Freiheit für Tiere
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Antibiotikaresistente Keime

PETA weist hohe Belastung in Fleischproben nach

Die Gefahr von antibiotikaresistenten Keimen

in Fleisch und Fleischprodukten nimmt immer weiter zu. · Bild: Kondor83 - Fotolia.com

Bei Untersuchungen von Fleischproben der fünf namhaften Handelsketten - Aldi Süd, Lidl, Edeka, Real und Rewe - wurden in zwei Dritteln der untersuchten Fleischstücke die antibiotikaresistenten Bakterien MRSA und ESBL nachgewiesen. Die ist das alarmierende Ergebnis einer Untersuchung von verschiedenen Rind-, Schwein- und Geflügelfleischteilen auf antibiotikaresistente Keime in einem bayrischen Fachlabor, welche die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. in Auftrag gegebenen hat.

Quelle: PETA

Die Laborergebnisse bestätigen Problematik in Bezug auf antibiotikaresistente Bakterien aus der Tierhaltung. Insgesamt wurden in 63 Prozent der 57 Fleischproben MRSA und /oder ESBL gefunden. Besonders gravierend sahen die Testergebnisse beim Geflügelfleisch aus: In 86 Prozent der 30 untersuchten Hühner- und Putenfleischproben wurde ESBL und/oder MRSA analysiert.

65 % der Proben betroffen -

auch Fleisch mit Gütesiegel

Insgesamt wurden in 65 % der untersuchten 57 Fleischproben ein oder beide Faktoren gefunden: Mit MRSA waren 31 % der Fleischstücke belastet, die gefährlichen ESBL wurden sogar in 45 % der Proben nachgewiesen.

Besonders gravierend fielen die Testergebnisse bei den 30 untersuchten Hühner- und Putenfleischproben aus: Hier fand das Labor die Keime in 86 % der Fälle. Beim Hackfleisch (12 Proben) waren es knapp über 66 %.

PETA macht schon seit Längerem auf die Gefahr der steigenden Antibiotikaresistenzen durch den massiven Medikamenteneinsatz in der landwirtschaftlichen Tierhaltung aufmerksam und fordert einen landwirtschaftlichen Strukturwandel hin zu einer bio-veganen Landwirtschaft.

Dr. Edmund Haferbeck: »Wo Antibiotika eingesetzt werden, nehmen Resistenzen zu«

»Wo Antibiotika eingesetzt werden, nehmen Resistenzen zu. In den Tierfabriken werden die Medikamente tonnenweise verabreicht, da die auf Leistung gezüchteten Tiere die kurze Zeit in den unhygienischen und nicht annähernd tiergerechten Haltungsbedingungen nicht überleben würden«, so Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Rechts- und Wissenschaftsabteilung bei PETA. »Wegen antibiotikaresistenten Bakterien versagen lebensnotwendige Medikamente. Alleine in Deutschland sterben jedes Jahr über 30.000 Menschen an nicht behandelbaren Infektionen.«

"In der modernen Tierhaltung,

in der Lebewesen wie Produktionseinheiten in engen Hallen auf ihren eigenen Exkrementen eingepfercht werden, ist der Infektionsdruck so hoch, dass Landwirte enorme Mengen an Antibiotika verabreichen." Bild: PETA

Zahlreiche Fleischskandale zeigen:

"Sicheres" Fleisch gibt es nicht

PETA weist darauf hin, dass auch so genannte Qualitätssiegel nicht vor Keimbelastungen schützen: Fast jedes der untersuchten Produkte trug das »QS-Siegel«, das für Qualität und Sicherheit steht und den Verbrauchern ein erhöhtes Maß an Anforderungen und Kontrollen suggerieren soll. Angesichts der zahlreichen Fleischskandale in den letzten Jahren kann allerdings nie von »sicherem Fleisch« gesprochen werden. Zudem erfüllt dieses Siegel meist nur die geringen gesetzlichen Standards. Sogar in drei von vier Bioprodukten konnten die resistenten Keime MRSA nachgewiesen werden, genauso in einem der beiden getesteten PRO PLANET-Produkte. PRO PLANET ist ein Siegel, das das Handels­unternehmen REWE in Zusammenarbeit mit dem WWF vergibt.

