Feuerwehr rettet Reh aus dem Eis – Jagdpächter schneidet kurzerhand die Kehle durch
Drei Feuerwehren rückten mit mehreren Einsatzwägen an, um das im Eis eingebrochene Reh zu retten.
Dann kam der Jagdpächter und schnitt dem Reh kurzerhand die Kehle durch. Der Kehlschnitt ist eine in der Jagdpraxis übliche Methode zum sogenannten »Abfangen« (Nottöten) von Wildtieren (siehe Bild).
Bild: Orhan Cam - Shutterstock.com
Dramatische Tierrettung mit grausamen Ende: Ein Reh bricht ins Eis ein. Passanten rufen die Feuerwehr. Drei Feuerwehren setzen in einer aufwändigen Rettungsaktion alles daran, das Reh aus dem Eis zu holen – mit Erfolg! Das Tier liegt abgetrocknet und in eine Decke gewickelt im Feuerwehrwagen, es wird mit der Standheizung aufgewärmt. Alle Helfer und Passanten freuen sich. Dann kommt der Jagdpächter – und schneidet ihm die Kehle durch.
Dieser Fall zeigt, wie weit die Einstellung vieler Hobbyjäger im Umgang mit unseren Mitgeschöpfen von der übrigen Bevölkerung abweicht. Mehrere Privatpersonen, eine Tierrechtsorganisation und das Landratsamt Cham haben Strafanzeige gegen den Jagdpächter erstattet – das Landratsamt sieht den Verdacht einer tierschutzrechtlichen Straftat.
Was war geschehen? Nachdem Spaziergänger die Feuerwehr alarmiert hatten, weil ein Reh beim Satzdorfer See im Eis eingebrochen war, rückten die Freiwilligen Feuerwehren von Cham, Chamerau und Niederrunding mit mehreren Einsatzwägen aus, um das Reh zu retten. Mit ungeheurem Einsatz gelang die Rettung: »Mit zwei Booten bahnen sich Einsatzkräfte den Weg zu dem Tier, das Eis wird hierzu vor dem Boot mit Äxten aufgeschlagen«, heißt es im Einsatzbericht der Chamer Feuerwehr. »Nach 15 Minuten kann das Reh erreicht werden und wird entkräftet an Land gebracht. Hier wird es abgetrocknet und im HLF20 15 Minuten lang über die Standheizung aufgewärmt.«
Dann traf der hinzugerufene Jagdpächter ein - und schnitt dem soeben aus dem Eis geretteten Reh einfach mit einem Messer die Kehle durch. Offenbar ging das alles sehr schnell. Der Todeskampf des Rehs soll laut Augenzeugen mehrere Minuten gedauert haben.
Mehrere Strafanzeigen
Das Landratsamt Cham hat Strafanzeige gegen den Jagdpächter erstattet - wegen Verdachts einer Straftat. Die Behörde prüft Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und das Jagdgesetz. Die Tierrechtsorganisation PETA hat ebenfalls Strafanzeige wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz erstattet. Auch mehrere Privatpersonen haben Anzeige erstattet. Das Verfahren wird von der Staatsanwaltschaft Regensburg geführt.
Augenzeugen widersprechen der Darstellung des Jägers
Die Aussagen zu diesem Vorfall gehen weit auseinander:
· Der Jagdpächter behauptet, er habe das Reh waidgerecht durch einen Nackenstich »abgenickt« (also vor dem Kehlschnitt die Nervenstränge zwischen Wirbelsäule und Gehirn durchtrennt) und das sei absolut notwendig gewesen, weil das Reh keinerlei Reaktionen mehr gezeigt habe.
· Augenzeugen widersprechen den Darstellungen des Jägers, dass das Tier regungslos am Boden gelegen hätte. Laut Zeugen seien vielmehr seine Hinterbeine eingewickelt, da es im Feuerwehrfahrzeug zu treten begann. Auch die Behauptung, dass das Reh den Kopf nicht mehr habe halten können, werde durch Bilder und Aussagen widerlegt. Feuerwehrbeamte widersprechen zudem, dass es einen Stich in den Nacken gegeben hätte. Außerdem beschreiben die Zeugen den Todeskampf des Tieres: Nachdem der Jagdpächter zugestochen hatte, hob das Reh den Kopf, röchelte und sein Brustkorb hob sich und sank krampfhaft.
Nachdem die Augenzeugenberichte in der Presse bekannt geworden waren, forderte PETA am 15.1.2026 die Jagdbehörde im Landratsamt Cham auf, den Jagdschein des Mannes bis zur Klärung der Vorwürfe vorläufig einzuziehen.
»Die Schilderungen lassen erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Rehtötung aufkommen. Selbstverständlich ist ein unterkühltes Reh erst einmal erschöpft, aber nach so kurzer Zeit war gar nicht sicher, ob es sich durch die Fürsorge der Retter noch hätte erholen können«, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. »Der traurige Ausgang der Rettungsaktion zeigt, was alles schlimm und sinnlos an der Jagd ist. Die meisten Menschen haben Mitgefühl mit einem Wildtier in Not und wollen helfen, doch der Jäger hat dem Reh offenbar nicht mal eine Chance gegeben.«
Quellen:
Eiskalte Tötung eines geretteten Rehs? Wildes Bayern, 3.2.2026. https://www.wildes-bayern.de/eiskalte-toetung-eines-geretteten-rehs/
Verdacht einer Straftat - Nach Reh-Tötung in Cham: Landratsamt zeigt den Jagdpächter an. Mittelbayerische Zeitung, 29.1.2026.
Cham: Jäger tötet Reh nach aufwendiger Rettungsaktion der Feuerwehr – PETA erstattet Strafanzeige. PETA, 13.1.2026. https://presseportal.peta.de/cham-jaeger-toetet-reh-nach-aufwendiger-rettungsaktion-der-feuerwehr-peta-erstattet-strafanzeige/
Tierrettung, Reh am Fluss Regen ins Eis eingebrochen. Freiwillige Feuerwehr der Stadt Cham e.V., 30.12.2025.https://www.chamer-feuerwehr.de/einsatze/tierrettung-1/
