Nachhaltigkeit: Vegane Ernährung im Sport
Immer mehr Sportlerinnen und Sportler ernähren sich vegan. Auch im Profisport wird zunehmend auf pflanzliche Ernährung gesetzt: nicht nur, um Entzündungen zu reduzierten, sondern auch, um aktiv einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu leisten und um Tierleid zu vermeiden. Und längst sind Themen wie vegane Sportlerernährung und Nachhaltigkeit auch in der Sportwissenschaft angekommen.
Nachhaltigkeitsstrategien: Hafermilch und vegane Bundesliga-Bratwurst
Die Bundesliga setzt zunehmend auf Nachhaltigkeit, wobei vegane Verpflegung ein zentraler Bestandteil ist. Durch die verpflichtende Einführung von Nachhaltigkeitsrichtlinien als ein Bestandteil des Lizensierungsverfahrens für die Clubs der 1. und 2. Bundesliga haben die Vereine Nachhaltigkeits- und Umweltstrategien entwickelt, bei denen auch die Sportler-Ernährung sowie die Stadion-Verpflegung eine Rolle spielt.
Der DFB hat in Kooperation mit Rügenwalder die offizielle »Vegane Bundesliga-Bratwurst« in allen Stadien als fleischlose und klimafreundliche Alternative zur herkömmlichen Stadionbratwurst eingeführt.
Immer mehr Vereine erweitern ihr Angebot um vegane Alternativen in den Stadien: Von Falafel-Wraps, Burger und Nuggets bis zu Wok-Gerichten, Backfisch-Varianten oder Chili sin Carne. Das vegane Angebot wird kontinuierlich ausgebaut.
Der VfL Wolfsburg hat in Kooperation mit Oatly Hafermilch in der Volkswagen Arena eingeführt. Diese Maßnahme ist Teil einer Nachhaltigkeitsstrategie, um den Verein klimafreundlicher aufzustellen. Schon seit 2019 setzt der SV Babelsberg 03 mit Oatly das Projekt »milchfreies Stadion« um. Der FC St. Pauli kooperiert mit Voelkel, um vegane Haferdrinks im Stadion anzubieten.
Wissenschaftliche Forschung zur veganen Ernährung im Sport
Es gibt immer mehr wissenschaftliche Forschung und Studienergebnisse, Publikationen in Fachbüchern, populär-wissenschaftliche Veröffentlichungen in Büchern und Magazinen sowie Vorträge auf Fachtagungen. Für Studierende und Fachkräfte der Sport- und Nachhaltigkeitswissenschaften hat der Wissenschaftsverlag Springer Spektrum das 360 Seiten starke Lehrbuch »Nachhaltigkeit im Sport« herausgebracht.
»Die stark ansteigende Zahl sportwissenschaftlicher Daten zur veganen Ernährung im Sport ist der wachsenden Anzahl an veganen Sportlern und Sportlerinnen im Breiten- und Leistungs- bis in den Profisport geschuldet«, schreibt Sportwissenschaftlerin Prof. Dr. Katharina Wirnitzer, die an der Pädagogischen Hochschule Tirol und an der Universität Innsbruck lehrt und forscht, in ihrem Beitrag zum Fachbuch »Nachhaltigkeit im Sport«. Aufgrund des enormen Interesses und starker Nachfrage von aktiven und an Wettkämpfen teilnehmenden Sportlerinnen und Sportlern nach entsprechend abgesichertem Fachwissen und speziellen Empfehlungen für eine vegane Ernährung im Sport sei dies ein aufstrebendes Forschungsfeld in den Sportwissenschaften.
