Symbiosen im Garten: Von Pflanzen, die sich mögen und Tieren, die uns helfen
Buchvorstellung von Julia Brunke, Redaktion FREIHEIT FÜR TIERE
Das vielfältige Miteinander verschiedenster Tiere und Pflanzen ist in der Natur Lebensprinzip: Kein Organismus, keine Art lebt für sich allein. Insekten brauchen Pollen und Nektar von Pflanzen als Nahrung, die Pflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Ein solches enges Zusammenspiel unterschiedlicher Arten, eine Lebensgemeinschaft, von der beide Seiten profitieren, wird Symbiose genannt. Symbiosen lassen sich auch im naturnahen Garten beobachten und helfen uns sogar beim Gärtnern. In ihrem neuen Buch »Von Pflanzen, die sich mögen und Tieren, die uns helfen« erklärt Dr. Sonja Schwingesbauer, wie Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen zusammenarbeiten und zu einem gesunden Garten beitragen, der reiche Ernte bringt: Indem man die richtigen Gemüsepflanzen miteinander ins Beet setzt, Nahrung für wichtige Bestäuber bereithält oder Nützlinge fördert, die Schädlinge fernhalten.
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Bild: Lars Ternes |
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Dr. nat. techn. Sonja Schwingesbauer (Jahrgang 1976) ist Landschaftsarchitektin und Autorin für naturnahes, wildtierfreundliches Gärtnern.
Informationen: www.sonjaschwingesbauer.at |
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»Mein Garten ist ein lebendiger und wunderbarer Ort«, schreibt Sonja Schwingesbauer zu Beginn ihres Buches. »Bei der Gartenarbeit oder beim Streifzug durch mein kleines Refugium erlebe ich hautnah mit, wie Lebewesen im Ökosystem Garten zusammenspielen.« Oft seien es kleine Beobachtungen, die zeigen, wie die »Rädchen der Natur« ineinandergreifen und beim Gärtnern unterstützen.
Im Frühsommer, wenn im Gemüsegarten Tomaten, Paprika, Bohnen, Kürbis und Gurken blühen, ist zum Beispiel die kleine Schwebfliege unterwegs. Sie fliegt von einer Gurkenblüte zur nächsten, um Pollen und Nektar zu essen und bestäubt sie dabei - nur so können Gurkenfrüchte gebildet werden. »Und genauso ist es bei vielen anderen Blütenpflanzen
im Gemüse- und Blumenbeet: Sie brauchen ein Tier zur
Bestäubung, um Früchte und Samen zu bilden«, erklärt die Pflanzplanerin und Landschaftsarchitektin. »Diese und viele andere Beziehungen zwischen den Lebewesen helfen uns beim Gärtnern und unterstützen uns dabei, die Pflanzen gesund und vital zu halten, sie beispielsweise auf natürliche Weise von Schädlingen freizuhalten, sodass wir uns an einer reichen Ernte erfreuen können.«
Am Beispiel eines alten Apfelbaumes zeigt sie, wie Lebewesen einander brauchen und in Kooperationen und Partnerschaften agieren: Im Frühjahr finden Bienen und Hummeln Nektar und Pollen und bestäuben die Blüten, so dass der Baum später viele Früchte trägt. Vögel finden Lebensraum und Nahrung und halten den Baum von Schadinsekten frei.
»In allen Ökosystemen dieser Erde leben Pflanzen und Tiere miteinander.
Dieses Zusammenleben führt zu ganz unterschiedlichen und vielfältigen Beziehungen zwischen Lebewesen, die wir natürlich auch in unseren Gärten beobachten können. Einige davon unterstützen uns sogar ganz erheblich beim biologischen Gärtnern.«
Bild: (c) Rita Engl. Aus: Von Pflanzen, die sich mögen und Tieren, die uns helfen. Haupt Verlag, 2026
Miteinander als erfolgreiches Lebensprinzip
»In allen Ökosystemen auf unserer Erde leben Pflanzen und Tiere miteinander«, erklärt Sonja Schwingesbauer. »Arten koexistieren nebeneinander, sie kooperieren aber auch auf vielfältige Weise miteinander - dadurch entsteht ein vielschichtiges Beziehungsgeflecht unter den Arten und letztlich das große Netzwerk der Natur. Daran beteiligt sind alle Organismen: Pflanzen und Tiere, Bakterien, Algen und Pilze. Jedes Lebewesen erfüllt seine Funktion und hat daher eine Lebensberechtigung.« Auch wenn es scheine, als sei es nur ein »kleines Rädchen im Getriebe«, könne das Verschwinden dieses Rädchens fatale Folgen für andere Arten haben, die sich kaum abschätzen ließen. Und genau darum ist die Förderung der Artenvielfalt und der Erhalt der Biodiversität von so großer Bedeutung.
Miteinander im naturnahen Garten
Ein naturnaher Garten ist ein eigenes kleines Ökosystem mit vielen Tieren und Pflanzen. »Dieses einzigartige System an Beziehungen und Verflechtungen können wir beim Gärtnern nicht nur nutzen, sondern sogar gezielt fördern«, erklärt die Landschaftsarchitektin. Die in unseren Gärten lebenden Wildtiere leisten wertvolle Arbeit: Obstbäume, Obststräucher und Fruchtgemüse sind auf die Bestäubung von Bieren, Hummeln, Schmetterlingen und anderen Insekten angewiesen. Vögel ernähren sich und ihre Jungen von verfressenen Blattläusen, Raupen und Larven. Ebenso futtern auch Marienkäfer, Spinnen, Ohrenkneifer und Schlupfwesen Schädlinge - und halten so den Garten gesund. Kleinere Säugetiere wie Mauswiesel, Hermelin und Steinmarder machen Jagd auf Mäuse und Wühlmäuse und schützen so unser Gemüse vor Fraßschäden. Spitzmäuse und Igel vertilgen Larven, Käfer und Schnecken. Die nachtaktiven Fledermäuse fangen Motten und Käfer.
Naturnahes Gärtnern erhält das Gleichgewicht, in dem Pflanzen und Tiere sich gegenseitig fördern. »Um diese natürlichen Bestäuber und Helfer dauerhaft im Garten anzusiedeln, schaffen wir einen Lebensraum, in dem sie sich wohlfühlen«, schreibt Sonja Schwingesbauer. Und in einem Garten, in dem sich Vögel, Igel, Schmetterlinge, Hummeln und Igel wohlfühlen, können auch wir das großartige Miteinander der Natur hautnah miterleben und genießen.
Bestäuber im Garten ansiedeln
Insekten haben eine große Bedeutung als Bestäuber in der Natur, in der Landwirtschaft und in unseren Gärten: Bienen und Hummeln, Schmetterlinge und Nachtfalter, Schwebfliegen und andere Insekten bestäuben Gemüsepflanzen, Beerensträucher und Obstbäume. Tomaten, Johannis- und Stachelbeeren. Hülsenfrüchte wie Erbsen und Bohnen werden fast ausschließlich von Hummeln bestäubt, Fruchtgemüse wie Zucchini, Kürbisse und Gurken vorwiegend von Bienen, aber auch von Schwebfliegen.
Damit sich Bienen, Hummeln und andere Insekten in unserem Garten wohlfühlen, legen wir Blumenbeete, Wildblumenwiesen, Stauden wie Lavendel und Rosmarin und Kräuterbeete mit Salbei, Thymian, Bohnenkraut, Melisse und Minze an. Wichtig ist, dass die Insekten vom Frühling bis zum Herbstende Nahrung finden: Im Vorfrühling und Frühling mit Schneeglöckchen, Krokussen und Tulpen, mit blühenden Aprikosen-, Apfel- und Kirschbäumen, aber auch mit Wildblumen wie Gänseblümchen und Löwenzahn. Im Frühsommer bieten Wiesensalbei, Taubnesseln, blühende Kräuter und Stauden sowie blühende Gemüsepflanzen ein vielfältiges Nahrungsangebot. Im Sommer blühen Rittersporn, Disteln, Natternkopf und Flockenblumen, aber auch Malven und Glockenblumen. Lavendel blüht nach Rückschnitt ein zweites Mal, auch Rosen bilden nach Rückschnitt immer wieder neue Blüten bis tief in den Herbst hinein. Achten Sie auf offene Rosen, denn bei gefüllten Zierrosen kommen die Insekten nicht an Pollen und Nektar heran. Im Herbst gibt es wertvolle Spätblüher: Astern, Herbstanemonen, Dahlien, Fetthenne, Silberkerzen, Hibiskus, Hortensien und Herbstkrokusse. Tipp: Blumen können nicht nur in Blumenbeete gepflanzt werden, sondern auch ins Gemüsebeet integriert oder rundherum gepflanzt werden.
Mit einem vielfältigen Nahrungs- und Lebensraumangebot können wir Wildbienen, Hummeln und andere Blütenbesucher dauerhaft im Garten ansiedeln. »Zugleich können wir damit einen positiven Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten«, so Sonja Schwingesbauer. »Denn die zunehmende Intensivierung der Landnutzung, die Bodenversiegelung und die negativen Wirkungen der Klimaveränderung setzen Wildtieren und besonders auch Wildbienen und Hummeln zu.«
Pflanzidee Insektenliebe - ein blumiger Rahmen für den Gemüsegarten.
