Freiheit für Tiere
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Wissenschaft für Kids: Wie Tiere denken und fühlen

In der Verhaltensbiologie

testet man Selbstbewusstsein mit einem Spiegel. Bisher haben Forscher bei Menschenaffen, Elefanten, Delfinen, Elstern und Ameisen nachgewiesen, dass sie sich im Spiegel erkennen. Übrigens: Menschen erkennen sich ab dem Alter von 18 bis 24 Monaten im Spiegel.

Buchvorstellung von Julia Brunke

Wusstest du, dass Menschenaffen, Elefanten, Delfine, Krähen und sogar Ameisen sich selbst im Spiegel erkennen können? Dass Delfine sich gegenseitig beim Namen rufen und noch nach Jahrzehnten an alte Freunde erinnern? Dass sich Hunde gegenseitig an der Stimme erkennen? Hättest du gedacht, dass nicht nur Säugetiere gerne spielen, sondern auch Reptilien und Fische? Wusstest du, dass Tiere wie wir Menschen einen individuellen Charakter oder bestimmte Eigenarten haben? Und dass sie logisch denken können? Wusstest du, dass Tiere wie wir Liebe, Trauer und Mitgefühl empfinden? Wenn du mehr erfahren möchtest, was die Wissenschaft in den letzten Jahren über das Verhalten von Tieren herausgefunden hat, ist das Sachbuch »Wie Tiere denken und fühlen« genau das Richtige für dich!

Der Autor und Verhaltensforscher Dr. Karsten Brensing erzählt,
warum er ein Sachbuch für Kinder geschrieben hat:

»Eines Tages hatte ich meine Mutter am Telefon und sie fragte mich, warum ich nicht mal ein Kinderbuch schreibe. Meine Mutter ist Sonderschullehrerin und daher liegen ihr Kinder und Jugendliche besonders am Herzen. Meine Antwort war: „Nein, Mutsch, die Dinge, über die ich schreibe, sind einfach zu kompliziert, ich weiß wirklich nicht, wie ich das Kindern erklären soll.“

Einige Stunden später (und das ist nicht erfunden) rief mich meine Agentur an und fragte mich, ob ich nicht mal ein Kinderbuch probieren möchte? Zwei Wochen später hatte ich ein Probekapitel über Selbstbewusstsein und das Spiegel­experiment geschrieben - und wieder zwei Wochen später rief mich eine begeisterte Redakteurin vom Loewe-Verlag an. Einige Monate später war mein Text geschrieben. Dank eines tollen Grafikers verwandelte sich meine Textwüste in viele kleine, leicht zu erfassende Abschnitte. Und dank der liebevollen Zeichnungen von Nikolai Renger wurde das Buch zu einem Augenschmaus. Ohne Zweifel ist mein erstes Kinderbuch mein schönstes Buch überhaupt.

Das Wichtigste aber ist, dass die Kinder und Jugendlichen, die dieses Buch lesen, mit einem angemesseneren Bild von Tieren aufwachsen. Darüber freue ich mich mehr als über alles andere.«

Sicher kennst du viele Geschichten, in denen Tiere fühlen, denken und sprechen. Auch wenn das nur Geschichten sind: Der Biologe und Verhaltensforscher Dr. Karsten Brensing ist überzeugt, dass Geschichten von denkenden, fühlenden und sprechenden Tieren der biologischen Wirklichkeit oft sehr nah kommen: »Auch Tiere können sich erinnern und aus ihrer Vergangenheit lernen, sie haben Freunde und Gefühle wie wir, sie können lieben und sich streiten. Doch jede Tierart ist anders und hat andere Fähigkeiten. Selbst einzelne Tiere einer Art haben individuelle Eigenschaften. Man könnte sogar von Persönlichkeit sprechen.«

Du bist sicher überzeugt, dass du mit deinem Tier

sprechen kannst und dass es dich versteht. Natürlich antwortet es nicht in Menschensprache - sondern durch Laute, Gesten, Bewegungen, Blicke. Auch beim Spielen hat es genauso viel Spaß wie du! · Bild: Shutterstock

Das weiß doch jedes Kind!

