so genannten Ketzer, die sich bemühten, ein friedvolles Leben - auch gegenüber den Pflanzen und den Tieren - im Sinne der Bergpredigt Jesu zu führen.
Bekannt ist die Szene, wie Jesus von Nazareth die Tierhändler aus dem Tempel hinaustrieb und die Tiere freiließ. Und er rief: »Steht nicht geschrieben: Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker? Ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht!«
Gemälde von Jean Jouvenet: Les marchands chassés du Temple (1706) · Foto: Gloumouth1 / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Verheimlichte Tierliebe Jesu
Jesus von Nazareth wurde im Stall mitten unter den Tieren geboren. Über die Tierliebe des Jesus von Nazareth ist in der Bibel kaum etwas zu finden - solche Stellen wurden im 4. Jahrhundert durch Correctores in den Evangelien »korrigiert«. Aus frühchristlichen Berichten wird deutlich, dass Jesus kein Fleisch gegessen hat und sich für die Tiere einsetzte.
»Wahrlich, Ich sage euch, darum Bin Ich in die Welt gekommen, dass Ich abschaffe alle Blutopfer und das Essen des Fleisches der Tiere und Vögel, die von Menschen geschlachtet werden.«
(Das Evangelium Jesu, Kap. 75, 9, Rottweil, 1986)
»Siehe die Felder, wie sie wachsen und fruchtbar sind, und die fruchttragenden Bäume und die Kräuter!
Was willst du noch mehr als das, was dir die ehrliche Arbeit deiner Hände gibt?«
(Das Evangelium Jesu, Kap. 14, 7, Rottweil, 1986)
Clemens von Alexandrien schrieb über den Jünger Matthäus, er habe allein von Pflanzenspeisen gelebt und kein Fleisch berührt. Der Kirchenvater und Bischof von Cäsarea Eusebius (264 - 349) zitiert in seiner Kirchengeschichte den Kirchenschriftsteller Hegesipp, wonach der Jünger Johannes niemals Fleischkost genossen habe. In der gleichen Quelle wird von Jakobus dem Jüngeren berichtet, dass er niemals etwas aß, das beseelt war. Jakobus war der Führer der ersten Christengemeinde in Jerusalem. Er gilt nach evangelischer Lehre als Bruder Jesu, nach katholischer Auffassung als Vetter Jesu.
Vegetarisches Urchristentum
Die ersten Christen in den Urgemeinden töteten keine Tiere und sie aßen kein Fleisch. Das Gebot »Du sollst nicht töten!« galt für die Urchristen also auch in Bezug auf die Tiere. In Bezug auf die Menschen natürlich sowieso. Wer Soldat oder wer Jäger war, konnte nicht gleichzeitig Mitglied in einer urchristlichen Gemeinde sein. Die ersten Christen waren also - wie Jesus - Pazifisten und daher Kriegsdienstverweigerer.
Wenn die Urchristen zusammenkamen, hielten sie ein gemeinsames Mahl. Dies war aber kein rituelles Abendmahl, sondern ein feierliches Abendessen. Sie nannten es »Agape«, das heißt »Liebemahl«.
Johannes Chrysostomus (Erzbischof von Konstantinopel, er gilt als einer der größten christlichen Prediger) schrieb im 4. Jahrhundert über eine Gruppe solcher Urchristen:
»Keine Ströme von Blut fließen bei ihnen; kein Fleisch wird geschlachtet und zerhackt ...
Bei ihnen riecht man nicht den schrecklichen Dunst des Fleischmahles ...
Wünschen sie ein üppiges Mahl, so besteht ihre Schwelgerei aus Früchten,
und dabei empfinden sie höheren Genuss als an königlichen Tafeln.«
(Homil. 69)
Ein weiteres Zitat verdeutlicht die Einstellung der ersten Christen zum Fleischkonsum:
»Der Leib, der mit Fleischspeisen beschwert wird, wird von Krankheiten heimgesucht,
eine mäßige Lebensweise macht ihn gesünder und stärker und schneidet dem Übel die Wurzel ab.
Die Dünste der Fleischspeisen verdunkeln das Licht des Geistes.
Man kann schwerlich die Tugend lieben, wenn man sich an Fleischgerichten und Festmahlen erfreut.«
Basilius der Große (329–379), Kirchenvater und Erzbischof von Cäsarea
Als Kirchenvater Hieronymus (331–420) von Papst Damasus I in Rom die Aufgabe erhielt, aus den vielen überlieferten und einander widersprechenden Evangelien die Bibel zu schreiben, stand er unter dem großem Druck der entstehenden römischen Machtkirche und der politischen Kräfte. Dass Hieronymus aber um die Tierliebe Jesu wohl wusste, belegt anschaulich folgendes Zitat:
»Der Genuss des Tierfleisches war bis zur Sintflut unbekannt - aber seit der Sintflut hat man uns die Fasern und die übelriechenden Säfte des Tierfleisches in den Mund gestopft...