Die Kräuter locken nicht nur Bestäubertiere und Nützlinge an, sondern haben mit ihren ätherischen Ölen und Gerüchen oftmals eine schützende und abwehrende Wirkung gegen Schädlinge wie Blattläuse, Larven und Schnecken, erklärt Sonja Schwingesbauer in ihrem Buch.
Bild: (c) Rita Engl. Aus: Von Pflanzen, die sich mögen und Tieren, die uns helfen. Haupt Verlag, 2026
Das Leben im Boden
Im Garten ist auch am Boden und im Boden unendlich viel Leben: Regenwürmer, Tausendfüßler, Springschwänze, Asseln und Mikroorganismen sind unerlässlich für einen gesunden und gut durchlüfteten Boden. Sie sorgen dafür, dass aus Laub und Pflanzenresten innerhalb weniger Monate nährstoffreicher Humus gebildet wird. Und weil das Leben im Boden so unglaublich wichtig ist, erfahren wir in dem Buch auch, wie wir mit schonender Bodenbearbeitung Pflanzenwachstum fördern und Bodenleben schonen.
Die Zersetzungsprozesse im Garten finden nicht nur im Boden, sondern auch auf dem Komposthaufen statt. Komposterde ist echtes Gold für unsere Gemüsebeete. So geht nichts verloren: Gartenreste und abgestorbene Blätter und Pflanzen werden dem Ökosystem Garten wieder zurückgegeben. Und weil dies so wichtig ist, erklärt die Landschaftsarchitektin in ihrem Buch genau, wie richtiges Kompostieren funktioniert - und dass das Anlegen eines Komposthaufens grundsätzlich keine schwierige Sache ist.
Tierische Helfer im Garten
In jedem natürlichen Garten gibt es Blattläuse und andere saugende Insekten, die sich an Pflanzensäften und Blättern laben. Es gibt pflanzenfressende Larven, Raupen und Käfer wie die Raupen des Kohlweißlings, die sichtbare Fraßschäden hinterlassen. Und dann natürlich Schnecken. Einzeln richten sie kaum Schaden an. Doch jeder Gärtner weiß: Gibt es (zu) viele davon, kann erheblicher Schaden an Pflanzen und deren Entwicklung verursacht werden.
Doch zum Glück haben wir in unserem Garten Tiere als Helfer. Wenn viele von ihnen in unserem Garten leben, sorgen sie dafür, dass sich Schädlinge nicht massenhaft vermehren. »Haben wir genügend Leuchtkäferlarven und Laufkäfer im Garten, haben wir mit ihnen zugleich Verbündete gegen unliebsame Schnecken, die unseren jungen Blattsalat verspeisen wollen, und sichten wir Marienkäfer, Schweb- und Florfliegen, brauchen wir nicht panisch zu werden, wenn wir an unseren Tomatenpflanzen einige Blattläuse sehen«, so Sonja Schwingesbauer. »Auch bei Kohlweißlingsraupen am Weißkohl bleiben wir gelassen, denn wir wissen, dass Raupenwespen und Blaumeisen sie auf dem Speiseplan haben und unser vermeintliches Problem nach und nach einfach auffressen.«
Die Pflanzplanerin weist auch darauf hin: »Zwischen Schädling und Nützling zu unterscheiden, ist gar nicht immer leicht, zumal alle Tiere ihre Daseinsberechtigung haben und wertvolle Funktionen im Ökosystem einnehmen.«
Wichtig ist, dass bestimmte Tiere nicht überhand nehmen, denn sonst kippt das Gleichgewicht. So suchen Blaumeisen unsere Bäume und Pflanzen gezielt nach Blattläusen ab. Marienkäfer, Ohrwürmer, Flor- und Schwebfliegenlarven und Weichwanzen vertilgen ebenfalls Blattläuse. Spitzmäuse und Igel verspeisen Larven, Käfer, Würmer und Schnecken. Nachts fangen Fledermäuse Motten und Mücken. Und Hermeline, Mauswiesel, Elstern und Steinkäuze vertilgen Mäuse und Wühlmäuse, die sich über unser Gemüse hermachen wollen.
Es geht also darum, unseren Garten attraktiv für die fleißigen Helfer zu machen, so dass sie sich dauerhaft ansiedeln: Je naturnaher und artenreicher der Garten, umso mehr Wildtiere, die uns helfen. Um kleinen Säugetieren wie Igeln, Hermelinen und Mauswieseln einen Lebensraum im Garten zu bieten, braucht es Rückzugsorte zum Schlafen, um ihren Nachwuchs aufzuziehen, als Schutz vor schlechter Witterung und als Winterquartier: Holzstapel, Totholz-, Reisig- und im Herbst Laubhaufen von mindestens einem Quadratmeter Fläche in abgelegenen Gartenecken eignen sich besonders gut. Diese werden auch gerne von Fröschen, Kröten, Käfern, Ohrwürmern und anderen Insekten genutzt. In ihrem Buch erklärt die Autorin, wie man einen Totholzhaufen richtig anlegt, wie man ein Igelhaus selbst baut und Fledermauskästen als Tagesversteck anbringt.