Dass einzelne Tiere einer Art individuelle - also ganz persönliche - Eigenschaften haben, weiß ja eigentlich jedes Kind, oder? Wenn du eine Katze hast, weißt du, dass sie anders ist als alle anderen Katzen. Wenn du einen Hund hast, weißt du, dass er anders ist als alle anderen Hunde. Die eine Katze ist selbstbewusst und mutig, die andere scheu und schüchtern. Der eine Hund ist kinderlieb und verschmust, der andere übermütig und verspielt. Manch Hund hat schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht und ist verängstigt oder aggressiv.

Wenn du einen Hund, eine Katze oder ein Pferd hast oder gut kennst, dann weißt du auch, dass es dich versteht. Der Hund oder die Katze spüren, wenn du traurig oder krank bist und kommen dich trösten. Die Katze legt sich auf deinen Bauch, wenn du Bauchweh hast. Natürlich spüren der Hund oder die Katze auch, wenn du glücklich bist und zum Spielen aufgelegt und ihr habt gemeinsam viel Spaß und Freude. Und wenn dein Hund zu wild mit dir war, kommt er her und entschuldigt sich bei dir.

Du bist sicher auch überzeugt, dass du mit deinem Tier sprechen kannst und dass es dich versteht. Natürlich antwortet es nicht in Menschensprache - aber es antwortet durch Laute, Gesten, Bewegungen, Blicke. Stimmt`s?

Für Erwachsene ist das nicht so selbstverständlich

»Für Erwachsene ist es selbstverständlich, dass Tiere nicht sprechen können, nicht so denken wie wir Menschen und auch nicht über sich selbst nachdenken können«, schreibt Karsten Brensing. Das liegt daran, dass die Erwachsenen es so in der Schule gelernt haben. Auch viele Lehrer wissen das nicht, weil die moderne Verhaltensforschung - so heißt diese Wissenschaft - an kaum einer Universität unterricht wird und nicht Bestandteil des Lehrplans für Biologie ist. Darum wundert euch nicht, wenn Erwachsene überrascht sind, wenn ihr ihnen erzählt, was ihr in diesem Buch über Tiere erfahren habt - oder wenn Erwachsene sogar behaupten, es würde nicht stimmen, was ihr ihnen über Tiere erzählt. Da müsst ihr viel Verständnis haben: Diese Erwachsenen meinen es nicht böse, sie wissen es einfach nicht besser!

Dr. Karsten Brensing, der das Buch »Wie Tiere denken und fühlen« geschrieben hat, ist Fachmann auf diesem Gebiet: Er ist Meeresbiologe und Verhaltensforscher. Verhaltensforscher erforschen - wie der Name schon sagt - das Verhalten von
Tieren (und Menschen). Und in den letzten Jahren haben Verhaltensforscher sehr viel Neues und Erstaunliches über Tiere herausgefunden. Karsten Brensing hat fast 1.000 wissenschaftliche Veröffentlichungen über das Verhalten von Tieren studiert: wie Tiere fühlen und denken, wie intelligent sie sind, wie erstaunlich sie miteinander kommunizieren und dass sie echte Persönlichkeiten sind - aber das wisst ihr, wenn ihr ein Haustier oder Kontakt zu Tieren habt, sowieso schon.

Über diese neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse hat Karsten Brensing drei dicke Bücher für Erwachsene geschrieben: »Die Sprache der Tiere. Wie wir einander besser verstehen«, »Das Mysterium der Tiere: Was sie denken, was sie fühlen« und »Persönlichkeitsrechte für Tiere«.

Wenn die Erwachsenen also anzweifeln, was ihr ihnen an Erkenntnissen aus dem Buch »Wie Tiere denken und fühlen« erzählt, sagt ihnen, dass sie diese Bücher lesen sollen.
Übrigens ist das, was Karsten Brensing in seinen Büchern geschrieben hat, so wichtig und absolut erstaunlich, dass er regelmäßig in Fernsehsendungen eingeladen wird, um darüber zu berichten, und in Interviews für Radiosendungen oder Zeitungen befragt wird.

Die Fuchskinder empfinden beim Spiel

sicher so viel Spaß wie Menschenkinder. Spaß ist ein super Motivator, denn beim Spielen lernen die Fuchskinder fürs Leben. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass beim Spielen bei Menschen und Tieren das gleiche Glückshormon freigesetzt wird: Dopamin. · Bild: Shutterstock

Tiere und Menschen sind sich ähnlich:

Lernen muss Spaß machen!