Jesus Christus, welcher erschien, als die Zeit erfüllt war, hat das Ende wieder mit dem Anfang verknüpft, sodass es uns jetzt nicht mehr erlaubt ist, Tierfleisch zu essen ...«
Kirchenvater Hieronymus von Bethlehem (331–420)
Mit der Aussage, Jesus Christus habe »das Ende wieder mit dem Anfang verknüpft« bezieht sich Kirchenvater Hieronymus auf die vegetarische Schöpfungsordnung: In der Schöpfungsgeschichte, wie sie in der Genesis beschrieben wird, gab Gott den Menschen Pflanzen und Früchte zur Nahrung.
Gott sprach:
»Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise.«
(Bibel, Schöpfungsgeschichte, Genesis 1,29)
Von den kriegerischen Römern wurden die Urchristen in den ersten Jahrhunderten zum Teil blutig verfolgt und im Kolosseum den Löwen zum Fraß vorgeworfen.
Christenverfolgung in Rom
Mit dem Aufkommen des Christentums im 1. Jahrhundert wurden die Anhänger der neuen Religion auch schon verfolgt. Sie weigerten sich, den Kaiser in Rom als Gott zu verehren. So verfolgte man die Christen, warf sie ins Gefängnis oder tötete sie. In Amphitheatern kämpften sie um ihr Leben.
Kaiser Konstantin machte das Christentum im 4. Jahrhundert zur Staatsreligion. Dies führte zu einer Verfälschung der ursprünglichen Lehre des Jesus von Nazareth. Die bis dahin pazifistisch lebenden Christen wurden gezwungen, Kriegsdienst zu leisten und Tiere zu essen. Diejenigen, welche dem urchristlichen Glauben treu blieben, wurden verfolgt.
Im 4. Jahrhundert machte der römische Kaiser Konstantin das Christentum zur Staatsreligion - aus machtpolitischen Gründen. Beim ersten Vatikanischen Konzil in Nicäa (325 n. Chr.) wurde der Fleischverzehr für Christen quasi vorgeschrieben und wurde in die entstehende Bibel aufgenommen. Die bis dahin pazifistisch lebenden Christen wurden nun offiziell gezwungen, Kriegsdienst zu leisten und Tiere zu essen. Diejenigen jedoch, welche dem urchristlichen Glauben treu blieben, wurden verfolgt. Von Kaiser Konstantin ist überliefert, dass er Vegetariern flüssiges Blei in den Hals schütten ließ.
Woher kommt das Schimpfwort »Ketzer«?
Das Wort »Ketzer« wurde abgeleitet von »Katharer«. Die Katharer waren eine urchristliche Bewegung in Südfrankreich im 12. und 13. Jahrhundert. »Katharer« heißt übersetzt: »die Reinen«. So wurde diese Bewegung von der Bevölkerung genannt. Denn die Katharer häuften keinen Besitz an, sondern teilten alles miteinander - so, wie es von den urchristlichen Gemeinden im ersten Jahrhundert berichtet wird. Die Katharer halfen armen und kranken Menschen. Sie lehnten jede Form von Gewalt ab. Sie aßen keine Tiere und lebten enthaltsam.
Leider gibt es über den Glauben dieser urchristlichen Gemeinschaften fast keine Original-Dokumente. Denn nicht nur »Ketzer« wurden von einer unglaublich blutrünstigen Kirche verfolgt, sondern die Kirche versuchte auch, ihre Lehre auszulöschen. Und so fielen auch fast alle ihrer Schriften dem Feuer anheim. Wenn wir etwas über den Glauben der »Ketzer« erfahren wollen, stehen uns heute nur die Protokolle der Inquisitoren zur Verfügung, also die »Untersuchungen« ihrer Verfolger und Mitschriften in den Verhören (oft unter Folter). Diese Quellen bringen Erstaunliches zum Vorschein.
