Süditalien: Schutzgebiet für gerettete Show-Delfine entsteht
Im Delfin-Meeresschutzgebiet San Paolo in Apulien entsteht ein riesiges Unterwassergehege für Delfine, die aus Gefangenschaft gerettet wurden - die erste Delfin-Auffangstation dieser Art im ganzen Mittelmeer.
Hier im Golf von Tarent, wo Große Tümmler, Streifendelfine, Risso-Delfine und sogar Pottwale frei schwimmen, sollen Delfine aus Delfinarien und Aquarien ein neues Zuhause in einem natürlicherem Umfeld finden. Das sieben Hektar große San Paolo Dolphin Refuge ist eine Initiative der gemeinnützigen Forschungsorganisation Jonian Dolphin Conservation.
Die Idee für das Delfinschutzgebiet San Paolo entstand 2018. Denn weltweit schließen immer mehr Delfinarien: Einerseits, weil immer weniger Menschen die tierquälerischen Veranstaltungen besuchen, anderseits, weil immer mehr Länder, darunter Frankreich, die Haltung von Walen und Delfinen in Gefangenschaft verbieten. Doch wohin mit den Delfinen?
Delfine, welche jahrelang in Gefangenschaft gehalten wurden, haben in Freiheit kaum Überlebenschancen. Sie hatten kaum Möglichkeit, die Kommunikation zu anderen Delfinen und natürliche soziale Interaktion in einer Gruppe zu lernen und leiden zudem unter erheblichen psychischen und physischen Belastungen. Delfingruppen in freier Natur weisen ein ausgeprägtes soziales Gefüge auf, in der neue oder unbekannte Individuen - insbesondere solche, denen wichtige Fähigkeiten fehlen - kaum Zugang finden. In Gefangenschaft gehaltene Delfine wieder in die Freiheit der Meere zu entlassen, ist daher kaum möglich.
»Wir müssen ein neues Modell für den Umgang mit Delfinen in einer natürlichen, aber überwachten Umgebung entwickeln«, sagt Carmelo Fanizza, Gründer und Leiter des San Paolo Dolphin Refuge. 2023 hatte die Jonian Dolphin Conservation die Genehmigung erhalten, die Delfin-Auffangstation im Golf von Tarent einzurichten.
Carmelo Fanizza erklärt, dass zusätzlich zu dem sieben Hektar große Areal vor der kleinen Insel Sao Paolo ein kleineres Gehege eingerichtet wurde, falls Delfine wegen einer Krankheit in Quarantäne müssen. Außerdem gibt es ein schwimmendes Labor und Unterkünfte für das Personal, sodass die Tiere rund um die Uhr betreut werden können. Videokameras und Sensoren sollen permanent Daten an ein Kontrollzentrum in Tarent liefern.
Der Leiter der Auffangstation zeigt sich zuversichtlich: »Spätestens im Mai oder Juni 2026 werden die ersten Delfine einziehen.« Vom Platz her könnten im San Paolo Dolphin Refuge bis zu 17 Delfine leben. Die Mission des Schutzgebiets: »Delfinen, die in Gefangenschaft geboren wurden oder lange Zeit dort gelebt haben, ein neues, ethischeres und respektvolleres Leben zu ermöglichen.«
In Europa leben noch etwa 60 Delfine in Gefangenschaft, davon 14 in Deutschland in den letzten beiden Delfinarien in Nürnberg und Duisburg - eine Qual für die Delfine, welche zu intelligentesten Tieren auf dem Planeten zählen!