Im ersten Kapitel geht es um das Sozialleben. Und das beginnt mit Spaß und Spiel. Denn Spaß ist der wichtigste Motivator bei Tier und Mensch!

»Vielleicht bekomme ich gleich Ärger mit deinen Lehrern und Eltern, denn nach diesem Kapitel wirst du darauf bestehen, dass Lernen vor allem Spaß machen muss!«, schreibt Karsten Brensing. Dazu bringt er ein Beispiel aus der Tierwelt: »Besonders jungen Hunden schaut man gerne beim Spielen zu. Sie haben offenkundig extrem viel Spaß beim Toben und man möchte am liebsten mitmachen. Tatsächlich lernen viele Tiere spielerisch wichtige Verhaltensweisen, die sie später als Erwachsene brauchen.« Das ist ja bei uns Menschen genauso. »Es sind die Überraschungsmomente, die uns motivieren, es ist die Unberechenbarkeit, die Spaß macht. Diesen Spaß haben wir mit vielen anderen Tieren gemeinsam, die dieses Gefühl ganz genauso empfinden wie wir und darum auch mit großer Ausdauer spielen.«

Sicher hast du schon einmal Pferden auf der Weide oder vielleicht Kälbchen beim Spielen zugeschaut. Oder du hast in einer Tier-Dokumentation gesehen, wie drollig Fuchswelpen oder kleine Löwen miteinander spielen. Karsten Brensing berichtet, dass Forscher aus Interesse ein Hamsterrad an einem Feldrand aufgestellt haben. Und ob du es glaubst oder nicht: Freilebende Feldhamster nutzen Laufräder genauso gerne wie Hamster, die als Haustiere gehalten werden. Übrigens spielen sogar Reptilien und Fische miteinander!

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass beim Spielen bei Menschen und Tieren der gleiche Botenstoff freigesetzt wird: Dopamin. Dopamin macht uns glücklich - damit belohnt uns unser Körper für Anstrengung, die zum Erfolg führt. Dopamin wird nicht nur beim Spielen freigesetzt, sondern immer, wenn wir an etwas Freude haben: wenn wir Freude am Lernen haben, bei sportlicher Anstrengung, beim Spielen auf einem Instrument... Bei Vögeln wird übrigens Dopamin freigesetzt, wenn sie singen. Wir können also davon ausgehen, dass Tiere beim Spielen und Singen ähnlich empfinden wie wir und viel Spaß dabei haben.

Tiere haben Charakter

Für jeden, der mit Tieren zusammenlebt, ist sonnenklar: Jedes Tier hat einen anderen Charakter! Doch auch wenn es für dich völlig selbstverständlich ist, dass dein Hund einen anderen Charakter hat als der Hund der Nachbarn, haben Wissenschaftler dies bis vor wenigen Jahren als unzulässige »Vermenschlichung« abgelehnt.

Inzwischen haben Verhaltensforscher nachgewiesen, dass Tiere so wie wir Menschen einen eigenen Charakter haben, Individualität und Persönlichkeit. »Sogar relativ einfache Lebewesen wie Insekten sind unterschiedlich«, erklärt Karsten Brensing. So, wie es zum Beispiel mutige und weniger mutige Menschen gibt, gibt es auch mutigere und weniger mutige Hunde, Katzen, Pferde, Löwen oder Einsiedlerkrebse.

Übrigens: Wir Menschen sind letztlich auch Tiere. Du weißt, dass der Mensch ein Säugetier ist und gemeinsam mit anderen Säugetieren, Vögeln und Reptilien zu den Wirbeltieren zählt. Biologisch gesehen sind wir Menschen eine von vier Menschenaffenarten.

Delfine rufen sich gegenseitig beim Namen,

ehen langjährige Freundschaften ein und erinnern sich noch nach Jahrzehnten an alte Freunde. · Bild: Shutterstock

Tiere erkennen sich an der Stimme -

Delfine rufen sich sogar beim Namen

Wir Menschen kommunizieren über unsere Sprache, aber auch über unsere Körpersprache. So können zum Beispiel die Worte, die jemand sagt, im Gegensatz zu seiner Körpersprache stehen. Daran merkst du zum Beispiel, wenn jemand lügt oder dass jemand Angst hat, obwohl er das Gegenteil behauptet.