Die Manichäer
Die Gemeinschaft der Manichäer entstand im 3. Jahrhundert nach Christus und fand schnelle Ausbreitung. Bereits im 4. Jahrhundert wurden die Manichäer als Ketzer angesehen und stießen auf wachsenden Widerstand. Im 6. Jahrhundert befanden sich die Manichäer in Europa im Niedergang, breiteten sich aber in Asien weiter aus. Über die Gemeinschaft der Manichäer ist in »Untersuchungen« ihrer Verfolger Folgendes zu lesen:
»Sie würden auf keinen Fall irgendein Tier töten, weil sie sagen und glauben, dass sich in vernunftlosen Tieren und sogar in den Vögeln jene Geister (Seelen) befinden, die den Körpern der Menschen entweichen...«
Quelle: Bernard Gui, Manuel de l'Inquisiteur, Band 1, Paris 1926 (Les Classiques de l'Histoire de France au Moyen Âge 8), S. 18-22
»Die besagten Ketzer sagen auch, man dürfe kein Fleisch essen, und das erklären sie so: „... Man liest nie, dass Christus Fleisch aß.... also essen auch wir keines".«
Quelle: Cod. Monac. lat. 544 (Saec. XV.)
»Sie essen jedoch auch kein Fleisch... Sie essen nicht einmal Eier... Sie dürfen sich nicht von irgendwelchen toten Körpern ernähren... Sie trinken auch keine Milch...«
Quelle: Petra Seifert/Manfred Pawlik: Geheime Schriften mittelalterlicher Sekten. Aus den Akten der Inquisition, Pattloch Verlag, 1997, S. 115
In einer Schrift der Manichäer heißt es: »Da der Mensch essen muss, um auf Erden leben zu können, ist es besser, Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, die viele Lichtanteile enthalten, wie Obst in leuchtenden Farben, Melonen, Kürbisse und Gurken.«
Quelle: Seifert/Pawlik, a.a.O., S. 116
Die Bogomilen
Die urchristliche Bewegung der Bogomilen (Gottesfreunde) verbreitete sich vom 9. bis ins 15. Jahrhundert von Bulgarien aus über Mazedonien, Serbien, Montenegro und Bosnien bis nach Dalmatien und weit darüber hinaus. Die Bogomilen bezogen das Gottesgebot »Du sollst nicht töten« auf jedes von Gott geschaffene Leben und töteten und aßen daher auch keine Tiere. In den Akten der Inquisition ist über die Bogomilen zu lesen:
»Sie verurteilen das Essen von Fleisch und allem, was vom Leibe kommt, und behaupten, dass jene nicht errettet werden können, die Fleisch und Gepökeltes essen.«
Quelle: Aus dem Verzeichnis der Irrtümer der bosnischen Christen, Punkt 30, aus dem 14. Jahrhundert
»Ihre Nahrung war ausschließlich pflanzlich - verboten waren ihnen Fleisch, Milch, Käse, Eier. Sie lebten ausschließlich von Brot, Früchten und Gemüse.«
Quelle: Zeljko Fajfric, Sveta loza Stefana Nemanja, Grafosrem,Sid, 1998, S. 50
In Bosnien, Kroatien, Serbien und Montenegro stehen über 70.000 Bogomilensteine. Sie sind Zeugnisse ihres Glaubens und ihrer Kultur: In die Steine wurden Bilder gemeißelt, welche die Einheit von Mensch, Tier und Natur symbolisieren.
Bild: Bogumilenstein in Brontnice, Kroatien. stu.dio - Shutterstock.com
Die Katharer
Die Katharer waren eine urchristliche Glaubensbewegung, die im 12. und 13. Jahrhundert vor allem in Südfrankreich (Okzitanien), aber auch in anderen Teilen Europas und bis nach Deutschland verbreitet war. Allein die Inquisitionsprotokolle des Bischofs Jacques Fournier umfassen 578 Vernehmungen. Manche Verhöre füllen 10, 20 oder mehr großer Folio-Seiten. Über die Katharer findet sich in den Inquisitionsakten Folgendes:
»...sie durften ... kein Tier töten.«
»Ferner glauben sie, dass es sogar in drängender Not eine Todsünde sei, Fleisch, Eier oder Käse zu essen...«
»... sie beten oft, fasten und verzichten alle Zeit auf Fleisch, Eier und Käse...«
Quelle: Petra Seifert/Manfred Pawlik: Geheime Schriften mittelalterlicher Sekten. Aus den Akten der Inquisition, Pattloch Verlag, Augsburg 1997
Die Katharer hielten mit den Gläubigen ein »Liebemahl« (Agape) wie im Frühchristentum, mit ausschließlich pflanzlichen Speisen. Vor jeder Mahlzeit brach der Älteste unter ihnen das Brot und segnete es. Die Katharer verwarfen die römisch-katholische Eucharistie mit der Wandlung von Brot in den Leib und von Wein in das Blut Christi.
