Größter Legehennen-Schlachthof Bayerns: Mehrere Mitarbeiter wegen Tierquälerei verurteilt - Betrieb wird aufgelöst
Die wegen massiver Tierquälerei bundesweit in die Schlagzeilen geratene Geflügelschlachterei Buckl in Wassertrüdingen wird nach Schließung durch die Kontrollbehörde jetzt vollständig abgewickelt. Seit Ende April 2025 bekannt wurde, wie im größten Legehennen-Schlachthof Bayerns Hühner gequält wurden, läuft die strafrechtliche Aufarbeitung. Die Staatsanwaltschaft Ansbach, die die Ermittlungen geführt hat, hat bislang gegen sieben Schlachthof-Mitarbeiter Strafbefehle wegen Tierquälerei beim Amtsgericht Ansbach beantragt. Ein Verfahren ist inzwischen rechtskräftig. Die Ermittlungen gegen die Geschäftsleitung des Geflügelschlachthofs laufen weiter. In dem Schlachthof wurden bis zu 100.000 Hühner pro Tag getötet. Es handelte sich überwiegend um Legehennen, also Hühner aus der Eier-Industrie, deren Fleisch anschließend bundesweit als »Luna Suppenhuhn« in Supermärkten verkauft wurde.
Die Tierrechtsorganisation ANINOVA hatte Ende April 2025 umfangreiches Bildmaterial aus dem Schlachthof veröffentlicht, das massive Verstöße gegen das Tierschutzgesetz dokumentierte.
728 Tierschutzvergehen in 14 Tagen dokumentiert: »Ich habe selten solch eine große Vielzahl von Verstößen gesehen«
Film-Aufnahmen zeigten, wie Arbeiter lebenden Hennen Hälse und Körper verdrehen, Hühner mit Fäusten und Stangen schlagen sowie das Töten von Hühnern bei vollem Bewusstsein. Durch Mängel der Anlage wurde immer wieder lebenden Tiere der Kopf abgerissen - ohne vorherige Betäubung.
Die Auswertung des gesamten Videomaterials ergab: In dem dokumentierten Zeitraum vom 31.03.2025 bis 14.04.2025 kam es zu 728 Tierschutzvergehen, von denen über 530 als Straftaten eingestuft wurden. »Ich habe selten solch eine hohe Vielzahl von Verstößen gesehen«, sagt Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender von ANINOVA.
Kontrollbehörde untersagt das Schlachten
Unmittelbar nach der Veröffentlichung untersagte die Bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) das Schlachten in dem Betrieb. Bis dahin waren im größten Legehennen-Schlachthof Bayerns bis zu 100.000 Legehennen täglich geschlachtet worden - übrigens auch »Bio-Hühner«. Die ehemaligen Legehennen wurden unter dem Markennamen »Luna Suppenhuhn« vermarktet.
Staatsanwaltschaft ermittelt wegen massiver Verstöße gegen das Tierschutzgesetz
Die Staatsanwaltschaft Ansbach leitete Ermittlungen ein. Inzwischen wurden Strafbefehle gegen sieben Mitarbeiter erlassen, mit Geldstrafen zwischen 30 und 180 Tagessätzen. Zwei der Strafbefehle liegen über 91 Tagessätzen und führen damit zur Vorstrafe; einer davon ist bereits rechtskräftig. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich um Beschäftigte, die unmittelbar mit dem Schlachtvorgang befasst waren und anhand des Videomaterials identifiziert werden konnten. Weitere Verfahren wurden als Ordnungswidrigkeiten an die zuständige Verwaltungsbehörde abgegeben. Ermittlungen gegen die Verantwortlichen des Betriebs dauern weiterhin an.
Allein in Süddeutschland fallen jedes Jahr 8 Millionen »schlachtreife Legehennen« an
Nach der behördlichen Schließung gab es wiederholt Versuche, den Schlachthof wirtschaftlich zu erhalten. Der Landesverband der bayerischen Geflügelwirtschaft hatte sich lange um den Erhalt des Schlachthofs bemüht, berichtet die Süddeutsche Zeitung. »Der Grund: In den großen Eier-Betrieben in Süddeutschland - dem Einzugsgebiet der Firma Buckl - fallen jedes Jahr mindestens acht Millionen schlachtreife Legehennen an, alleine in Bayern sind es jedes Jahr fünf Millionen Tiere. Wohl der größte Teil davon wurde im Schlachthof Buckl getötet. Die Anlage galt in der Geflügelbranche als systemrelevant.«
Im Oktober 2025 scheiterten Gespräche über eine finanzielle Unterstützung oder Bürgschaften durch die bayerische Landesregierung. Auch eine mögliche Unterstützung durch das Land Baden-Württemberg, über die im Dezember 2025 verhandelt wurde, kam nicht zustande. Da keine weiteren Investoren, Käufer oder Übernahmeoptionen in Aussicht standen, fiel schließlich die Entscheidung, den Betrieb vollständig zu liquidieren. Daraufhin begann das Unternehmen, seine Fahrzeuge und Maschinen zu verkaufen. Rund 125 Mitarbeitende waren bereits vor einiger Zeit entlassen worden. In den kommenden Monaten soll die Liquidierung des Betriebs abgeschlossen sein.
»Der Fall Buckl zeigt exemplarisch, dass Tierquälerei in industriellen Schlachtbetrieben kein Ausnahmefall ist, sondern systembedingt entsteht«, sagt Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender von ANINOVA. Die Tierrechtsorganisation appelliert an Politik und Gesellschaft, aus diesem Fall die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, und empfiehlt allen Menschen, die Ausbeutung von Tieren nicht länger zu unterstützen.
Nach dem Ausfall von Buckl hat die TLC Landgeflügel GmbH in Massing ihre Kapazitäten massiv erweitert. Seit Frühjahr 2026 werden hier bis zu 25.000 Legehennen am Tag geschlachtet, eine Erweiterung auf bis zu 60.000 Legehennen pro Tag ist in Arbeit.
Was können Sie tun?
Wenn Sie Quälerei und Ausbeutung von Tieren in Massentierhaltung und Schlachthöfen nicht länger unterstützen wollen, kaufen Sie kein Fleisch, keine Eier und keine Milchprodukte mehr. Es gibt inzwischen in jedem Supermarkt und auch im Online-Versandhandel eine große Auswahl an leckeren und zudem gesünderen pflanzlichen Alternativen zu Fleisch, Milch, Käse und sogar Eiern. Garantiert ohne Tierleid.
Quellen:
