Freiheit für Tiere
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Der geläuterte Jäger

Ein Jäger verkauft alle Gewehre

und hört auf, Tiere zu essen

Die beliebte österreichische Wochenzeitschrift »Die ganze Woche« veröffentlichte ein Gespräch mit einem Jäger und Tierarzt, der aus ethischen Gründen von heute auf morgen das Schießen beendete und aufhörte, Tiere zu essen. »Als Amtstierarzt habe ich zu viel gesehen. Wer Fleisch essen möchte, muss sich im Klaren sein, dass dies nicht ohne Tierleid geht«, erklärt Prof. Dr. Rudolf Winkelmayer. »Das war auch der Grund, warum ich mit dem Jagen aufgehört habe.«

Mit 16 machte er den Jagdschein.

Jahrzehntelang schoss er Rehe und Hirsche, jagte Gämsen in den Bergen, machte Jagdreisen nach Afrika, tötete Büffel und Leoparden. Das war einmal. Heute lebt Prof. Winkelmayer vegan. · Bild: Rudolf Winkelmayer

Jahrzehntelang war Prof. Dr. Rudolf Winkelmayer aus Pachfurth in Niederösterreich leidenschaftlicher Jäger. Mehr als 100 Tiere hat der ehemalige Amtstierarzt in seinem Leben geschossen, war sogar auf Jagdreisen in Afrika. Bis er vom Töten genug hatte. Heute isst er nicht einmal mehr Fleisch.

Wenn Prof. Dr. Rudolf Winkelmayer, 63, heute in den Wald geht, dann um das Zwitschern der Vögel zu genießen oder um in gesunder Luft zu laufen. Vor zehn Jahren war das noch anders. Da verschlug es den pensionierten Tierarzt in den Wald, um Tiere zu töten. »Ich komme aus einer Jägerfamilie. Mein Vater war Jäger und hat mich schon als Kind oft zur Jagd mitgenommen. Mit 16 Jahren habe ich dann die Jagdprüfung gemacht und gleich meinen ersten Rehbock geschossen. Ich war natürlich stolz, bin aber danach in Tränen ausgebrochen. Damals konnte ich meine Gefühle nicht einordnen. Rückblickend weiß ich nun, dass ich Mitleid mit dem Bock hatte«, erzählt Winkelmayer, der eine Tierarzt-Praxis in Pachfurth (Niederösterreich) führte und auch heute noch dort lebt.

Über die Jahre hat sich Winkelmayer einen Freundeskreis aus Jägern aufgebaut, mit denen er regelmäßig Jagdreisen unternahm. »Ich war oft unterwegs. In Afrika habe ich Antilopen, Büffel und Leoparden geschossen, Elche in Norwegen. Damals fand ich das in Ordnung. Heute widert mich das an«, meint der ehemalige Amtstierarzt, der auch heimische Tiere wie Rehe und Hirsche erlegte.

»Kein Jäger geht an einem kalten, verregneten Novembermorgen des Naturschutzes wegen in den Wald«

»Insgesamt waren es um die 100 Stück Schalenwild, dazu gehören Rotwild oder Schwarzwild, die ich in meinem Leben geschossen habe. Aber auch Niederwild wie Hasen oder Fasane kamen vor meine Flinte. Doch die zählt ein Jäger nicht mit«, sagt Winkelmayer, der meint, aus Spaß geschossen zu haben, wie es 90 Prozent der Hobbyjäger in unserem Land tun würden. »Kein Jäger geht an einem kalten, verregneten Novembermorgen des Naturschutzes wegen in den Wald.« Der Niederösterreicher, der auch im Landesjagdverband verankert war, hielt dort Vorträge über Wildbret-Hygiene und Wildtiergesundheit. Daneben ist er Lebensmittelwissenschaftler und bekam dafür im Jahr 2006 vom damaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer den Berufstitel Professor verliehen.

»Töten als Freizeitvergnügen ist ethisch nicht vertretbar«

»Als Jäger habe ich natürlich auch Wildfleisch gegessen, es zuhause selbst gekocht. Rinder oder Schweine wollte ich seit jeher aber nicht gerne auf meinem Teller haben. Die taten mir immer leid, weil sie schlecht gehalten werden. Als Amtstierarzt habe ich zu viel gesehen. Wer Fleisch essen möchte, muss sich im Klaren sein, dass dies nicht ohne Tierleid geht«, erklärt Winkelmayer. Das war auch der Grund, warum er mit dem Jagen aufgehört hat. »Dafür habe ich mich mit Tierethik auseinandergesetzt. Also mit den Pflichten von Menschen gegenüber Tieren und den Rechten von Tieren. Dann wurde mir klar: Töten als Freizeitvergnügen ist ethisch nicht vertretbar. Und Jagdreisen sind besonders pervers«, ist der 63jährige überzeugt. »Von heute auf morgen beendete ich das Schießen, verkaufte alle meine 16 Gewehre und verbannte meine Jagdtrophäen in Kisten auf den Dachboden. Von meinen Jagdfreunden erntete ich dafür Fassungslosigkeit, alle haben sich von mir abgewendet.«

Winkelmayer machte eine Kehrtwende. Er hörte nicht nur mit dem Schießen auf, sondern verzichtete zunächst auf Fleisch, bis er allen tierischen Produkten entsagte und sich nun vegan ernährt. »Diese Ernährungsweise hat in unserer Gesellschaft mittlerweile einen hohen Stellenwert. Die Jäger spüren, dass ihnen ein rauer Wind dieser Menschen entgegenbläst. Töten zum Spaß ist immer weniger anerkannt«, freut sich Winkelmayer.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Die ganze Woche 46/2018 www.ganzewoche.at

Prof. Dr. Rudolf Winkelmayer, Jahrgang 1955, war bis zur Pensionierung praktischer Tierarzt, Amtstierarzt und Lebensmittelwissenschaftler (Diplomate of the European College of Veterinary Public Health).
2006 wurde ihm vom Österreichischen Bundespräsidenten der Berufstitel Professor verliehen. Als Tierarzt und Jäger schrieb er zahlreiche Bücher und Fachartikel über Jagdethik, Wildbrethygiene und Tierethik.
2008 konnte er das Töten von Tieren nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren und verkaufte alle 16 Jagdgewehre. Prof. Winkelmayer sieht sich heute vor allem als Vor- und Querdenker in Sachen Tierschutz, Tierethik und Jagdethik. Er ist weiterhin publizistisch tätig.

Informationen: www.winkelmayer.at