Quelle: Otto Rahn: Kreuzzug gegen den Gral: Die Geschichte der Albigenser. Verlag Zeitenwende, 4. Aufl. 2018
In einem Inquisitionsprotokoll ist der Eid eines der Ketzerei Angeklagten zu lesen. Johann Teisseire aus Toulouse verteidigte sich gegen den Vorwurf, den Katharern anzugehören:
»Ich bin kein Ketzer, ... ich esse Fleisch, ich lüge, schwöre und bin ein gläubiger Christ, so wahr mir Gott helfe.«
Quelle: Otto Rahn: Kreuzzug gegen den Gral. s.o.
Was war der Glaube der Ketzer?
Wie die urchristlichen Bewegungen selbst wurden auch ihre schriftlichen Aufzeichnungen - die Bogomilen sollen sogar eine eigene Universität aufgebaut haben, an der ihre Gelehrten Wissen weitergaben - systematisch durch die Inquisitoren vernichtet. So sind von den Katharern gerade einmal drei originale Schriftstücke erhalten (wobei nur bei zwei davon als gesichert gilt, dass sie tatsächlich aus ihrer Feder stammen). Was also der Glaube der »Ketzer« war, erfahren wir nur aus den Aufzeichnungen ihrer Gegner und vor allem den akribischen Aufzeichnungen der Inquisitionsverhöre.
Für diesen Glauben wurden die Bogomilen verfolgt:
· Die Bogomilen glaubten an zwei Prinzipien: Gut und Böse, Gott und Satan, Geist und Materie als gegensätzliche Kräfte.
· Die Bogomilen lehnten die kirchliche Hierarchie, Papst, Priester und die Verehrung von Heiligen ab und betonten eine direkte Beziehung zu Gott.
· Die Bogomilen lehnten die Säuglingstaufe, die Eucharistie und andere Sakramente ab. Statt dessen vollzogen die Bogomilen eine Geisttaufe und versprachen, Gott zu lieben.
· Für die Bogomilen galt das Gottesgebot »Du sollst nicht töten« für Menschen und Tiere.
Quelle: Walter L. Wakefield, Austin P. Evans, Heresies of the High Middle Ages, Columbia University Press, New York, 1991
· »Sie verurteilen das Essen von Fleisch und allem, was vom Leibe kommt, und behaupten, dass jene nicht errettet werden können, die Fleisch und Gepökeltes essen.«
Quelle: »Verzeichnis der Irrtümer der bosnischen Christen« aus dem 14. Jahrhundert. die-bogomilen.de
Die Bogomilensteine sind gleichzeitig Mahnmale der jahrhundertelangen Verfolgung dieser Urchristen durch die Kirche:
Häufig ist der Hirsch zu sehen, der als Symbol für die Geisttaufe der Bogomilen steht. Auf vielen Steinen wird der Hirsch als von Jägern und Hunden Verfolgter dargestellt. Die Hunde stehen für die Dominikanermönche, welche die »Ketzer« grausam verfolgten und »Hunde des Herrn« (»domini canes«) genannt wurden.
· Bild: die-bogomilen.de
Für diesen Glauben wurden die Katharer verfolgt:
· Die Katharer glaubten an eine dualistische Welt: Gott ist der Schöpfer einer geistigen Welt und ausschließlich gut. Die Erde wurde nicht von Gott geschaffen. Das Materielle entstand durch den Abfall von Gott. Die Menschen sind gefallene Engel. Die geistige Welt (Gott) und das Materielle (Satan, das Böse) stehen im Kampf miteinander.
· Die Katharer lehrten absolute Gewaltlosigkeit gegenüber Menschen und Tieren.
· Die Katharer glaubten an ein weiblichen Prinzips im Göttlichen. Der weibliche Aspekt Gottes ist Sophia, »Weisheit«. Darum waren Männer und Frauen in ihren Gemeinschaften gleichgestellt.
· Die Katharer glaubten an Reinkarnation: Eine Seele wird immer wiedergeboren, bis sie sich der Welt entzieht und wieder göttlich wird. Es gibt keine ewige Verdammnis.
· Die Katharer lehnten die Lehren der katholischen Kirche als vom Satan inspiriert ab. Sie kritisierten die Heuchelei und die Ausschweifung der Päpste und Priester und den Erwerb von Land und Reichtum durch die Kirche.
Quelle: Michel Roquebert: Die Geschichte der Katharer. Reclam, 2012
Der Montségur in Südfrankreich - hier suchten viele Katharer Zuflucht. 10.000 Kreuzfahrer belagerten die Burg vom Sommer 1243 bis März 1244.
Die Bewohner der Burg wurden vor die Wahl gestellt, entweder ihrem Glauben abzuschwören oder auf dem Scheiterhaufen am Fuße des Berges verbrannt zu werden.