Tiere sprechen nicht so wie wir, kommunizieren aber natürlich auch mit ihren Artgenossen und auch mit uns: über ihre Stimme, über Körpersprache und über Düfte. Viele Tiere erkennen einander an der Stimme: »Ein Hund erkennt zum Beispiel den Nachbars­hund drei Häuser weiter an der Art seines Gebells«, erklärt Karsten Brensing. »Doch es gibt tatsächlich Tiere, die sich nicht nur gegenseitig an der Stimme erkennen, sondern die sogar einen eigenen Namen haben.« Delfine haben einen Identifikationspfiff, der wie ein Name verwendet wird. »Junge Delfine pfeifen zuerst den Identifikationspfiff der Mutter und verwandeln diesen im Verlauf der ersten Lebensmonate in einen eigenen charakteristischen Pfiff«, erfahren wir in dem Buch »Wie Tiere denken und fühlen«. Hättest du das gedacht?!

Manche Tiere, die in Familien und Gruppen zusammenleben, entwickeln sogar einen eigenen Dialekt. Das kannst du dir so vorstellen, wie Menschen aus Süddeutschland bayerisch oder schwäbisch reden, in anderen Teilen Deutschlands reden sie zum Beispiel sächsisch, berlinerisch oder plattdeutsch.

Meeresbiologen haben vor etwas 20 Jahren entdeckt, dass Orcas, die in großen Gruppen - Schulen genannt - zusammenleben, für ihre jeweilige Gruppe eigene Dialekte entwickelt haben. »Die Orcas an der Westküste von Kanada teilen alle ein gemeinsames Vokabular, aber ihre Aussprache ist gruppenspezifisch«, erklärt Karsten Brensing. »Man könnte fast sagen, die einen sprechen Bayerisch und die anderen Plattdeutsch. Sie wollen auf diese Art und Weise zeigen, zu welcher Gruppe sie gehören.«

Auch Fledermäuse, die sich oft mit tausenden Artgenossen eine Höhle teilen, entwickeln eigene Dialekte, um ihre soziale Gruppe zu erkennen, mit der sie zusammen leben und ihren Schlafplatz teilen. »Ein Beispiel dafür ist die Brackenhöhle bei Austin in Texas. Dort leben etwa 20 Millionen Tiere«, schreibt Karsten Brensing. Sie bilden dort natürlich kleinere Gruppen - und jede Gruppe hat ihren eigenen Dialekt, der ihre Zusammengehörigkeit ausdrückt und an dem sie sich erkennen.

Auch bei Zugvögeln, wie zum Beispiel Staren, haben Forscher entdeckt, dass einzelne Gruppen eigene Dialekte entwickelt haben. Wenn sie nach dem großen Vogelzug in ihr Sommerrevier zurückkehren, finden sie ihre Gruppe anhand ihres Dialekts wieder. Macht Sinn, oder?

Du denkst sicher: Das ist doch völlig logisch. Aber erzähl das mal einem Wissenschaftler! Für den ist so etwas eine riesige Sensation! Denn bis vor etwa 30 Jahren waren Wissenschaftler noch überzeugt, dass Tiere rein von Instinkten gesteuert sind und dass alleine Menschen eine Sprache haben.

Pferde kommunizieren untereinander

mit Körpersprache. Wenn wir »Pferdesprache« lernen wollen, müssen wir ihre Körpersprache lernen. Auf dem Bild oben folgt das Pferd der Körpersprache des Mädchens und hebt wie sie ein Bein. · Bild: Shutterstock

Gemeinsame Körpersprache: Die Geste des Zeigens

Du weißt sicher, dass wir nicht nur mit Worten miteinander sprechen, sondern auch über Körpersprache. Wenn wir zum Beispiel im Ausland sind, können wir uns über bestimmte Gesten mit anderen Menschen verständigen und werden verstanden. Eine Möglichkeit ist die Geste des Zeigens: Wir zeigen mit dem Finger auf etwas oder schauen in eine bestimmte Richtung. Verstehen Tiere diese Geste eigentlich auch? Dann könnten wir uns mit ihnen verständigen - es wäre ein Schlüssel zu einer gemeinsam geteilten Welt.

