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Antibiotika in Massentierhaltung

Der massive Antibiotika-Einsatz

in der industriellen Massentierhaltung sorgt seit Jahren für Schlagzeilen. Statt strenger Gesetze und empfindlicher Strafen für Verstöße setzt das Bundeslandwirtschaftsministerium auf eine Datenbank, in die Massen­tierhalter den Antibiotika-Einsatz selbst eintragen. Und das sorgt für alles andere als Transparenz. · Bild: PETA

Keine Transparenz

Der massive Antibiotika-Einsatz in der industriellen Massentierhaltung sorgt seit Jahren für Schlagzeilen. Statt strenger Gesetze und empfindlicher Strafen für Verstöße setzt das Bundeslandwirtschaftsministerium auf eine Datenbank, in die Massen­tierhalter den Antibiotika-Einsatz selbst eintragen. Und das sorgt für alles andere als Transparenz.

Seit 2014 müssen alle Massentierhalter ihren Antibiotikaverbrauch halbjährlich in eine Datenbank eintragen. Liegt ihr Verbrauch über einer speziell berechneten Kennzahl, so müssen sie Maßnahmen zur Verringerung einleiten. Diese Erfassung ist mehr als fragwürdig. Wer kontrolliert, ob die Angaben der Tierhalter über die Menge der verabreichten Antibiotika wirklich stimmen? Wer nichts in die Datenbank einträgt, wird automatisch so gewertet, als habe er keine Antibiotika gegeben. Von Tausenden Landwirten liegen keine Daten vor.

Ende 2014 konnte dann auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Erfolgsmeldung verkünden, dass im Jahr 2014 in der Tiermedizin ca. 15 Prozent weniger Antibiotika abgegeben worden seien als im Vorjahr.

Die Öffentlichkeit soll offenbar nicht erfahren, wie viele Antibiotika tatsächlich in der Massentierhaltung eingesetzt werden. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat den Ländern im Juli 2015 einen Maulkorb verpasst: Sie dürfen keine Informationen zum Einsatz von Antibiotika in der Tiermast weitergeben - weder an Abgeordnete noch an Medien.

Der massenhafte Antibiotika-Einsatz in der agrarindustriellen Nutztierhaltung führt immer mehr zu Resistenzen. Die bisher wichtigsten Medikamente gegen bakterielle Infektionskrankheiten verlieren an Wirksamkeit. Die Folge: Eine nicht mehr zu beherrschende Gefahr für unsere Gesundheit.

Eine Auswertung der Abrechnungsdaten aller deutschen Krankenhäuser brachte Erschreckendes ans Tageslicht: Bei Kliniktoten wurde jedes Jahr mehr als 30.000 Mal die Diagnose oder Behandlung eines der drei meistverbreiteten multiresistenten Keime wie MRSA, ESBL oder VRE abgerechnet. Dies ergaben Recherchen von DIE ZEIT. Der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, Walter Popp, geht sogar von »mindestens einer Million Infektionen und mehr als 30.000 bis 40.000 Todesfällen« aus.

Quellen:
»Diese Keime töten« ZEIT online, 24.8.2015
Länderprotest gegen Anordnung des Bundes: Maulkorb zu Antibiotika in Tierzucht. www.tagesschau.de, 24.8.2015
»Desaster« bei Antibiotika-Datenbank. www.tagesschau.de, 28.4.2015