Die Katharer, nach ihrem Wirken in der Stadt Albi auch als Albigenser bezeichnet, hatten im 12. Jahrhunderts unter dem Schutz vieler Adeliger in Okzitanien und vor allem in der dortigen Provinz Languedoc eine mächtige urchristliche Bewegung ins Leben gerufen, welche die römische Kirche, die Ausschweifungen, Gier und Verrohung des Klerus kritisierte und der Lehre des Jesus von Nazareth unmittelbar folgte.
Okzitanien war trotz Lehnshoheit des französischen Königs weitgehend unabhängig, hatte eine eigene Sprache, eine blühende Kultur und war durch den Handel über das Mittelmeer wohlhabend. Die Katharer, die sich selbst »gute Christen« oder »Freunde Gottes« nannten, wurden durch ihre vorbildliche Lebensführung, aber auch als kunstfertige Handwerker, Architekten, Heilkundige und Gelehrte geschätzt. Die okzitanischen Adligen vertrauten ihnen die Erziehung iher Kinder an, viele Adlige waren katharische »Gläubige«. Predigte ein »Ketzer«, strömte das Volk herbei.
Der Katharerkreuzzug leitete den Untergang der Katharer ein. Das bis dahin unabhängige Okzitanien fiel unter die Herrschaft des französischen Königs. Nicht nur die Bewegung der Katharer wurde ausgelöscht, sondern auch die Sprache und Kultur Okzitaniens. Die Inquisition und weitere Feldzüge vernichteten schließlich die Katharer bis zum Ende des 13. Jahrhunderts.
Bild: Burg Montsegur - CristiDumi – Shutterstock.com
Für diesen Glauben wurden die Waldenser verfolgt:
Die urchristliche Glaubensbewegung der Waldenser entstand Ende des 12. Jahrhunderts in Lyon am Rande der Alpen, benannt nach ihrem Gründer, dem Kaufmann Valdès. Die Waldenser verbreiteten sich im Mittelalter über ganz Europa hinweg - immer im Untergrund. In den Inquisitionsverhören von Inquisitor Petrus aus dem Jahre 1398 wurden »die Irrlehren der Ketzer von der Sekte der Waldenser« aufgezeichnet:
»... Sie glauben, dass sie von Gott allein und nicht vom Papst oder irgendeinem katholischen Bischof die Vollmacht haben, das Wort Gottes zu verkünden.«
»Ferner verurteilen sie die römische Kirche deshalb, weil sie seit der Zeit von Papst Silvester Besitztümer angenommen, behalten und erworben hat.«
»Ferner glauben sie nicht, dass eine geweihte Kirche heiliger sei als irgendein beliebiges anderes gewöhnliches Haus.
»Ferner verurteilen und verwerfen sie die Verehrung von Bildern und das Küssen von Reliquien. Ferner verurteilen und verwerfen sie die Ablässe der Kirchenfürsten. (...)«
Quelle: Cod. S. Emmeram. Ratisb. X, 5.
»... jede Art des Blutvergießens galt ihnen als Todsünde.«
Quelle: Seifert/Pawlik, a.a.O., S. 311
In einer Würzburger Handschrift aus der Zeit der Ketzerverfolgung finden sich unter anderem folgende Aussagen:
»Sie behaupten, die Taufe sei bei Kindern deshalb unwirksam, weil sie noch nicht wirklich glauben können.«
»Sie behaupten, das Sakrament der Firmung sei wertlos, aber anstelle dieses Sakraments legen ihre Lehrer ihren Schülern die Hände auf.«
»Sie behaupten, der Leib und das Blut Christi seien nicht echt, sondern nur gesegnetes Brot, das in gewisser Weise Leib Christi genannt wird.«
»Es sei nicht erlaubt, Tiere zu töten, Fische und dergleichen...«
Quelle: Cod. Wirceburg., 190 fol.
Wer sich weigerte, Tiere zu töten, galt nachweislich als »Ketzer«
Die kirchliche Inquisition des Mittelalters ließ sogar Menschen umbringen, die sich weigerten, Tiere zu töten. Als Beweis seiner Rechtgläubigkeit musste ein Verdächtiger öffentlich ein Tier schlachten. Tat er dies nicht, galt er als Ketzer überführt.
In einem Buch über das Papsttum ist zu lesen: »Durch die Bischofsversammlung in Goslar im Jahre 1051 wurden mehrere als Ketzer zum Tode verurteilt, weil sie sich geweigert hatten, Hühner zu töten: Denn es entspräche den Anschauungen der Katharer, keine Tiere zu töten.«
Quelle: Graf von Hoensbroech: Das Papsttum in seiner sozial-kulturellen Wirksamkeit, Volksausgabe, Leipzig, Breitkopf und Härtel, 1904, Seite 35.