Vögel: die gefiederten Freunde der Pflanzen
»Gartenvögel erfreuen uns nicht nur mit ihrer Anwesenheit und ihrem Gesang. Viele Vögel sind auch besonders effektive Helfer«, erklärt Sonja Schwingesbauer. »Denn während der Aufzucht ihrer Jungen brauchen diese ständig Futter. Je nach Vogelart sind das Larven, Würmer, Raupen, Mücken, Fliegen, aber auch Schnecken und viele andere Schadtiere, die wir im Garten nicht so gerne haben wollen.« Sogar Raupen von Gespinstmotten und Apfelwicklern werden an die Jungen verfüttert. Je mehr Vögel und je mehr verschiedene Vogelarten in unserem Garten leben und zu Gast sind, umso besser. Denn je nach Vogelart unterscheidet sich der Speiseplan.
»Amseln und Drosseln ernähren sich überwiegend von Würmern, Käfern wie den schädlichen Rüsselkäfern, aber auch von Käferlarven, Schnecken und Ameisen«, erklärt Sonja Schwingesbauer. »Rotkehlchen fressen während der Brutzeit ebenfalls gerne Würmer, Insekten, Larven und kleine Spinnen. Auch Buchfinken lieben Spinnen, Insekten und deren Larven. Kleiber und Gartenbaumläufer sammeln von den Baumrinden alles Getier ab, das sich dort herumtreibt, wie Rindenläuse und Käfer. Sperlinge sind wenig wählerisch und mögen sowohl Unkraut und Samen als auch Käfer, Blattläuse, Larven und Raupen. Meisen, wie Kohl- und Blaumeise, fressen Insekten, deren Larven und Eier, aber auch Spinnengelege werden gerne verspeist.«
Um Vögel in unserem Garten anzusiedeln, hängen wir Nistkästen auf und sorgen für Futter- und Wasserstellen. Wir pflanzen Hecken mit heimischen Gehölzen und Obstbäume - und wir lassen alte Obstbäume stehen.
Helfer gegen zu viele Schnecken
Insekten- und wildtierfreundlich gärtnern
Damit Vögel im Garten für sich und vor allem für die Aufzucht ihrer Jungen genügend Nahrung finden, braucht es bekanntlich viele Insekten. Denn alle Vögel, auch die von Körnern und Saaten leben, füttern ihre Jungen mit Insekten. Viele Insekten sind, wie wir bereits erfahren haben, zudem wertvolle Helfer im Garten.
»Damit sich unsere nützlichen Insekten im Garten wohlfühlen und uns tatkräftig bei der natürlichen Schädlingsregulierung unterstützen, gärtnern wir biologisch und verzichten auf den Einsatz von Insektiziden und chemisch-synthetischen Spritzmitteln, denn nebst anderen Nachteilen werden mit diesen häufig nicht nur die Schäd-, sondern auch die Nützlinge vernichtet«, schreibt die Autorin. »Außerdem funktioniert die biologische Schädlingsregulierung wunderbar, sofern es uns gelingt, den Nützlingen einen ansprechenden Lebensraum zu bieten, der ihre verschiedenen Ansprüche erfüllt.«
Sonja Schwingesbauer empfiehlt Gartenpflege nach dem Laissez-faire-Prinzip: Nicht zu penibel sein und Wildnis im Garten zulassen. Das spart unnötige Gartenarbeit und die Insekten (und somit auch die Vögel) freut es.
Der wildtierfreundliche Garten ist reich an unterschiedlichen Strukturen mit Obstbäumen, Hecken aus heimischen Sträuchern, Stauden, artenreichen Blumen-, Kräuter und Gemüsebeeten, Wildblumenwiese statt Rasen und wilden Ecken mit Steinbiotopen und Holzhaufen sowie Wasserstellen. Wichtig: Lassen Sie Pflanzenstängel über den Winter stehen, denn Wildbienen und andere nützliche Insekten nutzen Stängel, leere Samenhüllen und Liegengelassenes wie tote Äste zum Überwintern und für ihr Gelege. Je naturnäher der Garten, umso mehr Nahrung und Schutz finden Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten, viele verschiedene Vögel, Eidechsen, Kröten, Igel und andere kleine Säugetiere bei uns im Garten.




