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Schweiz: Immer mehr Bauern setzen auf Hafermilch

Die Nachfrage nach Pflanzenmilch in der Schweiz

wächst seit Jahren. · Bild: etorres Shutterstock

Hafermilch statt Kuhmilch: Eine wachsende Zahl von Schweizer Bauern steigt aus der traditionellen Milchwirtschaft aus - und stellt auf die Produktion von Hafermilch um. Damit reagieren die Milchbauern auf tiefe Milchpreise, gesunkene Nachfrage, den Trend zu veganen Produkten, den Forderungen nach Klimaschutz und das Tierleid.

Im Milchland Schweiz geben pro Tag zwei Bauern die Milchherstellung auf. Bisher vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Der Konsum von Kuhmilch geht in der Schweiz seit Jahren zurück: Im Jahr 2000 waren es pro Kopf im Schnitt etwa 84 Liter, 2019 weniger als 50 Liter. Der Milchpreis ist tief, viele Produzenten kommen nur mit Bundesgeldern über die Runden.

Inzwischen hinterfragen immer mehr Bauern auch die Produktion von Kuhmilch - wegen zunehmender Gefahren des Klimawandels, des steigendem Trends zur veganen Ernährung, und wegen des Leids der Milchkühe. Denn die Milchproduktion wurde auch in der Schweiz innerhalb der letzten Jahrzehnte industrialisiert, auch hier sind Milchkühe - wie überall - auf Hochleistung getrimmt. Die Folge: Euterentzündungen. Auch Schweizer Bauern verabreichen daher massenhaft Antibiotika.

Für viele Milchbauern ist das Tierleid

Grund für die Umstellung

Bei Bäuerin Sarah Heiligtag, die Höfe bei der Umstellung unterstützt, melden sich jede Woche zwei bis fünf Bauern, fast ausnahmslos Milchbauern, berichtet BLICK, das Schweizer Gegenstück zur BILD-Zeitung. Einige bräuchten nur Tipps, wie sie den Anteil von Obst, Gemüse oder Lupinen vergrößern können, andere wollen ganz aus der Nutztierhaltung aussteigen. Für viele Milchbauern sei das Tierleid Grund für die Umstellung, so Sarah Heiligtag gegenüber BLICK.

Bauer Urs Marti ist einer von denen, die auf Hafermilch umgestellt haben - obwohl seine Familie seit Generationen Milchbauern waren. »Wir wollten nicht mehr Teil dieses ewigen Kreislaufs sein, bei dem man die Kuh besamen lässt, ihr das Kälbchen wegnimmt, die Kuh melkt, das Kälbchen mästet und schlachtet - und dann alles wieder von vorne beginnt«, wird Urs Marti in dem BLICK-Artikel zitiert. Auch ökologische Überlegungen spielen eine Rolle: »Die pflanzliche Ernährung ist viel effizienter. Für ein Kilo Fleisch braucht es zehn Kilogramm Getreide. Da isst man das Getreide lieber gerade direkt.« Er baut Hafer für Bio-Hafermilch an. »Hafermilch ist die ökologischste Milchalternative, die es aktuell gibt. Und: Hafer kommt fast ohne Dünger aus und wächst in der Schweiz sehr gut.« Hinzu kommt der Klima-Aspekt: Die Rinderhaltung ist für einen Großteil der klimaschädlichen Emissionen in der Landwirtschaft verantwortlich.

Bei der Supermarktkette Coop in der Schweiz haben sich die Verkäufe von Pflanzenmilch in den letzten 10 Jahren gut verdreifacht. Kein Wunder, dass inzwischen Großkonzerne wie Nestlé und Emmi auf pflanzliche Milchprodukte setzen.

Der Milchverarbeiter Emmi hat 2020 die vegane Produktlinie Beleaf auf Hafer-, Mandel- oder Reisbasis auf den Markt gebracht: Pflanzenmilch, Joghurtalternativen und Desserts, Protein Shakes und Caffè Latte. Hergestellt werden die veganen Produkte an verschiedenen Standorten von Emmi: die veganen Joghurts in Emmen, der Caffè-Latte aus Mandelmilch in Ostermundigen. Ab März 2021 wird für Hafermilch und den neuen Haferjoghurt Hafer aus Schweizer Anbau verarbeitet.

Quellen:
· Schweizer Bauern werden vegan. 20min.ch, 18.10.2020
· Wandel im Milchland Schweiz? Bauern setzen neu auf Hafermilch. BLICK, 18.10.2020
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beleaf.eu