Kreuzzug gegen die Katharer
Die Gemeinschaft der Katharer in Südfrankreich, die der ursprünglichen Lehre von Jesus, dem Christus, nachfolgten, weder Menschen noch Tiere töteten und ausschließlich von Pflanzen lebten, wurde durch einen regelrechten Kreuzzug der römischen Kirche ausgelöscht.
»Wenn ihr sie nicht bekehren könnt, dann tötet sie!« - Dies forderte der Mönch Bernhard von Clairvaux im Kreuzug gegen die Katharer. Unglaublich: Der Kreuzzugprediger wurde 1174 heiliggesprochen und 1830 zum Kirchenlehrer ernannt.
Papst Alexander III. beschloss im Jahre 1179, dass jeder, der mit »Irrgläubigen« Umgang hatte oder sie aufnahm, dem Bannfluch verfallen war. Die Häuser derer, die Ketzer unterstützt hatten, wurden zerstört und durften nie wieder aufgebaut werden. Wer nicht gegen sie in den Krieg ziehe, sei vom »Empfang des Leibes und Blutes des Herrn« ausgeschlossen. Dafür versprach er jedem zwei Jahre Ablass, wenn er gegen Ketzer kämpfe.
Der Kreuzzug gegen die Katharer wurde 20 Jahre lang von 1209-1229 geführt. Papst Innozenz III. (1161-1216) versprach jedem, der sich am Kreuzzug gegen die Katharer beteiligte, einen Ablass seiner Sünden.
So sammelte sich ein Heer von bis zu 200.000 Kreuzfahrern, um das Städtchen Béziers anzugreifen. Alle Einwohner, etwa 20.000 Menschen, wurden in einem Massaker getötet und die Stadt wurde niedergebrannt. Der päpstliche Gesandte, Abt Arnaud Amaury, soll den Kreuzfahrern auf die Frage, wie sie denn die Ketzer von den anderen Bewohnern unterscheiden sollten, geantwortet haben: »Tötet sie! Denn der Herr kennt die Seinen!« (»Caedite eos! Novit enim Dominus qui sunt eius!«).
Das nächste Ziel war Carcassonne, wo die Kreuzritter am 1. August 1209 eintrafen. Die Stadt war mit Flüchtlingen überfüllt. Nach zweiwöchiger Belagerung bot sie ihre Kapitulation an. Als die Kreuzritter die Stadt eroberten, waren fast alle Einwohner durch unterirdische Gänge in die umliegenden Wälder geflohen. Von den verbliebenen 500 Einwohnern, vor allem Greise, Kranke und Kinder, durften 100 die Stadt nackt, »nur mit ihren Sünden beladen«, verlassen, die anderen 400 wurden verbrannt oder gehängt.
Im Juli 1210 wurden in der Stadt Minerve mindestens 140 Katharer auf einem großen Scheiterhaufen verbrannt.
Im Mai 1211 wurden etwa 400 Menschen in Lavaur auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Bürgermeisterin, eine Katharerin, warf man bei lebendigem Leibe in einen Brunnen.
1243 belagerte ein 10.000 Mann starkes Heer die Katharer auf dem Montségur. Nach fast einem Jahr Belagerung wurden 225 Katharer auf einem großen Scheiterhaufen zum Osterfest lebendig verbrannt, weil sie die geforderte Unterwerfung unter den Glauben der römischen Kirche verweigerten.
In Städten und Dörfern wurde die Inquisition als Waffe eingesetzt und regelrechter Gesinnungsterror ausgeübt. Die 1229 unter Papst Gregor IX. tagende Synode von Toulouse verschärfte die Bestimmungen gegen die »Ketzer«: Ihre geheimen Zufluchtsorte sollten aufgespürt werden. Wer einen Ketzer verbarg, wurde mit dem Verlust des Vermögens oder gar mit dem Tod bedroht. Jedes Haus, in dem man einen Ketzer fände, sollte niedergerissen werden. Wer mit einem Ketzer verkehrte, war ebenso verdächtig. Der auf eine Vorladung nicht Erschienene oder Flüchtige galt ohne weiteres als schuldig. Wer erschien, wurde eingekerkert. Wessen Name in einem Verhör genannt wurde, fiel ebenfalls der Inquisition zum Opfer. Bis Ende des 13. Jahrhunderts waren die Katharer in Südfrankreich ausgerottet.
Unter der Verfälschung der Lehre Jesu mussten und müssen Unzählige leiden, Menschen und Tiere
Im Mittelalter wurden im Zeichen des Kreuzes und unter dem Schlachtruf »Gott will es!« (»Deus lo vult!«) in den Kreuzzügen »Irrgläubige« zu Tausenden hingemetzelt. Während der Inquisition wurden unter dem Kreuz Millionen Menschen gefoltert und verbrannt - angeblich »im Namen Gottes«. Die tierfreundlichen urchristlichen Bewegungen wurden immer wieder durch die römische Kirche verfolgt und ausgelöscht. Stattdessen setzte sich eine tierfeindliche Lehre durch.