Massentierhaltung: Riesige Antibiotikamengen

»In der modernen Tierhaltung, in der Lebewesen wie Produktionseinheiten in engen Hallen auf ihren eigenen Exkrementen eingepfercht werden, ist der Infektionsdruck so hoch, dass Landwirte enorme Mengen an Antibiotika verabreichen«, so der Agarwissenschaftler Dr. Haferbeck. »Es werden dabei nicht nur einzelne, wirklich kranke Tiere behandelt, sondern immer gleich der gesamte Tierbestand - durch diese Metaphylaxe entstehen Antibiotikaresistenzen. Die bisher bestehenden gesetzlichen Vorgaben und Hygieneregeln setzen dabei an der falschen Stelle an: Tierärzte dürfen die Medikamente weiterhin selbst verkaufen und vermarkten, lediglich die Höhe der Antibiotikamengen muss seit April 2014 dokumentiert werden - von den Tierhaltern selbst.«

Leben retten:

Durch eine rein pflanzliche Ernährung und den Strukturwandel hin zu einer bio-veganen Landwirtschaft können jedes Jahr bis zu einer Milliarde Tiere vor dem Tod im Schlachthaus bewahrt werden. Daneben lässt sich auf diese Weise auch das Leben von tausenden Menschen retten: Der vegane Lebensstil verhindert die Resistenzausbreitung über Stallluft, Gülle und tierische Produkte wie Fleisch, Milch und Eier.

Rein pflanzliche Ernährung und bio-veganer Landbau

Durch eine rein pflanzliche Ernährung und den Strukturwandel hin zu einer bio-veganen Landwirtschaft können jedes Jahr bis zu einer Milliarde Tiere vor dem Tod im Schlachthaus bewahrt werden. Daneben lässt sich auf diese Weise auch das Leben von tausenden Menschen retten: Der vegane Lebensstil verhindert die Resistenzausbreitung über Stallluft, Gülle und tierische Produkte wie Fleisch, Milch und Eier.

Informationen:

Ein ehemaliger Veterinäramts-Leiter deckt auf:

Antibiotikamissbrauch in der Massentierhaltung

»Seit Bestehen der Menschheit hat es kein solches Ausmaß an Tierquälerei gegeben - sowohl was Quantität als auch die Intensität angeht - wie in unserer Zeit. Die Folgen haben wir alle zu tragen, und sei es in der Person unserer Kinder und Kindeskinder.« Der Mann, der mit dieser aufrüttelnden Feststellung an die Öffentlichkeit geht, weiß, wovon er spricht: Dr. Hermann Focke war langjähriger Leiter des Veterinäramts Cloppenburg, der Region mit der größten Tierdichte Europas. In dem Buch »Die Natur schlägt zurück - Antibiotikamissbrauch in der intensiven Nutztierhaltung und Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt« beschreibt er die dramatischen Folgen von Massentierhaltung und agrarindustrieller Produktion und die steigende Gesundheitsbelastung durch die riesigen Mengen an antibiotikakontaminierter Gülle.

Im ersten Teil seines Buches beschreibt der ehemalige Veterinär­amtsleiter mit seinem großen Fach- und Insiderwissen die unermessliche legalisierte Tierquälerei in der »Schweineproduktion«, in der Hühner- und Putenmast und bei den Legehennen. Denn das Elend der Nutztiere in den industriellen Massentierhaltungen hängt mit der Antibiotika-Resistenz-Problematik ursächlich zusammen: Ohne massenhaften Einsatz von Arzneimitteln würden die Tiere unter diesen Haltungsbedingungen nicht überleben.

Im zweiten Teil zeigt Dr. Hermann Focke anhand umfangreicher Fakten und Daten auf, wohin zügelloser Antibiotikaeinsatz in der agrarindustriellen Nutztierhaltung führt: zu Resistenzen. Das heißt: Die bisher wichtigsten Medikamente gegen bakterielle Infektionskrankheiten verlieren immer mehr an Wirksamkeit. Die Folge: Eine nicht mehr zu beherrschende Gefahr für die Gesundheit von Mensch und Tier.

Hermann Focke: Die Natur schlägt zurück
Antibiotikamissbrauch in der intensiven Nutztierhaltung und Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt
201 Seiten, Taschenbuch
Pro Business, Berlin · 1. Aufl. 2010
ISBN: 978-3-86805-766-9
Preis: 14.80 Euro