Das Pferd reagiert auf die Körpersprache

»Komm mit« (das Pferd folgt dem Pferdemenschen). Pferde reagieren dabei auch auf Richtungen, die wir mit dem Arm, der Körperdrehung oder nur unserem Blick zeigen. · Bild: Freiheit für Tiere

»Nun muss man aber unterscheiden, ob jemand nur in der Lage ist, selbst auf etwas zu weisen, oder ob er auch in der Lage ist, die entsprechende Geste zu verstehen«, erklärt Karsten Brensing in seinem Buch. »Auch muss ein Tier darauf achten, ob sein Gegenüber überhaupt zusieht. Ein Tier, das einfach nur auf etwas starrt, auch wenn keiner da ist, sieht zwar so aus, als würde es auf etwas weisen - aber wenn niemand zusieht, ist es auch keine Kommunikation. Die einfache Geste des Auf-etwas-Zeigens ist somit etwas wirklich Kompliziertes, aber auch Bedeutendes. Noch bis vor wenigen Jahren glaubte man, dass nur wir Menschen dazu fähig sind.«

Heute weiß man: Unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, können ebenfalls zeigen. Allerdings verwenden sie dazu die ganze Hand ohne einen ausgestreckten Finger. Ob andere frei lebende Tiere ebenfalls die Geste des Zeigens verstehen und anwenden, haben Wissenschaftler bislang noch nicht herausgefunden.

Von Hunden, die mit uns Menschen zusammenleben, weiß man inzwischen, dass sie die Geste des Auf-etwas-Zeigens verstehen und auch anwenden. Sicher hast du schon einmal erlebt, dass ein Hund dich mit seinen Blicken auf etwas aufmerksam macht oder um etwas zu essen bittet.

Experiment: Werde zum Verhaltensforscher

Karsten Brensing schlägt in seinem Buch ein Experiment vor, das du mit deinem Hund, deiner Katze oder deinem Pferd ausprobieren kannst:

»Willst du etwas wirklich Neues entdecken? Beobachte verschiedene Tiere, um festzustellen, ob sie durch Gesten oder Blicke auf etwas Bestimmtes aufmerksam machen wollen. Zeigt beispielsweise deine Katze auf die Dose mit Katzenfutter, wenn sie Hunger hat, oder folgt der Blick deines Pferdes deiner Hand, die in eine bestimmte Richtung weist? Prüfe verschiedene Tiere und versuche herauszubekommen, wie sie reagieren. Vielleicht entdeckst du sogar ein Tier, das ohne vorheriges Training deine Geste versteht oder anwendet. Dann musst du mir unbedingt schreiben!«

Meisen sprechen untereinander in Sätzen

und folgen einer Grammatik - nur wenn man diesen Regeln folgt, ergeben bestimmte Laute einen Sinn. · Bild Blaumeise: Marcin Perkowski · Fotolia.com

Auch Tiere haben eine Sprache mit Wörtern

und Grammatik

Kürzlich ist es Forschern tatsächlich gelungen, bei Tieren eine echte Kommunikation mit einem echten Satzbau nachzuweisen: und zwar bei Meisen und dem im Süden Afrikas lebenden Elsterdrossling. Karsten Brensing erklärt, dass Meisen, aber auch viele andere Tiere, bestimmte Laute so zusammensetzen, wie wir es bei Wörtern machen: Sie folgen einer Grammatik - nur wenn man diesen Regeln folgt, ergeben bestimmte Laute einen Sinn. »Sie haben zum Beispiel Pfiffe, die Forscher als A, B und C bezeichnen; sie bedeuten: Komm her! Es gibt aber auch einen Pfiff D, er bedeutet: Gib acht! In einem Playback-Experiment, bei dem den Vögeln bestimmte Rufe aus einem Lautsprecher vorgespielt wurden, reagierten die Tiere auf die Kombination A B C und D, aber nicht auf die Kombination D und ABC. Mit anderen Worten: Die Reihenfolge bzw. der Satzbau war entscheidend. Manchmal reicht eine so einfache Beobachtung, um zu beweisen, dass auch Tiere in Sätzen sprechen.«

Dass der Hund und das Mädchen sich viel zu sagen

haben, sieht doch wohl jeder, oder? · Bild: Shutterstock

Kommunikation mit Tieren läuft auch über Blicke

und sogar Gedanken. Mit Tieren zu sprechen hat auch etwas mit Liebe, Freundschaft und sich in den anderen Hineinfühlen zu tun. · Bild: Shutterstock