Von Kaiser Konstantin, durch den aus machtpolitischen Gründen ab dem Jahr 313 n. Chr. das Christentum von einer verfolgten Minderheitsreligion zu einer staatlich geförderten Religion und schließlich zur Staatskirche wurde, wird berichtet, dass er Vegetariern Blei in den Hals geschüttet habe. Christen, die bisher Pazifisten waren, mussten nun Kriegsdienst leisten. Seither ist die Geschichte des Christentums eine Geschichte der Unterdrückung und des Tötens.
Bereits auf dem frühkirchlichen Konzil Ancyra im Jahr 314 n. Chr. wurde beschlossen, »dass die, die in der Geistlichkeit Priester und Diakonen waren und sich des Fleisches enthielten, es kosten sollten ... wenn sie aber Abscheu zeigten, nicht einmal das mit Fleisch vermischte Gemüse zu essen ... sind sie aus dem Amte zu entfernen«. Priester, die kein Fleisch aßen, galten fortan als »Irrlehrer« (Häretiker).
Papst Johannes III formulierte auf der Synode von Braga im Jahr 561 einen Bannfluch, der nicht nur für Priester, sondern jeden Christen galt und heute noch gültig ist:
»Wer die Fleischspeisen, die Gott zum Gebrauch der Menschen verliehen hat, für unrein hält und ... sich ihrer so enthält, dass er nicht einmal von Gemüse, das mit Fleisch gekocht wurde, kostet, ... der sei mit dem Anathema belegt.« (Anathema = Verfluchung und Kirchenbann)
Bild: Metzer (»Fleischhacker«) im Mittelalter. Dass die Tiere in unserer Gesellschaft millionenfach so unsagbar leiden müssen, ist nicht zuletzt auf die tier-feindliche Lehre der Kirche zurückzuführen.
Wenn auch einzelne Pfarrer oder Priester versuchen, sich innerhalb der Kirche für Tierschutz einzusetzen, stehen sie damit im Gegensatz zur Lehre ihrer Kirche. Denn die Kirchenlehre rechtfertigt bis heute Massentierhaltung, Tiertransporte, Schlachthöfe, Tierversuche und Jagd.
· Bild: Metzger Fleischhacker von 1465. Seite aus dem Hausbuch der Nürnberger Zwölfbrüderstiftung, Amb. 317.2° Folio 83 verso (Mendel I)
Dass der Mensch, dem die Schöpfung untertan sei, Tiere töten und essen und auch peinigen darf, ist Kirchenlehre seit Augustinus und Thomas von Aquin.
Kirchenvater Augustinus (354–430) lehrte, dass nur Menschen eine unsterbliche Seele haben. Tiere seien ohne Vernunft.
Thomas von Aquin (1225-1274), der zu den bedeutendsten Kirchenlehrern der römisch-katholischen Kirche zählt, lehrte, dass Tiere als »unvernünftige Wesen« nicht Gegenstand der Moral seien und machte sie zum »Ding«.
Descartes (1596-1650), Philosoph und Jesuitenschüler, griff diese Lehre auf und erklärte die Tiere zur »bloßen Sache«. Er bezeichnete die Tiere »als Maschinen und Automaten ohne Verstand und Vernunft, ohne Geist und Seele.«
Im Katechismus der katholischen Kirche ist heute zu lesen:
»2417 Gott hat die Tiere unter die Herrschaft des Menschen gestellt, den er nach seinem Bilde geschaffen hat. Somit darf man sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidern bedienen... Medizinische und wissenschaftliche Tierversuche sind sittlich zulässig...«
»2418 ... Auch ist es unwürdig, für sie Geld auszugeben, das in erster Linie menschliche Not lindern sollte. Man darf Tiere gern haben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt.«
Jedes Jahr im Herbst finden überall in den Kirchen die sogenannten Hubertusmessen statt. Priester und Pfarrer segnen Jäger, Jagd und die »Strecke« der getöteten Tiere.
Dies ist ein blutiger Etikettenschwindel: Denn der heilige Hubertus, in dessen Namen diese Messen stattfinden, hat in den Tieren Christus erkannt und mit der Jagd aufgehört. Der Legende nach war Hubertus ein leidenschaftlicher Jäger. Als er eines Tages bei der Jagd einen Hirsch schießen wollte, stellte sich dieser ihm plötzlich entgegen. Zwischen seinem Geweih erstrahlte ein Kreuz, und in der Gestalt des Hirsches sprach Christus zu ihm: »Hubertus, warum jagst du mich?« Hubertus stieg vom Pferd und kniete vor dem Hirsch nieder. Von diesem Moment an entsagte Hubertus der Jagd.
