Freiheit für Tiere
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Flyer: Jagd reguliert nicht!

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Trotz Steigerung der Abschussmenge

von unter 150.000 auf über 500.000 Wildschweine nimmt deren Bestand in Deutschland weiter zu! · Graphik: Wildtierschutz Deutschland e.V.

Obwohl so viele Wildschweine geschossen werden wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, steigt die Anzahl der Wildschweine weiter. Das beweist: Die Jagd nützt nicht, sie schadet.

Der renommierte Zoologe und Ökologe Prof. Dr. Josef H. Reichholf, der an beiden Münchner Universitäten lehrte und Leiter der Abteilung Wirbeltiere der Zoologischen Staatssammlung München war, stellt fest: »Jagd reguliert nicht. Sie schafft überhöhte und unterdrückte Bestände.«
(Vortrag Prof. Dr. Reichholf am 15.10.2013 an der Uni Basel · www.jagdreguliertnicht.ch)

Mehr Jagd führt zur Vermehrung der Wildschweine

Seit Jahren ist in allen Zeitungen von einer »Wildschweinschwemme«, gar von einer »Wildschwein-Plage« zu lesen. Doch obwohl in Deutschland Jahr für Jahr mehr Wildschweine geschossen werden, steigt ihre Anzahl weiter. Ist die Lösung des »Wildschweinproblems«, noch mehr Tiere zu schießen? Oder ist gerade die intensive Jagd auf Wildschweine das Problem? Denn so paradox es klingen mag: Je mehr Jagd auf Wildschweine gemacht wird, um so stärker vermehren sie sich. Auf diesen Zusammenhang weisen immer mehr Wissenschaftler hin. Eine französische Langzeitstudie kommt zu dem Ergebnis: Starke Bejagung führt zu einer deutlich höheren Fortpflanzung und stimuliert die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen.

Die Wissenschaftler um Sabrina Servanty verglichen in einem Zeitraum von 22 Jahren die Vermehrung von Wildschweinen in einem Waldgebiet im Departement Haute Marne, in dem sehr intensiv gejagt wird, mit einem wenig bejagten Gebiet in den Pyrenäen. Das Ergebnis wurde im renommierten Journal of Animal Ecology veröffentlicht: Wenn hoher Jagddruck herrscht, ist die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen wesentlich höher als in Gebieten, in denen kaum gejagt wird.
Weiterhin tritt bei intensiver Bejagung die Geschlechtsreife deutlich früher - vor Ende des ersten Lebensjahres - ein, so dass bereits Frischlingsbachen trächtig werden. In Gebieten, in denen wenig Jäger unterwegs sind, ist die Vermehrung der Wildschweine deutlich geringer, die Geschlechtsreife bei den Bachen tritt später und erst bei einem höheren Durchschnittsgewicht ein. (Quelle: Servanty et alii, Journal of Animal Ecology, 2009)
Mit dieser Studie ist bewiesen, dass die starke Vermehrung bei Wildschweinen nicht nur vom Futterangebot abhängt, sondern auch von der intensiven Bejagung.

Wildschweinschwemme »hausgemacht«

Norbert Happ, der bekannteste deutsche Wildschweinkenner - selber Jäger - prangert an: »Die Nachwuchsschwemme ist hausgemacht«. Für die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine seien die Jäger selbst verantwortlich: »Ungeordnete Sozialverhältnisse im Schwarzwildbestand mit unkoordiniertem Frischen und Rauschen und unkontrollierbarer Kindervermehrung sind ausschließlich der Jagdausübung anzulasten«, so Happ (Jägerzeitung »Wild und Hund«, 23/2002).

Die Natur hatte eigentlich alles hervorragend geregelt: Erfahrene weibliche Wildschweine - die Leitbachen - sorgen für die Ordnung in der Rotte und für Geburtenkontrolle. Durch die Abgabe von Pheromonen (Botenstoffen zur Informationsübertragung) bestimmen sie die Empfängnisbereitschaft aller weiblichen Wildschweine der Rotte: Nur die Leitbache selbst und einige weitere erwachsene Bachen werden »rauschig«. Auf diese Weise wird verhindert, dass zu junge Tiere befruchtet werden. Die Leitbache bestimmt auch den Zeitpunkt der Rausche einmal im Jahr. Fehlen die Leitbachen, weil sie bei der Jagd getötet wurden, löst sich die Ordnung auf. Die Sozialstruktur ist zerstört und die Wildschweine vermehren sich unkontrolliert: Selbst Jährlingsbachen und Frischlinge unter einem Jahr bekommen Kinder. Während früher einmal im Jahr Rauschzeit war, werden Wildschweine heute mehrmals im Jahr rauschig und bekommen somit mehrmals im Jahr Nachwuchs.

Hinzu kommt, dass die Jäger tonnenweise Futter in den Wald karren, um Wildschweine anzufüttern und leichter schießen zu können. Der NABU-Jagdexperte Michael Hug kritisierte bereits vor über 10 Jahren, dass Wildschweine »gemästet werden wie ein Hausschwein«. (Reform der Jagd, 2002) Die Wild­forschungsstelle Aulendorf ermittelte, dass allein in Baden-Württemberg jährlich 4000 Tonnen Mais als »Kirrung« ausgebracht werden - das sind für ein erlegtes Wildschwein im Schnitt etwa 100 Kilo (!) Mais.

Kirrung zum Anlocken von Wildschweinen

Was bedeutet die Jagd für die Tiere?

Nicht nur die angebliche »Notwendigkeit der Jagd« ist längst als Jägerlatein entlarvt, sondern auch die Behauptung der Jäger, die Tiere hätten einen schnellen Tod: Die Tiere werden oft nur angeschossen, wobei »Expansionsgeschosse« aus den schwer verwundeten, flüchtenden Tieren Blut und Darminhalte als »Pirschzeichen« herausschlagen. Die Suche nach den angeschossenen Tieren dauert oft Stunden oder Tage. Die Tiere verenden unter grausamsten Qualen.

Angeschossenes Wildschwein

Tod durch Verhungern und Verdursten

Ruhezonen sinnvoll!

Der Zoologe Prof. Dr. Josef Reichholf erklärte im Bayerischen Fernsehen (»Unser Land«, 16.11.2012), dass die Wildtiere bei uns dringend Ruhezonen bräuchten. Die Wildtiere würden ihre übermäßige Scheu verlieren, so dass Naturfreunde die Tiere wieder zu Gesicht bekämen. Außerdem könnten Ruhezonen die gefürchteten Wildschäden in der Landwirtschaft vermindern: »Weniger Jagddruck, mehr Ruhezone, bedeutet für das Wild weniger Energieausgabe. Also muss es weniger Nahrung zu sich nehmen, weil es weniger herumwandern muss. Was es frisst, entnimmt es verstärkt der Ruhezone. Dadurch werden die angrenzenden Flächen eher entlastet als durch das Wild belastet.«