Logisches Denken: Tiere verstehen Zusammenhänge

Bis vor wenigen Jahren waren Biologen überzeugt, dass logisches Denken nur Menschen möglich ist und Tiere von ihrem Instinkt gesteuert seien oder durch »Konditionierung«: »Dabei handelt es sich um einen sehr einfachen Lernprozess, bei dem eine bestimmte Reaktion durch einen bestimmten Reiz ausgelöst wird«, erklärt Karsten Brensing. »Wenn ihr beispielsweise einen Hund mit Leckerlis trainiert, dann ist das eine Konditionierung. Das ist in der freien Natur eine ganz praktische Sache, denn wenn einmal etwas funktioniert hat, verstärkt sich das Verhalten automatisch durch den Erfolg bzw. die Belohnung. Man spricht auch von positiver Verstärkung. Wenn ein Tier auf diese Weise gelernt hat, dass das Rascheln in einem Karton etwas mit Essen zu tun hat, dann wird das Tier auf diesen Karton reagieren.« Dies ist aber kein logisches Denken.

In den letzten Jahren haben Verhaltensforscher bei den verschiedensten Tieren die Fähigkeit zu logischem Denken nachgewiesen. Logisches Denken ist eine ziemlich komplizierte Angelegenheit, erklärt Karsten Brensing: »Grundsätzlich beschreibt Logik eine Wenn-dann-Beziehung: Also wenn etwas so ist, dann muss etwas anderes zwangsläufig so sein.«

Experiment:

Die Fähigkeit zu logischem Denken kannst du bei deinem Hund, deiner Katze oder auch einem jüngeren Geschwister (einem Kleinkind) in einem Experiment testen:

»Zeige deinem Probanden (also deiner Versuchsperson) zwei kleine Kisten und fülle in eine der beiden Kisten etwas Leckeres. Mach das ein paar Mal nacheinander, sodass dein Gegenüber versteht, dass immer eine der beiden Kisten gefüllt ist. Nun befüllst du, ohne dass du dabei beobachtet wirst, eine der beiden Kisten. Jetzt kannst du Folgendes probieren: Mal schüttelst du die volle und mal die leere Kiste. Wenn dein Proband die volle Kiste wählt, obwohl zuletzt die leere Kiste geschüttelt wurde, dann weißt du, dass dein Gegenüber logisch und nach dem Ausschlussprinzip denken kann.«

Freundschaft und Kommunikation

gibt es auch zwischen verschiedenen Tierarten. · Bild: Shutterstock

Mitgefühl bei Tieren

»Ist dir schon mal aufgefallen, dass sich kleine Kinder ganz komisch verhalten, wenn sich jemand anderes verletzt?«, fragt Karsten Brensing. »Sie wenden sich ab und beginnen zu lachen. Sie erkennen, dass die Situation nicht normal ist, aber können noch nicht damit umgehen, indem sie etwa helfen oder trösten. Dies geschieht erst später, denn das Gehirn von Kleinkindern ist nicht soweit.« Warum ist das so? Mitgefühl ist weniger ein Gefühl, sondern eine besondere Form des Denkens, erklärt Karsten Brensing: »Beim Mitgefühl versetzen wir uns in jemanden hinein und können uns vorstellen, was er denkt und wie er empfindet«. Also eine ziemlich hohe Leistung unseres Gehirns!

Wissenschaftler wissen inzwischen, dass auch Tiere zu Mitgefühl fähig sind. Sicher hast du schon mal Berichte gehört, dass Delfine Menschen gerettet haben - sie waren also in der Lage zu erkennen, dass der Mensch in Gefahr ist (weil er zum Beispiel ertrinkt oder von einem Hai bedroht wird) und welche Hilfe er braucht. Karsten Brensing berichtet von einer Begebenheit, bei der ein Delfin Walen geholfen hat, aus einer trocken werdenden Gezeitenzone freizukommen oder dass eine Walart der anderen hilft bei der Verteidigung gegen Orcas. Auch Raben können sich in andere hineinversetzen: »Die Tiere klauen gerne mal bei anderen und jeder Vogel, der seine Nahrung versteckt, passt genau auf, dass er nicht beobachtet wird. Fühlt er sich dennoch beobachtet, dann buddelt er seine Nahrung wieder aus und verschwindet.« Ein Rabe kann sich also in einen anderen Raben hineinversetzen.