Ausgerechnet Weihnachten, das Fest der Geburt Jesu, sowie Ostern, das Fest Seiner Auferstehung, sind wahre Tötungsorgien: Die Leichen von Millionen von Gänsen und Enten landen auf dem festlich gedeckten Tisch, während man das Jesus-Püpplein dekorativ in die Krippe zu Ochs und Eselchen legt.
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Und zu Ostern wird »traditionell« Osterlamm gegessen.
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Jesus liebte die Tiere: Er trieb die Tierhändler aus dem Tempel und ließ die Tiere frei
Auf Jesus von Nazareth kann sich die Kirche dabei nicht berufen. Denn Jesus liebte die Tiere und trieb die Tierhändler mit der Peitsche aus dem Tempel. Dass Jesus Christus nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Tiere auf die Erde kam, wurde durch Seine Geburt im Stall zu Bethlehem deutlich: Er kam mitten unter den Tieren zur Welt.
Prof. Dr. theol. Dr. h.c. Erich Grässer (1927-2017), Ordinarius für Neues Testament an der Universität Bonn, bemerkte vor einigen Jahren treffend:
»Was ist mit Kirche und Tierschutz? Ich muss an dieser Stelle deutlich werden: Wenn einst die Geschichte unserer Kirche geschrieben wird, dann wird das Thema "Kirche und Tierschutz" im 20. Jahrhundert ein ebenso schwarzes Kapitel darstellen wie das Thema "Kirche und Hexenverbrennung" im Mittelalter.«
Aufgrund der tierfeindlichen Haltung und Lehre der katholischen Kirche - und ebenso der lutherischen Kirche - wurden und werden Milliarden und Abermilliarden Tiere unter grausamen Bedingungen in Massenställen eingepfercht und geschlachtet - mit dem ausdrücklichen Segen der Kirche.
Seit 2023 steht in Erlangen ein Mahnmal für Tierrechte gegen Tierversuche.
Das Werk der Bildhauerin Monika Ritter wurde initiiert von »Ärzte gegen Tierversuche«.
Bei der Eröffnung des Tierversuchszentrums in Erlangen 2005 wurde ein Gottesdienst der katholischen und evangelischen Kirche abgehalten - mit kirchlichem Segen für das Zentrum und die dort durchzuführenden Tierversuche.
Bild: monikaritter.de/bildhauerei/ · www.instagram.com/monika.ritter_bildh
Millionen Wildtiere werden von Jägern erschossen - die Kirche segnet die Jäger Jahr für Jahr in Hubertusmessen, auf dem Altar liegt der brutal erschossene Hirsch. Millionen und Abermillionen Tiere leiden und sterben Jahr für Jahr in Tierversuchslaboren - mit dem Segen der Kirche. Aber sicher nicht mit dem Segen Gottes!
Heute wendet sich das Blatt. Immer mehr Menschen sind Vegetarier und Veganer - und sie müssen nicht mehr fürchten, schief angesehen oder belächelt zu werden. Und immer mehr Menschen prangern die Tierfeindlichkeit der Kirche an: Tierfreunde protestieren, wenn Pfarrer und Priester neu gebaute Tierversuchszentren segnen. Sie protestieren gegen die sogenannten Hubertusmessen, in denen Pfarrer und Priester die Jäger und ihre Waffen segnen sowie die »Strecke« der grausam abgeknallten Tiere.
Kein Wunder also, dass immer mehr Tierfreunde - und nicht nur diese - aus der Kirche austreten.
Literatur:
· Die verheimlichte Tierliebe Jesu. Verlag Das Brennglas, 2006
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· Die Verfolgung von Vegetariern durch die Kirche. Verlag Das Brennglas, 2003
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· Petra Seifert/Manfred Pawlik Geheime Schriften mittelalterlicher Sekten. Aus den Akten der Inquisition, Pattloch Verlag, Augsburg 1997
· Michel Roquebert: Die Geschichte der Katharer - Häresie, Kreuzzug und Inquisition im Languedoc. Reclam, 2012
· Otto Rahn: Kreuzzug gegen den Gral: Die Geschichte der Albigenser. Verlag Zeitenwende, 4. Aufl. 2018.
· Die Bogomilen - Verfolgte Gottesfreunde in Südosteuropa.
https://die-bogomilen.de
· Ein Mahnmal für die Millionen Opfer der Kirche.
kirchenopfer.de
