Studie: Goffinkakadus erkennen, wenn etwas kaputt geht, »ärgern« sich - und suchen Lösungen
Goffinkakadus zählen zu den klügsten Vögeln. Sie handeln so intelligent wie vierjährige Kinder - oder wie die Großen Primaten. Die schlauen Papageien können Werkzeuge nicht nur benutzen, sondern sie sogar selbst bauen. Sie sind außerordentlich erfindungsreich und lösen mit Neugier und großer Ausdauer komplexe Probleme. In einer Verhaltensstudie wurden die Papageien mit einem Touchscreen konfrontiert, bei dem ein Button im Laufe des Versuchs dauerhaft ausfiel. Die Goffins probierten es immer weiter, ärgerten sich sichtlich - und stellten ihr Verhalten um.
»Die Fähigkeit zu erkennen, dass etwas irreparabel defekt ist, spielt eine wichtige Rolle für die physische und soziale Kognition des Menschen; bei Tieren sind die zugrundeliegenden Mechanismen jedoch weitgehend unerforscht«, so das Team des Messerli-Forschungsinstituts der Veterinärmedizinischen Universität Wien im Fachjournal Scientific Reports.
Wer den Button auf dem Touchscreen drückt, bekommt Cashews
Um darüber mehr herauszufinden, konfrontierte ein Team um den Kognitionsbiologen Dr. Antonio Osuna-Mascaró fünfzehn Goffinkakadus mit einem Touchscreen: Wenn sie den Button am Bildschirm berührten, kamen Cashewstücke aus einer Öffnung. Wenn sie danach einen »Weiter«-Pfeil drückten, erschien der Button erneut und es kamen wieder Cashewstücke heraus.
Wenn dann aber dieses flackernde Störbild kurz auftaucht, funktioniert der Button nicht mehr - und die Cashew-Ausgabe bleibt leer...
Bilder: Antonio J. Osuna Mascaró - Screenshots Video - Studie Sensitivity to permanent non-functionality in Goffin’s cockatoos (Cacatua goffiniana). Scientific Reports, 2026
... und dann flackert der Bildschirm und der Button funktioniert nicht mehr
Anschließend führten die Forschenden eine Komplikation ein: Manchmal erzeugte der Bildschirm ein flackerndes Hintergrundmuster, wenn die Vögel den runden Knopf berührten. Von diesem Moment an funktionierte der Button nicht mehr. Das galt allerdings nur vor einem bestimmten Hintergrundmuster. Vor anderen Mustern arbeitete derselbe Knopf weiter.
Gefragt war also keine simple Erkenntnis, sondern eine flexible Regel: Tritt das Flackern auf, lohnt sich ein weiteres Versuchen nicht mehr.
Die schlauen Vögel konnten diese Erfahrung auch auf neue, bislang ungesehene Hintergründe übertragen und übersprangen mit wachsender Erfahrung die Muster, vor denen der Knopf versagt hatte, betätigten ihn aber weiterhin dort, wo er funktionierte. »Sie hörten daraufhin auf, den Knopf bei jenem Hintergrund zu drücken und wählten stattdessen meist den Weiter-Pfeil«, erklärt Studienleiter Dr. Osuna-Mascaró.
Wenn etwas unerwartet kaputt geht, machen die Goffins ihrem Unmut Luft
Verblüffendes spielte sich abseits des eigentlichen Tests ab. Reagierte ein Button plötzlich nicht mehr, machten die Tiere ihrem Unmut Luft - ähnlich wie Menschen, wenn etwas unerwartet kaputtgeht.
Die Kognitionsbiologin und Co-Studienleiterin Dr. Eleonora Rovegno beschreibt die Reaktionen der Goffinkakadus auf den plötzlich nicht mehr funktionierenden Button so: »Es war auffällig, wie unterschiedlich die Individuen reagierten, als der Button plötzlich nicht mehr funktionierte. Obwohl diese emotionalen Reaktionen nicht Teil der statistischen Auswertung waren, zeigten einige Vögel sehr deutliche Reaktionen wie Lautäußerungen, das Aufstellen der Haube, Bettelrufe oder stärkere Erregung. Diese Beobachtungen ließen die Aufgabe aus Sicht der Vögel sehr real wirken: Etwas, das eben noch funktioniert hatte, tat es plötzlich nicht mehr.«
Goffins können ihr Wissen in einen anderen Kontext übertragen
Prof. Dr. Alice Auersperg, Leiterin des Goffin Labs der Veterinärmedizinischen Universität Wien, berichtet, die Goffinkakadus würden das Forschungsteam immer wieder überraschen, indem sie Wissen von einem Kontext in einen anderen übertragen. »In freier Wildbahn und in Studien in menschlicher Obhut lernen sie den Umgang mit Werkzeugen, Objekten und physikalischen Problemen. Hier haben wir den Aufbau bewusst reduziert, um uns auf Funktionalität selbst zu konzentrieren. Indem wir das physikalische Problem ausgeklammert und eine abstrakte Touchscreen-Aufgabe verwendet haben, können wir beginnen zu fragen, in welchem Umfang verschiedene Tierarten verstehen können, dass etwas, das einmal funktioniert hat, aufhören kann zu funktionieren.«
Quellen:
· Antonio J. Osuna-Mascaró, Eleonora Rovegno, Alice M. I. Auersperg et al.: Sensitivity to permanent non-functionality in Goffin’s cockatoos (Cacatua goffiniana). Scientific Reports (2026)
Video ansehen: www.nature.com/articles/s41598-026-57007-1
· Pressemeldung eterinärmedizinischen Universität Wien: Sensitivität gegenüber dauerhafter Nicht-Funktionalität bei Goffinkakadus. 16.6.2026. www.vetmeduni.ac.at/universitaet/infoservice/presseinformationen/presse/sensitivitaet-gegenueber-dauerhafter-nicht-funktionalitaet-bei-goffinkakadus