Es gibt so viel Wissenswertes und Spannendes

über Tiere zu entdecken!

In dem Buch »Wie Tiere denken und fühlen« erfährst du nicht nur Wissenswertes über das Sozialleben, die Persönlichkeit, die Sprache und das Denken von Tieren, sondern auch über ihre Gefühle wie Liebe und Trauer, ihren Sinn für Gerechtigkeit und Moral sowie ihre kulturellen Leistungen. Du hast sicher schon gehört, dass Tiere Werkzeuge gebrauchen - früher dachte man, dass der Werkzeuggebrauch uns Menschen von Tieren unterscheidet. Aber hast du gewusst, dass verschiedene Gruppen von Orcas unterschiedliche Esskulturen entwickelt haben? Oder dass viele Tiere Wert auf ein cooles Aussehen legen? Dass es Architekten, Designer, Musiker und Tänzer im Tierreich gibt?

Diese spannenden Forschungsergebnisse und noch viel Interessantes mehr erfährst du in dem Buch von Karsten Brensing - mit vielen Info-Kästen und Experimenten zum Ausprobieren. Illustriert ist das großformatige Buch mit vielen schönen Tierbildern und lustigen Zeichnungen. Klarer Lesetipp für alle Tierfreunde von 9 bis 99 Jahre!

Der Autor

Dr. Karsten Brensing sorgte bereits 2017 für Aufsehen mit seinem Sachbuch »Das Mysterium der Tiere«, das wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste stand. Jetzt hat der stolze Vater von sechsjährigen Zwillingsjungen sein erstes Sachbuch für Kinder geschrieben.

Als Meeresbiologe und Verhaltensforscher erforschte Dr. Karsten Brensing die Delfintherapie in Florida und Israel und musste aus seinen eigenen Daten erfahren, dass Delfine gar nicht gerne mit uns Menschen kuscheln und auch nicht gerne in Schwimmbecken leben. So wurde er vom Delfinforscher zum Delfinschützer: als wissenschaftlicher Leiter des Deutschlandbüros der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDC. Seit 2015 arbeitet Dr. Karsten Brensing selbstständig und hat mehr Zeit zum Schreiben.

Internetseite & Kontakt:
Dr. Karsten Brensing, Meeresbiologe & Verhaltensforscher
e-mail: info@karsten-brensing.de
karsten-brensing.de
www.iri.world

Bücher von Karsten Brensing:
· Die Sprache der Tiere. Wie wir einander besser verstehen. Aufbau Verlag, 2018
· Das Mysterium der Tiere: Was sie denken, was sie fühlen. Aufbau-Verlag, 2017
· Persönlichkeitsrechte für Tiere - Die nächste Stufe der moralischen Evolution. Herder Taschenbuch, 2015
· Brehms Tierleben: Die Gefühle der Tiere. Brehms Original-Texte über heimische Wildtiere mit Einführungskapitel von Dr. Karsten Brensing. Duden-Verlag, 2018

Das Buch: Wissenswertes aus der Welt der Tiere

Wusstest du, dass Ameisen sich selbst im Spiegel erkennen und Delfine sich gegenseitig beim Namen rufen? Dass Ratten gerne gemeinsam lachen und Orcas noch mit 30 Jahren ihre Mutter brauchen? Diese und viele weitere interessante Fakten stellt Verhaltensforscher und Bestsellerautor Karsten Brensing in seinem neuen Sachbuch »Wie Tiere denken und fühlen« vor - für alle Tierfreunde ab 9 Jahren.

Von Bienen über Erdmännchen bis hin zu Elefanten zeigt Karsten Brensing anhand vieler Beispiele, dass Tiere ganz ähnlich denken und fühlen wie wir Menschen. Auch Haustiere wie Katzen und Hunde lernt der Leser ganz neu kennen. Mit vielen Infokästen und Bildern vermittelt der Verhaltensforscher und Meeresbiologe dabei neueste wissenschaftliche Erkenntnisse.

Karsten Brensing: Wie Tiere denken und fühlen
Sachbuch · durchgehend farbig illustriert von Nikolai Renger
Hardcover, Großformat 22.0 x 28.5 cm, 176 Seiten
Loewe-Verlag 2019 · ISBN 978-3-7432-0304-4
Preis: 16,95 Euro
ab 9 Jahren