Prof. Dr. Katharina Wirnitzer von der Pädagogischen Hochschule Tirol forscht mit ihren Kollegen Dr. Werner Kirschner (mitte) und Prof. Dr. Gerhard Ruedl (rechts) vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Innsbruck zum Einfluss von Ernährung und Sport auf die Gesundheit. · Bild: ©Katharina Wirnitzer
Einfluss pflanzlicher Ernährung auf die körperliche Leistungsfähigkeit von Sportlern
»Eine pflanzliche Ernährung nimmt eine Schlüsselrolle bzgl. Kardiovaskulärer Gesundheit ein, welche für Ausdauersportler und -sportlerinnen (mit einem doppelt so hohem Risiko für Atherosklerose und Herzmuskelschäden versus Nicht-Sportler und Nicht-Sportlerinnen) von entscheidender Bedeutung ist«, schreibt Prof. Dr. Katharina Wirnitzer in ihrem Buchbeitrag. »Insbesondere verbessern vegan-vegetarische Ernährungsformen das Körpergewicht/den BMI, die Plasmalipid- und Blutglucose-Konzentration und den Blutdruck und wirken damit nachweislich Atherosklerose entgegen; ihre positiven Effekte auf die Blutzirklation, Körperzusammensetzung, antioxidative Kapazität, systemisch-chronische Entzündung und die Einlagerung von Glykogen legen nahe, dass vegan-vegetarische Ernährungsformen auch zu einer verbesserten Leistungsfähigkeit und schnelleren Erholung bei Ausdauersportarten beitragen können.« Vegane Ernährung ist auch mit Kraftsport kompatibel, da der belastungsinduziert-erhöhte Bedarf aller Aminosäuren und Gesamtprotein vollständig aus pflanzlichen Quellen gedeckt werden kann. Damit ist eine vegane Ernährung für den Hochleistungssport insgesamt höchst geeignet.
Nachhaltigkeit: Pflanzliche Ernährung als Maßnahme zum Schutz unseres Planeten
Zusätzlich zu den Vorteilen pflanzenbasierter Ernährung für die Gesundheit und körperliche Leistungsfähigkeit von Sportlerinnen und Sportlern geht es um Nachhaltigkeit, also den Schutz unseres Planeten und unserer Lebensgrundlagen.
Das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) der Vereinten Nationen (UN) hebt hervor, dass die Umstellung auf eine pflanzliche Ernährung auf allen sozio-ökologischen Ebenen das größte Potential für den Schutz der individuellen und globalen Gesundheit, einschließlich der Eindämmung von Infektionskrankheiten, Epidemien und Pandemien, und der Förderung der Nachhaltigkeit birgt: »The greatest shift potential would come from switching to plant-based diets.«
Denn die pflanzliche Ernährung ist Studien zufolge die stärkste Einzelmaßnahme (vgl. Poore & Nemecek, 2018), um den Ausstoß von klima- und umweltschädlichen Emissionen, die dramatische Abholzung der Wälder und die Zerstörung von natürlichen Lebensräumen, die globale Versauerung, Übernutzung und Vergiftung der Böden, die Verschmutzung von Gewässern und Grundwasser und immer mehr zunehmende Wasserknappheit auf dem Planeten Erde zu reduzieren. Nachhaltigkeit beginnt also auf dem eigenen Teller - und eine vegane Ernährung ist die nachhaltigste Ernährungsform.
Hinzu kommt: Sportlerinnen und Sportler sind aktiver, verbrauchen mehr Energie und essen mehr, weil sie den sport-induziert erhöhten Energiebedarf decken müssen. Mit diesem »mehr« an nachhaltiger Energiezufuhr - vor allem aus Kohlenhydraten (z. B. Brot, Kartoffeln, Nudeln, Bananen) und hochwertigen Proteinquellen (z. B. Sojabohnen, Linsen, Erdnüsse) - leisten vegane Sportler den größten Beitrag zur Ressourcenschonung im Vergleich zu Mischkost-Athleten.
Ob Sportler oder Nicht-Sportler: Veganerinnen und Veganer können sich gesund ernähren und gleichzeitig durch einen besseren ökologischen Fußabdruck den stärksten Beitrag zur Ressourcenschonung leisten:
75% weniger Landverbrauch
75% weniger Treibhausgasemission
54% weniger Wasserverbrauch
73% weniger Wasserverschmutzung
66% geringerer Einfluss auf Biodiversität(sverlust) im Vergleich zu Mischköstlern mit hohem Konsum von Fleisch und tierischen Produkten.
Quelle: Katharina Wirnitzer: Nachhaltige, vegane Ernährung im Sport zwischen Fakt und Fiktion - Ein Spannungsfeld zwischen Evidenz und Eminenz. In: Petra Jansen, Ralf Roth (Hrsg.): Nachhaltigkeit im Sport - Das Lehrbuch für Studierende und Fachkräfte der Sport- und Nachhaltigkeitswissenschaften. Kapitel 10. Springer Spektrum, 2025.

